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Das Phänomen Globalisierung
und seine Auswirkungen auf unser Leben

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Die "Globalisierung" ist ein extrem vielschichtiger Begriff; er umfasst die
Vergrößerung der Märkte und den Abbau von Handelshemmnissen genauso wie
die kulturelle Vereinheitlichung v.a. durch die modernen Medien; das zunehmende
Wissen von anderen Weltteilen und den dort Ansässigen ebenso wie das Bewusstwerden
der gemeinsamen, weltweiten Probleme oder das Nachdenken über eine globale
Menschheitsethik. Die Globalisierung hat bekanntlich Optimisten und Pessimisten auf den
Plan gerufen und ist zum Gegenstand hitziger Diskussionen geworden. Johannes
Michael Schnarrer versucht einen Mittelweg und spricht sich sowohl gegen ihre Glorifizierung
als auch gegen ihre Dämonisierung aus. Denn "wie im Leben eines jeden Menschen
bei Veränderungen Chancen und Gefahren, Möglichkeiten und Risiken,
Hoffnungen und Verluste, aus der aktuellen Situation heraus entstehen, so
verhält es sich auch beim Thema Globalisierung"

Von Johannes Michael Schnarrer

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Prof. Dr. phil Dr. theol. Johannes Michael Schnarrer,
S.T.L., *1965 in Sohland/Spree (Sachsen), Polytechnische Oberschule, Berufsschule und Praxis als Bau- und Möbeltischler in einer Genossenschaft des Handwerks (1982-1984). Humanistisches Studienkolleg "Norbertinum" Magdeburg, Abitur (1987). Phil.-Theol.Studium Erfurt, Studienrichtung Philosophie und Theologie (1987-1992). Studium und Forschungs- aufenthalt an der Weston School of Theology und Harvard University in Cambridge (Massachusetts/USA) (1992-1994). Studium der Politik und Ethnologie in Münster, Dissertant und Uni-Assistent am Institut für Ethik und Sozialwissenschaften der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien (1994-1996). Seither Lehrtätigkeit. Zahlreiche Gastvorlesungen und Veröffentlichungen. Johannes Michael Schnarrer ist verheiratet und Vater zweier Söhne.

Homepage:
http://www.globart.at/denkerkreis/schnarrer.html

Kontakt:
jmschnarrer@hotmail.com
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1.) Weckung des Problembewusstseins bezüglich des Themas

     Wohl kaum ein anderes Wort hat in der letzten Dekade eine größere Aufmerksamkeit erfahren als das der "Globalisierung"(1). Unser Wissen und Bewusstsein darüber, dass es andere Menschen gibt, andere Kulturen, andere Kontinente, andere Mentalitäten, hat sich vervielfacht. Aber das hat erst die Technik möglich gemacht. Denn ohne der schnellen Entwicklung im Bereich der Kommunikationstechnologien wäre ein Wissen von historischen und im wahrsten Sinne des Wortes "weltbedeutenden" Ereignissen unmöglich. Eines der ersten dieser Ereignisse, die innerhalb weniger Stunden auf der ganzen Erde "bekannt" waren, war der Fall der Berliner Mauer im November 1989. Damals erhielt ich einen Anruf aus Australien, wo ich gefragt wurde, ob die Bilder, die da übertragen wurden, auch der Wirklichkeit entsprechen... Aber es dauerte noch bis 1996, bis der Terminus Globalisierung zum Wort des Jahres gekürt werden konnte.(2)

Globalisierung findet also statt. Wir erleben sie selbst und sind gleichzeitig ihr ausgesetzt. Das heißt, wir gestalten sie mit und sie gestaltet aber auch unser Leben mit. Zunächst ist Globalisierung besonders auf den Ebenen der Informationsübertragung, der Technik, des Güter- und Kapitaltransfers sowie des Tourismus zu spüren (was ein besseres Verstehenlernen der Kulturen untereinander ermöglicht, aber nicht notwendigerweise von vornherein mit sich bringt, weil auch Ressentiments aufgebaut werden können). Bei diesem Erfahren der Anderen und deren Kulturen kommt es natürlich auch zu Reibungspunkten, weil der eine oder die andere meinen, ihre eigene Kultur sei besser als eine andere.

Bevor ich aber auf die einzelnen Aspekte der Globalisierung eingehe, sei hier noch ein Gedicht ins Wort gehoben, das die Situation recht genau determiniert:

Wir sitzen alle im gleichen Zug
Und reisen durch die Zeit.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir fahren alle im gleichen Zug.
Und keiner weiß, wie weit.

Ein Nachbar schläft, ein anderer klagt,
ein dritter redet viel.
Stationen werden angesagt.
Der Zug, der durch die Jahre jagt.
Kommt niemals an sein Ziel.

Wir packen aus. Wir packen ein.
Wir finden keinen Sinn.
Wo werden wir wohl morgen sein?
Der Schaffner schaut zur Tür herein,
und lächelt vor sich hin.
Auch er weiß nicht, wohin er will.
Er schweigt und geht hinaus.
Da heult die Zugsirene schrill!
Die Toten steigen aus.

Ein Kind steigt aus. Die Mutter schreit.
Die Toten stehen stumm
am Bahnsteig der Vergangenheit.
Der Zug fährt weiter, er jagt durch die Zeit,
und niemand weiß, warum.

Die 1.Klasse ist fast leer.
Ein feister Herr sitzt stolz
im roten Plüsch und atmet schwer.
Er ist allein und spürt das sehr.
Die Mehrheit sitzt auf Holz.

Wir reisen alle im gleichen Zug
zur Gegenwart in spe.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir sitzen alle im gleichen Zug
Und viele im falschen Coupé.(3)

Dieses Gedicht stammt von Erich KÄSTNER und wurde von ihm kurz vor dem 2.Weltkrieg verfaßt. Mögen auch einige der Bilder von damals heute nicht mehr ganz zutreffen, so lassen sich doch viele Elemente auf das hier zu behandelnde Thema Globalisierung übertragen. Denn wissen wir wirklich, wohin die Reise im Zeitalter der Globalisierung geht? Sitzen wir nicht alle in einem Zug oder Boot? Werden nicht oft die Stationen angesagt, ohne dass wir wirklich ahnen, was uns da oder dort passiert oder passieren könnte? Und selbst die Verantwortlichen für den Zug, die Schaffner, sind sie nicht auch oft ratlos, was sie tun sollen oder was zu unterlassen ist? Sind nicht die Toten, die uns da stumm verlassen, Zeugen einer Vorgeschichte? Werden die Sitzbänke in der 1.Klasse nicht immer leerer? Der Fragen rhetorischer Art könnten also noch viele gestellt und hinzugefügt werden. Aber zum Problemaufriss soll das hier Angesprochene zunächst genügen.


2.) Das Phänomen der Globalisierung

     Nach diesen einführenden Gedanken sei es erlaubt, an dieser Stelle den Terminus zu definieren:

Ich verstehe unter Globalisierung das zusammenwachsende Bewusstwerden der Menschen auf allen Kontinenten Teil unseres Planeten zu sein, die zunehmende Wahrnehmung darüber, dass wichtige Probleme weltweiten Charakters sind und supranationale Lösungen brauchen, die voranschreitende Integration der Märkte für Güter- und Dienstleistungen im Zuge des Abbaus früherer Handelshemmnisse, die Länder und Kontinente übergreifende Organisation von Produktionsprozessen durch transnationale Unternehmen und Firmenverbände, die Integration der Arbeitsmärkte, das weitere Ansteigen grenzüberschreitender Informationsmöglichkeiten, den schneller werdenden Fluss von Kapitalströmen rund um den Globus, den Austausch technologischer Errungenschaften auf internationaler Ebene und die Ausweitung kultureller Vielfalt in den Gesellschaften, so dass eine Weltgemeinschaft im Entstehen begriffen ist.

Daran sieht man, Globalisierung ist ein weit gefasster Begriff, mit dem vor allem verstärkte ökonomische Liberalisierung seit den 1990er Jahren, zum Teil aber auch deren kulturelle, gesellschaftliche und politische Konsequenzen gemeint sind. Wie auch immer der Begriff benutzt wird – über ihn wird seit Jahren nachgedacht, geschrieben und gestritten.

Während die Befürworter der Globalisierung diese für den Ursprung wachsenden Wohlstands weiter Bevölkerungsteile auf der Erde halten, sehen ihre Kritiker und Gegner in ihr die Ursache überwiegend negativer Entwicklungen: fortschreitende Verelendung, kultureller Verfall und Umweltzerstörung. Einspruch gegen die destruktiven Konsequenzen der Globalisierung wird vor allem in den Entwicklungsländern schon seit langem erhoben, fand aber im Westen nur wenig Gehör. Seit den Protesten von Globalisierungsgegnern haben die Negativkonsequenzen im Westen deutlich mehr Beachtung gefunden. Man nimmt nun zur Kenntnis, dass viele unter ihnen versuchen, ernst zu nehmende Fragen an Politiker und Manager der großen Wirtschaftsnationen zu stellen.(4)

Eine weitere Zäsur beim Nachdenken über Globalisierung bedeutet der 11.Septermber 2001, wo die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York durch Terroranschläge zerstört wurden. Dieses Ereignis habe, so formulierte Joseph STIGLITZ, Nobelpreisträger von 2001 und einer der weltweit bekanntesten Ökonomen, mit großer Eindringlichkeit vor Augen geführt, dass wir alle Bewohner desselben Planeten sind und dass das, was in einer Region dieses Planeten geschieht, andere Regionen in Mitleidenschaft ziehen kann.... Beide Momente, das Ernstnehmen der Globalisierungskritiker und ihrer Argumente sowie die durch die Attentate des 11.September 2001 verstärkte Sensibilität für das Thema "Globalisierung" schlagen sich in den meisten Diskussionen und Publikationen der letzten Monate nieder. Der Grundtenor ist – so sind sich die meisten einig - dass die Globalisierung zahlreiche negative Konsequenzen hat und tiefgreifende Veränderungen provoziert.

Grundlegender Kritikpunkt, der im Diskurs über Globalisierung zur Debatte steht, ist die Verelendung von immer mehr Menschen bei gleichzeitig wachsendem Wohlstand einer kleinen Minderheit. Denn trotz wiederholter Versprechen in den 1990er Jahren, die weltweite Armut zu verringern, hat die Zahl der Menschen, die in Armut leben, tatsächlich zugenommen. Konkret heißt das Folgendes: Ein Prozent der Weltbevölkerung hat so viel Einkommen wie die ärmsten 57 Prozent zusammen. Über eine Milliarde Menschen müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen, fast eine Milliarde haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, und 872 Millionen leiden an Unterernährung.


3.) Der Markt als entfesselte oder zu zügelnde Instanz

    Mehr Markt, mehr Wohlstand – heißt die Kurzformel, in der viele neoliberale Hoffnungen versteckt sind. Wenn nationale Grenzen an Bedeutung verlieren, werden gesellschaftliche Ordnungen im Inneren von Nationalstaaten in verstärktem Maße dem Einwirken äußerer, national nicht direkt kontrollierbarer Kräfte ausgesetzt.(5) Die bei weitem wichtigste global wirkende Kraft, auf die der Terminus Globalisierung abhebt und zutrifft, ist der Markt – das Spiel von Angebot und Nachfrage. Daran knüpfen sich unterschiedliche Erwartungen. Die Überzeugung, dass der Markt eine segensreiche, wohlfahrtserhöhende Einrichtung sei, führt zu einer prinzipiellen positiven Bewertung der Globalisierung: freiere – weil nicht mehr national segmentierte – Märkte erhöhen weltweit die Produktionseffizienz und den Konsumentennutzen. Dies ist das zentrale Credo jener, die das neoliberale Globalisierungsprojekt betreiben.

Wenn Märkte ungeregelt sind, dann bilden sie eine Eigendynamik. Die Überzeugung, dass Märkte nur dann ihre segensreiche Wirkung entfalten, wenn sie in ein angemessenes Regelwerk eingebettet sind, lässt eine Befürchtung in den Vordergrund treten: Globalisierung kehrt inhärente Tendenzen des Marktes zu wohlfahrtsmindernden Verzerrungen (zyklische Übertreibungen, Stärkung der Spekulation zu Lasten der Produktion, Missbrauch, Kriminalität, Geldwäsche) hervor. Diese Sorge ist besonders ausgeprägt hinsichtlich der Finanzmärkte.

Dort, wo sich Marktchancen erhöhen, steigt proportional auch automatisch der Konkurrenzdruck. Denn wieviel der einzelne Marktteilnehmer von dem gesellschaftlichen Wohlstand abbekommt, den das Wirken des Marktes hervorbringt, hängt von seinen Marktchancen ab. Diese aber werden im Zuge der Globalisierung neu verteilt. Es mag zwar sein, dass alle günstiger einkaufen können, aber die einen können sich und ihre Produkte besser verkaufen, für andere verschlechtern sich die Marktchancen. Aber auch den unmittelbaren Verlierern bleibt eventuell die Möglichkeit, in andere, günstigere Marktsegmente auszuweichen. Immerhin verstärkt die Globalisierung den Anpassungsdruck. Marktchancen verändern sich dadurch, dass neue Anbieter und neue Angebote auf den Märkten auftreten. Sie können den Preis drücken oder die alten Anbieter – wenn diese sich nicht anpassen können – ganz vom Markt verdrängen. Kartelle, die in geschlossenen Märkten funktionierten, werden von den neuen Anbietern aufgebrochen. Regeln zum Schutz bestimmter Produzentengruppen werden unterlaufen. Globalisierung wirkt in diese Richtung. Sie bricht abgeschottete Märkte auf und setzt deren Anbieter unter Druck (aber nicht immer nur zugunsten der Käufer!). Aber gleichzeitig geht jener Innovationsprozess weiter, der von jeher immer neue von der Konkurrenz relativ abgeschirmte Marktsegmente geschaffen hat. Darin liegt eine prinzipielle Ausweichchance für die unmittelbaren Globalisierungsverlierer.

Aus der Perspektive der Unternehmen wird deutlich, dass solche Unternehmen durch die Globalisierung gestärkt werden, die besser in der Lage sind als ihre Konkurrenten, in neu sich öffnende Absatzmärkte vorzustoßen und neue Beschaffungsmärkte anzuzapfen. Sie profitieren von niedrigeren Kosten, höheren Skalenerträgen und verbesserten Möglichkeiten, auf Marktstörungen zu reagieren. Unternehmen, die die Globalisierung auf der Absatz- und der Beschaffungsseite nicht mitmachen, können so weit ins Hintertreffen geraten, dass sie vom Markt verschwinden. Sie werden zu Verlierern. Aber sind die Unternehmen, die es geschafft haben, transnational zu werden und so im globalen Konkurrenzkampf zu überleben, die Gewinner? Das hängt vor allem davon ab, wie weit sie sich unter den neuen Marktbedingungen – an die sie sich erfolgreich angepasst haben – gegenseitig weiterhin Konkurrenz machen. Sollte dies der Fall sein, dann sind die Gewinner nämlich nicht die transnationalen Unternehmen, sondern die Konsumenten, die nicht selbst als Produzenten unter erhöhten Konkurrenzdruck geraten.

Aus der Sicht der Arbeitnehmer taucht die Frage auf, ob es zur Lohnkonkurrenz kommt?(6) Natürlich, denn die Globalisierung erhöht die grenzüberschreitende Konkurrenz auf den Arbeitsmärkten. Dabei geraten die einen unter Druck, ihre Forderungen nach Entlohnung, Arbeitsbedingungen und Zusatzleistungen abzusenken. Für andere, die schon bis dato billig genug waren, ergeben sich neue Beschäftigungschancen. Die Verlierer auf Arbeitnehmerseite befinden sich tendenziell in den Hochlohnländern des Nordens. Aber ihre Konkurrenten im Süden oder Osten drücken sich selbst gegenseitig die Löhne. Gehören also tendenziell alle Arbeitnehmer zu den Globalisierungsverlierern? Das hängt offenbar von der Art und Weise ab, wie die südlichen Arbeitsmärkte politisch gestaltet werden. Niedriglohnkonkurrenz spielt bislang nur in einigen Arbeitsmarktsegmenten eine Rolle. Wer nicht unter verstärkten Druck gerät (Beamte, Rechtsanwälte, Entertainer u.a.) ist Globalisierungsgewinner, weil für ihn vieles billiger wird. Wenn Arbeitnehmer, die unter Konkurrenzdruck geraten, generell in andere Bereiche überwechseln könnten, wo sie trotz hoher Löhne dem Druck standhalten können, würden alle zu Globalisierungsgewinnern. Ob es gelingt, hängt wiederum besonders vom Wirtschaftswachstum ab. Aber auch ohne Globalisierung ist Wachstum entscheidend für die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer.(7)


4.) Prinzipien einer Globalökonomie nach Arthur RICH (8)

(a) Mit ihrer Entgrenzung der nationalen Märkte bildet die Weltwirtschaft ein globales Geflecht von komplexen Interdependenzen, was eine internationale Kooperation einzelner Volkswirtschaften und Wirtschaftsräume notwendig macht. Eine interdependente Kooperation verträgt sich in dem Maße mit den Ansprüchen des Menschengerechten, als sie auf gegenseitigen bzw. gleichgewichtigen Abhängigkeiten beruhen.

(b) Ökonomische Ungleichheiten, die zu einseitigen Abhängigkeiten führen, gleichen sich in einer sich selbst überlassenen, dem laissez-faire-System angenäherten Marktwirtschaft nicht automatisch aus, sondern werden noch verschärft und lassen Austauschstrukturen von konformativem Zuschnitt entstehen, wonach die stärkere Marktmacht den Wettbewerb entscheidet.

(c) Die wirtschaftlich missliche, wenn nicht katastrophale Lage der meisten Entwicklungsländer ist – ohne deren Mitschuld außer Acht zu lassen – hauptsächlich durch die konfrontative Struktur der internationalen Kooperation mit ihren sie oftmals krass benachteiligenden Auswirkungen im weltweiten Wettbewerb bedingt.

(d) Um den untragbaren, dem Menschengerechten zuwiderlaufenden und längerfristig auch das Überleben der potenten Industriewelt gefährdenden Benachteiligungen der Entwicklungsländer in den marktlichen Austauschbeziehungen zu begegnen, bedarf es einer Neuordnung der wirtschaftlichen Kooperation zwischen "Nord" und "Süd" im Sinne ihrer partizipativen Strukturierung.

(e) Partizipative Strukturierung der Weltwirtschaft bedeutet vor allem die Schaffung von Rahmenbedingungen, die es den Entwicklungsländern möglich machen, mit den Industriestaaten wettbewerblich einigermaßen gleichzuziehen.

