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Rupprecht Mayer
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Rupprecht Mayer, geb. 1946 bei Schellenberg (liegt zwischen
Salzburg und Berchtesgaden). Studium der Sinologie in München und Taiwan, Tätigkeiten
als Übersetzer; Sinologe und Fachbuchhändler. Verbrachte 15 Jahre in China, lebt seit
2003 in Burghausen. Übertragung alter und moderner chinesischer Literatur.
Publikationen:
Veröffentlichung eigener Texte in Zeitschriften (Lichtungen,
Entwürfe, Am Erker, Krautgarten, Lose Blätter, außer.dem u.a.) und in Webmagazinen. Im
Frühjahr 2004 erscheint eine Sammlung seiner Kurzprosa unter dem Titel "Aus der
Welt des Dreisprungs" in der Edition Thaleia (ISBN 3-924944-65-2).
Kontaktadresse:
Rupprecht Mayer Stadtplatz 59 D-84489 Burghausen E-mail:
redakt.auora@utanet.at
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Bisherige Veröffentlichungen im Aurora-Magazin:
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"Tauchen im Seehamer See"
(23.11.2004)
Ich gehe angekleidet ins Wasser, nicht in der
Badehose wie die anderen, denn es ist kühl hier für einen in meinem Alter. Dicht unterm
Wasserspiegel halte ich die Luft an und schaue hinauf zum verzerrten, tanzenden Vollmond.
Wegen seiner großartigen Menschen bin ich in dieses Dorf gezogen: Seeham am See. Wegen
der Männer mit ihren barocken, interessanten Gesichtern, wegen der semmelblonden Kinder
und wegen der hellhäutigen Mütter, die ihre Kammer nicht abschließen, wenn der Mann
nicht mehr heimkommt...
"Unterwegs in die Stadt" (15. 03. 2004)
Ich bin unterwegs in die Stadt und werde dort
dreißig Personen kennenlernen. Im Lauf der Zeit natürlich noch mehr, auf eine jener
flüchtigen Arten, derer es viele gibt, aber mit den Dreißig werde ich im selben Haus
zusammenarbeiten. Ich werde also täglich mit ihnen sprechen, wozu ich mir ihre
Familiennamen merken muß, später noch den ein oder anderen Vornamen...
"Gemeinsame Wanderung" (17. 02. 2004)
Ich werfe meine Finger nach vorn, daß sie fast
schnalzen. Waagerecht halte ich meine Arme, vorne ist das Gefühl blau. Der Raum, der mir
noch bleibt, wird kühler, und doch ist er willkommen. Wo gehen wir hin? Schön, daß ihr
so zahlreich um mich seid. Doch wenn einmal der Augenblick kommt, dann werdet ihr
zurückweichen...
"Ein Brief aus Ado-Suwa" (06. 06. 2003)
"Das", sagte Blauer Seestern und
strich sanft über die Innenseite meiner Arme zwischen Ellenbeuge und Achselhöhle,
"nennen wir wailu-taga". Dann erfuhr ich, daß der kleine Knorpel
oberhalb des Ohrläppchens als kiniti und die halbmondförmige weiße Stelle an der
Daumennagelwurzel als harun-zilli bezeichnet wird...
"Die Rückkehr des Amerikaners" (07. 10. 2002)
Als es um halb eins klingelte, waren seine Frau
und die Kinder schon im Bett. Erich machte den Fernseher aus und öffnete. Es war ein sehr
alter Mann, der draußen stand, nur Haut und Knochen unter einem verschlissenen Mantel,
und er roch nicht gut. Erich schaltete die Gartenlaterne an und erkannte, daß das nur
"der Amerikaner" sein konnte, der schon vor 150 Jahren ausgewandert war...
"Endstation Golgatha" (08. 07. 2002)
Das Taxi setzte M. in der brütenden
Mittagshitze an der Trambahnstation Straße des Kreuzwegs ab. Die schon ländlich wirkende
Straße führte auf einen Hügel außerhalb dieser Stadt, die außer einigen Kirchen mit
bröckeligen Barockfassaden und tropischen Bäumen mit Luftwurzeln keine Attraktionen
aufwies, wenn man von ihren schönen Frauen absah. Touristen blieben deshalb höchstens
zwei Tage...
"Im Wald der Gummibäume"
(29. 04. 2002)
Er war seit drei Jahren wieder auf der Suche
nach einem Menschen, zu dem er nett sein konnte. Er würde sich am Beckenrand hinter ihn
stellen, ihn fest umarmen und sich während des Falls so drehen, daß er selbst zuerst mit
dem Rücken das Wasser berühren, der umarmten Person also den Schmerz des Aufpralls
ersparen würde...
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Weitere Informationen zum Autor:
http://www.textgalerie.de/literatur/rm4.htm
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