Landwirtschaft: Wohin?

Vom 26.-28. Oktober 2001 fand in St. Margarethen im Lungau (Salzburg)
eine Tagung zum Thema "Landwirtschaft – wohin?" statt. Im hier abgedruckten
Eröffnung sreferat weist der Mühlviertler Kulturphilosoph Bernhard Heindl auf die
existentielle Notwendigkeit hin, die Landwirtschaft (wieder) als etwas zu begreifen, das es
mit der Natur und dem Lebendigen zu tun hat und sich daher nicht nach herkömmlichen
ökonomischen Mustern beurteilen und betreiben lässt. Wenn die Landwirtschaft sich nicht weiter
vom Wahn einer Wirtschaft zugrunderichten lassen will, die ihr Kapital aus dem Verschwenden
der Grundlagen des Lebens schlägt, dann muss sie nach Heindls Erachten die bäuerliche
Form des Wirtschaftens, dort, wo sie noch besteht, hartnäckig zu behaupten versuchen,
bzw. mit unser aller Hilfe dorthin zurückkehren. Kurzum: Eine zukunftsfähige und
nachhaltige Landwirtschaft muss sich an den Bedürfnissen des Bodens, der
Tiere und nicht zuletzt des menschlichen Organismus orientieren (können)
und weniger am Markt.

Von Bernhard Heindl


"Herrscher dieser Insel (Areté, der Tugend) war Herr Gaster (der Bauch), der erste Meister aller Künste dieser Welt... Einträchtig lebt mit ihm die gute Dame Poenia, auch Not oder Notdurft genannt, die Mutter der neun Musen ... Diesem ritterlichen König (Gaster) mußten wir zwangsläufig begrüßen, und ihm unsere Ergebenheit und Ehrfurcht bekunden; denn er ist herrisch, anspruchsvoll, streng, rund, hart, eigenwillig und unbeugsam. Vergeblich würde es sein, ihm etwas vorgaukeln zu wollen; er läßt sich weder etwas ein- noch ausreden ... Aber von Herrn Gasters Befehlen, das schwöre ich euch, erzittert der Himmel und erbebt die ganze Erde...In keiner Versammlung macht man ihm den Vorrang und Vortritt streitig; er geht Königen und Kaisern, ja selbst dem Papst voran... Alles arbeitet und schafft in seinem Auftrag. Zum Lohn dafür erweist er der Welt die Wohltat, daß er ihr alle Künste, alle Maschinen, alle Handwerke, Werkzeuge und Fertigkeiten des Lebens erfindet...
Ihr wißt ja, daß Brot und was sonst dazu zu rechnen ist, ihm von Natur als Speise und Nahrung zugewiesen wurde, wozu dann aber als eine weitere Wohltag des Himmels auch noch die kam, daß es ihm, um sich dieses Brot zu verschaffen und zu erhalten, niemals am Nötigen fehlen sollte. So erfand er als erstes von allem das Schmiedehandwerk und den Ackerbau, um den Boden zu bestellen, damit der das Getreide hervorbringe. Er erfand Kriegskunst und die Waffen, um die Ernte zu verteidigen; Medizin und Astrologie nebst der so notwendigen Mathematik, um es sich jahrhundertelang zu erhalten und vor den schädlichen Einflüssen der Luft wie vor den Verwüstungen schädlicher Tiere und den Diebsklauen der Räuber zu schützen...“

Francois Rabelais, 1494-1553
Gargantua und Pantagruel, IV. Buch, 57. u. 61. Kapitel

 

       Vor 3000 Jahren mußten die kretischen Jünglinge vor geladenen Gästen einen Stier bei den Hörnern packen, damit er sie in die Luft schleudere, wo die Kühnen zum Beweis ihres Mutes einen Salto schlugen, um mit beiden Beinen geschickt am Rücken des Tieres zu landen, das den Minoern das Symbol des Lebens war. Ich wünschte, die mir zugemutete Frage ebenso entschlossen zur Rede stellen zu können, um zuversichtlich am Ende eine Antwort zu finden, die darin überzeugt, daß sie einigermaßen sicher am schwankenden Boden der Wirklichkeit steht. Um die Sache anzupacken, bedarf es aber wenig Kühnheit, wenn das Ergebnis, die Antwort, von vornherein feststeht und mit der Ansicht der Meisten, wie es scheint, im Ziel übereinstimmt, wohin die Landwirtschaft unterwegs sein soll.

Alle wollen ja, so heißt es, eine bäuerliche Landwirtschaft. Gemeint ist eine Weise der Landbewirtschaftung, die sich sowohl in ihren Methoden als auch Resultaten davon unterscheidet, was man gewöhnlich industrielle Landwirtschaft nennt. Diese Unterscheidung wird allerdings von einer zweiten überlagert. In ihr steht eine zumeist ökologisch oder biologisch genannte Form der Bewirtschaftung der üblichen und am weitesten verbreiteten – sogenannten traditionellen – Landwirtschaft gegenüber. Mit deren Tradition ist es freilich nicht weit her. Denn sie ist, wenigstens hierzulande, im Großen und Ganzen erst die scheußliche Nachgeburt des Zweiten Weltkriegs. Als nämlich das Werk der Vernichtung zu Ende ging, suchte man für die entsprechenden Industrien sofort eine neue Verwendung. So wurden die chemischen Anlagen zur Fabrikation von Sprengstoff, wofür man im Haber-Bosch-Verfahren aus Ammoniak synthetisch hergestellten Stickstoff in riesigen Mengen benötigt hatte, zur Produktion von Düngermitteln umfunktioniert. Sie sollten im Frieden gleichsam als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln den Bauern die nötige Waffe in die Hand geben, um die künftigen Produktionsschlachten schlagen zu können. Zum selben Zweck wurde ihnen auch das ganze Arsenal an chemischen Kampfstoffen zur Verfügung gestellt, die man zuvor für den Krieg erfunden hatte. Als Pestizide, Insektizide und Herbizide wurden sie nun gegen die "Schädlinge" der Natur in Stellung gebracht, nachdem das Kriegsende ihren Einsatz gegen die Menschen gerade noch verhindert hatte.