(f) Andererseits schließt partizipative Strukturierung in sich ein, dass die Entwicklungsländer selber alles unternehmen, was in ihren Kräften steht, um wirtschaftlich und sozial auf ein höheres Niveau zu gelangen.

(g) Partizipativ strukturierte Kooperation auf der Basis einer globalen Marktwirtschaft ist nur möglich, wenn diese entsprechend reguliert werden kann, also nicht ad libitum gestellt dem liberalen Geist allein überlassen wird.

(h) Für die Kontrahenten können Übereinkünfte lediglich in dem Maße verpflichtend und damit verbindlich sein, wie sie auf gemeinsamen, von niemandem beherrschten Beschlussfassungen beruhen (ein von allen anerkannter und in keiner Weise erzwungener Kompromiss).

(i) Verzichten die Industriestaaten nicht auf die Ausnutzung ihrer Überlegenheit, verfehlen die weltwirtschaftlichen Kontrahenten die Selbstverpflichtung auf ein die unerträglichen ökonomischen und sozialen Disparitäten zwischen "Nord" und "Süd" partizipativ ausgleichendes Regulativ. So bliebe es bei einer globalen Marktordnung von konfrontativer Struktur.

(j) Humanität aus Glauben, Hoffnung und Liebe, die vom Zuspruch und Anspruch des kommenden Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit lebt, hat, geleitet von den ihr eigenen Kriterien des Menschengerechten, ohne das ökonomisch Sachgemäße zu missachten, vornehmlich für die fundamentalen Lebensrechte der Armen und Ärmsten einzutreten.


5.) Die Lebenswelt auf unserem Planeten

     Selbst wenn Anpassung generell gelingt, kann verschärfter Anpassungsdruck ein Ausmaß erreichen, das gesellschaftlich unerwünscht, ja schädlich ist.(9) Die Emanzipation der Lebenswelt von den Zwängen der Produktionssphäre gehörte immer zu den Zielen und Errungenschaften der Arbeiter. Dabei gerät die gesellschaftliche Reproduktion (das Kinderaufziehen) in Not, wenn die Anforderungen des Marktes seine Freiräume einengen. In besonderem Maß sind diejenigen Frauen betroffen, die trotz allem für die Mutterschaft optieren. Also werden vordergründig bestimmte Lebensräume erschlossen, andere, wie z.B. die Familie und ihr Grundbedürfnis nach Beständigkeit, Ruhe und Intimität durch die Marktanforderungen im Zeitalter der Globalisierung geradezu untergraben. Das Ergebnis ist bekannt: sinkende Geburtenzahlen in beinahe allen Ländern der nördlichen Hemisphäre und weiterhin sehr hohe Geburtenzahlen im Süden der Erde. Hier entsteht fast automatisch ein Generationen- und Kontinentalkonflikt. Die fast täglichen Meldungen über Flüchtlingsdramen im Mittelmeer sind Zeichen genug dafür, dass sich viele Menschen aus dem Süden auf dem Weg befinden nach Norden, um endlich auch etwas vom großen Kuchen hoher Lebensqualität abzubekommen! (10)

Die These von der Unterbietungskonkurrenz ist hier ins Wort zu heben. Demnach fallen alle die Kosten, die den Unternehmen zur Finanzierung nationaler Gemeinschaftsaufgaben sowie zum Schutz der Arbeitnehmer, der Umwelt etc. auferlegt werden, dem verschärften Konkurrenzkampf im globalen Markt zum Opfer. Diese These hat zwei Varianten:

1.) Billiganbieter aus der Dritten Welt oder aus Osteuropa drücken die Standards;

2.) Die Wohlfahrtsstaaten des Nordens mit ihren hohen Arbeitskosten, Steuern und Auflagen unterbieten sich mehr und mehr gegenseitig.

Die Gegenthese dazu lautet:

1.) Die Hochlohnstandorte sind aufgrund ihrer Produktivitätsvorteile den Billigstandorten überlegen;

2.) Die Kosten von sozialer Sicherung, Arbeitsschutz, Umweltschutz etc. fallen nicht notwendig bei den Unternehmen an, sondern bei den Bürgern, und diese können politisch darüber entscheiden, wie viel ihnen welches Anliegen wert ist.

Der Abbau von natürlichen und künstlichen Barrieren gegen den globalen Fluss von Produkten, Produktionsfaktoren und Informationen stört tendenziell die sozialen Biotope, in denen sich typische nationale Produktionsstrukturen herausgebildet haben. Dies zeigt sich z.B. im Zusammenspiel von Unternehmensführung, Anteilseignern, Banken, Belegschaften und Gebietskörperschaften, dem System der sog. "corporate governance". In Ländern wie Deutschland oder Japan erwartet und befürchtet man zugleich, dass die Globalisierung der Finanzmärkte den Aktionären viel mehr Einfluss als bislang verschafft – zu Lasten der Arbeitnehmer.

Umfassender noch als in der Debatte um den Shareholder-Kapitalismus zum Ausdruck kommt, stellt die Globalisierung bzw. ihre politische Reflektion das sozialdemokratische Gesellschaftsmodell auf den Prüfstand – sowohl, was die zugrundeliegenden Gerechtigkeitsziele als auch was die gangbaren Wege zu ihrer Erreichung betrifft. Zum Fokus dieser Debatte ist das Modell des Dritten Weges (zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft) geworden.


6.) Statt Globalisierung doch "nur" Europäisierung oder Triadisierung?

     Am Beginn dieses Punktes muss zunächst einmal auf die inhaltlichen und geographischen Beschränkungen des Begriffs Globalisierung selbst in seiner umgangssprachlichen Version hingewiesen werden. Er beschränkt sich inhaltlich auf die Produktion von Waren, eventuell noch von Serviceleistungen und geographisch auf die Länder der Triade plus dem halben Dutzend sogenannter Tigerstaaten in Südostasien. Niemand denkt etwa an einen globalen Arbeitsmarkt (so wünschenswert er auch wäre), ganz im Gegenteil. Fast alle (Institutionen) bemühen sich um Einschränkung der globalen Mobilität, teilweise sogar mit Waffengewalt. Und niemand bezieht ernsthaft Afrika in diese globale Welt mit ein, vermutlich fällt sogar die Türkei durch das Rost. Innerhalb dieser sachlich und räumlich beschränkten Globalisierung suggeriert die anekdotische Evidenz sensationsgieriger Sachbücher und Wochenjournale jedoch intensive Arbeitsteilung und entfernungsunabhängige Kooperation, nämlich dass Hochtechnologie nur noch aus den USA, Japan oder der EU bezogen würde, normale Industrieprodukte aus Südostasien und einfache vor allem aus den ehemaligen Ostblockstaaten, dass Auftragsbearbeitung und Buchhaltung grundsätzlich in Indien "on line" erfolgen. Tatsächlich gibt es für all dies Beispiele. Dem steht jedoch die unleugbare Tatsache gegenüber, dass der überwiegende Teil des Welthandels nach wie vor Nachbarschaftshandel ist. Jeder einzelne Staat in Europa exportiert bzw. importiert 30 bis 50% seines Brutto-Nationalprodukts, aber für die großen Blöcke der Triade, Europa, Nordamerika und Japan, sind es bloß 10%. Die Differenz, also rund die Hälfte des Welthandels, findet innerhalb der Blöcke statt. Der Osten und die Entwicklungsländer zusammen bestreiten lediglich ein Fünftel des Welthandels. (11)

Innerhalb der EU existiert eine enge Verflechtung, deutlich abgeschwächt innerhalb der Triade. Somit hat die Globalisierung die geographische Entfernung und Nähe als relevante Kategorien keineswegs aufgehoben. Soweit es Globalisierung überhaupt gibt, hat sie sich in Europa jedoch eher positiv als negativ ausgewirkt, da die EU einen Handelsbilanzüberschuss hat, d.h. mehr exportiert als importiert. Für Globalisierung als Bedrohungsszenario mangelt es somit erst recht an solider Evidenz. Dasselbe gilt für die angebliche Beschleunigungstendenz, die Behauptung also, dass die Globalisierung ein neues und rasch an Bedeutung zunehmendes Phänomen sei.

Allerdings verhindert das Fehlen einer weltweiten Globalisierung keineswegs einen ausgeprägten Prozess der Internationalisierung, besonders zwischen den benachbarten Staaten Europas. Dieser ist aber kein neues Phänomen, sondern ist schon seit Jahrzehnten zu beobachten. Der Anteil des EU-Binnenhandels an ihrem gesamten Außenhandel ist von 38% zu Beginn der 1960er Jahre auf 80% Mitte der 1980er Jahre gestiegen und verharrt seither auf diesem hohen Niveau. Allerdings übersieht der überhebliche Glaube an die Einzigartigkeit unserer Zeit den Internationalisierungsgrad der Welt vor dem Ersten Weltkrieg und überbetont unser Entwicklungstempo. Denn es gilt, dass sich Wachstum, Technischer Fortschritt, wie auch Internationalisierung in unserem Zeitalter eher verlangsamt haben als beschleunigt wurden! Immerhin sinken die Transportkosten (12) (was Umweltschützer wieder beklagen) und die Telekommunikationskosten nicht erst in unserem angeblich so globalisierten Informationszeitalter, sondern schon seit langem.

Nur in einem einzigen Bereich hat der Globalisierungsgrad tatsächlich eine neue Dimension erreicht, und zwar inhaltlich wie geographisch, nämlich auf dem Kapitalmarkt. Ungeheure Geldsummen schwirren tagtäglich rund um den Globus, auf der Suche – meistens nach kurzfristiger – Anlage oder nach Spekulationsgewinnen. Allerdings geht es dabei in der Regel bloß um Geldkapital. Für Direktinvestitionen hingegen gelten die erwähnten geographischen Beschränkungen wiederum in vollem Umfang.

Derzeit zumindest kann man selbst im Produktionsbereich (13) nicht wirklich von einer "Globalisierung" sprechen, sondern bestenfalls von einer Triadisierung, oder noch konkreter von einer Europäisierung bzw. einer "Europäischen Integration". Alle wichtigen Indikatoren und Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass dieser Prozess Europa per Saldo Vorteile gebracht hat.


7.) Amerikanisierung der Welt oder vice versa

     Immer wieder taucht die Frage nach der Macht, nach der amerikanischen Hegemonie auf. Auf einer Ebene geht der Globalisierungskurs um die Suche nach dem richtigen Umgang mit den entgrenzten Märkten. Eine andere Ebene ist die der Macht, das als richtig Angenommene zu tun. Supranationale Antworten erfordern durchsetzungsfähige Mehrheiten. Außenseiter können die von der Mehrheit gewollten Lösungen unterlaufen. Aber man kann sie auch unter internationalen politischen Druck setzen – wenn der Wille da ist. Der entscheidende Wille wird vielfach bei den USA, der "G-1" verortet.

Insofern ist die Frontstellung Markt versus Staatsmacht vielleicht irreführend und Globalisierung müsste als Ausfluss und Mittel der US-amerikanischen Hegemonie gedeutet werden. Auch für die Option einseitiger Wiedereinführung von Grenzkontrollen stellt sich dann eine ernsthafte Machtfrage. Das in der realen Globalisierung zum Ausdruck kommende Machtgefälle ist ein essentielles Motiv der sog. Globalisierungsgegner. Und so ist bei Globalisierungsgegnern von der "McDonaldisierung" der Welt zu hören. Dabei handelt es sich um die zunehmende Homogenisierung von Regionen und Kulturen vor allem durch Fernsehen und Werbung sowie die Unterminierung des funktionsfähigen Staates und der demokratischen Stabilität durch kapitalistische Systemstrukturen. Was es vielmehr braucht sind gerechte Strukturen (gerechter Lohn) und Rahmenbedingungen, die soziale Verträglichkeit von Produktion und Umwelt ermöglichen.

Während es den Ärmsten an vielen Grundgütern fehlt, verbrauchen wir im Westen dagegen allzu viel. Wollten alle Menschen auf der Welt das derzeitige Konsumniveau in den Vereinigten Staaten von Amerika erreichen, würde man beim heutigen Stand der Technik vier weitere Planeten benötigen, um diesem Wunsch gerecht zu werden. Wirtschaftliche Interessen gehen hier konträr zur Schonung der Natur und dem Erhalt der Artenvielfalt.(14)

Damit ist der zweite grundlegende Kritikpunkt an der Globalisierung genannt: die Zerstörung der Umwelt.(15) Überbevölkerung und Entwicklung ohne Rücksicht auf die Ökologie lassen überall auf der Welt natürliche Lebensräume und die biologische Vielfalt schrumpfen. Wenn wir so weitermachen sei zu befürchten, dass zuerst die Biosphäre und dann die ganze Menschheit zugrunde gehen könnte.

Die Globalisierung – die Beseitigung von Hemmnissen für den freien Handel und die Integration der nationalen Volkswirtschaften durch vielfältige Institutionen, die Wirtschaftswachstum für alle schaffen sollen – kann eine segensreiche Kraft sein, und sie birgt das Potential in sich, den Wohlstand aller Menschen auf dem Planeten zu steigern. Aber so, wie es ist, dürfe es nicht bleiben. Vor allem müssten viele der volkswirtschaftlichen Maßnahmen, zu denen Entwicklungsländer verpflichtet wurden, radikal überdacht werden. Dabei handelt es sich besonders um die vom IWF(Internationaler Währungsfonds) verordneten Strukturanpassungsmaßnahmen.

In diesem Sinne ist den Globalisierungskritikern zuzustimmen, dass viele wirtschaftspolitische Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Vom Westen aus wurden ärmere Länder dazu gedrängt, Handelshemmnisse abzubauen, während sie gleichzeitig ihre eigenen Handelsschranken beibehalten, so dass die Entwicklungsländer ihre Agrarprodukte nicht in den Industrieländern ausführen können und so um dringend benötigte Exporteinnahmen gebracht werden. Vielmehr sollte es das Ziel sein, vor allem den Internationalen Währungsfonds (IWF), aber auch die Weltbank (WB) und die Welthandelsorganisation (WTO) zu reformieren. Dafür wären aber Bewusstseinswandel und die Einsicht neuer Erkenntnisse notwendig, dass der freie Markt allein es eben nicht richten kann, sondern sozialstaatliche Rahmenbedingungen die Grenzenlosigkeit der freien Marktwirtschaft ersetzen müssen.

Naturgemäß sehen die Wirtschaftsführer und Staatsmänner, die Funktionäre in den Konzernen und überstaatlichen Organisationen der Industrieländer die Folgen des Globalisierungsprozesses als wünschenswerte an, wenn die G7-Staaten im Wirtschaftskommuniqué vom 28.Juni 1996 von Lyon folgendes vertreten:

"Die Globalisierung eröffnet große Chancen für die Zukunft, nicht nur für unsere Länder, sondern auch für alle anderen. Zu ihren zahlreichen positiven Aspekten gehören eine beispiellose Ausweitung von Investitionen und Handel, die Öffnung der bevölkerungsreichsten Regionen der Welt für den internationalen Handel und die Chance für eine größere Zahl von Entwicklungsländern, ihren Lebensstandard zu erhöhen, die immer schnellere Verbreitung von Informationen, technologische Neuerungen sowie die Zunahme qualifizierter Arbeitsplätze." (16)

Das alles kann aber nur im positiven Sinne wirksam werden, wenn sich die Gesellschaften, Volkswirtschaften und Staaten dem zunehmenden Wettbewerbsdruck gar nicht, zu spät oder bloß unzureichend anpassen. Hier kann also Globalisierung von der Quelle der Hoffnung für die Zukunft zum größeren Problem werden, denn in den ärmeren Ländern kann sie die Ungleichheit verschärfen und einige Regionen der Welt könnten an den Rand gedrängt werden. Die Ambivalenz der Globalisierung wurde denn auch später auf den Punkt gebracht: "Wir (die G7-Staaten und Russland; Anmerk. vom Autor) müssen auch gewährleisten, daß nicht nur alle Gesellschaftsschichten, sondern auch alle Staaten dieser Erde die Chance haben, an dem Wohlstand teilzuhaben, den globale Integration und technologische Innovation möglich machen." (17)

Wird nun aber unter Globalisierung die Entfesselung der Kräfte des Weltmarktes und die ökonomische Entmachtung des Staates verstanden, dann kann dieser Prozess aufgrund seiner einseitigen Ausrichtung und Betonung im Wesentlichen nur negativ beurteilt werden.(18)


8.) Gegenargmunte zur Amerikanisierung und McDonaldisierung der Welt

     Tiefgreifende Folgen für die Kulturen, die Lebensstile und Identitäten hat die Entfaltung des Weltmarktes auf die Menschen unseres Globus.(19) Die Globalisierung wirtschaftlichen Handelns wird begleitet von Wellen kultureller Transformation, einem Prozess, den man auch landläufig als kulturelle Globalisierung nennt. Dabei geht es sicherlich zentral auch um die Fabrikation kultureller Symbole – einen Vorgang, der sich allerdings seit langem beobachten läßt. Sowohl Teile der Sozialwissenschaften als auch der Öffentlichkeit haben sich für diesen Bereich eine Sicht zu eigen gemacht, die man zu der These von der Konvergenz der globalen Kultur zuspitzen könnte. Dafür steht das Stichwort McDonaldisierung. Danach setzt sich mehr und mehr eine Universalisierung im Sinne einer Vereinheitlichung von Lebensstilen, kulturellen Symbolen und transnationalen Verhaltensweisen durch. Im sächsischen Dorf werden ebenso wie in Vancouver, Santiago de Chile, Peking oder Wellington Fernsehserien wie Dallas konsumiert, Blue Jeans getragen und Marlboro als Zeichen der freien und unberührten Natur (gemäß der Werbung) geraucht. Ergo: globale Kulturindustrie bedeutet zunehmend Konvergenz kultureller Symbole und Lebensformen.

