Wenn es klar wird, dass nichts
hilft, dass Hisbollah weiter kämpft und Raketen
weiterhin nach Israel fliegen, wird die politische und militärische Führung
Israels dem
Bankrott gegenüberstehen. Sie werden dann jemandem die
Schuld geben müssen.
Aber wem? Nun, natürlich Assad. Dann werden die Generäle
verlangen, dass die Straßen
und Brücken in Syrien bombardiert werden. Dafür muss aber
die syrische Luftwaffe
neutralisiert werden, kurz gesagt: ein wirklicher Krieg, der Auswirkungen
auf den ganzen Nahen Osten haben würde.
Uri Avnery Homepage |
Es ist die alte Geschichte vom
Glücksspieler, der verliert: er hört mit dem Spielen nicht auf. Er macht
weiter, um das zu gewinnen, was er verloren hat. Er verliert weiter und
spielt weiter, bis er alles verloren hat: seinen Hof, seine Frau und sein
Hemd. |
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Der Krieg hat seine eigenen Regeln. Es passieren unerwartete Dinge, die die nächsten Schritte diktieren. Und die nächsten Schritte gehen immer in eine Richtung: Eskalation.
Alle verlangen, vorwärts zu stürmen. Doch wohin? Nach Beirut in den Norden? Oder nach Damaskus in den Osten?
Die Minister machen sich etwas vor, wenn sie glauben, dass sie den Krieg kontrollieren. Der Krieg kontrolliert sie. |
Wie schon gesagt wurde, ist
es viel leichter, einen Krieg zu beginnen, als ihn zu beenden. Das Kabinett
ist davon überzeugt, dass es den Krieg kontrolliert – in Wirklichkeit
kontrolliert der Krieg sie. Sie haben einen Tiger bestiegen, und nun sind
sie unsicher, ob sie wieder herunter kommen können, ohne dass er sie in
Stücke reißt.
Zuerst wollten sie die
Hisbollah-Stellungen entlang der Grenze vernichten. Als man sah, dass dies
nicht genügt, entschied man sich, die Hügel, die die Grenze beherrschen, zu
erobern. Dort warteten die Hisbollahkämpfer und brachten ihnen große
Verluste bei. Und die Raketen flogen weiter über die Grenze. Alle verlangen, vorwärts
zu stürmen. Doch wohin? Nach Beirut in den Norden? Oder nach Damaskus in den
Osten? |
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Die Armeekommandeure bestehen darauf, dass die ganze Zeit neue Raketen von Syrien zur Hisbollah fließen. Die Straßen sind zwar ruiniert, die Brücken zerstört – doch die Waffen kommen weiter an.
Die militärischen Pläne waren fertig und eingeübt. Der Sieg war sicher. Um so mehr, als die andere Seite kein richtiger Feind war, sondern nur eine "Terrororganisation". |
Wie ist es nur möglich, dass eine kleine "Terrororganisation", mit zusammen nur ein paar tausend Kämpfern, weiterkämpfen kann? Woher erhalten sie die Waffen? Der Finger zeigt nach Syrien. Die Armeekommandeure bestehen darauf, dass die ganze Zeit neue Raketen von Syrien zur Hisbollah fließen. Die Straßen sind zwar ruiniert, die Brücken zerstört – doch die Waffen kommen weiter an. Die israelische Regierung fordert, dass eine internationale Truppe nicht nur entlang der israelisch-libanesischen Grenze entlang stationiert wird, sondern auch an der libanesisch-syrischen. Da wird es sicher keine lange Schlange von wartenden Freiwilligen geben. Dann werden die Generäle verlangen, dass die Straßen und Brücken in Syrien bombardiert werden. Dafür muss aber die syrische Luftwaffe neutralisiert werden, kurz gesagt: ein wirklicher Krieg, der Auswirkungen auf den ganzen Nahen Osten haben würde. Ehud
Olmert und Amir Peretz dachten
nicht darüber nach, als sie vor 17 Tagen in Eile und leichtfertig ohne
ernsthafte Debatte, ohne Prüfung anderer Optionen, ohne die Risiken zu
kalkulieren, entschieden, die Hisbollah anzugreifen. Für Politiker, die
keine Ahnung haben, was Krieg ist, war es eine unwiderstehliche Versuchung:
es war eine klare Provokation durch die Hisbollah, und internationale
Unterstützung war sicher. Was für eine wunderbare Gelegenheit! Sie taten,
was nicht einmal Sharon zu tun gewagt hätte. Sie hatten keine Zeit, ernsthaft über das Kriegsziel nachzudenken. Nun ähneln sie Bogenschützen, die ihre Pfeile auf eine leere Tafel schießen und danach die Ringe um den Pfeil ziehen. Das Kriegsziel ändert sich täglich: die Hisbollah zerstören, sie entwaffnen, sie aus dem Südlibanon vertreiben und vielleicht sie nur schwächen. Hassan Nasrallah töten. Die gefangenen Soldaten nach Hause bringen. Die Souveränität der libanesischen Regierung über den ganzen Libanon ausdehnen. Noch einmal eine neu-alte Sicherheitszone errichten, die von Israel besetzt ist. Die libanesische Armee und/oder eine internationale Truppe entlang der Grenze aufstellen. Die Abschreckung wiederherstellen. Ins Bewusstsein der Hisbollah einätzen. (Unsere Generäle lieben den Ausdruck: "ins Bewusstsein einätzen". Das ist ein wunderbares, sicheres Ziel, weil es nicht gemessen werden kann.) |
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Die Hisbollah, kann von der israelischen Armee nicht vernichtet werden.
