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Mein Verhältnis zur Freiheit

In Essen heißt ein Platz vor dem Bahnhof "Auf der Freiheit". Jahrelang überlegte
ich mir, was das Ganze nun eigentlich mit der Freiheit zu tun habe, bis ein Bekannter
mich vor Kurzem aufklärte: Dieser Platz war früher einmal stark bebaut. Man riss
dann kurzerhand die Gebäude ab, bis er frei war. So kommen manchmal
Plätze und Straßen zu ihren Namen!

Von Karl Farr



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karlfarr@hotmail.de

 

 

 

 

"Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein", singt Reinhard May – mir ist die Fahrt mit einem Ballon lieber als in einem überfüllten Flieger zu sitzen.

    Freiheit bedeutet, das denken und sagen zu können, was man will. Leben, wo man will und reisen, wohin man will. Aber Freiheit ist auch die Freiheit des anders Denkenden. Es sei denn, es handelt sich um rechtes oder rassistisches Gedankengut oder gar um sexuelle Perversitäten mit Kindern und Tieren. Das Wort "Freiheit" wurde u.a. ja auch von den Nazis missbraucht (Arbeit macht frei, usw.).

Freiheit bedeutet für manch einen auch, über die Sorte Wodka oder Zigaretten oder über eine Automarke zu bestimmen, vorausgesetzt, man verfügt über das nötige Kleingeld. Die Konsumindustrie setzt hier geschickt an ("der Geschmack grenzenloser Freiheit" ... "die Freiheit nehm´ ich mir"). Bezahlen muss man auch, wenn man auf Urlaub nach Afrika oder sonstwohin fährt, um die grenzenlose Freiheit in der Natur, den weiten Himmel und die Tiere in freier Wildbahn zu genießen. "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein", singt Reinhard May – mir ist die Fahrt mit einem Ballon lieber als in einem überfüllten Flieger zu sitzen. Drachenfliegen und Fallschirmspringen, das ist es. Aber dazu fehlt mir wohl der Mumm!

Beschränken wir uns auf die Freiheit auf der Erde. Einen Porsche haben und ihn ausfahren, das ist Freiheit (für manchen). Wenn da nicht die Geschwindigkeitsbeschränkungen, Baustellen und kriechenden Kleinwagen auf der linken Spur wären! Oder monatelanges Segeln über den Ozean. Unsereins ist schon froh, wenn er auf dem Baldeneysee oder der Nordsee auf einem Segelboot mitfahren kann. Hier fehlt es wohl auch am Mut und dem nötigen Kleingeld!

 

 

 

 

Was wären wir ohne Günter Grass oder Joseph Beuys oder ohne die Künstler in der Malerei, deren Namen mir im Moment nicht einfallen.

    Aber auch die Freiheit in der Politik ist wichtig! Die Bundeswehr war jahrelang der Garant unserer Freiheit, natürlich zusammen mit unseren Verbündeten! Seitdem der "Eiserne Vorhang" gefallen ist, hat sie einen anderen Auftrag, so auch Auslandseinsätze! Kritisch wird es nur dann, wenn sie für Auslandseinsätze eingesetzt werden soll, die fragwürdig sind (hier z.B. Irak). Da muss der deutsche Politiker die Freiheit haben, nein zu sagen – wie geschehen! Fragwürdig ist auch, wenn ein CDU-Politiker Fussfesseln für Arbeitslose fordert. Solche Politiker gehören nicht in die Parlamente, sondern in die Wüste geschickt! Wieder ein Beispiel dafür, wie die Freiheit und ihr Wesen missbraucht werden kann!

Dann die Freiheit in der Kunst! Was wären wir ohne Günter Grass oder Joseph Beuys oder ohne die Künstler in der Malerei, deren Namen mir im Moment nicht einfallen. Die Kunst gibt viele Anstöße, das Denken und Handeln zu beeinflussen und manchmal auch zum Positiven hin zu verändern.

"Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei und wird er in Ketten geboren;" sagte Friedrich Schiller in seinem Gedicht "Die Worte des Glaubens". Wenn das für jemanden zutrifft, dann für Nelson Mandela, ein Mann, der jahrelang im Kerker leben musste und für die Freiheit kämpfte. Schließlich erreichte er sie für sich und sein Land. Oder denken wir an Martin Luther King, der für die Rechte und die Freiheit seiner schwarzen Brüder und Schwestern kämpfte und ermordet wurde. Die Freiheit ist nicht selbstverständlich, oft muss man um sie streiten.