In dieser Perspektive liegt dem Weltmarktdiskurs eine negative Utopie zugrunde. In dem Maß, in dem auch die letzten Weltnischen in den großen globalen Weltmarkt integriert werden, entsteht zwar die eine Welt, aber nicht als Anerkennung von Vielfalt der wechselseitigen Offenheit, also pluralistisch-kosmopolitischer Selbst- und Fremdbilder – das ist ein trügerischer Irrtum – sondern genau umgekehrt, es entsteht nur die eine Warenwelt. In dieser werden lokale Kulturen und Identitäten entwurzelt und ersetzt durch Warenweltsymbole, die dem Werbe- und Image-Design multinationaler Konzerne entstammen. Sein wird zum Design – und dies weltweit: Uniformierung statt globaler Pluralisierung.(20)

Menschen werden im ökonomischen Sinne beschrieben als das, was sie kaufen können. Dieses Gesetz kultureller Globalisierung gilt – so lautet das Argument – selbst dort, wo die Kaufkraft gegen Null geht. Mit der Kaufkraft endet das soziale Menschsein, dort beginnt der Ausschluss.(21) Also ist eine Folge der Globalisierung nicht der Einschluss vieler Menschen, sondern der Ausschluss, nämlich dort, wo diejenigen aus der Gleichung herausfallen, die Sein gleich Design setzen. Und so nutzen die Konzerne, die auf eine Marktherrschaft in der Fabrikation universeller Kultur-Symbole abzielen, die grenzenlose Welt der Informationstechnologien. Denn Satelliten erlauben es, alle nationalen und Klassen-Grenzen zu überwinden. (22)


9.) Zur Spannung von Regionalisierung und Globalisierung

    Ganze Regionen und Länder können durch Globalisierung marginalisiert werden, weil einerseits lokale Produzenten wie Handwerker, Fischer oder Bauern, ihre Existenz verlieren, wenn die überlegene industrielle Konkurrenz des Nordens in ihre lokalen Märkte vordringt, andererseits die einheimischen Produzenten keine Chance haben, im globalen Markt Fuß zu fassen und sich lokale Industrie nicht entwickeln kann.

Dieser Perspektive steht eine andere gegenüber. Die Globalisierung hat zur Folge, dass bislang von der Weltwirtschaft und ihrer Dynamik abgehängte Randregionen (vor allem in der Dritten Welt) nunmehr an ihr teilhaben können. Dies geschieht dadurch, dass

1.) die Produkte der Region – und damit auch die Produzenten – Zugang zum Weltmarkt bekommen;

2.) Entwickelt das internationale Unternehmertum das regionale Produktionspotential. Der verstärkte Wettbewerbsdruck des Weltmarktes kann zudem als Effizienzpeitsche wirken und bewusst hierzu eingesetzt werden.

Die Chancen der Globalisierung, die die zweite Perspektive benennt, wahrzunehmen, erfordert zweifellos eine politische Anstrengung. Dies gilt aber eher noch mehr für die Chancen der erstgenannten Perspektive. Für entwicklungsunfähige politische Systeme stellt sich die Frage, ob die Stagnation der Abkoppelung der globalisierungsbedingten Marginalisierung vorzuziehen ist.

Relevant ist hier auch die konkrete Ausformung des Globalisierungsregimes im Hinblick auf die von ihm belassenen Regime. Dieser Zusammenhang deutet auch auf die Frage, wer die politischen Weichen stellt. Dies rückt die kontroverse Rolle jener internationalen Institutionen samt der dahinter stehenden Interessen ins Blickfeld, die als die Protagonisten des neoliberalen Globalisierungsprojektes gelten.

An diesen Ausführungen wird deutlich, dass die Paradigmen der Globalisierung von den Ländern des Nordens und deren speziellen Interessen vorgeschrieben werden, was sich bei genauerem Hinschauen ebenso als Problem des Aufeinandertreffens von völlig unterschiedlichen Kulturen, Systemen, Lebensweisen, Einstellungen und Umgangsformen darstellt. Nicht ganz zu unrecht wird dabei den G8-Staaten manchmal vorgeworfen, dass sie nicht genug Rücksicht auf den Rest der Welt nehmen würden.


10.) Die Frage nach der Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt

     Befürchtungen, dass die Globalisierung gesellschaftliche Gruppen oder auch ganze Völker signifikant schlechter stellt bzw. in ihren Zukunftschancen benachteiligt, werfen die Fragen auf, was man dagegen tun kann. Die Antworten laufen teils darauf hinaus, die Bedingungen zu schaffen, dass Globalisierung ein Positiv-Summen-Spiel wird und möglichst alle zu Globalisierungsgewinnern werden. Teils versuchen sie der Globalisierung dort Fesseln anzulegen, wo sie Ungerechtigkeit hervorbringt.(23)

Beides wird sowohl im innergesellschaftlichen als auch im internationalen Kontext angedacht. Politische Initiativen gehen in die Richtung: - gesamtwirtschaftliche Gestaltungsmacht auf supranationaler Ebene zu stärken; - dem Unterbietungswettbewerb durch internationale Standards Grenzen zu setzen; - die Gestaltungsmacht des Nationalstaates gegenüber Globalisierungstendenzen zu erweitern; - innergesellschaftliche Verteilungsstrukturen immuner gegenüber der Globalisierung zu machen; - schwache Länder und Regionen globalisierungstauglicher zu gestalten.(24)

Aber auch eine grundsätzliche andere Frage steht im Raum: Wäre es vielleicht nicht sinnvoller, die Globalisierung zu vernachlässigen, weil sie womöglich unwichtiger ist als dargestellt und Glauben gemacht wird, und sich dagegen den eigentlichen bzw. anderen Herausforderungen zuzuwenden!?

Eine These besagt, Globalisierung sei weltweit wohlfahrtsfördernd, wenn die Rahmenbedingungen hohes Wirtschaftswachstum begünstigen. Den unmittelbaren Globalisierungsverlierern böten sich dann hinreichend neue Einkommenschancen. Aber die Rahmenbedingungen sind gefährdet, wenn eine länderübergreifende Instanz fehlt, die die Kräfte des globalen Marktes angemessen steuern kann. Länderübergreifende Steuerung samt den entsprechenden Instanzen wird deshalb angemahnt für: - die makroökonomische Politik, die wichtige Parameter (z.B. das Zinsniveau) für das weltweite Wirtschaftswachstum zu setzen habe; - das Wechselkursgefüge zwischen den großen Währungen, das ebenfalls Wirtschaftswachstum bremsen oder stimulieren könne; - die Regeln, denen sich grenzüberschreitende Kreditbeziehungen und Kapitalanlage zu unterwerfen habe, um Finanzkrisen zu vermeiden.

Das Plädoyer für – unterschiedlich konzipierbare – internationale Standards fußt auf der Diagnose der Unterbietungskonkurrenz, die sich bei völliger Freiheit der grenzüberschreitenden Warenströme einstellt. Sie seien ein Mittel, 1.) die Macht des Sozialstaates zur Garantie gesellschaftlich akzeptabler gerechter Zustände gegen globalisierungsbedingte Erosion abzusichern, und 2.) Druck auf Staaten auszuüben, solche Zustände in ihrem Geltungsbereich herzustellen. Hierzu wird geltend gemacht, dass – derartige Standards nicht notwendig seien, weil keine Unterbietungskonkurrenz drohe; - Standards schädlich seien, weil sie der Marktdifferenz und damit der globalen Wohlfahrtsmaximierung im Wege stünden; - Standards negativ seien, weil sie unterprivilegierten Anbietern z.B. in der Dritten Welt den Zugang zu den Märkten der Privilegierten verwehrten und ihnen so die Chancen zur wirtschaftlichen Besserstellung beschnitten.


11.) Von der Ent-Globalisierung und dem Umbau des Sozialstaates

    Ein Substitut für internationale Standards ist die einseitige Unterbindung grenzüberschreitender Warenströme, wenn diese nationale Verteilungsstrukturen bedrohen. Das Recht, dieses zu tun, wird von den Industrieländern noch ausgiebig zum Schutz ihrer Agrarproduzenten in Anspruch genommen. In anderen Bereichen wurde es zugunsten freier weltweiter Märkte weitgehend preisgegeben. Aber die Unzufriedenheit mit dieser gewollten Globalisierung wächst. Die Forderung nach einer gewissen Ent-Globalisierung wird von weltweit koordinierten Nichtregierungsorganisationen verstärkt in eine Debatte eingebracht, in der dieser Punkt lange Zeit so gut wie tabuisiert war. Mehr Gewicht hat der Gedanke der Ent-Globalisierung in der Debatte um die sog. Neue Internationale Finanzarchitektur, wo man Kapitalverkehrskontrollen gegen Finanzkrisen durchführen möchte.

Ohne an internationale Machtfragen zu rühren, kann man versuchen, innergesellschaftliche Gerechtigkeitsstandards dadurch zu schützen, dass man sie sozusagen auf globalisierungsfestere Beine stellt. Ein Weg, dies zu tun, ist, die Finanzierung der sozialen Sicherung und der Solidarität mit den sozial Schwächeren von der Frage der Arbeitskosten zu entkoppeln.

Ein anderer Ansatz ist es, konkurrenzbedrohte Arbeitnehmer in die Lage zu versetzen und zu motivieren, neue Möglichkeiten, die der Arbeitsmarkt bietet, wahrzunehmen. Dies spielt eine große Rolle im sog. "Dritten Weg"(25), der freilich auch andere – von vielen nicht geteilte – Gerechtigkeitsstandards postuliert.


12. Internationale Solidarität und ihre Grenzen

    Globalisierung bietet unterentwickelten Ländern und Regionen neue Marktchancen, bedroht sie aber auch mit Marginalisierung und verstärkter sozialer Polarisierung im Innern. Vieles deutet darauf hin, dass die betroffenen Länder überfordert sind mit der Aufgabe, die Chancen wahrzunehmen und die Bedrohung abzuwenden. Gerechtigkeitsprinzipien legen es nahe, ihnen zu helfen. Zusätzlich zu solchen Prinzipien wurde von jeher ein Eigeninteresse der "reichen Länder" am Wohlergehen der armen geltend gemacht und bezweifelt. Mit zunehmender Entgrenzung der Welt tritt dieses Eigeninteresse klarer zutage.(26)

Ungeklärt bleibt die Frage, wie man andere Länder – mit ihren gesellschaftlichen und politischen Systemschwächen – weltmarkttauglicher machen kann. Die Radikallösung nach deutschem Vereinigungsmuster (also die Einbeziehung in das Transfersystem eines reichen Mutterlandes) ist utopisch. Einen kleinen Schritt in diese Richtung tut die Europäische Union (EU) mit jeder Erweiterungswelle... Auf der anderen Seite muss sich die EU dann um ihre innere Kohäsion sorgen.

Insgesamt ist in der Welt der souveränen Nationalstaaten für wirksame globale Solidarität wenig Platz. Dies gilt für alle drei großen Solidaritätsmechanismen: - Einbindung aller Menschen in globale Sozialstaatsschemata; - Öffnung der Arbeitsmärkte in den reichen Ländern für die Zuwanderer aus armen Ländern; - voll ausgebaute weltweite Regionalstrukturpolitik sozusagen gegen die Schwerkraft des Marktes.

Was es braucht, das ist eine Hilfe zur nationalen Entwicklung. Im besten Fall unterstützt Entwicklungshilfe Länder, die einerseits für ihr eigenes Schicksal verantwortlich sind, aber andererseits in nachhaltige globale Strukturen eingebunden sind, bei dem heroischen und gelegentlich auch erfolgreichen Versuch, dem weltwirtschaftlichen Peripherie-Status zu entkommen.

Einen kleinen Schritt weiter gehen Konzepte, - die globale Wirtschaftsstruktur selbst etwas peripheriefreundlicher zu gestalten, d.h. mehr Freiräume für nationale Entwicklungspolitik zu schaffen und dabei unmittelbare nördliche Eigeninteressen etwas hintan zu stellen ("globale Strukturpolitik"); - die Innenpolitik der armen Länder stärker auf den Kampf gegen Unterentwicklung zu verpflichten.

Zielführend könnten auch Strukturen für mehr Gleichheit in der Armut sein, was allerdings bereits eine Absage an das Ideal der Gleichberechtigung für alle und den Wohlstand für alle darstellt. So gibt es einen Ansatz, mit der Kombination von globalem Wohlstandsgefälle und Staatenwelt politisch umzugehen. Er sieht die Priorität darin, das Leben in der Unterentwicklung erträglicher zu machen. Seine Zielgruppe sind die Armen in den Entwicklungsländern. Das Bruttosozialprodukt ist demgegenüber eine nachrangige Zielgröße.


13. Politik und Instrumentalisierung des Phänomens Globalisierung

    Man kann staatliche und politische Ordnung als eine den Interessen des Einzelnen weitgehend fremde Herrschaftsordnung betrachten, auf die der einzelne Bürger wenig Einfluß nehmen kann und der er darum gleichgültig oder auch mit dem Gefühl des Unterdrücktseins gegenübersteht.(27) Ohne Gesetz und Ordnung ist kein Zusammenleben von Menschen möglich, und darum ist in der Regel ein zwar in mancher Hinsicht unbefriedigender, aber geordneter und durch die Macht des Staates garantierter Zustand immer noch bei weitem einem Zustand der Gesetzlosigkeit, der Anomie, vorzuziehen. Somit gehört die Entstehung von politischer Ordnung und die Ausbildung von politischen Herrschaftsformen zur Natur des Menschen. Und so stellt sich der moderne säkulare Staat vorwiegend als repräsentative, parlamentarische Demokratie dar, in einigen Fällen auch als konstitutionelle Monarchie auf der Basis einer im übrigen demokratischen Ordnung öffentlichen Lebens.

Offenbar ist die Globalisierung ein Argument, das erfolgreich von der Politik benutzt wird. Für die Instrumentalisierung der Globalisierungsdebatte spricht die Verschiebung ihrer Akzente. Was nämlich noch vor Jahren als Internationalisierung einen deutlich positiven Zungenschlag besaß, wird heute unter dem Stichwort Globalisierung zur argumentativen Keule gegen alles, was sich den geforderten Einschnitten in nationale Leistungsstandards widersetzt. Das Konzept scheint übermächtig zu werden. Die Standortlogik hat die Blocklogik beerbt. Wie jene propagiert sie eiserne Zwänge, kaschiert sie Verhältnisse als unabänderlich, gleichsam naturgegeben.

Dabei steckt die tiefe Sinnkrise des Sozialen heute darin, dass es quer durch die etablierten Parteien und in fast allen gesellschaftspolitischen Lagern mehr als Belastung gesehen wird (für die Volkswirtschaft, als Konkurrenznachteil auf dem Weltmarkt) aber viel weniger sein eigener Wert betont wird, der mit über die Lebensqualität und die Humanität einer Gesellschaft entscheidet.

Über alle Parteigrenzen hinweg gelten die vermeintlich überhöhten Personalzusatzkosten, d.h. die von den Arbeitgebern neben Löhnen und Gehältern für Maßnahmen der sozialen Sicherung ihrer Mitarbeiterinnen zu tragenden Aufwendungen, als entscheidendes Beschäftigungshemmnis.


14.) Kultur als Herausforderung

    Die kulturelle Dimension des politischen Handelns wird dort erkennbar, wo demokratische Mitbeteiligung und Mitverantwortung gefördert werden.(28) Wenn weiters die Staatsbürger kritisch darüber wachen, dass politische Macht nicht missbraucht wird und sie selbst den Staat nicht missbrauchen, dann ist das keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sondern Ausdruck der Reife einer politischen Kultur. Von daher ist die weltweite Zusammenarbeit für die Entwicklung einer Gemeinschaftskultur anzustreben.(29) Das Wissen über- und voneinander ist vorhanden, über die neuen Medien abrufbar. Was es aber noch braucht, ist der Abbau von Ressentiments und die weitere Bereitschaft aufeinander zu hören; es geht also nicht nur um die technische oder politische Globalisierung, sondern auch um den Wandel von Mentalitäten, wachsende Toleranz.

Die Welt wächst zusammen, auch was die Standardisierung von Geschmäckern (der Hamburger und die Coca Cola scheinen allen auf der Welt gut zu schmecken), Konsumpräferenzen (Markenware wie Adidas), Gütern (ein bestimmtes Auto) und Dienstleistungen (Sat-TV rund um den Globus) angeht. Unterschiede hingegen werden mehr durch Alter (z.B. die Fähigkeit einen PC zu bedienen), Einkommensniveau (schon Luxus ab dem gehobenen Mittelstand im Gegensatz zum Arbeiten niederer Dienste) und extrem ausgeweitetes Wunschspektrum (Reisen) charakterisiert (werden).

Grundlage für diese Argumentation ist die sog. Kovergenztheorie, nach der aufgrund des technischen Fortschritts und steigendem allgemeinen Wohlstand eine Annäherung von unterschiedlichen Sozialisierungen stattfindet und deren Folge kulturelle Unterschiede und Eigenarten weitgehend an Bedeutung verlieren. An deren Stelle tritt eine globale Kultur, die ihren Ausdruck in einer Verwestlichung und Säkularisierung vieler Lebensbereiche findet. Dies ist zu konstatieren bei einer Reihe von allgemein akzeptierten ethischen, rechtlichen und politischen Werten wie Menschenrechten, Gerechtigkeitsvorstellungen oder Demokratisierung. Dabei spielt die englische Sprache als "lingua franca" des globalen Dorfs eine entscheidende Rolle (ohne Englisch kommt kaum eine internationale Konferenz noch aus).(30) Ebenso entwickeln sich die globalen Medien immer weiter, die Satelliten-TV, international erscheinende Zeitschriften, die weltweite Dominanz der amerikanischen Filmindustrie. Es bilden sich berufsbezogene, globale Subkulturen heraus, wie Intellektuelle, Wissenschaftler, Diplomaten, Geschäftsleute, Künstler, Yuppies; außerdem bilden sich kosmopolitische Bevölkerungsgruppen heraus, wie Symbolanalytiker, Gastarbeiter, Touristen etc. Das Phänomen Globalisierung provoziert weltweit bekannte, verfügbare und nachgefragte Markennamen und Produkte.(31)

Die genannten Entwicklungen in Verbindung mit den über global orientierte Marketingstrategien und Konzentration der Produktion erzielbaren Skaleneffekten haben eine Abkehr der Unternehmen von Strategien der länderspezifischen Marktbearbeitung und regionalen Güterversorgung zur Folge. Die Märkte werden danach zukünftig weltweit nur noch von den günstigsten Produktionsstandorten aus bedient. Strategien wie regionale Marktversorgung mit der Folge regionaler Verdichtungen in Produktion und Außenhandel verlieren dagegen an Bedeutung.