Der Begriff "Guerilla" ("kleiner Krieg") wurde in Spanien während der Besatzung des Landes durch Napoleon geprägt. Irreguläre Banden spanischer Kämpfer griffen die Besatzer an und schlugen sie.
Als Präsident Lyndon Johnson spürte, dass er im Morast von Vietnam versinken würde, fragte er seine Freunde um Rat. Einer von ihnen antwortete mit sechs Worten: "Erkläre den Sieg und hau ab!"
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Je länger
der niedliche, kleine Krieg dauert, um so klarer wird es, dass diese sich
ändernden Ziele nicht realisierbar sind. Die herrschende Gruppe des Libanons
vertritt nur eine kleine reiche und korrupte Elite. Die libanesische Armee
kann und will die Hisbollah nicht bekämpfen. Die neue "Sicherheitszone"
wird den Guerillaangriffen ausgesetzt sein, und die internationale Truppe
wird nicht ohne Abkommen mit der Hisbollah in dieses Gebiet hineinkommen.
Und diese Guerillatruppe, die Hisbollah, kann von der israelischen Armee
nicht vernichtet werden. Als Napoleon nicht wusste,
was er als nächstes tun könnte, fiel er in Russland ein. Wenn wir die
Operation nicht abbrechen, wird sie uns in einen Krieg mit Syrien führen.
Übrigens:
Einen Tag vor Kriegsausbruch nahm unser Minister für Infrastrukturen
Binjamin Ben-Eliezer an einer Einweihungsfeier der großen Pipeline teil, die
Öl aus den großen Ölfeldern am Kaspischen Meer zum türkischen Hafen Ceyhan,
nahe der syrischen Grenze, bringt. Die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline meidet
Russland und läuft durch Aserbeidjan und Georgien, zwei Länder, die, wie die
Türkei eng mit Israel verbunden sind. Es gibt einen Plan, einen Teil des Öls
von dort entlang der syrischen und libanesischen Küste nach Aschkelon zu
bringen, wo eine dort bestehende Pipeline das Öl nach Eilat bringt, um in
den Fernen Osten verschifft zu werden. Israel und die Türkei sollen dieses
Gebiet für die USA sichern. |
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Bald werden wir vor einer klaren Entscheidung stehen: Entweder wir schlittern in einen Krieg mit Syrien oder wir erreichen ein Abkommen im Norden, das die Hisbollah und Syrien mit einschließt. |
Olmert kann dann sagen, er habe einen großen Sieg errungen, behaupten, wir hätten bekommen, was wir wollten, hätten den Arabern eine Lektion erteilt und wir hätten nicht die Absicht gehabt, mehr zu erlangen. Nasrallah wird erklären, er habe einen großen Sieg errungen und habe dem zionistischen Feind eine Lektion erteilt, die er nicht vergessen werde, und Hisbollah stark und bewaffnet am Leben bleiben, und er habe die libanesischen Gefangenen zurückgebracht. Das wird zwar nicht viel
sein. Aber das ist es, was getan werden kann, um die Verluste zu begrenzen,
wie man in der Geschäftswelt sagt. |
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