Von dieser Tradition wandte sich jene Art der Landwirtschaft ab, die man heute zumeist "biologisch" nennt. Sie stand vor zwanzig Jahren noch als Verrat am wissenschaftlichen Fortschritt bzw. als Verweigerung der allgemeinen Mobilmachung zur Eroberung des Weltmarkts in üblem Ruf. Inzwischen bietet sie sich sogar den Politikern und Imagebildnern, was heute dasselbe ist, für die Konsumenten als gern zitierte Alternative zu jener Landwirtschaft an, die von ihren traditionellen Rezepten (Kunstdünger + Spritzmitteln) nicht lassen kann. Sie sind jedoch deswegen gefährlich, weil die Dosen, wie bei allen Drogenabhängigen, ständig erhöht werden müssen, ohne daß ein Ende in Sicht wäre, während gleichzeitig die dadurch verursachten Schädigungen unübersehbar werden. Zur Erinnerung: Die Menge des zum Betrieb der Agrarproduktion nötigen Einsatzes von Nitraten hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Parallel dazu verschlechterte sich die Qualität aller Wasservorräte in einem besorgniserregenden Ausmaß. So wurde z.B. in den USA quer durch das Land Mitte der 90er Jahre von staatlichen Behörden der Zustand von Seen, Flüssen und Grundwässern mit dem Ergebnis überprüft, daß die Hälfte aller Gewässer inzwischen als Gesundheitsrisiko eingestuft werden müssen. Zu 72 % gilt die Landwirtschaft als Ursache dafür. Und zwar nicht nur durch ihren gigantischen Einsatz an Düngemitteln, sondern auch durch all ihre chemischen Keulen, die sie im Kampf gegen die Natur in ständig steigender Menge einsetzt.

1945 wurden in den USA z.B. noch weniger als 90.000 Tonnen Insektizide verwendet. Dreißig Jahre später hatte sich die benötigte Quantität an Bekämpfungsmitteln bereits auf 720.000 Tonnen erhöht. Dies hinderte nicht, daß im selben Zeitraum der prozentuale Anteil der jährlich durch Schädlingsbefall verursachten Ernteausfälle sich verdoppelt hat(1). Denn die Resistenzen gegen die Gifte nehmen mit der Steigerung ihrer Mengen zu: Um 1960 gab es bereits 140 Insekten und 10 Erreger, die gegen sämtliche Gifte immun waren, inzwischen sind es über 500 Insekten und Milben, zusätzlich 150 Erreger von Pflanzenkrankheiten(2). Die Menschen sind allerdings gegen die Wirkungen der Gifte weniger gefeit: Von ihnen erleiden in den Vereinigten Staaten jährlich immerhin 110.000 Vergiftungen durch Pestizide(3). Angesichts dieser heute nur allzu bekannten Misere der industrialisierten Landwirtschaft scheint die Entscheidung für eine Alternative dazu nicht schwer. Daher würde ich mich dem allgemeinen Plädoyer für eine bäuerlich und ökologisch betriebene Landwirtschaft ohne Umschweife anschließen, wären da nicht zuvor noch zwei Fragen, auf die ich gerne eine Antwort hätte.

Die erste lautet:

Wenn ein gesellschaftlicher Konsens über das Ziel besteht, was hindert die Bauern, den Weg dorthin zu gehen? Oder tendieren sie etwa selbst in eine Richtung, die im Widerspruch zur allgemeinen Ansicht steht? Sind sie inzwischen nicht nur zu einer Minderheit in unserer Gesellschaft geworden (kleiner als z.B. die der Homosexuellen), sondern auch deren Außenseiter, und zwar in der für ihre Existenz entscheidenden Frage? Wollen etwa die Bauern heute gar nicht mehr "bäuerlich" wirtschaften? Begreifen sie den Sinn ihres Wirkens nicht darin, wie eh und je in haushälterischer Pflege ihren Hof zu besorgen und dessen Gründe zu bestellen, sondern wollen lieber einen "Betrieb" leiten? Fühlen sie sich als Bauern noch wohl in einer Öffentlichkeit, in der sie nur etwas als "Unternehmer" gelten? Wollen sie selbst weniger das Land bewirtschaften, als vielmehr "wettbewerbsfähig" werden? In erster Linie nicht mehr sich und ihre Familie ernähren, sondern vor allem den "Weltmarkt" beliefern? Statt Kühe hüten, "Biomasse" produzieren? Nicht den Boden möglichst gut kultivieren, sondern möglichst profitabel "verwerten"? Das Land nicht mehr als Landwirte bewirten, damit es ertragreich bleibe, sondern sich seiner als "Ressource" bedienen, damit es einträglich werde? Nicht mehr mit der Natur arbeiten, um ihre Früchte zu ernten, sondern die "Landschaft schützen", um von der Gesellschaft die dafür gnädigst gewährten Gelder zu kassieren?

Vielleicht aber sehen die Bauern und Bäuerinnen zwischen den dargestellten Alternativen selbst gar keinen Unterschied mehr und es ist ihnen in ihrer Not alles einerlei, solange sie, ohne Zukunft vor Augen, Monat für Monat noch irgendwie über die Runden kommen. Und vielleicht gehört es zu dieser Not, daß ihnen – angesichts der widersprüchlichen gesellschaftlichen Erwartungen an sie und ihrer entsprechenden Überforderung – selbst heute mehr und mehr die Grenzen vor Augen verschwimmen, die die Tätigkeit eines Managers von der eines Bauern trennt und die einen Industriebetrieb von einem Bauernhof ebenso unterscheidet wie den Fürsorgeempfänger von einem Selbstversorger? Ist das möglicherweise sogar der Grund ihres Übels, daß sie gleichsam wie im Nebel tappend heute nicht mehr wissen, wer sie eigentlich sind und was sie in unserer Gesellschaft überhaupt noch sein sollen? Ist ihre Vernebelung vielleicht sogar umso mehr erwünscht, als Blinde leicht an der Hand zu nehmen- und lächelnd an der Nase herumzuführen sind? Oder ist ihre Unsicherheit bezüglich ihres eigenen Selbstverständnisses nur der Ausdruck der allgemeinen Ziel- und Orientierungslosigkeit unserer Gesellschaft, die zwar theoretisch gerne die "bäuerliche" Landwirtschaft, wie sie im Bilderbuch steht, hätte, die aber praktisch alles tut, um sie zu vernichten?