15.) Gesellschaftskultur in der "zusammenrückenden Welt"

    Bevor es zur Abgrenzung und Bestimmung der eigenen Gesellschaftskultur kommen kann, ist es notwendig, sich deren Eigenheiten bewusst zu machen. Bei der Gesellschaftskultur handelt es sich um eine Kultur, die ihren Mitgliedern sinnvolle Lebensmuster für das gesamte Spektrum menschlicher Aktivitäten zur Verfügung stellt, dies schließt den sozialen, religiösen und ökonomischen Bereich, den Bereich von Erziehung und Freizeit, die öffentliche und private Sphäre ein. Diese Kulturen neigen zu gebietsmäßiger Konzentration und basieren auf einer gemeinsamen Sprache.(32) Dabei geht es um die Verschmelzung institutioneller Formen kollektiver und öffentlicher Identitäten mit dem Begriff der Kultur selbst. Somit gibt es die britische, die deutsche, die ungarische... Gesellschaftskultur.(33)

Jede komplexe humane Gesellschaft setzt sich aus mannigfaltigen, historisch gewachsenen symbolischen und materiellen Praktiken zusammen. Ihre Geschichte besteht aus Kämpfen um Macht, Symbolisierung und Bedeutung, um kulturelle und politische Hegemonie; aus Kämpfen, die zwischen verschiedenen Gruppen, Klassen, Geschlechtern stattfinden. Es gibt nicht die eine Kultur, ein kohärentes System der Überzeugungen, Sinngehalte, Symbolisierungen und Praktiken, die sich über das gesamte Spektrum humaner Aktivitäten erstrecken würde. Von daher gibt es so viele Gesellschaftskulturen, wie es Gesellschaften gibt, auftretend als mannigfaltige und rivalisierende kollektive Erzählungen und Bedeutungsmuster, die sich nicht an Institutionen binden lassen und den Dialog der Kulturen ausmachen (im Gegensatz zum Kampf der Kulturen miteinander).(34)

Letztlich gehört aber jeder und jede zu einer Gesellschaftskultur, auch wenn er/sie diese einige Male wechselt. Kulturen und damit auch Gesellschaftskulturen sind keine homogenen Einheiten. Sie bestehen aus Selbstdefinitionen und Symbolisierungen, die ihre Mitglieder im Laufe der Beteiligung an komplexen sozialen und bedeutungsgebenden Praktiken hervorgebracht hat. Kulturelle Praktiken erreichen selten den Grad an Kohärenz und Klarheit, die Theorien aus ihnen destillieren. Jegliche kollektive Erfahrung, die sich über einen gewissen Zeitraum durchhält, vermag eine Kultur zu bilden. Wiederum die Freiheit spielt hier die Schlüsselrolle, denn sie ist die unabdingbare Fähigkeit, die Lebensformen zu erkunden und zu ändern, die uns unsere Gesellschaftskultur verfügbar macht. Um Freiheit und Gleichheit zu sichern, sollten nun öffentliche Einrichtungen und politische Grundsätze dafür sorgen, dass die von der Gesellschaftskultur bereitgehaltenen Möglichkeiten im Sinne von Optionen durch gleichberechtigte Mitgliedschaft und gleichberechtigten Zugang wahrgenommen werden können. Und so liegt der eigentliche Wert der Kultur darin, dass sie eine befähigende Voraussetzung für individuelle Entscheidungen darstellt. Das Ziel jeder politischen Maßnahme, die Kulturen zu erhalten, muss die Ermächtigung von Angehörigen kultureller Gruppen sein, die tradierten Bestimmungen ihrer eigenen Kulturen frei zu wählen, zu bereichern und sogar zu verwerfen. Das Recht auf kulturelle Zugehörigkeit beinhaltet auch das Recht, zu verschiedenen kulturellen Vorgaben, die von Erziehung, Nation, religiöser oder familiärer Gemeinschaft gemacht werden, nein zu sagen. Somit ist die Verwirklichung von Autonomie undenkbar ohne kulturelle Reproduktion, ebenso undenkbar jedoch ohne kulturellen Streit und kulturellen Protest, die das Alte ändern und neue kulturelle Horizonte aufbrechen.


16.) Geschlechterfrage und Globalisierung

    Beim Geschlecht handelt es sich um jene identitätsstiftende Kategorie, die von den meisten Menschen in ganz besonderer Weise als Kern des eigenen Selbst empfunden wird. Stärker als andere gesellschaftliche Basisdichotomien ist die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen ein elementarer Bestandteil jeder Selbstwahrnehmung und bildet damit eine der entscheidendsten Variablen menschlicher Identität und Differenz. Jeder Mensch weiß, dass er ein Mann oder eine Frau ist. Und auch in der Beurteilung anderer besteht darüber in aller Regel kein Zweifel. Dieses Wissen ist biologisch abgesichert. Jeder, der sich nicht in Übereinstimmung mit dem Urteil seiner Umwelt dem einen oder dem anderen Geschlecht zuordnen kann, bedarf professioneller Betreuung. Gerade in diesen Grenzbereichen jedoch, so hat die Geschlechterforschung gezeigt, werden die Prinzipien der Geschlechtsdifferenzierung deutlich. Gerade hier zeigt sich, dass es keineswegs so einfach und selbstverständlich ist, ein Mann oder eine Frau zu werden wie ein Mann oder eine Frau zu sein. Männlichkeit und Weiblichkeit werden im Laufe des Lebensprozesses immer wieder unter Beweis gestellt und immer wieder neu begründet. Die Sicherheit, mit der sich in der alltäglichen Interaktion das Geschlecht einer Person bestimmen läßt, ist zunächst Anspruch und erst dann Tatsache.(35)

Geschlechtergerechtigkeit ist ein typisches Querschnittsthema und gehört damit in alle Fachbereiche hinein, dort wo es um das Verhältnis zwischen Mann und Frau geht. Das Phänomen Globalisierung bietet Optionen und Chancen, aber bringt gleichzeitig auch neue Risiken für marginalisierte Gruppen. Dabei erweist es sich als Illusion, wenn jemand annehmen würde, alle Frauen seien Verlierer und alle Männer auf der Erde seien Gewinner. Ohne Frage aber sind die Wechselwirkungen von Globalisierung und Geschlechterverhältnissen komplex, können jedoch auf drei zentrale Mechanismen reduziert werden.(36)

Globalisierung wirkt erstens z.T. sehr ungleich auf die konkreten Lebens- und Arbeitsverhältnisse von Frauen und Männern, wodurch insbesondere viele arme Frauen in Entwicklungsländern sowohl kurz- als auch langfristig eher zu den Verlierern der Globalisierung gehören (dürften).

Nun basiert die Globalisierung zweitens teilweise auf Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, die den Auswirkungen von Globalisierung gleichsam vorausgehen. Dies betrifft insbesondere den weiterhin eingeschränkten Zugang von Frauen zu Kompetenzen und Qualifikation, zur Erwerbsarbeit, zu ökonomischen Ressourcen wie Grund- und Kapitalbesitz sowie zu Entscheidungspositionen (Funktionären). Selbst vor dem Gesetz sind Frauen vielfach nicht gleichberechtigt.

Und Globalisierung verändert drittens aber auch bestehende Geschlechterarrangements. Einige spezifische Gefährdungen und Benachteiligungen von Frauen nehmen zu. So sind Frauen überproportional von der asiatischen Finanzkrise und der darauf folgenden gesellschaftlichen Krise betroffen. Eine weitere frauenspezifische Gefährdung ist der Menschenschmuggel, der von den Vereinten Nationen als das "am schnellsten wachsende kriminelle Geschäft der Welt" bezeichnet wird. Besonders Frauen und Kinder bilden eine neue globale "Dienstleistungsklasse". Menschenhandel und –schmuggel steht dabei primär mit dem Sexmarkt, dem Arbeitsmarkt und der illegalen Migration in Zusammenhang.

Das Ziel eines erfolgreichen Politikansatzes bezüglich der Geschlechterproblematik innerhalb des Phänomens Globalisierung muss darauf hinauslaufen, die gleichen Teile von Frauen und Männern an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozessen zu ermöglichen und frauenspezifische Gefährdungen zu beseitigen. Es sei zu empfehlen, genderspezifische Auswirkungen der Globalisierung transparenter zu machen. Eine höhere Transparenz hat zum Ziel, Benachteiligungen von Frauen aufzuzeigen, damit diese beseitigt werden können. Dazu gehört u.a. die Förderung und der Schutz der Rechte von Arbeitnehmerinnen, die Verwirklichung des Menschenrechts auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die Stärkung der sozialen Sicherungssysteme. Frauen aus Entwicklungsländern sollten bei allen Maßnahmen gezielt unterstützt werden.


17.) Ausgewählte Theorien zur Globalisierung der Ethik

    Vier moderne Konzepte der Verbindung von Ethik und Globalisierung seien hier kurz genannt und umrissen:(37)

Im Bereich der Naturwissenschaften entwickelt sich die evolutionäre Ethik. Demnach sind wir alle letzten Endes dazu aufgerufen, eine evolutionäre Ethik mitzugestalten. Sie müsste nicht nur über den Einzelnen, sondern über die ganze Menschheit hinausreichen und die Prinzipien der Evolution wie Offenheit, Ungleichheit, die positive Rolle der Fluktuationen, Engagement und Nicht-Festhalten explizit mit einschließen. Am Anfang einer weltweiten schöpferischen Krise, die unser bisheriges Leben auf allen Ebenen in Frage stellt, sind wir freilich noch weit davon entfernt, eine solche evolutionäre Ethik zu formulieren.(38)

In den Sozialwissenschaften ist die Globalisierung der Ethik eng mit der Entwicklung des Völkerrechts verbunden, das zu Beginn der Neuzeit aus den Trümmern des mittelalterlichen christlichen Imperiums hervorging, eine Gemeinschaft gleichberechtigter souveräner Staaten voraussetzte und als klassisches Völkerrecht über einige Jahrhunderte dominierte. Die Globalisierung der Ethik führte also vom Einzelmenschen und individualistischen Anfängen im Altertum über das Ethos des Völkerrechts zum Ethos des Menschheitsrechts, unterbrochen vom römischen Imperium, dem christlichen Imperium des Mittelalters und dem Kolonialismus in der Neuzeit. Auch hier zeigt sich der evolutionäre Charakter der Globalisierung: Auf Fortschritte in der Ethik folgten immer wieder Phasen der Stagnation und sogar des Rückschritts. Schreckensbeispiele des vergangenen Jahrhunderts sind die beiden Weltkriege und der Holocaust.

Im philosophischen Bereich der Ethik lässt sich ein Paradigmenwechsel bezüglich der Werte festhalten. Denn mit den traditionellen Wertbegriffen ebenso wie mit den fundamentalen kann es auf Grund der neuen Situation, eben des Bewusstseins der globalen Gemeinschaft, nicht wie bisher weitergehen. Autonomie und Integrität werden als geeignete Grundlagen einer neuen, weiterführenden globalen Ethik angesehen. Demnach ist Autonomie mehr als Besitz, mehr als bloßes Sein, sondern besonders offen und provozierend für die Entfaltung der eigenen Kreativität. Und so kommt es sublim – weitgehend unbemerkt - zur Ablösung der possessiven Werte durch die kreativen. Die Hoffnung auf die neue Integrität, einer bedingungslosen Aufrichtigkeit im Reden und Tun, die ohne Autonomie nicht möglich ist, sich aber nicht mit ihr deckt, geht von der Beobachtung einer durchgehenden Unaufrichtigkeit des modernen Lebens aus.

Im religiösen Raum gibt es das Projekt Weltethos, das von Hans KÜNG ins Leben gerufen wurde. Er sieht die Globalisierung unvermeidbar, ambivalent, unberechenbar, steuerbar und postuliert einen neuen Sinn für Verantwortung.(39) KÜNG hält die Besinnung auf das allen Menschen Gemeinsame im Ethos mehr denn je geboten.(40) "Kein menschliches Zusammenleben ohne ein Weltethos der Nationen. Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen. Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog unter den Religionen."(41)


18.) Menschheitsethik als Moral im "global village"

     Immer sind moralische und ethische Vorstellungen gewachsene Größen, die kulturabhängig sind und deren materiale Normen und Wertvorstellungen regional wie sozio-kulturell verschieden geprägt werden. In diesem Sinne gibt es keine Menschheitsethik (sondern eben viele unterschiedliche ethische Ansätze), und ob die verschiedenen existierenden "Moralen" oder "Ethiken" künftig einmal zu einer einzigen zusammenwachsen, ist mehr als fraglich, obwohl im Zeitalter von Internet und Computer die Informationsgesellschaft sich über den Globus auszudehnen beginnt und die faktische Welt bereits um virtuelle Welten und Cyberspace Erfahrungen erweitert wurde.(42) Wenn aber trotzdem von einer Menschheitsmoral oder Menschheitsethik die Rede sein soll, dann in dem Sinne, dass damit das horizontale Ethos bezeichnet wird, das die auf der Erde lebenden Individuen nicht technisch, sondern ästhetisch miteinander vernetzt – zum einen in der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Wortes für Gefühl bzw. Sinnlichkeit (aisthaesí) und zum anderen gemäß der in der Neuzeit als Ästhetik bezeichneten Lehre vom Schönen. Wenn es diesseits aller Antagonismen, die Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kulturen und Religionen aufgrund ihrer Durchdrungenheit vom alten vertikalen Ethos erzeugt haben, etwas gibt, das die konkreten Menschen als organische Lebewesen miteinander verbindet, dann ist es ihre Leidensfähigkeit und Schmerzempfindlichkeit: ihre Verletzlichkeit.

Die allererste Erfahrung, die Individuen unmittelbar miteinander teilen, ist die von Angst, Schmerz, Trauer, Not. Aber auch Freude, Liebe, Glück, Lust teilen sich direkt mit, unabhängig von den unterschiedlichen Anlässen, die solche Gefühle hervorrufen. Was wir am und mit dem eigenen Leibe spüren, gibt die Folie ab, auf welcher wir fremdes Leid und Glück mitsamt den jeweiligen Bedürfnissen ohne weiteres nachvollziehen und verstehen. Daher scheint das ästhetische Fundament ein gleichsam "organisches Apriori" zu sein, auf dem eine Menschheitsethik ohne ideologischen Überbau errichtet werden kann. Die Befolgung der Goldenen Regel reicht für ein globales Ethos aus. Wer sich nach Kräften darum bemüht, soviel wie möglich von den anderen physischen oder psychischen Schaden abzuwenden, der tut mehr als einer, der im Namen einer reinen Vernunft das Gute predigt! Die Vertrautheit mit dem eigenen Leib, mit Freude und Leid als sinnlich erlebten Qualitäten verbindet die menschlichen Lebewesen über alle trennenden Schranken hinweg und begründet eine einfache Menschlichkeit, die in der Einsicht besteht, dass es unsere Pflicht ist, die Mit-Individuen vor Verletzungen zu bewahren. Indem wir die Integrität unserer Natur als ein schützenswertes Gut erachten, geben wir zu verstehen, dass dieser Schutz allen organischen Wesen – und menschlichen Personen im besonderen – als ein unverbrüchliches Recht zugestanden werden muss.(43)

Natürlich wäre es weltfremd, wollte man die Wirklichkeit leugnen, dass sich viele über die aus der natürlichen Empfindung erwachsene Menschheitsethik hinwegsetzen. Zwar tun sie alles, um für sich selbst Schaden zu vermeiden, finden aber nichts dabei, andere zu schädigen, zu erniedrigen, zu quälen, zu vernichten. Im Extremfall (Sadismus) erfreut sie sogar das anderen zugefügte Leid. Es gibt viele Spielarten des Bösen. Es fragt sich, wie man damit umgehen soll. Freilich wird keine noch so überzeugende Utopie auch nur einen Böswilligen abschrecken.(44) Das Böse ist ein Faktum, mit der jeder für sich auch in Zukunft leben muss. Dabei erscheint es sekundär, ob man die Herkunft des Bösen auf üble soziale Umstände, den Sündenfall oder schlechte Gene zurückführt. Die Annahme, das Böse ließe sich durch "Züchtung" (Klonung) gutartiger Wesen, durch Herstellung optimaler gesellschaftlicher Verhältnisse oder religiösen Glauben aus der Welt schaffen, verkennt die Besonderheit der menschlichen Freiheit, die eben die Freiheit zum Guten und zum Bösen zulässt. Den Missbrauch der Freiheit als Freiheit zum Bösen kann man nur um den Preis der Freiheit selbst unterbinden. Dennoch sind negative Utopien eine nicht zu unterschätzende, die Phantasie anregende Orientierungshilfe sowohl für diejenigen, die sich die Prinzipien der Menschheitsethik zu eigen gemacht haben, als auch für die große Zahl derer, die sich mehr oder weniger gedankenlos in einer moralisch-ethischen Grauzone bewegen und sich vielleicht aufrütteln lassen, wenn ihnen ebenso drastisch wie realistisch vor Augen geführt wird, welche unerwünschten Folgen ihr gleichgültiges oder rücksichtsloses Verhalten für ihre Kinder und Enkel haben.(45)


19.) Globalisierung im Sinne von Vereinheitlichung und Verbreitung

    Der hochkomplexe, ambivalente, vielschichtige und gegenläufige Tendenzen umfassende Terminus der Globalisierung muss sowohl der Vereinheitlichung als auch der Verbreitung Rechnung tragen. Dazu bedarf es der Selektion und der Transformation. Aus dem riesigen Erbe ethischer Vorstellungen und Begriffe muss Überflüssiges und Überlebtes ausgeschieden und Weiterführendes auf kurze, einfache, verständliche Formeln gebracht werden. Das ist aber auf ethischem Gebiet nur mit Hilfe einer Transformation auf eine höhere, eben die globale Ebene erreichbar, wobei die Vielfalt ineine neue Art der Einheit übergeht, eine neue Qualität gewinnt. Weder ein Verhaltensmuster für alle (wie bei KÜNG) noch alle Verhaltensmuster für einen ist auf der konventionellen Ebene möglich, wohl aber auf globaler Ebene, die jedem sein Ethos konzediert, in dem die Mannigfaltigkeit konventioneller Muster des Verhaltens aufgehoben ist. Man muss sich auch hier entscheiden, ob man den Menschen an die Ethik oder die Ethik an den Menschen anpassen will. Die Ethik des globalen Zeitalters sollte am Menschen, nicht an abstrakten Vorgaben orientiert sein. Von daher darf eine Globalisierung der Ethik nicht zur Nivellierung führen, nicht zur Beglückung von außen, sondern muss zur Selbstfindung, Selbsterkenntnis und Selbstbefreiung beitragen, wobei im Mikrokosmos der Persönlichkeit der Makrokosmos der Wertewelt aufleuchtet. Die Einheit ist nicht in einem Weltethos gegeben, sondern in der Einheit des Wertbewusstseins.(46)

Bewusstseinswandel schafft Wertewandel und dieser Wandel des Menschen und der Gesellschaft bzw. der Gemeinschaft, also Einheit des Wertbewusstseins und Vielfalt der Werte, Verhaltensmuster und Lebensformen. Globalisierung der Ethik heißt danach weder die Vielfalt der Einheit noch die Einheit der Vielfalt opfern, gleichzeitig vereinfachen und Komplexität ermöglichen, vereinheitlichen und differenzieren, global denken, regional fühlen und lokal handeln. Globalisierung bedeutet für die Ethik also eher eine Chance als eine Gefahr, zumindest die Chance, sich zu erneuern, aus einer Ethik der Tabus, Gebote, Verbote, Normen und Prinzipien zu einer Chancenethik zu werden, die sich durch Autonomie, Flexibilität, Toleranz, Effizienz und Kreativität auszeichnet. Der Sinn von Globalisierung hängt also eng mit dem menschlichen Dasein und dem Schicksal der Menschheit zusammen, und wird dadurch wesentlich von ethischen Faktoren mitbestimmt.(47)


20.) Der Mythos von der Multi-Kulti-Gesellschaft (48)

     Nun haben die Probleme, die in den USA schon lange zum Alltag gehören – und dort auch keine Lösung erfuhren – auch Europa erreicht, nämlich die alltagspraktische Vereinbarkeit unterschiedlicher Kulturen, die Fragen ethnischer, rassischer, religiöser und geschlechtsspezifischer Gleichberechtigung. Bei genauerem Hinsehen wird der Zwiespalt schnell ersichtlich: auf der einen Seite die Vision von der multikulturellen Gesellschaft und auf der anderen die Fremdenfeindlichkeit im Alltag.(49)

Nicht nur die US-amerikanische Melting-Pot-Theorie ist im Gespräch. Es geht auch um andere Formen des Zusammenlebens in dieser globalisierten Welt: um das freie Beieinander kulturell in sich homogener, voneinander separierter Gruppen; oder um die Durchdringung der Lebensstile, mit der Entwicklung einer neuen Europa-Kultur; oder um ein nachmodernes Gemisch aller Kulturen. Jedoch schaut die Gesellschaft in jedem Falle ganz anders aus, und jeder dieser Fälle provoziert und benötigt eine je eigene Umgangsform mit dem Fremden. Freilich geht es immer mehr oder weniger um die Einheit in der Vielfalt, um viele Bewohner mit ihren Eigenheiten im gemeinsamen Haus. Das sind Begriffe und Hilfskonstruktionen, die vielversprechend klingen mögen, aber die Antwort schuldig bleiben, wie man in realiter miteinander leben soll. Und wenn die moderne Gesellschaft schon individualistisch und pluralistisch ist, dann steht ihr eigentlich auch nichts mehr Wege, dass sie auch nachmodern, multikulturell und global genannt werden kann.