 

 

 

 

 

Freiheit haben eigentlich nur die, die es sich leisten können. Und die soziale Schere klafft immer weiter auseinander.

    Schon die alten Griechen und ihre Philosophen (Platon, Sokrates und Aristoteles) vertraten den Gedanken der Freiheit. Später kamen Kepler und Galileo hinzu. Wieder später dann Decartes, Russel und Kant, um nur einige zu nennen. Und Schiller, Goethe und Heinrich Heine (letzterer wohl im nationalen Sinne) als Literaten. Gut finde ich Epikur, der da sinngemäß sagte: Glück und Freiheit durch Genügsamkeit.

Unsere Staatsform nennt sich freiheitlich-demokratisch, obwohl dieses immer fragwürdiger wird. Freiheit haben eigentlich nur die, die es sich leisten können. Und die soziale Schere klafft immer weiter auseinander. Hier kürzt man den Arbeitslosen das Geld, dort macht man den Unternehmern Steuergeschenke. Den Arbeitslosen beschneidet man die Freiheit, indem man ihnen Meldepflichten auferlegt. Ein Unternehmer kann freilich über seine Zeit verfügen, wie er will, abgesehen von Geschäftsterminen und -essen. Das ganze nennt sich marktwirtschaftliche – Soziale Demokratie. Aber nur für die, die über Kapital, Produktionsmittel und Eigentum verfügen. Eine Katze, die sich in den Schwanz beißt!

Da haben es die Schweizer besser, bei ihnen kann wenigstens das Volk mitbestimmen. Zeit, so etwas auch in Deutschland einzuführen, um die Mächtigen, die schließlich vom Volk leben, besser zu kontrollieren!

Eine unserer Parteien nennt sich sogar freiheitlich-demokratisch, ausgerechnet die, die jahrelang das Zünglein an der Waage spielte, wenn es darum ging, die SPD oder die CDU an die Macht zu katapultieren! Was das mit Freiheit zu tun hat, frage ich mich?

Dann bleibt die Freiheit des Einzelnen, die dann beschnitten werden kann, wenn es um die Interessen mehrerer geht, oder wie schon angeschnitten, um die Interessen derer, die Macht und Geld haben! Auslegen kann man eine Sache so oder so. Unserem Land täten, wie schon gesagt, Volksabstimmungen gut!

 

Freiheit bedeutet für mich auch, in den Park zu gehen und den Leuten beim Bummeln und den Kindern beim Spielen zuzusehen.

    Freiheit bedeutet für mich auch, in den Park zu gehen und den Leuten beim Bummeln und den Kindern beim Spielen zuzusehen. Viele Menschen können sich über so kleine Dinge gar nicht mehr freuen. Besitzen sie das eine, wollen sie das andere. Die Gier des Menschen ist unermesslich! Mir bereitet es jedenfalls Freude, auch die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. Genügsam, aber gesund leben und sich dann freuen, wenn man zu einem üppigen Mahl geladen wird, sollte das Ziel sein. Wenn alles selbstverständlich ist, setzt sich der Kreislauf in Gang, man will anderes ausprobieren. Das ist an sich nicht verkehrt doch nicht um jeden Preis und um den Preis der Freiheit.

Freiheit bedeutet auch, das Krankenhaus, in dem behandelt werden möchte wenn man schwerer erkrankt ist, frei zu wählen. Man kann sich umhören: Wo ist die Leistung gut, wo ist das Essen schmackhaft und so weiter. Allerdings kann ich als einfacher Mensch keine Schwarzwald-Klinik-Verhältnisse erwarten, leider. Gleichzeitig schränkt Krankheit bei einem selbst oder Familienangehörigen die Freiheit ein, ebenso bei Arbeitslosigkeit, es kann nicht mehr so viel gekauft werden, der Gürtel muss enger geschnallt werden, seit Hartz IV ist es unerträglich geworden!