Wer an der Tatsache noch Zweifel hegt, daß diese Liquitation der bäuerlichen Landwirtschaft im weltweiten Maßstab keineswegs zufällig und gleichsam außerhalb des Stroms der Geschichte unserer Industriegesellschaft als natürlicher oder schicksalshafter Prozeß "passiert", sondern von ihr weltweit, konsequent und erfolgreich betrieben wird, den möge die folgende kleine Übersicht verschiedener Nachrichten eines Besseren belehren:

Während es in den Vereinigten Staaten um 1950 noch 23 Millionen Farmen gab, sind es Mitte der 90er Jahre noch 1.911850, davon nur mehr 961,560 im Haupterwerb. Dazu gehört, daß vor 50 Jahren ein Bauer in den USA noch mit "nur" 65 ha eine Familie ernähren konnte, wozu er heute 650 braucht. Zum selben Zweck mußte er damals 20 Kühe im Stall halten, heute 200(4). Dieselbe Situation trifft auf die gesamte EU zu: Zwischen 1965 und 1990 wurde die Anzahl der Bauern halbiert. Jährlich geben 500 000 Bauern die Landwirtschaft auf. Parallel dazu nimmt die Konzentration innerhalb der noch bestehenden Betriebe zu. So liefern in den 90er Jahren nur mehr 20% von ihnen 80% aller Produkte(5). Allein in Deutschland haben z.B. seit 1991 550 000 Menschen ihren Arbeitsplatz in der Landwirtschaft verloren(6). Derzeit ( 2001) gibt es dort nur noch 516 303 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 1 ha Fläche(7). Kommt es (wie angestrebt) zu einer weiteren Liberalisierung der Landwirtschaft bei der nächsten WTO-Verhandlung, dann würden in Deutschland "optimistisch geschätzt" nur mehr "200 000 Bauernhöfe ... überleben"(8). Die selbe Situation, in sozialer Hinsicht ungleich verschärft, findet sich in den sogenannten Entwicklungsländern. Etwa in Lateinamerika, wo inzwischen die Hälfte der 35 Millionen Bauernfamilien bereits ohne Grundbesitz sind, bzw. ihr Land so klein ist, "daß es nicht ausreicht, sie zu ernähren, während der Landadel und internationale Konzerne gleichzeitig jeden verfügbaren Hektar Boden an sich reißen, um Weidland zu gewinnen"(9).

Die Folge dieser Entwicklung ist klar und äußert sich z.B. in Warnungen wie der folgenden: "Die Asiatische Entwicklungsbank schlägt Alarm. Wenn das Bauernsterben und damit die Landflucht zunehme wie bisher, würde sich die Stadtbevölkerung in Asien von derzeit 990 Millionen in 25 Jahren auf über zwei Milliarden erhöhen. Städte wie Tokio, Shanghei, Bombay steuern bereits gegen die 30 Millionen - Marke zu ..."(10). Ähnliches gilt für Afrika: "In Mauretanien ist ein Fünftel, in Burkina Faso ein Sechstel der
Landbevölkerung in die Städte abgewandert ... Ganze Dörfer liegen heute in der Sahelzone verlassen da ... Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge wird sich im Jahr 2000 die Gesamtheit der städtischen Bevölkerung in Burkina Faso, Tschad, Mali, Mauretanien, Niger und Senegal auf 11, 8 Millionen Menschen belaufen: das bedeutet eine Steigerung um 224 Prozent gegenüber 1975"(11).

Vor diesem dramatischen Hintergrund erlaube ich mir nun meine zweite Frage:

Was bedeutet die irritierende Kluft zwischen der Aussage, wonach angeblich 80 bis 90 Prozent aller Konsumenten auf entsprechende Fragen eine "bäuerliche Landwirtschaft" wünschen, und ihrem konkreten Konsumverhalten, wodurch sie das angeblich Gewollte aktiv dem Ruin preisgeben? Auf diesen Unterschied zwischen Reden und Tun, bekunderter guter Absicht und gewohntem schlechtem Verhalten weisen die Agrarpolitiker gerne hin und zwar mit Recht. Die Frage ist nur, ob die Schlauen mit diesem Hinweis nicht von der nicht minder eklatanten Zwiespältigkeit und Doppelbödigkeit ihrer eigenen Aussagen zugunsten einer "bäuerlichen" Landwirtschaft ablenken? Z.B. davon, daß sie sich in schönen Sonntagsreden und entsprechenden Lippenbekenntnissen zwar zur bäuerlichen, d.h. kleinstrukturierten Landwirtschaft bekennen, im Gegensatz dazu aber verlangen, daß "künftig wieder mehr die leistungsfähigen Betriebe ... zum Aufbau wettbewerbsfähiger Einheiten" gefördert werden- und dazu die "öffentlichen Fördergelder (wieder) verstärkt zur Betriebsvergrößerung eingesetzt werden sollen", zu welchem Zweck die "Förderobergrenzen im Milchviehbereich abgeschafft oder gelockert werden" müssen. Wen wundert es noch, daß solche Forderungen von Seiten der Politik sogar auf den Beifall der bäuerlichen Standesvertretung zählen können, die ohne Schamesröte nicht müde wird zu versichern, das wichtigste Ziel ihrer Bestrebungen sei die Erhaltung der "bäuerlichen" Landwirtschaft(12) ?

Ins selbe Horn wie der seinerzeitige deutsche Agrarminister stößt auch z.B. der Generaldirektor für Landwirtschaft der EU-Kommission (Arnim Schmid-Volkmar), wenn er bedauert, daß "die Struktur der Milcherzeugung mit durchschnittlich 22 Kühen pro Betrieb in der EU von der anzustrebenden Betriebsgröße von 80 - 100 Kühen noch weit entfernt ist". Eine Klage, zu der das entsprechende Mitteilungsblatt feststellt, daß "Farmer in Kalifornien in der Lage sind, Milch unter 2,80 S/kg zu erzeugen, wozu einige Hundert Hektar je Betrieb und Ställe für mindestens 1.500 Milchkühe notwendig sind. (Eine Arbeitskraft für 160 Kühe)(13)" . Verschwiegen wird in solchen zum Kampf um den Weltmarkt provozierenden Reden, in denen die Vereinigten Staaten als Feind- und Vorbild zugleich hingestellt werden, daß nicht die USA, sondern seit den 80er Jahren Europa beim Export von Milch- und Milchprodukten für den Weltmarkt führend ist. Dennoch wird den Bauern unermüdlich erklärt, sie müßten sich für den "Weltmarkt fit" machen und hetzt sie mit dem Schlachtruf nach steigender "Wettbewerbsfähigkeit" in einen Export, der für sie selber den Ruin bedeutet.