Folgendermaßen wird z.B. die südfranzösische Stadt Marseille beschrieben:

"Reiche und Arme, Arbeiter, Studenten, Rentner und Händler, Juden, Moslems und Christen, Mozarbieten und Karbylen, Senegalesen, Marseiller, Franzosen und Algerier, Junge und Alte knüpfen soziale Bänder, entwickeln eine produktives Netzwerk des beständigen Austauschs, eine Raum-Zeit-Welt großer Dimension, die nach Afrika, Asien und Europa geöffnet ist. An solch einem Ort hat der Begriff Immigration seinen Sinn verloren, man sollte besser von einer ständigen Fluktuation zwischen verschiedenen Welten sprechen."(50)

Die Schwierigkeit liegt nun aber darin, dass den Menschen in Europa zugleich beides zugesagt wird: Einerseits werden die Vorzüge einer kosmopolitisch-pluralistisch- multikulturellen Welt versprochen (ein bunteres Ambiente, die ständige Aufgeregtheit des Exotischen, ein bereicherndes Erleben angewandter Toleranz); andererseits werden neben dem Volksfestambiente einer multikulturellen Welt auch kulturelle Beständigkeit, das Beibehalten von Eigenart und Identität, von Heimat und Beheimatung zugesichert. Aber beides ist nicht zugleich – und ohne Verluste des je anderen – zu haben.

Daraus entstehen einige Spannungsfelder, die hier kurz angerissen werden. Zunächst handelt es sich um die Mehrheitsrechte.(51) Über die (gefährdeten) Minderheitenrechte wird nicht zu Unrecht oft gesprochen, aber die Erörterung der Mehrheitsrechte wird peinlich gemieden. Ebenso wie man eingewanderten Minderheiten die Chance zur Aufrechterhaltung ihrer Kultur bieten muss, so muss man auch das Recht der Mehrheiten akzeptieren, ihre Lebensweise nicht durch allzu freizügigen Zuzug aus kulturell fernstehenden Ländern unterminieren zu lassen. Aber warum sollte nicht ein Londoner das Recht besitzen, den unverwechselbaren britischen Charakter seiner Stadt zu wahren?

Im zweiten Spannungsfeld geht es um die Vereinbarkeit unterschiedlicher Kulturen. Nun unterstellt der multikulturelle Moralismus die zwanglose Vereinbarkeit von allem und jedem. Alle müssen sich an die Gesetze und die Verfassung halten, darüber hinaus bleiben aber die traditionellen Lebenswelten unangetastet. Dabei geht es nicht nur um religiöse Riten oder verschleierte Frauen, sondern das erste größere Problem taucht dort auf, wo die liberale Gesellschaft des Abendlandes andere Auffassungen, Lebensstile und Kulturen nicht einfach respektieren kann, sondern mit Gruppierungen, Glaubensbeständen und Ideologien konfrontiert ist, die selbst ethnische oder rassische Überlegenheit beanspruchen und gegenüber anderen Kulturen nicht tolerant sind. Allein die Trennung von Staat und Kirche, die der Kommunitarist Michael WALZER Tugend freier Gesellschaften nennt, ist eine kulturspezifische Errungenschaft Europas. Diese liberalistische "Kunst der Trennung" wird in vielen anderen Kulturen Asiens und Afrikas nicht anerkannt und wirft die provokante Frage auf: Wie intolerant müssen wir sein, um andere auf unsere Begriffe von Menschenwürde, Toleranz und Freiheit zu verpflichten? Trotz allem ist weitgehende Assimilation in vieler Hinsicht vorprogrammiert, und die damit verbundenen Konflikte und Auseinandersetzungen sind absehbar. Denn die Illusion der allumfassenden Toleranz verdeckt diese Härten multikultureller Konflikte.

Im dritten Spannungsfeld wird die offenkundige schichtspezifische Differenzierung der Haltungen der inländischen Bevölkerung gegenüber Fremden anzusprechen sein. Oberflächlich und fehlerhaft interpretiert, wird Fremdenfeindlichkeit ideologisch nur in rechtsradikalen, nazistischen oder nationalistisch-fundamentalistischen Wählerschichten geortet. Aber fremdenfeindlicher Populismus erfasst vielmehr wesentliche Schichten des Mittelstandes, der Arbeiterschaft und der einfachen Angestellten. Dabei steht die Einwanderungspolitik der Industriegesellschaften in der Schere zwischen kosmopolitischen Humanitätsgefühlen bessergestellter Gesellschaftsschichten und den Gefährdungsängsten und Abschließungsforderungen des breiten Publikums. Zwei Hauptströmungen sind dabei zu beobachten: Die Intellektuellen, darunter auch Linke sowie Grüne und Christen, möchten unter dem Einfluss starker Humanitätsgefühle die Grenzen weit öffnen; die weit größere Mehrheit der Bevölkerung aber, umso eher, je weiter man auf der Skala der sozialen Schichtung nach unten geht, möchte die Grenzen dicht machen. Prinzipiell hat ja die Oberschicht wenig Probleme und Konfliktpotential mit Immigranten. Aber Multikultur-Probleme sehen aus der Sicht eines Jazz-Konzert-Besuchers, der sich von schwarzen Musikern unterhalten und von italienischen Kellnern bedienen lässt, anders aus als aus der Sicht eines Arbeiters, der sich mit den Immigranten in scharfer Konkurrenz um Wohnung, Schule und Arbeitsplatz befindet. Die Inländer-Ausländer-Konflikte können somit leicht zu einem Auseinanderdriften inländischer Sozialmilieus führen, zu einer Öffnung der Kluft zwischen den Normalarbeitnehmern, denen heutzutage ohnehin ein scharfer Wind um die Ohren pfeift, und den Intellektuellen, die sich ungefährdet auf die buntere Gesellschaft freuen. Ergo: auf die Sicht kommt es an und den sozialen Status einer Person!


21.) Der Terminus der Weltgesellschaft

    Gesellschaft als Weltgesellschaft ist ein Singular.(52) Jede andere als die Gesellschaft auf der Erde ist hier nicht wirklich relevant zu betrachten. Aus der Teilnehmerperspektive war es vermutlich seit Erfindung der Sprache so. Wir leben, jeder von uns, in einer Welt, und jeder neue Kommunikationsteilnehmer, der uns begegnet, taucht immer schon in dieser Welt auf. Somit gibt es die soziale Lebenswelt für die Handelnden ausschließlich nur im Singular. Als Provinz erscheint sie erst aus der Distanz des sozio-kulturellen Beobachters. Für den Beobachter gibt es Lebenswelten und Gesellschaften im Plural. Und auch in der modernen Welt stellt sich das so dar, wenn man, wie es in der sozialphilosophischen und soziologischen Tradition von HEGEL bis MARX, DURKHEIM und WEBER geschehen ist, unter einer Gesellschaft eine konkrete Totalität versteht, - eine Kultur oder Zivilisation, eine Menschengruppe, ein historisches Sinngebilde, nationale, regionale oder sonstige Kollektivsubjekte. Ein solches Verständnis ist jedoch der höchst abstrakten Einheit und der globalen Realität der modernen Gesellschaft unangemessen. Zu einem angemessenen Verständnis gelangt man erst, wenn man Gesellschaft als Kommunikationszusammenhang begreift.(53) Aus der Teilnehmerperspektive muss dann zunächst die soziale Lebenswelt als Einheit kommunikativer Erreichbarkeit definiert werden. Sie ist etwas viel Abstrakteres als eine konkrete Totalität. Zu je meiner sozialen Lebenswelt gehören alle kommunikativen Operationen, die in ihrem Horizont auftauchen, sie mögen mir fremd oder vertraut sein, zu unserer jeweiligen Regionalkultur zählen oder nicht. Sofern überhaupt eine Kommunikation zustande kommt, ist die kommunikative Einheit der Lebenswelt schon vorausgesetzt. Auch aus der Beobachtungsperspektive gilt für die Identifikation einer Gesellschaft dasselbe Kriterium kommunikativer Erreichbarkeit. Mit Hilfe dieses Kriteriums ist dann die singuläre Weltgesellschaft von ihren Vorläufern im Plural unterscheidbar. Gesellschaften im Plural hat es solange gegeben, wie es Kommunikationszusammenhänge gab, die kommunikativ füreinander unerreichbar waren, also bis an die Schwelle der Moderne. Danach gibt es nur noch eine Gesellschaft. Dabei erscheint es wichtig, dass man die Singularisierung der Gesellschaft nicht mit Homogenisierung verwechselt. In der einen Gesellschaft sind immer viele Kulturen kommunikativ erreichbar. Ihre Angehörigen können jedoch nicht mehr aus dieser Gesellschaft ausbrechen. Deshalb ist es die Weltgesellschaft, die den Kulturen und substantiellen Lebensformen die Konditionen ihrer Entstehung, Entwicklung und Veränderung ultimativ diktiert. Denn gegenwärtig gibt es für Erdenbürger keine andere Gesellschaft als Alternative, sondern jeder und jede ist auf diese seine Welt und die Weltgesellschaft ganz existentiell angewiesen.

Somit ist die nachmoderne Gesellschaft von Beginn an eine Weltgesellschaft. Und die Entwicklung eines immer enger geknüpften Netzes aus immer schneller kommunizierenden Verbreitungs- und Erfolgsmedien (54) hat mittlerweile zur vollständigen Globalisierung der ursprünglich in Europa entstandenen Gesellschaft der Funktionssysteme geführt. Zunächst war diese Gesellschaft ein europäisches Projekt, ist es aber heute nicht mehr. Zur Weltgesellschaft erweitert, hat sie jede europäische Sonderstellung verloren und sich vollständig dezentriert, so dass man sagen kann, es hat einen Eurozentrismus gegeben, aber es gibt ihn nicht mehr. Jeder und jede muss in dieser neuen (für viele zu großen, ja übermächtigen) Gesellschaft leben, und zwar spätestens seit der globalen Destruktion der Hauswirtschaften – als Person, ob er oder sie das will oder nicht, egal in welcher Herkunftskultur auch immer, denn jeder Mensch ist eine spezifische Lebensumwelt hineingeboren, die er sich nicht aussuchen kann. Diese Weltgesellschaft ist die einzige Gesellschaft, die es gibt. Und sie ist überall ebenso alternativlos wie der ihr eigentümliche Individualismus. Alternativen gibt es nur in dieser Weltgesellschaft, es sind Alternativen zu Kulturen und Produktionsverhältnissen, zu Klassenstrukturen und Lebensweisen, aber es sind keine Alternativen zur funktional differenzierten, individualisierten Weltgesellschaft. Wer also in dieser Welt mitbauen möchte, der baut die Weltgesellschaft mit, nicht mehr und auch nicht weniger. Heute können viele Menschen darüber selbst entscheiden, wo sie leben, arbeiten, urlauben möchten. Auch das ist ein besonderer Ausdruck dieser neuen Weltgesellschaft, die als solche eindimensional sein mag, in ihr bieten sich aber vieldimensionale Möglichkeiten, die wiederum Risikobereitschaft dem/der Einzelnen gegenüber abverlangen.


22.) Von der Weltrepublik

     Egal, welche konkrete Form eine Weltrepublik auch annehmen möge, ein nach wie vor gängiges Vorurteil, das sich auch am System der Europäischen Union festmachen lässt, heisst: lebensfernes Ideal. Der Skeptiker hält die Weltrepublik für eine vielleicht liebenswerte, bei nüchterner Betrachtung aber doch schwärmerische Utopie, für eine Weltfremdheit, die zur Ohnmacht des Sollens verurteilt ist. Aus der Angst vor einer allzu weitgehenden transnationalen Harmonisierung wünscht sich mancher, Weltbürger zu sein, ohne deshalb einen Weltstaat einrichten zu müssen. Daraus erwächst ein normativer Anspruch. Erst im Gedanken einer Weltrepublik erfüllt sich ein moralisches Gebot, dessen Anerkennung die Menschen einander schulden, das universale Rechtsgebot. Die Herrschaft von Recht, Gerechtigkeit und Demokratie auch auf globaler Ebene, die subsidiäre und föderale Weltrepublik, ist die Messlatte, an der sich eine künftige Weltordnung messen und orientieren muss und soll.(55)

Nun wird aber auch Skepsis geäußert, dass eine Weltrepublik realistisch sei? Einwände sind gewöhnlich vor allem empirischer, anthropologischer oder ethischer Art. Gemäß der Empirie zeichnet sich die Bildung einer Weltrepublik nicht im entferntesten ab. Die geringen Erfolge bei der Aufgabe, Krieg und Bürgerkriege zu beenden oder die internationale Ökologie zu verbessern, legen sogar die Gegenbewegung nahe, nämlich dass bei zunehmender Vernetzung der Welt die Fähigkeit die Probleme rechtsförmig zu lösen, mehr ab- als zunimmt.

Im anthropologischen Gegenargument wird behauptet, eine Weltrepublik übersteige die Möglichkeiten der Menschen prinzipiell. Das ganze Konzept sei lediglich für eine Hand voll Idealisten vertretbar und überzeugend, aber die Durchschnittsmenschen (die großen Massen) seien maßlos überfordert. Der Grund dafür liege nicht etwa im Mangel an kognitiven Kräften oder organisatorischen Fähigkeiten, wohl aber bei der menschlichen Motivation und einem zu starken Egoismus, der das zur Durchsetzung notwendige Solidaritätsprinzip nicht wirklich zur Geltung kommen lässt.

Die Weltrechtsordnung, die einer Weltrepublik zugrunde liegen müsste, scheint im Sinne eines ethischen Gegenarguments als nicht wünschenswert, selbst wenn sie möglich sei. Nach einem schon in der Antike bekannten und immer wieder zitierten Topos sei nämlich der erklärte Gegensatz zum Recht, der Krieg, nicht bloß für Zerstörungen und Leid, sondern auch für jene größeren Veränderungen verantwortlich, die den Stillstand der Geschichte verhindern. Und die Grundaussage, dass dort, wo radikal Neues ausbleibt, die Welt nachhaltig verarmt, ist ebenso korrekt. Aber nicht nur der Krieg verändert radikal und bringt Dynamik in die Gesellschaft, sondern auch bestimmte Paradigmenwechsel, wie z.B. die sanfte Revolution im ehemaligen Ostblock in den Jahren 1989/1990.

"Die vielfältige Globalisierung schafft oder verschärft einen Handlungsbedarf, der, soll er den Ansprüchen von Recht, Gerechtigkeit und Demokratie genügen, nach einer Rahmenordnung verlangt, die an die Stelle der Gewalt das Recht setzt, das Recht auf Gerechtigkeitsprinzipien verpflichtet und das gerechte Recht einer subsidiären und föderalen Weltrepublik überantwortet."(56)


23. Schlussfolgerungen und Zusammenfassung

(1) Wie im Leben eines jeden Menschen bei Veränderungen Chancen und Gefahren, Möglichkeiten und Risiken, Hoffnungen und Verluste, aus der aktuellen Situation heraus entstehen, so verhält es sich auch beim Thema Globalisierung. Je nach Autor werden optimistische oder pessimistische Szenarien als Folgen der Globalisierung entwickelt.(57)

Aus neoklassisch-liberaler Sicht werden die durch globale Konkurrenz sowie intensivere Verflechtung ermöglichten Effizienzgewinne (über Markterweiterungseffekte und Allokation) und erweiterten Konsummöglichkeiten (über größere Produktauswahl und sinkende Preise) betont. Weiterhin werden über ausländische Direktinvestitionen und Technologietransfers Entwicklungsimpulse und damit verbunden eine Nivellierung der globalen Wohlfahrt erwartet und die Entwicklung einer friedlichen Weltgesellschaft für möglich gehalten.

