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Die Globalisierung
Eine neue Art der Kultur oder eine Barbarei?
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Das globale Wirtschaften des Stärkeren bringt bei uns Langzeitarbeitslosigkeit
und Verarmung hervor und führt in den Entwicklungsländern zusätzlich zur Zerstörung
der lokalen Märkte, aber auch der traditionellen kulturellen und religiösen Werte durch
die Werbung für exzessiven Konsum und Luxus (als Lebenssinn), von denen die
allermeisten Menschen dort jedoch nur die Nachteile erfahren. Dadurch wird dieses
Wirtschaften zum idealen Nährboden für Kriminalität, Gewalt und Terror.

Von Bernd Ehlert



Dipl.-Ing. Bernd Ehlert
(B.Ehlert@web.de),

46 Jahre alt, hat nach einem abgeschlossenen Studium Vermessungswesen noch einige Semester Religionswissenschaft und Philosophie studiert.

Bisherige
Veröffentlichungen:

Marburger Forum (http://www.marburger-forum.de/) unter der Rubrik "Diskussionen": "Das einfache Nichts - Der Gottesbegriff bei Meister Eckhart und die aktuelle Gehirnforschung."

Texte im AM:

"Ein Plädoyer für die Willensfreiheit"

"Kants 'Dinge an sich' und das Nicht Meister Eckeharts"

     Die heutige globalisierte Wirtschaft kennt im Grunde lediglich eine Regel: Nur wer am kostengünstigsten anbietet und die höchste Rendite erzielt, überlebt. Bezeichnend dafür ist etwa die Aussage des SAP-Chefs Kagermann, der in einem SPIEGEL-Interview (48/2003) sagte, dass für seine Firma auch Renditen von 28 % nicht mehr ausreichen, weil die globale Konkurrenz 36 % bzw. 41 % erzielt und er so befürchten muss, vom Markt verdrängt oder von der Konkurrenz geschluckt zu werden. Das heutige globale Wirtschaften ist so nichts anderes als ein "Wirtschaften des Stärkeren", das einen (Verdrängungs)Wettlauf zur Folge hat. Es hat darin auch viel mit dem "Recht des Stärkeren" zu tun, das heute ebenfalls noch in den globalen und zwischenstaatlichen Beziehungen vorherrscht.

Um zu beurteilen, ob mit der heutigen Globalisierung alles seine Richtigkeit hat, bietet es sich an, eine andere Perspektive zu beziehen, nämlich statt einer kurzfristigen, national-egoistischen eine, die langfristig das globale Gesamtsystem im Blick hat. Doch darin wird deutlich, wie barbarisch und letztlich selbstzerstörerisch die gegenwärtige Globalisierung ist.

     In einer langfristigeren Perspektive ist zunächst zu erkennen, dass es national mit der Zeit gelungen ist, das Recht des Stärkeren durch ein Rechtssystem abzulösen, das ein kultiviertes menschliches Miteinander zur Folge hat. In ähnlicher Weise ist das nationale wirtschaftliche Miteinander der Menschen in den letzten ca. 150 - 200 Jahre kultiviert worden, d.h. Sklaverei, Leibeigenschaft und Kinderarbeit wurden abgeschafft und das Verhältnis zwischen den mächtigeren und den ärmeren Menschen entsprach bei uns zuletzt einer weitgehenden sozialen Gerechtigkeit, die durch (tarifliche) Regeln und Gesetze sichergestellt wurde. Diese Kultivierung ist nun auch in den globalen Beziehungen vonnöten, um global ein friedliches und gerechtes Miteinander zu verwirklichen, das Kriminalität, Terror und Kriegen den Nährboden entzieht.

 

Abbau sozialer Errungenschaften

In der gegenwärtigen Globalisierung findet nun aber genau das Gegenteil einer vernünftigen Entwicklung statt. Die Konzerne nutzen rücksichtslos nur die niedrigeren sozialen Standards und Löhne in den ärmeren Ländern, um damit als ein Instrument des Verdrängungswettbewerbs die sozialen Errungenschaften auch in den entwickelten Ländern radikal abzubauen, statt sie in den ärmeren Ländern langsam aufzubauen. Es setzt sich nur der durch, der das am radikalsten praktiziert und am wenigsten auf soziale Gerechtigkeit, Umwelt- und Arbeitsschutz Rücksicht nimmt, ohne dass dabei ein Ziel oder Ende dieses Abbaus abzusehen ist.

 

 

Durch Rationalisierung verursachte Arbeitslosigkeit soll durch weitere Rationalisierungen beseitigt werden - ein Teufelskreis!