Dazu muß man sich Folgendes vor Augen halten: Der Exporterlös für Milch und Milchprodukte betrug z.B. zwischen 1988-94 im Durchschnitt 10,5 Milliarden US-Dollar jährlich. Um diese Summe zu erzielen, mußten freilich nach gängiger Praxis der EU-Agrarpolitik auch die Preise für Molkereiprodukte im Ausland bis zu einem Drittel der Inlandspreise heruntersubventioniert werden, was man bekanntlich Dumping nennt(14). Daher kostete der EU-Milchmarkt den Steuerzahler z.B. 1994 nicht weniger als 12,2 Milliarden DM, zwei Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. Man muß diese Zahl (mehr als 85 Milliarden ATS) nur mit den oben genannten Exporterlösen ( über 120 Mrd ATS) vergleichen, um den Irrsinn einer Politik zu begreifen, die unter ständiger Beschwörung der "bäuerlichen" Landwirtschaft im gleichen Zeitraum (1993/94) allein in Deutschland 140 000 Milchbauern (60 000 in Bayern, d.i. 40 % aller Milchbetriebe) den Garaus machte(15).

Natürlich wird die Schuld dafür diesen selbst angelastet. Und zwar mit dem Hinweis, daß jeder einzelne von ihnen für den Weltmarkt eben "nicht fähig" (für den Wettbewerb) gewesen wäre, womit das Schicksal ihrer bäuerlichen Landwirtschaft besiegelt ist. Daß es dabei freilich weniger schicksalshaft als vielmehr konzeptuell geplant und politisch gewollt zugeht, beweist das zur selben Zeit (1994) erstellte "Reformkonzept der EG-Agrarpolitik", wofür die Professoren Koester (Kiel) und Frohberg (Bonn) im Auftrag Brüssels verantwortlich zeichnen. Diese, akademisch abgesichert und wohlbestellt, nehmen sich kein Blatt vor den Mund. Sie pfeifen auf die Propaganda von der bäuerlichen Landwirtschaft und bestehen als angeblich reine Wissenschaftler und Ökonomen darauf, die Landwirtschaft in Zukunft "genau so zu behandeln wie jeden anderen (Wirtschafts-) Bereich auch". In diesem Sinn empfehlen sie der Politik, die "radikale Liberalisierung des Agrarmarkts“ konsequent mit dem Ziel fortzusetzen, die Preise auf das (künstlich erzeugte) Weltmarktniveau abzusenken. In der Folge würde, so die Herrn Professoren, u.a. auch "der Preis für Boden sinken", was der "Industrie den Wettbewerb um Boden erleichtert". Offenbar kommt ihr das höchst gelegen! Weniger erfreulich wirkt sich die der Industrie gewährte Gunst für die Bauern aus. Denn als Konsequenz ihrer für die Landwirtschaft empfohlenen Politik, erklärt die Studie trocken, würden "einige in der Landwirtschaft Beschäftigte arbeitslos werden". Zum Trost dürfen die Bauern und Bäuerinnen immerhin für ihre zukünftig zu entrichtenden "Dienstleistungen an der Umwelt entschädigt"(16) werden.

Aus solchen und ähnlichen akademischen "Dienstleistungen an der Landwirtschaft" spricht dieselbe Grundhaltung zu ihr wie in den Vorstellungen mancher von denen, die sie gesetzlich zu vertreten haben und öffentlich zu verteidigen vorgeben. Etwa in folgender: "Ob unsere Nahrung auf dem Felde gewachsen, vom Tier erzeugt oder durch eine technische Fabrik synthetisch gewonnen wird, ist ernährungsphysiologisch unerheblich ... Falls sie nur alle erforderlichen Nährstoffe enthält"(17). Von einer solchen Einstellung zu dem, was man früher "Lebensmittel" nannte, ist es nur mehr ein kleiner Sprung zur kühnen Offenbarung des College of Agriculture der Universität von Illinnois, wonach die Zukunft der Landwirtschaft nur noch in einer "food production without either farmers or farms"(18) liegen könne.

Schon diese wenigen Hinweise lassen ahnen, daß dem öffentlichen Plädoyer für eine "bäuerliche Landwirtschaft" eine nicht ganz so publikumswirksame, aber umso mächtigere Praxis gegenübersteht. Durch sie werden die Bauern, deren Exizenz man lautstark für unverzichtbar erklärt, de facto derselben beraubt. Welche Kräfte sind dabei mit welchem Interesse am Werk?

Vordergründig gesehen liegt die Antwort in dem höchst profitablen und ebenso gewaltig expandierenden wie zugleich bedrohlich fusionierenden Machtkomplex, der aus Agrobusiness, Agrotechnik und Agrarindustrie besteht. Er wird vom Heer der Ministranten in Wissenschaft und Forschung eifrig bedient. Angesichts so großer Hilfsbereitschaft können Politiker und Funktionäre der bäuerlichen Standesvertretung nicht tatenlos abseits stehen. Um welches Konzentrat an ökonomischer Macht sie alle tanzen, kann hier nicht annähernd ausgeführt werden. Sie reicht von den petrochemischen über die pharmazeutischen Industrieen bis zu den marktbeherrschenden Konzernen des Handels und der Saatguterzeugung, von den Werbe- und Verpackungs- Transport- und Lagerbetrieben bis zu den Banken, von den Warenterminspekulanten der Börsen von Chicago und Hannover bis zur eigentlichen Verarbeitungsindustrie für Nahrungsmittel. Letztere zählt zu den bedeutendsten Industriebranchen überhaupt, mit 2,6 Millionen Arbeitnehmern in der EU und einem Jahresumsatz (1989) von 342 Mrd DM (19). Angesichts der ständig sinkenden Anzahl der Bauern in den Industriestaaten (nur mehr 2 bis 3 %), wird leicht übersehen, daß sie nur das kleinste und schwächste Glied in der Kette der industrialisierten Nahrungsmittelproduktion darstellen. Zu derem Gesamtbetrieb sind jedoch nach den Schätzungen José Lutzenbergers noch ebenso viele Menschen nötig wie am Beginn des 20. Jahrhunderts generell in der Landwirtschaft tätig waren (über 40 % der Gesamtbevölkerung) (20). Man vergißt zuweilen, daß im gesamten Agrarsektor, z.B. Deutschlands, ebensoviele Beschäftigte wie in der Automobilbranche tätig sind (21), oder der Agrarexport der USA mit 57 Mrd $ (1997) zur ökonomisch und strategisch bedeutendsten Exportwirtschaft dieses Landes zählt, was freilich nur dem geringsten Teil der US-Farmer zugute kommt, nämlich jenen 7 %, die zwei Drittel der landwirtschaftlichen Produktion stellen und dafür über 30 % aller staatlichen Subventionen kassieren. Den eigentlichen Profit streichen allerdings nur jene fünf Unternehmen ein, die zusammen 90 % des gesamten US-Exportmarktes für Mais, Weizen, Kaffee, Tee, Ananas, Baumwolle, Tabak, Jute und Produkte der Holzwirtschaft inclusive aller Verarbeitung, Lagerung und Transport kontrollieren (22).