Interventionistische, neomarxistische und isolationistische Autoren dagegen zeichnen ein Bild national und international steigender gesellschaftlicher wie auch ökonomischer Fragmentierung und Desintegration.(58) Die Mobilitätsunterschiede zwischen den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital führten zu verstärkter Ungleichheit und Ausbeutung, was z.B. in Schlagwörtern wie Ende der Arbeit, Aushöhlung des Mittelstandes oder dem Wettlauf nach unten zum Ausdruck komme. Gleichzeitig wird von einer Entdemokratisierung und Entleerung der Politik wie auch von der sinkenden Integrationsfähigkeit des Nationalstaates gesprochen. Separatismus, Nationalismus und Fundamentalismus lassen sich dieser Argumentation entsprechend als Gegenreaktionen auf den Globalisierungsprozess interpretieren. Schließlich steigen aufgrund der zunehmenden internationalen Kapitalströme (Kapitalflucht und Währungskrisen) und immer häufiger auftretender Handelskonflikte die internationalen ökonomischen Risiken (Talfahrt der Börsen!).

(2) Die Notwendigkeit einer globalen Rahmenordnung für weltweite Institutionen ergibt sich daraus, dass sie in viele Bereiche hinein wirken würden, die juristisch gesehen als Vakuum gelten, Rechtssicherheit bringen und Missstände beseitigen helfen.(59) Es bedarf daneben aber auch entsprechender Kontrollinstanzen solcher Institutionen und deren Rahmenordnungen. Die Steuerung und Kontrolle globaler Tätigkeiten (ökonomischer, ökologischer etc.) ist auch deshalb besonders einsichtig, weil im Prozess der Globalisierung immer mehr Megafusionen von Unternehmen zu verzeichnen sind, die mit ihrer Weltmarktbeherrschung gefährlich zu werden drohen und auch die Kontrollmacht nationaler Regierungen erheblich übersteigen (können). Es gilt als Tatsache, dass schon bei Investitions- und Niederlassungsentscheidungen die finanzmächtigen Investoren Konditionen diktieren können, welche nicht unbedingt dem Wohl der ortsansässigen Bevölkerung dienen müssen, denn multinationale Unternehmen gehören sicher nicht primär zu den „Bannerträgern der Menschenrechte" und ihrer Standards, sondern sind Vertreter von Gewinninteressen. Von daher werden nationale Gesetze besonders sinnvoll, die zur Verhinderung und Beschränkung monopolartiger Wirtschaftsmacht dienen. Brisant wird es vor allem dort, wo sich internationale Unternehmen der Medienbranche zusammenschließen, weil dort elementare Funktionen in der Kontrolle politischer und wirtschaftlicher Macht plötzlich manipulierbar werden und Kontrolle a priori ausgeschaltet wird.(60)

(3) Es braucht eine Globalisierung der Ethik und Moral, eine Globalisierung die von Ideologien befreit. Zur Zeit herrscht der Megatrend Globalisierung als Phänomen hin auf eine Weltgesellschaft. Die Globalisierung der Ethik ist wahrscheinlich die wichtigste Komponente, denn von Moral und Ethik dürften Erfolg oder Misserfolg des gesamten Prozesses abhängen. Das Phänomen ist weder ein Allheilmittel noch ein Verhängnis, weder ein Gespenst noch eine Falle und weder eine Idee noch Theorie, sondern eine Wirklichkeit, die uns als persönliche Herausforderung angeht. Der Mensch kann Tatsachen wahrnehmen und sich ihnen stellen oder sie ignorieren und ihnen ausweichen, Herausforderungen annehmen oder sich verweigern und die Antwort schuldig bleiben sowie Tendenzen mitsteuern oder von ihnen überrollt werden. Jeder und jede Einzelne muss sich dieser Entwicklung stellen. Globalisierung erscheint – auf diese Weise betrachtet – primär gar nicht mehr als ökonomisches, ökologisches, politisches oder technisches Problem, sondern als ein sittliches, moralisches und ethisches. Es hängt also nicht nur von der Macht der Entscheidungsträger ab, sondern von der Sittlichkeit jedes Einzelnen, ob Globalisierung zur Umweltzerstörung, zum Artensterben, zu neuen Bürger- und Weltkriegen und zum Kannibalismus ausartet oder ob sie der Umweltkultur, der Artenvielfalt und dem friedlichen Zusammenleben aller Bewohner des globalen Dorfes dient. Daran sollte klar werden, ob das Phänomen Globalisierung zur Chance oder zur Gefahr wird, das hängt vorrangig vom Ethos der Machteliten ebenso wie vom Ethos des Einzelnen ab, die die Gesellschaften prägen und damit die gesamte Menschheit beeinflussen.(61)

(4) Das Phänomen der Globalisierung wird vor allem mit dem rasanten technologischen Fortschritt, mit bedeutenden politischen Entwicklungen und weltweit zu beobachtenden gesellschaftlichen Veränderungen sowie mit dem Auftreten neuer Wettbewerber begründet. Hinsichtlich der technologischen Entwicklung sind vor allem der Fortschritt in den Informations- und Kommunikationstechnologien, aber auch im Transportwesen zu nennen. Die zunehmende weltweite Vernetzung über Telefon, Fax, Internet, Kommunikationssatelliten und transnationale Medien hat in Verbindung mit der rapide gesteigerten Informationsverarbeitungskapazität und –geschwindigkeit moderner Computersysteme die verfügbaren Informationsmengen explosionsartig ansteigen lassen. Gleichzeitig sind die Kosten der Informationsbeschaffung und Informationsverbreitung stark gesunken. Auch haben sich internationale Datenbankunternehmen und Auskunftsbüros mit elektronisch abrufbarem und stets aktuellem Informationsangebot als neue Dienstleistungsbranche etablieren können. Die Verfügbarkeit schnellen und sicheren Personenverkehrs ermöglicht darüber hinaus häufige persönliche Kontakte zwischen Geschäftsleuten, Wissenschaftlern und Politikern weltweit. Insgesamt steigt neben der übermittelten und verarbeiteten Informationsmenge auch deren Wirkung und Reichweite. Eine intensivierte Reaktionsverbundenheit der Märkte und politischen Systeme ist die Folge dieser Entwicklungen. Auch konnten durch Containerisierung, Lufttransport und den Ausbau der Verkehrsnetze in den vergangenen Jahrzehnten die Raumüberwindungskosten und Transportzeiten im Welthandel nachhaltig gesenkt werden.

(5) Als einer der wichtigsten gesellschaftlichen Veränderungen als Ursachen der Globalisierung wird der Strukturwandel von der Industrie- zur Informations- und hin zur Wissensgesellschaft genannt. In Verbindung damit ist auch die wachsende Bedeutung global orientierter, gut ausgebildeter Spezialisten wie Symbolanalytikern zu sehen. Daneben wird über ein allgemein steigendes Ausbildunsniveau und die Durchdringung der Gesellschaft mit internationalen Medien ein allgemeiner Wertewandel (62) begünstigt, der traditionelle Institutionen und soziale Bindungen verdrängt und die geographische, mentale und emotionale Mobilität der Menschen steigert.

(6) Als eine Art Gegenreaktion zur Globalisierung hat sich auf anthropologischer Ebene die verstärkte Individualisierung herausgeschält. Diese führt "zur Bildung neuer überindividueller Deutungs- und Verhaltensmuster, zu anderen, meist selbstgewählten Zugehörigkeiten und Beteiligungen, zu alternativen Vereinheitlichungen, kollektiven Verdichtungen und Standardisierungen der Existenzformen."(63) Es entstünden neue Gemeinschaftsformen trotz oder gerade als andere Seite der Bedingungen von Individualisierung, also greifen zwei Elemente zur gleichen Zeit, nämlich Fragmentierung und Vermassung. Sie schließen sich nicht aus, sondern überlappen und bedingen einander – Zeichen der radikalisierten Moderne, wie Karl GABRIEL es nennt. Folglich sieht denn auch Anthony GIDDENS dass nur scheinbar gegenläufige Elemente wie Fragmentierung (steigende Zahl der Singlehaushalte) und Vereinheitlichung (überall in der Welt schmeckt Coca Cola), Pluralismus und Globalisierung "als dialektische Aspekte des Wandels, die die globale Ordnung verändern, verstanden werden."(64) Trotz aller scheinbar konträren und dialektischen Tendenzen, gibt es doch die Angewiesenheit auf soziale Institutionen, auf das jeweilige Gegenüber, um sich selbst auch verwirklichen zu können.(65)

(7) Bei der Globalisierung handelt es sich nicht um einen Zustand, der betoniert ist und ein für alle Male gilt, sondern es ist ein dynamisches Geschehen. Von daher ist es weder möglich noch sinnvoll, Schwellenwerte von Indikatoren (z.B. Vergleich vom Wachstum der Weltproduktion mit der Entwicklung des Welthandels) festzulegen, ab denen von Internationalisierung oder Globalisierung gesprochen werden könne. Wesentlich aufschlussreicher ist dagegen der temporale Vergleich verschiedener Perioden über die Identifikation unterschiedlicher Entwicklungsphasen der weltwirtschaftlichen Beziehungen. Mancherorts wird darauf hingewiesen, dass in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg auf vielen Märkten eine gleich starke oder sogar intensivere internationale Verflechtung bestand als in der heutigen globalisierten Weltwirtschaft.(66) Als wesentliche Unterschiede zu der Vorkriegsperiode am Beginn des 20.Jahrhunderts werden allerdings die heute sehr viel wichtigere ökonomische Rolle des Staates in den meisten Volkswirtschaften, die sinkenden Wachstumsraten der Weltproduktion seit etwa 1970, eine veränderte regionale Verteilung der Investitionen sowie die intensivere Arbeitsteilung innerhalb der transnationalen Konzerne angesehen. Globalisierung ist also – wenn man die jüngeren weltwirtschaftlichen Entwicklungen im historischen Kontext sieht – kein vollkommen neues Phänomen mehr. Zumindest in Bezug auf den Außenhandel oder die Direktinvestitionen könnte man eher eine Art "neue Globalisierung" oder einer "Reglobalisierung" annehmen.

(8) Wenn man die Strukturen der Globalisierung auf einzelnen Märkten unter die Lupe nimmt, so sind zwischen den einzelnen Güter- und Faktormärkten beträchtliche Unterschiede im Grad der internationalen Verflechtungen zu erkennen. Bei der Globalisierung der Faktormärkte sind die Finanzmärkte führend, gefolgt von den Märkten für industrielle Vor- und Zwischenprodukte (global sourcing). Die Globalisierung der Technologiemärkte, v.a. im Zusammenhang mit strategischen Allianzen, findet in letzter Zeit immer mehr Beachtung, während die Arbeitsmärkte noch weitgehend national geprägt sind. Auch im Bereich der Endproduktmärkte sind große Unterschiede in der Homogenisierung und Verflechtung zu beobachten. Während in einigen Branchen die Strategie „globaler Produkte" verfolgt wird, werden andere Bereiche für nicht globalisierungsfähig gehalten, wonach es verschiedene länderspezifische wie globale Branchen gibt. Die Tatsache, dass die Globalisierungsfähigkeit verschiedener Märkte bislang sehr unterschiedlich zu sein scheint, legt die Vermutung nahe, dass der Globalisierungsprozess als Phänomen asymmetrisch verläuft und vielerorts an natürliche Grenzen stoßen muss.

(9) Innerhalb der Globalisierung tendieren einzelne Gesellschaftsbereiche zunehmend hin auf asynchrone Entwicklungen. Während die Globalisierung einiger Märkte weit fortgeschritten ist und damit auch deren bestimmende Akteure zu weitgehend global orientierten politischen, kulturellen und ökonomischen Eliten erzogen werden, sind die meisten Menschen mehrheitlich noch am Nationalstaat orientiert. Zwangsläufig führt diese Tatsache immer wieder zu gesellschaftlichen Spannungen und politischen Gegenreaktionen auf den Prozess der Globalisierung, unabhängig davon, wie sehr der Globalisierungsprozess überhaupt schon objektiv Einfluss auf die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereiche genommen hat.

(10) Globalisierung ist nur die eine Seite der Medaille, Regionalisierung die andere. Denn bei der Diskussion über die Strukturen des Phänomens der Globalisierung muss auch auf die regionale Unvollständigkeit der Entwicklung Bezug genommen werden. Der Prozess der Globalisierung beschränkt sich vor allem auf die industriellen Kernregionen der nördlichen Erdhalbkugel, während ein großer Teil der Menschen in den Entwicklungsländern von diesem Prozess vollkommen oder wenigstens partiell (z.B. dadurch kein Internet zu haben) abgekoppelt ist. In diesem Zusammenhang wird der Terminus Globalisierung zuweilen auch als überzogene Bezeichnung für "Triadisierung" (drei große Wirtschaftsräume): EU (Europa), NAFTA (Mittel- und Nordamerika mit USA, Kanada und Mexiko), ASEAN/APEC angewendet. Es ist stark anzunehmen, dass die hier beschriebenen, von Unvollständigkeit und Asynchronität (67) gekennzeichneten Strukturen in den nächsten Jahrzehnten weiter Bestand haben werden. Einerseits ist das Welthandelssystem in verschiedenen Bereichen noch weit entfernt von der Realisierung eines multilateralen Freihandels. Andererseits scheinen der Globalisierung durch ökonomische Entwicklungsunterschiede, politische und gesellschaftliche Widerstände wie auch unterschiedliche Kulturen und Sprachen starke Widerstände entgegenzustehen. Diese Hindernisse dürften der Globalisierung der Beziehungen – auf allen Ebenen – auch künftig mehr oder weniger deutlich die Grenzen und Limits aufzeigen. In diesem Sinne beschränkt sich das Phänomen selbst, weil es bestimmte Gegenreaktionen geradezu provoziert.

(11) Genauso vielschichtig und kontrovers wie der Prozess der Globalisierung determiniert und empfunden wird, ist auch die Diskussion über die Folgen dieses Phänomens zu behandeln. Sowohl die Ergebnisse wie auch die thematische Ausrichtung der verschiedenen Analysen unterscheiden sich je nach ideologischem Hintergrund der Diskursteilnehmer sehr stark voneinander. Weitgehende Einigkeit besteht allerdings hinsichtlich der Beurteilung des Einflusses der Globalisierung auf die Handlungsfähigkeit des Staates, auf die Strategiewahl multinationaler Unternehmen und auf die Arbeitswelt in den Industrieländern. Der institutionelle Wettbewerb von Staaten und Regionen um mobile Ressourcen im Rahmen des globalen Standortwettbewerbs führt zu einer Konvergenz unterschiedlicher nationaler "Politiken" und einer generellen Bevorzugung des Faktors Kapital vor Arbeit. Als wichtigste, die staatlichen Handlungsmöglichkeiten einschränkende Faktoren werden (1) die extreme internationale Mobilität des Finanzkapitals, (2) das Volumen des Vermögens und Handels unter der Kontrolle von transnationalen Konzernen, (3) die wachsende Bedeutung internationaler Organisationen und schließlich (4) der steigende Einfluss globaler Medien genannt.

(12) Das neoliberale Wirtschaftssystem wurde in der ökumenischen Bewegung, besonders im Kontext des konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung (z.B. in Basel und Graz bei den europäischen Versammlungen) klar formuliert zurückgewiesen.(68) Daneben kristallisiert sich als das, was man dem herrschenden System wirksam entgegensetzen kann, immer deutlicher eine Mehrfachstrategie heraus: (1) Politischer Druck für Re-Regulierung auf allen politischen Ebenen, und (2) die Förderung von jetzt schon möglichen Alternativen im Kleinen. Zwar führte der zweite Teil dieser Strategie bislang eher ein Schattendasein, er kann aber nicht hoch genug veranschlagt werden. Gerade angesichts eines drohenden Zusammenbruchs des Weltfinanzsystems (ständig fallende Kurse an den Börsen) wird es wohl darauf ankommen, auf Alternativstrukturen zurückgreifen zu können. Und die jetzt jenseits der Weltmarktzwänge entwickelten Alternativen können die Keimzellen des Neuen sein, die Keimzellen einer lebensfreundlichen Wirtschaft unabhängig von Geldvermehrungszwängen. Basisnetze konzentrieren sich deshalb in jüngster Zeit genau darauf.

Gerade in Regionen, die vom Weltmarkt zwangsabgekoppelt wurden, haben sich Menschen auf ihre eigenen Ressourcen besonnen und tragfähige Versorgungsstrukturen entwickelt. Im Vergleich zum angelsächsischen Raum nehmen sich Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum (Verbraucher – Erzeuger – Genossenschaften, Tauschringe etc.) eher bescheiden aus. Diesen Alternativen könnte auch die Zukunft mehr gehören als heute abzusehen ist.

(13) Während eine Richtung der Argumentation bezüglich der Globalisierung dahin geht, neue Regeln und Rahmenbedingungen für diese Dynamik des Zusammenrückens in der Welt zu postulieren, die Globalisierung einzudämmen und anders als bisher zu strukturieren, setzen andere vielmehr schon voraus, dass diese dringend nötig sind und fordern ein radikales Umdenken, einen Bewusstseinswandel in den sog. westlichen Demokratien. Dieser sei z.B. möglich, wenn man die sog. "Tobin-Steuer" (nach dem Nobelpreisträger von 1972, James TOBIN) einführen würde, d.h. alle Devisentransaktionen mit einer geringen Steuer belegte, um die hohen Währungsspekulationen einzudämmen. Mit ihrem Erlös könnten zudem globale Projekte zur Elendsbekämpfung finanziert werden. Und sie wäre ein welthistorischer völkerrechtlicher Präzedenzfall: die erste globale Steuer und damit der erste Schritt des Subjekts der UN-Charta zur Souveränität. Dafür setzt sich besonders die globalisierungskrititsche Vereinigung ATTAC ein, die 1998 von französischen Prominenten und Intellektuellen gegründet wurde. Diese Gruppe nimmt inzwischen eine Schlüsselstellung bei denjenigen ein, die die Globalisierung überwiegend negativ sehen. ATTAC selbst zählt sich nicht zu den Gegnern der Globalisierung, sondern nur zu ihren Kritikern, denn bei der Globalisierung würde weltweit das Recht der Stärkeren durchgesetzt. Ihr Ziel ist dagegen die Demokratisierung der globalen Institutionen, von denen die Regeln für das Zusammenwachsen der Menschheit geschrieben werden.