     Die gegenwärtige Politik heizt diese barbarische Entwicklung noch an. Statt eine Kultivierung und Gestaltung des globalen menschlichen Miteinanders anzustreben, herrschen nur national-egoistische Parolen vor, wie: "Wir müssen wieder zu den Stärksten und Besten gehören". An diesen simplen Parolen enden das Denken und der Gestaltungswille. Die Aussage, dass nur durch eine Verschärfung des Wettbewerbs die durch Wettbewerb und Rationalisierung verursachte Arbeitslosigkeit beseitigt werden kann, ist dabei eine wohl bewusste Irreführung, denn die wenigen durch diese Verschärfung tatsächlich entstehenden Arbeitsplätze werden bald wieder durch die dann wiederum verschärften Anstrengungen der Konkurrenz, sprich weitere Rationalisierung und Sozialabbau, aufgefressen. Es ist ein typischer Teufelskreis.

 

Aufteilung der Gesellschaft und der Welt in superreich und bitterarm

Das Vernichten von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Existenzen und Lebensperspektiven und die Aufteilung der Gesellschaft und der Welt in superreich und bitterarm ist die logische und wesensmäßige Folge dieses "Umgangs des Stärkeren" (wobei diese Folgen nach dem Wirtschaftswissenschaftler F.A.v.Hayek sogar gezielt herbeigeführt werden müssen, weil angeblich nur dadurch der weitere Fortschritt gewährleistet ist). Es gibt so nur die Regel, sich durchzusetzen und seine Macht und den Profit zu maximieren, darüber hinaus jedoch kein konkretes oder vernünftiges Ziel und keinen Sinn. In diesem Selbstzweck und mit diesem Fortschrittsverständnis ist es eine kulturelle Rückentwicklung, eine Barbarei und eine Bankrotterklärung von Geist, Kultur und Politik.

 

 

 

Das globale Wirschaften des Stärkeren erzeugt bei uns Langzeitarbeitslosigkeit und führt in den Entwicklungsländern zur Zerstörung der lokalen Märkte und der traditionellen Kultur und Religion

     Eine Kultivierung des globalen sozialen Miteinanders ist aus langfristiger und globaler Sicht nicht nur eine Frage der Ästhetik oder des Gerechtigkeitsempfindens, sondern eine des Überlebens. Das Ökosystem der Erde wird ein globales Wirtschaften des Stärkeren bei immer mehr teilnehmenden industrialisierten Ländern wie jetzt China und Indien mit ihren Milliardenbevölkerungen auf Dauer kaum vertragen, zudem neben den Sozialstandards auch der Umweltschutz nur als Wettbewerbsnachteil angesehen wird. Dieses Verhalten bringt bei uns Langzeitarbeitslosigkeit und Verarmung hervor und in den Entwicklungsländern zusätzlich die Zerstörung der lokalen Märkte, aber auch der traditionellen kulturellen und religiösen Werte durch die Werbung für exzessiven Konsum und Luxus (als Lebenssinn), von denen die allermeisten Menschen dort jedoch nur die Nachteile erfahren. Dadurch ist dieses globale Wirtschaften des Stärkeren ein idealer Nährboden für Kriminalität, Gewalt und Terror (und für diesen Terror eignen sich dann die modernen atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen hervorragend). Was nutzt es, wenn die von dem Wirtschaftswettlauf Profitierenden ihre sowieso schon nicht mehr vorstellbaren Gewinne noch einmal vervielfacht haben, aber dafür in einer von der Industrie vergifteten Umwelt leben und durch Krebs, Kriminalität und einen globalen Terror ständig bedroht werden?

 

Nicht Maximierung von Macht und Geld sollte in Zukunft das Ideal eines erfüllten Lebens sein, sondern mehr geistige und ideelle Werte

Genauso wie das archaische Recht des Stärkeren national durch ein neues Rechtsverständnis ersetzt und so kultiviert wurde, ist heute in globaler Hinsicht das wirtschaftliche und soziale Miteinander so zu gestalten und zu regeln (und nicht zu deregulieren), dass allen ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht wird. Das ist ein konkretes, vernünftiges und kulturelles Ziel. Erforderlich wird dazu jedoch ein anderes Selbstverständnis des Menschen sein, in dem nicht mehr die ungezügelte Maximierung von Macht und Geld der Maßstab und das Ideal eines erfüllten Lebens ist, sondern mehr geistige und ideelle Werte. Das sind aus langfristiger und vernünftiger Sicht die eigentlichen Reformen, die zu einer dem Menschen als geistiges und kulturelles Wesen entsprechenden Weiterentwicklung nötig sind.

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