Von allen Seiten der Agrarwirtschaft und -Industrie her werden die Bauern ökonomisch unter Druck gesetzt und in die Rolle von möglichst billigen Rohstoffproduzenten gezwungen. Der beste Weg dazu ist, ihre Konkurrenz untereinander zu verschärfen, indem man sie für den "Weltmarkt" reif macht, d.h. rund um die Erde alle gegeneinander ausspielt und sie zusammen unter permanenten, technologischen Fortschrittsdruck setzt. Dieser treibt dann die Bauern zu jener Steigerung der Produktion, deren konsequentes Ergebnis darin besteht, daß sie den Preis der "Rohstoffe" und "Biomassen" für die Industrie wie erwünscht stets nach unten drückt. Und zwar möglichst bis weit unter die Gestehungskosten. Dazu ein einziges Beispiel: Nach den Studien des Agrarökonomischen Instituts der Cornell Universität im Staat New York (Stanton, B.F.) bewegten sich die Produktionskosten für Weizen auf den besten Böden der Welt in den späten 80er Jahren bei den untersuchten Großbetrieben der USA, Canada, Frankreich, BRD, GB, Australien, die als die "wettbewerbsfähigsten" galten, in einer Bandbreite zwischen 26-30 DM / dt. Dies entspricht dem Doppelten des Preises für den Weizen, der 1990 von der EG mit Hilfe von Exportstützungsgeldern am "Weltmarkt" verkauft wurde, nämlich für 13 DM / dt, an welcher grotesk errichteten Meßlatte wiederum die Getreidebauern ihren beklagenswerten Mangel an Wettbewerbsfähigkeit ermessen durften (23).

Kaum berührt, hinterlassen die klebigen Aussonderungen einer den Meisten undurchschaubaren Agrarpolitik den gefährlichen Zustand einer Lähmung, die von der resignativen Überzeugung begleitet wird, daß am grotesken "System" anscheinend nichts zu ändern ist. Dagegen spricht die Tatsache ununterbrochen angekündigter "Reformen" und "Wenden" aller Art umso weniger, als vielmehr eben dadurch alles bleibt, wie es ist. Und zwar deswegen, weil es so bleiben soll. Denn so will es jener herrschende Wille der Industriegesellschaft, der sich in einer Wirklichkeit wiedererkennen und bestätigt sehen will, die deshalb unter allen Umständen durchgesetzt und erzwungen werden muß. Dabei werden alle Kosten in Kauf genommen, welchem verstockten Irrsinn auch die bäuerliche Landwirtschaft zum Opfer fällt. Daran ändern auch die freundlichen Bekundungen für sie nichts, mit denen ihr – sozusagen an der Leibhaftigkeit der eigenen Erfahrung – verzweifelndes Selbstwertgefühl von den professionellen Medizinmännern und Schönrednern gehätschelt wird, um den Zorn der Patienten von der bitteren Wahrheit abzulenken. Denn diese besteht darin, daß sie im Kampf um eine Produktion, die immer mehr werden muß, weil sie immer billiger werden soll, dem Recht des Stärkeren, dessen Macht sich daran mästet, unterliegt. So wird dem angeblich natürlichen Gesetz Darwins durch eine Ökonomie zum Durchbruch verholfen, deren Verständnis weder die Rechte der Menschen noch die der Natur respektiert.

Das Ergebnis ist nicht nur, wie bereits erwähnt, für die Bauern ruinös. Vielmehr geht mit dem weltweit betriebenen Untergang der bäuerlichen Landwirtschaft auch der unglaubliche Skandal von "Hunger durch Überschuß" einher, der Jahr für Jahr permanent 20 bis 30 Millionen Tote und ein ständiges Heer von etwa einer Milliarde Unterernährten ohne den Aufschrei der Öffentlichkeit duldet. Dahinter geht jener gewaltige Riß durch die Welt, der unaufhörlich größer wird und sein abgründiges Vernichtungspotential laufend vermehrt. Gemeint ist jene bis zum Zerreissen sich ständig weitende Kluft zwischen Arm und Reich, dessen Ausmaße immer grotesker werden. Dazu gehört z.B., daß die 225 größten Privatvermögen der Welt (zusammen 1000 Mrd US-$) inzwischen dem Jahreseinkommens von 2,5 Milliarden Menschen entspricht, die fünfzehn reichsten Individuen mehr als das Bruttosozialprodukt aller afrikanischen Staaten südlich der Sahara (mit Ausnahme Südafrika) besitzen und der Umsatz einer Firma wie Exxon/Mobil höher als ist das jährliche BIP Österreichs (24). Susan George hat auf der 1996 in Graz stattfindenden Tagung GELD MACHT WERTE darauf hingewiesen, daß das Wohlstandsgefälle zwischen Industrie- und Kolonialländern am Beginn des Kapitalismus und des damit parallel einhergehenden Kolonialismus (18. Jh.) in einem Verhältnis von 1:2 geschätzt worden ist. Um 1945 betrug es bereits 1:30. 50 Jahre sogenannte Entwicklungshilfe haben es auf 1:60 weiter auseinander-"entwickelt". Susan George sieht sechs Verantwortliche dafür. Keiner von ihnen agiert auf dem Boden legalisierter und demokratisch kontrollierter Verhältnisse, sondern alle im Interesse eines Kapitals, das sich nach eigenem Ermächtnis und Gutdünken damit seine Herrschaft sichert:

1) Transnationale Konzerne
2) Westliche Kreditgeber
3) Internationale Finanzorganisationen (IWF, Weltbank)
4) Die Eliten in der Staatsbürokratien (Nord und Süd)
5) Die Welthandelsorganisationen (GATT, WTO)
6) Die Finanzspekulanten