(14) Vor einigen Jahren erregte Samuel P. HUNTINGTON (69)große Aufmerksamkeit in der Welt mit seine provokanten Thesen, dass es zum "Kampf der Kulturen" komme. Seine Ausführungen waren umstritten, bekamen aber mit den Terroranschlägen des 11.9.2001 in New York und Washington neue Aktualität. Die Frage steht für ihn im Raum: Sind die Kulturen – bei allen Unterschieden – gleichwertig, oder gibt es Kulturen, die anderen an Menschlichkeit überlegen sind? Grundgedanke ist die Beobachtung, dass in zahlreichen Ländern, namentlich in Afrika, Asien oder Südamerika, noch heute Analphabetentum, Sexismus, Kindersterblichkeit, vordemokratische Strukturen, Korruption und Rechtsunsicherheit herrschen, die in anderen – auch in strukturell durchaus vergleichbaren – Ländern tendenziell als überwunden gelten. Kolonialismus, Imperialismus und Abhängigkeit vom Westen, die immer wieder als Ursachen genannt werden, genügen indes als Erklärungsmuster nicht mehr. Ein weiterer Grund scheint in den unterschiedlichen Kulturen selbst zu liegen, die entwicklungsfördernd oder entwicklungshemmend wirken könnten. Dabei wird der Begriff der Kultur subjektiv als Summe der menschlichen Werte, Glaubensüberzeugungen und Einstellungen einer Gesellschaft verstanden. Es geht also um Werte – und nicht um ihre Abqualifizierung, nicht um Instrumentarien für einen Krieg der Kulturen zu implementieren, sondern um einen Versuch der Vermittlung zwischen ihnen – die nur gelingen kann, wenn man die Zivilisationen kennt und respektiert.(70)

(15) Was es offenbar braucht ist eben nicht nur eine Globalisierung auf der ökonomischen Seite, sondern vielmehr auch eine "Globalisierung des Sozialen" (71), denn die Tätigkeitsfelder internationaler Sozialpolitik sind noch relativ unabgedeckt und bedürfen der Aktion. Es braucht also eine Art sozialer Gerechtigkeit auf internationaler Ebene, ein Praktischwerden der Elemente einer Bürgergesellschaft über die Grenzen, Regionen und Kontinente hinweg, einen qualitativen Ausbau im Sinne von mehr Verteilungsgerechtigkeit. Die Globalisierung kann anders gestaltet werden (als nur unter dem Betonungsdiktat von wirtschaftlichen Interessen). Wenn sie unter angemessenen und fairen Rahmenbedingungen stattfindet, so dass alle Länder Einfluss auf eine Politik nehmen können, die sie betrifft, werden auch diejenigen davon profitieren, die bislang leer ausgegangen sind.

(16) Humanes, zukunftsverantwortliches Leben auf der Erde auch für unsere Enkel zu ermöglichen – das ist die Vision, die in den Zeiten der Globalisierung zur Hoffnung einer Mehrheit werden muss. Globalisierung ist weder ein Gespenst, noch eine Glücksfall, der die Schaffung einer sozial gerechten Ordnung erleichtern würde. Sie kann aber durch die Rehabilitierung der Politik in eine andere Richtung gelenkt werden, die keine Deformation des menschlichen Zusammenlebens mit sich bringt oder bringen soll. Zu einer Glorifizierung der Globalisierung besteht ebensowenig Anlass wie zu ihrer Dämonisierung. Vielmehr muss die Ambivalenz des Globalisierungsprozesses erkannt und zwischen diesem Vorgang einerseits und seiner Instrumentalisierung (z.B. für liberale Interessen zur Verschlankung des Staates) andererseits deutlich unterschieden werden.(72)

(17) Trotz aller Hoffnungen und Versprechungen viele Politiker wurde das Problem der Armut auch nicht einmal annähernd gelöst. Im Gegenteil: Die Armut hat zugenommen in den Jahren der beschleunigten Globalisierung von Märkten und Produktion. Erst war sie zwischen 1950 und 1980 gesunken. Doch in den frühen 1980er Jahren ging diese Armutsverringerung zurück, um Mitte der 1980er Jahre gegen Null zu tendieren. Die Anzahl der Menschen unterhalb der Armutsgrenze – von den Vereinten Nationen auf 370 Dollar im Jahr festgelegt – nahm von einer Milliarde 1985 auf 1,2 Milliarden 1993 zu. 1993 sah sich die Welt wachsenden Hungersnöten gegenüber, 800 Millionen Menschen hungerten, 34.000 Kinder starben täglich an Nahrungsmangel und fehlender medizinischer Versorgung. Seuchen wie Aids, Cholera und Malaria breiteten sich aus, die Arbeitslosigkeit war hoch. Paradoxerweise – oder konsequenterweise – betrug das durchschnittliche Wirtschaftswachstum in dieser Zeit (1980 bis 1989) 3,2 Prozent, während die Wachstumsrate zwischen 1965 und 1980 nur bei 2,4 Prozent gelegen hatte. Und obwohl sich in den 1980er Jahren das Durchschnittseinkommen in den Entwicklungsländern erhöhte, wurden immer mehr Menschen immer ärmer. Das galt auch für die sog. entwickelten Länder: In den USA lebten schätzungsweise 13 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. In Japan waren 25 Prozent aller Haushalte arm zu nennen. In der europäischen Gemeinschaft befanden sich zu Beginn der neunziger Jahre 44 Millionen Menschen, das sind 18 Prozent der Bevölkerung, in Armutsverhältnissen, davon zehn Millionen in absoluter Armut. Und in den Transformationsländern Zentral- und Osteuropas schätzte man die Zahl der Armen auf 100 Millionen. Auch etablierte sich ein Klima sozialer Ausgrenzung, das für die Betroffenen das (Über-)leben zusätzlich erschwert.(73)

(18) Bezüglich der Globalisierung sollten wir nicht versuchen, feste und verabsolutierte Werte für eine künftige Gesellschaft zu versiegeln. Denn wir haben guten Grund, unseren unmittelbaren Nachkommen, zumindest unseren Kindern, mehr zu übermitteln zu versuchen: Es ist ein Zeichen, dass wir ethische Werte besitzen, wenn wir danach streben, sie zu reproduzieren. Aber dies betrifft nicht genau das, was weiter entfernte künftige Generationen bestimmen werden. Wenn neue Entwicklungen verfügbar werden, die uns mehr Einflussnahme auf ihre – d.h. der ferneren Generationen – Auffassungen gestatten würden, so sollten wir den Empfehlungscharakter und damit unsere heutigen Kompetenzen nicht überschreiten. Nach Möglichkeit sollten ihnen die Bedingungen von Forschungsfreiheit und Überlegung bleiben... ein Erbe, das wir als Produkt unseres Wissens betrachten können. Und das ist Erbe genug, in dieser so unsicheren offenen Weltgesellschaft. Und dies mag einen spezifischen Respekt für den Relativismus der Distanz zeigen, nicht mehr und auch nicht weniger.(74)

(19) Der Themenbereich Ethik und zukünftige Generationen bezüglich der Globalisierung lässt sich durch zwei Thesen bestimmen: (1) Jede kollektive gegenwärtige Handlung enthält Folgen, die zu Bedingungen der Handlungen künftiger Generationen gehören. Zugleich ist das Wissen vom Inhalt des Künftigen zu dürftig, um das Künftige als möglichen Teil des Gegenwärtigen zu behandeln. (2) Jede kollektive gegenwärtige Handlung im Hinblick auf künftige Generationen gehört zu einem der folgenden Typen: (a) Gegenwartszentrik – z.B. Bau von Autobahnen bei bestehendem Autoboom; Reduktion von Lehrer- und Professorenstellen bei abnehmenden Schüler- und Studentenzahlen; Bau von Kraftwerken bei Energiezuwachsbedarf. (b) Zukunftszentrik – z.B. Bau von Atombunkern, unterirdischen Befehlszentralen; Militarisierung des Alls; ökologische Sanierung von Flüssen und Meeren; Sendung von Raketen in das All mit Informationen über unseren Globus an mögliche Bewohner außerirdischer Welten. (c) Zeitindifferenz – z.B. Bausolidität für Jahrhunderte; Erziehung zu Ewigkeitswerten wie literarischen oder musikalischen Klassikern.(75)

(20) Ethik und Globalisierung überschneiden sich darin, dass sie alle Menschen betreffen ("globale Ethik") und diesen zu mehr Glück verhelfen wollen. Dies wiederum ist in den Menschenrechten als elementare Form humanen Daseins im Glücksstreben verankert. Beim Globalisierungsprozess ist also davon auszugehen, welchen ethisch-moralischen Stellenwert die unterschiedlichen Konzepte dem Glück, neben Freiheit, Gleichheit und Eigentum, zuweisen. Denn unglückliche, unterdrückte und frustrierte Menschen neigen zu Aggressionen, Gewaltakten und Kriegen. Wird die Globalisierung mehr Menschen glücklich machen, mehr Menschen befreien und die Gleichheit vor Recht und Gesetz fördern? Damit wird aber die Globalisierung essentiell zum ethischen Problem, denn das ethische Potential wird von der gesamten Menschheit herausgefordert durch die Globalisierung; und von seiner Umsetzung in die Praxis wird es letztlich abhängen, ob die Optimisten oder die Pessimisten die Oberhand behalten werden.

(21) Das Bild der Erde als Ganzheit ist eines der wertvollsten Erbgüter der modernen Raumfahrt (Mondlandung 1969). Der Anblick der Erdkugel vom Mond hat alle Menschen erstmalig in ein anderes Verhältnis zu unserem Planeten und allen seinen Lebewesen gesetzt, und dieses Vermächtnis wird für immer in uns sein und uns motivieren, denn wir können sie nun auch als zusammenhängende Ganzheit (76) erkunden und verstehen. Von daher ist es wohl auch richtig, wenn manche Wissenschaftler von der Mondlandung als Startschuss der modernen Globalisierung sprechen. Diese neue Weltsicht vermittelt ein neues Weltverständnis, das einen Bewusstseinswandel beim Menschen erzeugt, eine tiefere Selbst- und Fremderkenntnis, diese wiederum ein neues Wertbewusstsein, dieses einen neuen Menschen, dieser einen gesellschaftlichen Wandel und dieser eine neue Welterfahrung, womit ein autokatalytischer Regelkreis der Welterschließung und Selbsterneuerung – bis hin zu BEETHOVENs Traum, dass alle Menschen Brüder werden und schließlich zu der im Zeitalter der Raumfahrt entstandenen Metapher vom Raumschiff Erde - beschrieben wird. Da aber nichts im Leben vollkommen ist, bleiben auch der Globalisierung Missbräuche und Missverständnisse nicht erspart: Verabsolutierung einzelner Aspekte, Komponenten und Ebenen, Ideologisierung der Inhalte, Emotionalisierung einzelner Positionen und die daraus resultierende Wertblindheit für die Gegenpositon.(77)

(22) Globalisierung ist ein Indikator für essentielle Brüche, für radikale Veränderungen auf verschiedenen Gebieten des weltweiten Zusammenlebens. Terminologisch könnte man aber auch misstrauisch sein und fragen, ob die Globalisierungstendenz wirklich etwas völlig Neues sei oder nicht doch das ganz Alte, sozusagen alter Wein in neuen Schläuchen? Begriff und Phänomen der Globalisierung stecken voller Ungereimtheiten, Widersprüche, die Kontroversen provozieren, wie z.B. die sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen der einzelnen Länder und Regionen für diesen Prozess deutlich machen.

Mit einem Dichterwort wurde der Essay eingeleitet, mit einem Philosophenwort soll er geschlossen werden. Einst schrieb Elias CANETTI in seine Aufzeichnungen von 1942 bis 1948 Tröstliches:

"Es ist hoffnungsvoll, dass die ganze Erde so heißt, wie jedes Stück von ihr."(78)

 

© by Prof. Dr.phil. et Dr.theol. Johannes Michael SCHNARRER, S.T.L. 2002
(Budapest und Wien/St.Pölten)


Anmerkungen:

[1] Das Wort Globalisierung ist erst während der neunziger Jahre wirklich populär geworden. Deshalb fehlt es noch in vielen Lexika. Der Terminus Globalisierung kam in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Jahr 1993 nur 34 mal vor, aber 2001 wurde es bereits 1136 mal verwendet. Siehe dazu die gesamte Statistik in: Deutscher Bundestag/Enquete-Kommission "Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten“ (Hg.); Kurzfassung des Abschlussberichtes. Berlin, am 24.Juni 2002; 9.

[2] Vgl. J.M.SCHNARRER; Punkt 4.5. "Die größere Vernetzung als Chance und Gefahr.“ In: Ders.; Anything goes? Sittlichkeit im Zeitalter der Skepsis. Wien u.a. 2000; 109f.

[3] E.KÄSTNER; Gedicht "Das Eisenbahngleichnis.“ In: S.LIST (Hg.); Das große Erich Kästner Buch.  München u.a. 1975; 127f. In kurzer und prägnanter Form spricht KÄSTNER etwas an, das bis heute auf die Zeitsituation leicht übertragbar ist: Der hohe „Drive“ in der Gesellschaft macht viele Mitmenschen haltlos, stets und ständig muss sich etwas bewegen, ohne dass wir es selbst bewegen könnten...

[4] Vgl. S.SCHMIDT; Art. "Fluch und Segen der Globalisierung.“ In: Die Presse/ das Buch. Bücherpick im Sommer 2002 (Wien); 8ff.

[5] Vgl. J.M.SCHNARRER; Art. "Was haben Politik und Ethik miteinander zu tun?“ In: A.KLINGER (Hg. et al.); Kompass – Ethik als Wegweiser. Edition LAK (NÖ Landesakademie) St. Pölten 2002; 8-62.

[6] Vgl. J.RIFKIN; Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft. Frankfurt/M. 1995.

[7] Vgl. zur langen Tradition des Problems Wachstum und der Metapher von A.MÜLLER-ARMACK (1948) bei F.QUAAS; Soziale Marktwirtschaft. Wirklichkeit und Verfremdung eines Konzepts. Bern u.a. 2000; 391-397.

[8] Vgl. A.RICH; Wirtschaftsethik. Teil II; Gütersloh 1990; 365ff.

[9] Vgl. J.STIGLITZ; Die Schatten der Globalisierung. Berlin 2002.

[10] Dabei kämpfen auf unserem Kontinent vor allem die europäischen Länder des Südens (besonders Spanien, Frankreich, Italien) mit dem wachsenden Problem der illegalen Einwanderer.

[11] Vgl. G.TICHY; Art. "Wirkungen und Herausforderungen der Globalisierung – Innovation und Technologie.“ In: Conturen. Nr. 9, II/1998, Sondernummer; 49-67.

[12] Vgl. F.J.RADERMACHER; Interview "Zügel für den Weltmarkt.“ In: Die Furche. Nr. 41; Wien/ Graz 10.Oktober 2002; 8.

[13] Vgl. F.PIECH; Art. "Die Bedeutung der Produktstrategie im globalen Wettbewerb.“ In: Conturen. Nr. 4, 2/1999; 32-39

[14] Vor allem aus ökonomischen Interessen ist ja Präsident George W. BUSH nicht bereit, die Klimakonvention von Kyoto 1997 zu unterzeichnen. Es würde zu viele Arbeitsplätze in den USA kosten... ist das Hauptargument gegen den Beitritt zur Konvention.

[15] Vgl. G.PRETZMANN (Hg.); Umweltethik. Graz u.a. 2001.

[16] Art. "Erfolgreiche Globalisierung zum Nutzen aller. Wirtschaftskommuniqué des Wirtschaftsgipfels von Lyon (Treffen der Staats- und Regierungschefs vom 27. bis 29. Juni 1996). In: Presse- und Informationsdienst der Bundesregierung (Hg.); Bulletin 59/1996. 629.

[17] Kommuniqué der Acht, verabschiedet auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Denver (Treffen der Staats- und Regierungschefs vom 20. bis 22. Juni 1997). In: Presse- und Informationsdienst der Bundesregierung (Hg.); Bulletin 60/1997. 693.

[18] Vgl. H.P.MARTIN/ H.SCHUMANN; Die Globalisierungsfalle. 7.Aufl. Reinbek bei Hamburg 1996; 296.

[19] Vgl. K.ROBINS; Art. "Tradition and Translation: National Culture and its Global Context.“ In: J.CORNER/ S.HARVEY (ed.); Enterprise and Heritage. Crosscurents of National Culture. London 1991; 28ff.

[20] Vgl. U.BECK; Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus – Antworten auf Globalisierung. 3.Aufl. Frankfurt/M. 1997; 80ff.

[21] So sagt der "Hamburger-Test“ von McDonalds mehr aus als andere oder gar abstrakte Zahlen beim Vergleich wirtschaftlicher Daten der Länder und Regionen der Erde untereinander. Bei diesem Test wird weltweit erhoben, wie lange ein durchschnittlicher Arbeitnehmer arbeiten muss, um sich einen Hamburger zu leisten.

[22] "Es vollzieht sich eine kulturelle und soziale Revolution als Konsequenz wirtschaftlicher Globalisierung“, sagt ein Sprecher des Fernsehsenders CNN. "Der Angestellte in Amerika ist davon genauso betroffen wie der Mann auf der Straße in Moskau oder der Manager in Tokyo. Dies bedeutet: was wir in und für Amerika tun, hat Gültigkeit überall in der Welt. Unsere Nachrichten sind globale Nachrichten.“ (zit. nach: U.BECK; Was ist Globalisieurng? 3.Aufl. Frankfurt/M. 1997; 82)

[23] Heute scheiden sich schon die Geister bei der Definition der Gerechtigkeit. Dabei gibt es zwei Gerechtigkeitsgrundsätze bei RAWLS, die auch diesen Ausführungen zugrunde liegen: "Jede Person hat ein gleiches Recht auf ein völlig adäquates System gleicher Grundrechte und Grundfreiheiten, das mit dem gleichen System für alle anderen vereinbar ist. Soziale und ökonomische Ungleichheiten müssen zwei Bedingungen erfüllen: erstens müssen sie mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen unter Bedingungen fairer Chancengleichheit offenstehen, und zweitens müssen sie zum größeren Vorteil der am wenigsten begünstigten Mitglieder der Gesellschaft sein.“ (J.RAWLS; Die Idee des politischen Liberalismus. Frankfurt/M. 1994; 261).

[24] Vgl. E.v.KOERBER; Vortrag/Paper vor der Industriellenvereinigung: "Neue Wege der Interaktion zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.“ Wien, am 17.Oktober 2002; Haus der Industrie. KOERBER fordert eine ganzheitliche Verantwortung der Unternehmen ein: Das Defizit an Übernahme ganzheitlicher Verantwortung und das fehlende Gefühl dafür, was sozial adäquat und politisch akzeptabel ist, sind die Ursachen vielerorts anzutreffender Indifferenz und Resignation. Dies gefährde die Akzeptanz unseres Wirtschaftssystems. Von daher stünde die heutige Gesellschaft wieder in einer besonderen Systemdebatte.