 

 

 

"Befreiung des Menschen von Aberglauben und politischem Zwang" (Spinoza)

    Mit dem Alter verändert sich der Begriff der Freiheit. Als Kind freut man sich, zum Beispiel die Freiheit zu haben, vor dem Haus oder im Garten zu spielen, später als Jugendlicher bis 10 Uhr und dann länger von zu Haus wegbleiben zu dürfen, die Freundin mit nach Hause zu bringen und so weiter. Wieder später dann, den Führerschein zu machen und ein Auto fahren zu dürfen. Dann die Freiheit bei der Arbeit, Sachen mit zu entscheiden und im Urlaub dorthin zu fahren, wohin man gern möchte. Vielleicht auch auswandern oder Praktika im Ausland ableisten. Ich komme auf die Freiheiten, die ich am Anfang schon beschrieben habe. Und die Freiheit, den Militär- oder den Zivildienst zu machen.

Um 1670 war die Freiheit zentrales Thema von Philosophie und Politik. Spinoza (1) spricht da von der "Befreiung des Menschen von Aberglauben und politischem Zwang". Immer wieder definierten die Philosophen den Begriff Freiheit neu.

Man denke auch an die Freiheiten in Gefängnissen, KZs und Lagern, wo man aufpassen musste, dass kleine Freiheiten (wie z.B. das Verständigen durch Klopfzeichen, Lesen bei Kerzenlicht o.ä.) von den Aufsehern nicht entdeckt wurden.

Die Freiheit ist uns oft zu selbstverständlich! Und doch müssen wir sie verteidigen, wenn die Großen und Mächtigen wieder einmal zu gierig werden!

In Essen heißt ein Platz vor dem Bahnhof "Auf der Freiheit". Jahrelang überlegte ich mir, was das Ganze mit Freiheit eigentlich zu tun habe, bis ein Bekannter mich vor Kurzem darüber aufklärte. Dieser Platz war früher einmal stark bebaut. Man riss dann kurzerhand die Gebäude ab, bis er frei war! So kommen manchmal Plätze und Straßen zu ihren Namen!

 

 

George Orwells Vision "1984" ist keine Science Fiction mehr. Schon längst sind in unseren Städten Kameras an markanten Punkten aufgestellt, angeblich zum Schutz vor Terrorismus.

    Doch noch mal zurück zu unserer demokratischen Freiheit. Was ist, wenn man trotz aller Einschränkungen den Gesetzen und Regeln des Staates entsprechend lebt und trotzdem von diesem behindert wird? Ich denke da ans Abhören und Bespitzeln, wenn man irgendwann unangenehm aufgefallen ist. George Orwells Vision "1984" (2) ist jedenfalls keine Science Fiction mehr. Schon längst sind in unseren Städten Kameras an markanten Punkten aufgestellt, angeblich zum Schutz vor Terrorismus. Eine Begründung lässt sich immer dafür finden!

Die Freiheit ist auch eingeschränkt, wenn man arbeitet oder schreibt. Man kann aber "frei" arbeiten, ohne Druck und Zwang sofern man nicht gerade einem Verlag oder einer Zeitung verpflichtet ist und das gewünschte Manuskript bis zum festgesetzten Termin fertig sein muss. Die wenigsten Schreibenden haben die Möglichkeit, sich von diesem Druck zu befreien. Abhängigkeiten bestehen überall, selbst wenn man nur für eine Literaturzeitschrift schreibt.

Für wichtig halte ich auch die Freiheit unserer Presse, die ihre Kontrollfunktion gegenüber Korruption und Machtmissbrauch wahrnehmen vor allem, solange es keine direkte Demokratie in Deutschland gibt!

    Zusammenfassend muss man sagen, dass die Freiheit in unseren Breitengraden schon fast etwas Selbstverständliches ist. In anderen Teilen der Welt gilt es sie erst noch zu erringen (Nordkorea, China, ...). Verteidigen sollte man sie aber immer, sei es gegen Übergriffe aus Amtsstuben oder gegen Invasoren aus dem Ausland. Für ihren Erhalt zu streiten lohnt sich und ist lebensnotwendig!

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Anmerkungen

(1) Vgl. Handbuch der Philosophischen Grundbegriffe,
Bd. 1, S. 495, Kösel Verlag GmbH & Co, München, 1973.

(2) Orwell, George, 1984, Ullstein Verlag, Frankfurt/M., Berlin, Wien.

 


 

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