Seit kurzem leben wir bekanntlich im einundzwanzigsten Jahrhundert. Darin drohen die seit mehr als 2000 Jahren im Abendland mit allen Mitteln des Denkens verteidigten Grenzen zwischen Sein und Schein im geschäftigen Einerlei des globalen "Big Mac-Info-Entertainment-Business" zu verschwinden. In dessen virtuellen Produktionen konsumieren wir die realen Ereignisse. Sie werden uns in den tagtäglichen Aktualitäten zubereitet und aufgetischt, die alle unseren Erfahrungshorizont überschreiten. So hängen wir am Tropf dieser "Informationen" und davon künstlich ernährt mit einer Wirklichkeit, die unsere Vorstellungskraft in dem Maß übersteigt, in dem sie nicht mehr durch unsere eigene Handlungsmöglichkeit und Wirkkraft in Zaum gehalten werden kann. Inzwischen ist die Sucht nach diesen - Apathie verstärkenden - Infusionen und ihrer halluzigenen Wirkung so groß, daß die meisten Menschen tatsächlich davon abhängen. Als wäre das Gift, weil im Überfluß angeboten, ebenso straflos und in der Gewißheit nie versiegenden Nachschubs gänzlich gratis und ohne Folgen zu haben! In diesem naiven Glauben, mit nichts und nie dafür bezahlen zu müssen, saugen wir gierig die verstreuten Neuigkeiten aus aller Welt in uns ein. Sie vermitteln die Illusion, als wären wir am Gang der Ereignisse unbeteiligt (schuldlos) und dürften daher als bloße Zuschauer kostenlos am aufregenden Spektakel der "Weltgeschichte" teilnehmen. Die Bühne dafür bleibt ständig offen. Denn rund um die Uhr steht die Welt nicht still. Rastlos wird alles Aktuelle aus ihr von den Medien ausgespuckt und uns in einer Weise eingeführt, die uns weder Zeit läßt zu prüfen, was wir davon halten sollen, noch die Ruhe, die nötig wäre, um das Eingenommene so wirken zu lassen, daß es unseren Hunger nach Verständnis befriedigen könnte. Statt dessen wird uns ständig verabreicht, wovon wir schneller durchdrungen sind als wir das Eingenommene voll Ekel ausspeien könnten. So tagtäglich von Neuigkeiten aller Art infiltriert und mit Sensationen jeden Kalibers überfallen, wird unser Hirnkasten allmählich jenem Abfalleimer ähnlich, dessen gährender Inhalt täglich zu entsorgen ist, damit er die nächsten Fuhren des Verderblichen fassen kann.

Permanent vollgestopft, ohne je satt zu werden, siechen wir vor uns hin. Dies hindert nicht, daß die pausenlos Geschwätzigen über alles und jedes das Maul aufreissen, das ihnen kein noch so großer Schreck mehr verschließt. Sie drängen die Empfindsameren in den Hintergrund, denen der Mund offen bleibt und wie zum Schrei aufgerissen verstummt. In beiden Fällen dem ausgeliefert, was jede Distanz überspringt, um die Wehrlosen als stets aktuelle Information zu überfallen, bleibt den Angegriffenen kaum die Kraft, die nötig wäre, um Luft zu holen, Abstand zu halten und in Ruhe sich zu einem Verständnis zu rüsten.

Vielen von uns sind allerdings in jüngster Zeit drei große Brocken im Halse stecken geblieben geblieben: Die Verbrennung Hunderttausender Haustiere (genannt "Risikomaterial") in Europa, die Niederschlagung der Demonstranten (genannt "Globalisierungsgegner") während des ferragosto in Genua und die Zerstörung der beiden Symbole des wirtschaftlich- militärisches Komplexes der Weltmacht (genannt "westliche Zivilisation") am 11. September dieses Jahres in New York und Washington. Im ersten Fall stinkt der nicht länger vertuschbare Wahnsinn einer Wirtschaft zum Himmel, die heute als "getreidekonsumierende Tiereinheiten"(25) definiert, was in der bäuerlichen Landwirtschaft früher Rinder waren. Im zweiten Fall werden diejenigen, die gegen den Wahnsinn aufmerksam machen, vom einstigen Rechtsstaat kriminalisiert, der seine Masken zusehends ungenierter abwirft und sich zunehmend schamloser ín die Pose des nackten Tyrannen wirft, der geschickt genug ist, sich dazu von den Massen Beifall klatschen zu lassen. Im dritten Fall endlich wird der mörderische Anschlag Unbekannter mit dem kriegerischen Anschlag der als "internationale Wertegemeinschaft" Bekannten auf eine Art vergolten, die nicht minder verrückt ist. Wie es um deren Werte bestellt ist, zeigt sich allein daran, daß sie es nicht einmal mehr für der Mühe wert findet, die schlüssigen Beweise dafür vorzulegen, warum sie mit vereinten Kräften den Krieg "gegen den Terror" und "gegen das Böse" auf eines der ärmsten Länder der Welt lenkt, welches das Unglück hat, in der Nähe einer der reichsten Gegenden der Erde zu liegen (Öl). Denn die propagandistisch entfachte Kriegsbrunst hat jegliches Bedenken und Nachdenken bereits so weit geschwächt, daß die Länder der westlichen Zivilisation vom bürgerlichen Rechts- zum Überwachungsstaat gegen die Bürger –  zu deren Schutz, wie sie sagen – mutieren, ohne auf deren Widerstand zur Verteidigung ihrer zivilen Rechte zu stoßen. So haben jene Terroristen vielleicht bereits erreicht, was sie mit der Vernichtung - oder besser gesagt spektakulären Erniedrigung - der beiden, vom Westen hochgehaltenen Symbole seines militärisch-ökonomischen Triumphzugs um die ganze Welt erhofft hatten.

Was jedenfalls ihre Landwirtschaft betrifft, so zeigt sich, daß die Erfolgsstrategie der modernen Industriegesellschaft, die mit allen Wissenschaften betriebene und vorwärts getriebene Kombination an militärisch-wirtschaftlicher Gewalt im Vorgehen gegen Natur und Menschen, in beiden nichts als Verwüstung und Zerstörung im höchsten Ausmaß hinterläßt:

"In den letzten zwei Jahrhunderten der kolonialen Expansion Europas ... wurde die Hälfte der tropischen Ökosysteme durch Menschenhand zerstört..."(26)
1 Million Hektar Regenwald verschwindet monatlich auf dem Globus auf immer. Das ergibt jährlich eine Fläche, größer als die Großbritanniens ..."(27)
"Mehr als ein Viertel aller mittelamerikanischen Wälder wurden in den letzten zwanzig Jahren vernichtet, um Rindfleisch für die Vereinigten Staaten zu produzieren, ein Verlust, der finanziert wurde mit mehreren Milliarden Dollaren der Weltbank, mit amerikanischer Entwicklungshilfe und mit Millionenbeiträgen vom US- Landwirtschaftsministerium ..."(28)
"US- Konzerne wie Swift, Armour, Dow Chemical, United Brands, W. R. Grace, Gulf & Western, International Food, aus Europa VW, aus Japan Mitsui ... holzten zusammen von 1966 bis 1983 fast 100.000 Quadratkilometer Regenwald ab. Davon 38 % Weideflächen für Rinder. Sie werden nach wenigen Jahren erschöpft und bleiben als ausgelaugtes Ödland zurück, während die Multis weiterziehen ... 90 Prozent der neuen Viehbetriebe im Amazonasgebiet müssen innerhalb von acht Jahren wieder schließen, weil ihr Grund und Boden durch Überweidung ausgelaugt ist ..."(29)