[25] In der Diskussion um den sog. Dritten Weg gehen die Axiome weit auseinander. Die Einen meinen, es sei bereits die "Soziale Marktwirtschaft“ der gelungene Kompromiss, die Anderen sagen, wir brauchten mehr Wettbewerb innerhalb einer sozialistischen Wirtschaftspolitik, und wieder Andere sind überzeugt, es sei unabdingbar, noch mehr soziale Elemente in die freie Marktwirtschaft einzubauen. Ein wirklich gelungenes Patentrezept gibt es dazu offenbar nicht. Früher (unter TITO) galt Jugoslawien als gelungenes Experiment als "Dritter Weg“. Doch nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs hat sich das häufig gepriesene System schnell wie eine Luftblase aufgelöst. In Österreich wird seit geraumer Zeit der "Dritte Weg“ z.B. darin gesehen, einen für jeden Bürger zustehenden "Grundlohn“ einzuführen, was andererseits natürlich das Leistungsprinzip völlig untergraben würde.

[26] Eine höchst interessante Dimension ist die, dass wir in der sog. Ersten Welt immer weniger Kinder haben. Von daher könnten also – provokanterweise – Kinder in ärmeren Regionen eines Tages die Renten und Pensionen in der Ersten Welt sichern?

[27] Vgl. W.PANNENBERG; Grundlagen der Ethik. Göttingen 1996; 131ff.

[28] Von daher fühlen sich viele "EU-Europäer“ nicht genug informiert, beteiligt, am Zusammenwachsen der Union. Und die teuer bezahlten, aber künstlich wirkenden Aufklärungskampagnen von Brüssel her erreichen da auch nur selten ihr Ziel, sondern wirken von oben aufgesetzt und kommen von daher beim Bürger nur selten an!

[29] Vgl. J.SCHASCHING; Unterwegs mit den Menschen. Wien 1991; 74 f.

[30] Vgl. P.L.BERGER; Art. "Globaler Pluralismus.“ In: Conturen. Nr. 6; Wien, III/1997; 33-45. Die englische Sprache ist – in Analogie zum Hellenismus – das Koiné der heutigen Welt. Englisch ist die Sprache der internationalen Wirtschaft, Politik und Technik. Englisch ist auch die Sprache der neuen globalen Konsumkultur. Beispiel: Und obwohl die Pfingstlergemeinden in Guatemala oder Chile ihre Gottesdienste auf Spanisch oder in den Indianersprachen abhalten, lernen die Prediger oft Englisch, um mit Glaubensgenossen und in anderen Ländern Kontakt aufzunehmen. Natürlich gibt es historische Gründe, warum die englische Sprache ihren jetzigen Status erreicht hat. Und die meisten Menschen, die heute eifrig diese Sprache erlernen, tun es aus rein pragmatischen Gründen und nicht, um SHAKESPEARE oder Mark TWAIN im Original lesen zu können. Aber auch hier kann man sagen, dass man eine Sprache nicht "unschuldig“ spricht. Jede Sprache trägt emotionale und kognitive Komponenten mit; diese werden zumeist unbewusst beim Erlernen der Sprache mit eingenommen. So hat die englische Sprache – gerade auch das Amerikanische – eine besondere Affinität zu einem modernen Bewusstsein. Wie dem auch sei, die neue globale Kultur, in fast allen ihren Erscheinungen, spricht Englisch – und das wird in der absehbaren Zukunft auch weiterhin so bleiben.

[31] Vgl. H.FLÖRKEMEIER; Globalisierung ohne Grenzen? Schriften zu internationalen Wirtschaftsfragen. Berlin 2001; 23ff.

[32] Vgl. W.KYMLICKA; Multicultural Citizenship. Oxford 1995; 76.

[33] Viele Menschen tun sich schwer in der Abgrenzung der eigenen von einer anderen Kultur, weil ihnen oft nicht bewusst ist, was die eigentlichen Elemente dieser Kultur sind, in der sie über viele Jahrzehnte leben.

[34] Vgl. S.BENHABIB; Kulturelle Vielfalt und demokratische Gleichheit. Politische Partizipation im Zeitalter der Globalisierung. Frankfurt/M. 1999; 33ff.

[35] S.J.SCHMIDT; Kalte Faszination. Medien, Kultur, Wissenschaft in der Mediengesellschaft. Weilerswist 2000; 242f.

[36] Bezüglich genderspezifischer Literatur kann hier verwiesen werden auf die Werke der Wiener Politologin Eva KREISKY.

[37] Natürlich können diese vier Konzepte nur aphorismusartig einige Elemente beschreiben, ohne dabei – auch nur annähernd - eine Vollständigkeit zu erlangen!

[38] Kritischer mit einer evolutionären Ethik sieht das F.WUKETITS; Verdammt zur Unmoral? München u.a. 1999. Einzelne Menschen mögen ihren eigenen ethischen Forderungen und den Forderungen anderer absolut entsprechen – aber die Menschheit? Die Menschheit... das sind Individuen mit sehr unterschiedlichen Neigungen und Interessen. Es scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, diese Neigungen und Interessen auf einen Nenner zu bringen. Wer sollte dies auch bewerkstelligen und zu welchem Preis könnte das geschehen? (vgl. WUKETITS; a.a.O. 244f.)

[39] Vgl. H.KÜNG; Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft. München 1997; 367.

[40] Viele Fragen lässt das Konzept KÜNGs offen, z.B. wie Unberechenbarkeit und Steuerung vereinbar sein sollen?

[41] H.KÜNG; Projekt Weltethos. München 1990; 171. Solche Basissätze erscheinen trivial oder trügerisch. Denn es lässt sich leicht einwenden, dass bisher menschliches Zusammenleben auch ohne ein Weltethos der Nationen möglich war. Dass kein politischer Frieden ohne Religionsfrieden möglich sein soll, wird ebenfalls durch die Tatsachen widerlegt, denn nicht jeder religiöse Streit löste zum Glück eine politische Fehde oder einen Krieg aus, auch wenn es da und dort geschehen ist (im ehemaligen Jugoslawien z.B.). Dass schließlich unter den Religionen kein Frieden ohne Dialog miteinander möglich sein soll, mag zutreffen, aber nicht alle Religionen sind wirklich dialogfähig, zumindest die dogmatisch festgelegten nicht. Ebenso wäre die Frage aufzuwerfen, ob ein Weltethos für alle Menschen überhaupt möglich und erstrebenswert ist oder nicht eher die Vielfalt ethischer Grundüberzeugungen beibehalten werden sollte, da sonst, bei einer erstarrten ethischen Weltformel, kein ethischer Fortschritt der Menschheit mehr möglich ist, ferner die Frage, ob das Weltethos von oben verordnet oder auf Konsensbasis geschaffen werden soll. Ersteres erscheint nicht akzeptabel, letzteres kaum möglich (wieviel Köpfe, soviel Sinne!). KÜNG erreicht zwar die größte Einheitlichkeit in seinem Konzept, aber auf Kosten der Vielfalt, des Wandels und der Erneuerung. Sein Konzept des globalen Weltethos ist zu starr, ja traditionalistisch.

[42] Vgl. M.SANDBOTHE; Art. "Praktische Medienphilosophie. Grundlagen und Anwendungshorizonte im Zeitalter des Internet.“ In: A.HOLDEREGGER (Hg.); Kommunikations- und Medienethik. 2.Aufl. Freiburg/Br. u.a. 1999; 198-217; bes. 210ff.

[43] Vgl. A.PIEPER; Art. "Vom Sinn eines Weltethos im Zeitalter der Globalisierung.“ In: T.MAAK/ Y.LUNAU (Hg.); Weltwirtschaftsethik. Globalisierung auf dem Prüfstand der Lebensdienlichkeit. Bern u.a. 1998; 61-75.

[44] Globalisierung auf menschlicher Ebene braucht aber den guten Willen der einzelnen  Teilnehmer!

[45] Vgl. zum Generationenproblem: J.M.SCHNARRER; Art. "Versöhnung der Generationen – ein ambivalentes Verhältnis.“ In: J.GOJÁK (Hg. et al.); Verständigung und Zusammenarbeit. Versöhnungswege in Mittel- und Südosteuropa. Pécs/ Budapest 2002; 38-62.

[46] Von daher wird KÜNG mit seinem Ansatz auch richtig kritisiert, wenn er dem Trugschluss erliegt, die Welt habe ein Ethos, eben ein "Weltethos“. Denn nur die Menschen dieser Welt können ein Ethos haben und dem Zusammenleben untereinander eines zugrunde legen. KÜNG irrt also auf verschiedenen Ebenen, setzt sich und sein Werk aber immer wieder populistisch in Szene.

[47] Vgl. dazu die Werke von Johannes MESSNER.

[48] Philosophen, die sich mit Fragen des Multikulturalismus beschäftigen, gehen ein Berufsrisiko ein. Bei Philosophen gibt es eine natürliche Neigung, sich auf die Fälle zu stürzen, die einen starken Prinzipienwiderspruch provozieren, denn diese sind philosophisch die interessantesten. Streitgespräche über Gewaltenteilung in einem föderalen System oder über zweisprachige Erziehung sind philosophisch nicht sehr interessant. Im Gegensatz dazu ist es viel interessanter und aufregender, wenn der Multikulturalismus als ein Kampf der Kulturen dargestellt werden kann. Für Philosophen ist eine derartige Darstellung eine Versuchung, aber sie ist falsch. Für den Multikulturalismus im Westen sei die Interpretation liberaler demokratischer Prinzipien zentral und nicht die Frage, ob diese Prinzipien legitim sind. Daran wird nun einsichtig, dass sich die eigentliche Debatte um die Anwendung und nicht um die Rechtfertigung liberaler demokratischer Prinzipien dreht. (Ausführlicher dazu: W.KYMLICKA; Art. "Do we need a liberal theory of minority rights?“ In: Constellations.  Nr. 42; 1997; 82ff)

[49] Auch die Idee vom geeinten Europa will nicht recht gelingen, noch bleiben Gemeinde, Region, Nation wichtiger für den Einzelnen als Europa. Es fehlt das Pathos der Gemeinsamkeit in Europa, auch wenn das die zuständigen Funktionäre gern vertuschen.

[50] M.PERALDI; Art. "Mythos Marseille: Kosmopolitische Vielvölkerstadt oder maghrebinische Enklave?“ In: Stadtbauwelt. Nr. 118; 1993; 1323-1332.

[51] In der Argumentation folgt der Autor den Ausführungen bei Manfred PRISCHING; Die McGesellschaft. In der Gesellschaft der Individuen. 2.Aufl. Graz 1999; 84ff.

[52] Vgl. H.BRUNKHORST; Art. "Globalisierung, Krise und Demokratie.“ In: G.SCHWEPPENHÄUSER/ J.H.GLEITER (Hg.); Paradoxien der Globalisierung. Philosophische Diskurse. Weimar 1999; 82-94.

[53] Vgl. N.LUHMANN; Soziale Systeme. Frankfurt/M. 1984.

[54] Vgl. N.LUHMANN; Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M. 1997; 202ff.

[55] Vgl. O.HÖFFE; Demokratie im Zeitalter der Globalisierung. München 1999; 422ff.

[56] O.HÖFFE; Demokratie im Zeitalter der Globalisierung. München 1999; 433.

[57] Um eine gute Abwägung zwischen den Chancen und den Gefahren der Globalisierung zu orten, ist es unabdingbar, die Argumente aus möglichst vielen Blickwinkeln zu berücksichtigen. Erst dann erscheint eine Beurteilung auf aktuellem Diskursstand durchführbar.

[58] Vgl. U.MENZEL; Globalisierung versus Fragmentierung. Frankfurt/M. 1998.

[59] Vgl. V.ZSIFKOVITS; Art. "Globalisierung und Ethik.“ In: S.BALOBAN (Hg.); Wirtschaftlich-soziale Herausforderungen in den Reformländern. Zagreb 2001; 121-141.

[60] Diese Negativsituation wurde in Italien z.B. unter dem "Medienzaren“ BERLUSCONI brisant.

[61] Vgl. E.R.SANDVOSS; Ethik im globalen Zeitalter: Erbe und Auftrag. Frankfurt/M. 1999; 296ff.

[62] Vgl. J.M.SCHNARRER; Art. "Werteverschiebungen angesichts des europäischen Umbruchs: Wenn alte Präferenzen in neue Systeme einzubauen sind.“ In: Hanns Seidel Stiftung (Hg.); Politische Studien. Nr. 364; München März/April 1999; 14-36.

[63] K.REMELE; Tanz um das goldene Selbst? Graz 2001; 214.

[64] A.GIDDENS; Kritische Theorie der Spätmoderne. Wien 1992; 17. (zit. nach REMELE; a.a.O. 214)

[65] Dabei ist ein Wertewandel ersichtlich, der besonders die jüngere Generation ausbrechen lässt aus alten Grundmustern, z.B. von der Priorität Leistungsergebnis hin zum Leistungserlebnis, von rein materiellen Werten zu kulturellen Werten, die oft mit Verlusten an Bequemlichkeit (bewusst alternative Lebensweise  nach dem Motto: weniger kann mehr sein!) einhergehen. Andererseits hat der permanent hohe Lebensstandard zur Gewöhnung in der Ersten Welt geführt.

[66] Vgl. dazu die Werke des Wiener Ökonomen Erich STREISSLER.

[67] In solchen riesigen Volkswirtschaften wie Indien oder China sind außerdem extreme interne Entwicklungsunterschiede mit dem Nebeneinander von modernen "Entwicklungs- und Hochleistungsinseln“ und weitgehender Unterentwicklung alltäglich. Schon für solche Länder generelle Aussagen hinsichtlich der Globalisierung zu treffen, ist gewagt, weil diese Länder nur partiell am Phänomen Globalisierung teilhaben, da es prosperierende Gebiete gibt und gleichzeitig weniger starke, ja arme Gebiete mit schwacher oder zurückgebliebener Entwicklung.

[68] Vgl. ausführlicher R.DOUTHWAITE/ H.DIEFENBACHER; Jenseits der Globalisierung. Handbuch für lokales Wirtschaften. Mainz 1998.

[69] Vgl. S.P.HUNTINGTON; The clash of civilization and the remaking of world order.  New York 1997. Für den Bereich des Umgangs der Kirche mit der Globalisierung sei verwiesen auf: D.BECKER (Hg.); Globaler Kampf der Kulturen? Analysen und Orientierungen. Stuttgart u.a. 1999.

[70] Vgl. L.E.HARRISON/ S.P.HUNTINGTON; Streit um Worte. Wie Kulturen den Fortschritt prägen. München u.a. 2002.

[71] Vgl. L.NEUHOLD; Religion und katholische Soziallehre im Wandel vor allem der Werte. Münster 1999; 346f. Der Autor postuliert dabei die Globalisierung des Sozialen im Sinne von Forderungen nach neuen Solidaritätsstrukturen und bezieht sich dabei auf Karl G. ZINN: "Die Globalisierung des Kapitals erfordert die internationale Bündelung der Gegenkräfte, d.h. neue Formen gesellschaftlicher Organisation.“ (K.G.ZINN; Art. "Arbeit im Umbruch – und das seit 200 Jahren.“ In: N.BRIESKORN/ J.WALLACHER (Hg.); Arbeit im Umbruch. Sozialethische Maßstäbe für die Arbeitswelt von morgen. Stuttgart 1999; 37-70, hier 52; zit. nach NEUHOLD, a.a.O. 346).

[72] Vgl. C.BUTTERWEGGE; Wohlfahrtsstaat im Wandel. 3.Aufl. Opladen 2001; 63ff.

[73] Vgl. A.RUF;  Westwärts Schwestern! Von der Weltfrauenkonferenz in die globale Zukunft. Bonn 1996; 100.

[74] Vgl. B.WILLIAMS; Ethics and the Limits of Philosophy. London 1985; 173.

[75] Vgl. B.H.F.TAURECK; Ethikkrise – Krisenethik. Analysen, Texte, Modelle. Reinbek bei Hamburg 1992; 298ff. Der Autor spekuliert darüber, ob es im 21. Jahrhundert zur Gründung von Patentämtern für Ethik komme, als ein möglicher Beitrag zur rationellen (sich rational gebenden) Krisenlösung. Patente, also Erfindungen im Bereich der Ethik... müssten entsprechend nutzbare Erfindungen sein. (317) Diese These mag provozierend klingen, aber ein Schritt in die "Verethiklichung“ des Alltags – auch durch sich ausbreitende Säkularisierung hervorgerufen – ist gewiss in den vielen neu eingerichteten Ethikkommissionen (eine Welle, die auch aus Amerika herüberschwappt) zu sehen. Bei wachsender Komplexität ist es nur eine Frage der Zeit, dass der Wunsch nach Entflechtung erhoben wird und ethische Ratschläge (Ethikbeiräte bei Banken für Ethikfonds, z.B. bei Schelhammer und Schattera der Superior 3) an Bedeutung im öffentlich-globalisierten Leben gewinnen.

[76] Deshalb erlebt das Gedankengut Othmar SPANNs wieder neue Aktualität!

[77] In diesem Sinne ist es gefährlich vom Kampf der Kulturen zu sprechen, weil schon a priori Gegensätze und Grenzen angenommen werden, die es ja gerade zu überwinden gilt – mit Hilfe der Globalisierung.

[78] E.CANETTI; Aufzeichnungen 1942-1948. München 1965; 102.

 

Weiterführende Literatur:

- Anything goes? Sittlichkeit im Zeitalter der Skepsis. Wien, Tarnow 2000.
- Aktuelle Herausforderungen der Ethik in Wirtschaft und Politik: Perspektiven für das 21. Jahrhundert. 1. Aufl. 1998, 3. Aufl. Wien 1999.
- als Hg.; Allianz für den Sonntag. Wien 1998.
- Arbeit und Wertewandel im postmodernen Deutschland. Hamburg 1996.
- als Hg.; Gemeinwohl und Gesellschaftsordnung. The common good in our changing world. Wien 1997.
- als Hg.; Gesellschaftsordnung und Privateigentum am Beispiel der Privatisierung, insbesondere des Bankwesens. 1. Aufl. Wien 1996, 3.Aufl. Wien 1997.
- Komplexe Ethik. Wien 2004 (in Vorbereitung).
- Market, Morality and Marginalization. Cambridge/MA 1994.
- Norm und Naturrecht verstehen. Eine Studie zu Herausforderungen der Fundamentalethik. Frankfurt/M. u.a. 1999.
- als Hg.; Solidarität und Sozialstaat. Budapest, Wien 2000.
- mit Hideshi YAMADA; Zur Naturrechtslehre von Johannes Messner und ihrer Rezeption in Japan. Wien 1996.
- als Übersetzer: Geschichte des Himmels. Von J.B.RUSSELL. Wien, Köln, Weimar 1999.


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