Einer Schätzung der Vereinten Nationen zufolge sind gegenwärtig 29 Prozent der gesamten Landmasse unseres Planeten geringfügig, mittelschwer oder ernsthaft von der Desertifikation betroffen ... Fast 33 Millionen Quadratkilometer Halbtrocken- und Trockengebiete in aller Welt, also eine Fläche, die viermal so groß ist wie die USA, werden heute als mittelschwer desertifiziert eingestuft - das heißt, daß das Land ein Viertel seiner potentiellen Ertragsfähigkeit eingebüßt hat ... Weitere 15 Millionen Quadratkilometer gelten als ernsthaft desertifiziert und bringen nur noch weniger als die Hälfte ihrer ursprünglichen Erträge hervor. Etwa 850 Millionen Menschen leben in Regionen, die von der Ausdehnung der Wüste bedroht sind ... Jedes Jahr gehen 600.000 Hektar fruchtbaren Landes in der ganzen Welt durch die fortschreitende Desertifikation verloren. Auf weiteren 20 Millionen Hektar ist die Bodenerosion so stark, daß das Land nicht mehr als Weide- oder Anbauland genutzt werden kann ... Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen entwirft ein düsteres Bild der Situation: Überall in der Dritten Welt ist die Verschlechterung des Bodens die Hauptursache für die Abwanderung der ackerbauenden Bevölkerungsschichten in die Slums und Barackensiedlungen am Rande der Großstädte ..."(30)
"Eine Fläche von der doppelten Größe Belgiens wird jedes Jahr zur Wüste..."(31)
"Die Wüstenbildung betrifft heute 3,6 Milliarden Hektar = 70% der produktiven Zone in den trockenen Gebieten ... Jährlich gehen 6 Millionen Hektar fruchtbaren Landes verloren ... "(32)
"Lt. Wuppertal-Institut werden jährlich weltweit 120 Millionen Tonnen Boden abgetragen. Der Verlust pro Hektar beträgt durchschnittlich 10-11 Tonnen..."(33)
"Die landwirtschaftliche Fläche verringerte sich weltweit seit 1981 um 7,5% ... Im vergangenen Jahr stand pro Person nur mehr eine Getreidefläche von 0,12 ha zur Verfügung ..."(34)
"Die Wüsten haben sich in den letzten Jahrzehnten um 120 Millionen Hektar ausgedehnt ..."(35)
"Die FAO gibt bekannt, daß die Küstenzonen des Mittelmeers, die zu den fruchtbarsten der Welt zählen, drastisch geschädigt werden durch die Art der Nahrungsmittelproduktion. 50% aller Agrarflächen sind bereits von starken Erosionsschäden gezeichnet mit Erdabtragungen von 250 Tonnen jährlich pro Hektar (Italien, Spanien, Marokko) ... Mit einer Wasserkrise muß in der nächsten Zeit gerechnet werden ..."(36)
"Nach der Studie sind in China fünf Prozent der Agrarfläche der Verstädterung und Industrialisierung bereits zum Opfer gefallen. Erosion und Verschlechterung der Böden haben in Kasachstan seit Mitte der achziger Jahre zu Einbußen von 24% geführt ..."(37)

"1993 wurden in Deutschland täglich ca 71 ha Fläche verbraucht ..."(38)
"Der Versiegelung der Böden fällt allein in Deutschland jährlich eine Fläche von der Größe des Bodensees zum Opfer ..."(39)
"Nach einer Studie des US-Landwirtschaftsministeriums (1999) gehen in den USA jährlich Agrarflächen und Forstflächen im Ausmaß von 2 Millionen Hektar verloren ..."(40)

"Der jährliche Verlust an Mutterboden wird von den Vereinten Nationen auf 25 Milliarden Tonnen geschätzt ... Durch diesen Verlust hat sich die Ertragsfähigkeit der Ackerflächen in den vergangenen Jahren weltweit um über 29 Prozent verringert .... Dem Worldwatch Institute zufolge entspricht dem jährlichen Verlust von 25 Milliarden Tonnen Mutterboden weltweit ein Rückgang der Ernteerträge um sechs Prozent, das sind neun Millionen Tonnen Getreide im Jahr ..."(41)
"Unter natürlichen Bedingungen bilden sich in 200 bis 1000 Jahren zweieinhalb Zentimeter Humusschicht ... Vor zweihundert Jahren hatte Ackerland in den USA im allgemeinen eine Humusschicht von mindestens 50 Zentimetern. Heute hat der Mutterboden des Landes infolge von Überweidung, Raubbau und Waldrodung fast ein Drittel seiner ursprünglichen Tiefe verloren. In manchen Gegenden reicht er nur noch 15 Zentimenter tief ... In Iowa, das einst als fruchtbarstes Ackerland der Welt galt, ist die Humusschicht in einem einzigen Jahrhundert um mehr als die Hälfte zurückgegangen ... Alljährlich werden in den Vereinigten Staaten vier Milliarden Tonnen Mutterboden und drei Milliarden Tonnen durch Winderosionen abgetragen ... Schätzungen gehen davon aus, daß von diesen sieben Milliarden Tonnen Humus, die in den USA durch Erosionsprozesse vernichtet werden, fast sechs Milliarden auf das Konto von Weidewirtschaft und Futtergetreideproduktion gehen ... Die mittelbaren und unmittelbaren Kosten der Bodenerosion und -abtragung in den Vereinigten Staaten werden auf mehr als 44 Milliarden Dollar im Jahr geschätzt ... Schätzungen des Worldwatch Institute zufolge fallen für jedes Steak aus einem Rindermastbetrieb etwa 15 kg Mutterboden der Erosion zum Opfer ..."(42)
"Heute sind weite Teile der westlichen Prärien der USA zerstört, andere bewegen sich am Rande des ökologischen Zusammenbruchs. Ein 1991 im Auftrag der Vereinten Nationen erstellter Bericht besagte, daß der Boden zu 85 Prozent - das sind fast 275 Millionen Hektar - durch Überweidung und andere Faktoren geschädigt und seine Ertragskapazität auf einer Fläche von 172 Millionen Hektar um 20 bis 50 Prozent gemindert waren ..."(43)

"In aller Welt sind heute durch Dürrekatastrophen, Überweidung und Raubbau die Süßwasserreserven bedroht. In Ostafrika ist der Grundwasserspiegel auf ein so niedriges Niveau abgesunken, daß es in sechs von sieben Ländern der Region gegen Ende des Jahrhunderts (2000) zu einer bedrohlichen Verknappung kommen wird. Dasselbe Schicksal wird die fünf Mittelmeeranrainer im Norden Afrikas noch vor der Jahrhundertwende (2000) ereilen ... Auch in Mexiko und Indien ist ein bedenkliches Absinken des Grundwasserspiegels zu verzeichnen ... 70 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs gehen auf das Konto der Landwirtschaft - für den Anbau von Nahrungs- und Futtermittel .... Heute werden 15 Prozent aller Anbauflächen - das sind 270 Millionen Hektar - künstlich bewässert, wozu annähernd vier Billionen Kubikmeter Wasser im Jahr vonnöten sind .... Bis zum Jahr 2000 wird den Prognosen zufolge der Wasserbedarf der Landwirtschaft um weitere 25 bis 30 Prozent steigen, da die Agrarflächen zunehmend durch künstliche Bewässerungsanlagen versorgt werden... In den Vereinigten Staaten hat die Wasserknappheit, insbesondere in den westlichen Bundesstaaten, ein kritisches Stadium erreicht, in dem die Entnahme die Erneuerung um 25 Prozent übersteigt ... Etwa die Hälfte aller amerikanischen Rinder in den Mastbetrieben werden im Mittelwesten oder im Westen der USA gezüchtet, Regionen, die nur auf eine einzige Wasserreserve zurückgreifen können. Das Ogallala-Reservoir ist der größte unterirdische Wasserspeicher der Welt und erstreckt sich vom nordwestlichen Texas bis Süddakota über acht Bundesstaaten. Es umfaßt ein Areal, das dreimal so groß ist wie der Staat New York. Die Landwirtschaft entzieht dem Ogallala-Reservoir heute jährlich mehr Wasser, als der Colorado in einem Jahr transportiert. Ein großer Teil dieses Wassers fließt in die Bewässerungsanlagen der Weide- und Mastbetriebe. Hydrologen gehen davon aus, daß dieser praktisch nicht erneuerbare Wasserspeicher in Kansas, Texas und New Mexiko bereits zur Hälfte ausgeschöpft ist ... In Texas ist ein Viertel des Grundwassers verbraucht, und im Norden des Staates sind viele Brunnen ausgetrocknet. Der Grundwasserspiegel ist in manchen Regionen so weit abgesunken, daß das US- Landwirtschaftsministerium eine Verringerung des bewässerten Landes in den Great Plains um 30 Prozent voraussagt ..."(44)

Sind wir angesichts solcher Warnungen, die seit Jahrzehnten unser Gehör fordern, überhaupt noch zu retten?

Daran läßt folgende Mitteilung von Wendell Berry in seinem Buch "Leben mit Bodenhaftung" zweifeln, die sich auf den oben erwähnten Grundwasserstrom bezieht, der nach einem der wichtigsten Stämme der Sioux "Ogallala" genannt wurde. Sein bedeutender Führer war jener Crazy Horse, der seinerzeit den Weißen schwere Niederlagen zugefügt hatte, ehe er mit seinem Volk 1877 infolge Hungers und Erschöpfung kapitulierten mußte. Dieser Grundwasserstrom wird von einem Sediment von mehreren 100 m Dicke gespeichert. Es wurde im Tertiär gebildet, in einer Zeit, die ca 65 Millionen Jahre dauerte und etwa vor 1,6 Millionen Jahren abgeschlossen wurde. In diesen Millionen von Jahren baute sich jene wasserführende Sandschicht auf, dessen Reservoir in einem halben Jahrhundert - vor allem durch die industrialisierte Landwirtschaft - bereits zu 60 % erschöpft ist. Zu dieser Tatsache zitiert Berry eine vom Kongreß in Auftrag gegebene Studie, dessen Leiter feststellt, "daß selbst bei der derzeitigen Abpumpgeschwindigkeit das unterirdische Reservoir die Plains noch weitere vierzig bis fünfzig Jahre mit Wasser versorgen kann". Es bestehe also kein Anlass, sich über den rasch sinkenden Wasserspiegel zu beunruhigen. Vielmehr könnten alle sechs an der Studie beteiligten Staaten "auf der Grundlage verbesserter Technik" auch in Zukunft mit gesteigerten landwirtschaftlichen Erträgen rechnen.

Sind alle verrückt geworden?
Oder drückt sich in dieser Geisteskrankheit nur die perverse Logik jener kriminellen Ökonomie aus, wonach jedes Gut erst seinen wahren Wert bekommt, wenn man es rigoros ausplündert und möglichst schnell verschleudert, weil es nur kostbar wird, wenn es damit zu Ende geht. Dann wären die zukünftigen Profite der Räuber weniger "auf der Grundlage verbesserter Techniken" als vielmehr dadurch zu erwarten, daß Wasser "für die meisten Länder der Welt in weniger als 50 Jahren eine weitaus kostbarere Ressource sein wird als Öl".(45)

Wenn die Landwirtschaft sich nicht weiter vom Wahn einer Wirtschaft zugrunderichten lassen will, die ihr Kapital aus dem Verschwenden der Grundlagen des Lebens schlägt, dann muß sie die bäuerliche Form des Wirtschaftens, dort, wo sie noch besteht, hartnäckig zu behaupten versuchen, bzw. mit unser aller Hilfe dorthin zurückkehren. Dazu sollten wir meines Erachtens wieder dreierlei begreifen lernen:

1) Die Landwirtschaft ist ihrem Wesen nach etwas ganz anderes und mehr als irgendein Wirtschaftszweig unter anderen. Daher darf die bäuerliche Tätigkeit nicht mit dem Betreiben eines Agrobusiness verwechselt werden. Deshalb darf sie auch weder nach den gängigen Kriterien der Nationalökonomie bemessen- noch ihr Sinn ausschließlich nach deren Kategorien beurteilt werden.

2) Denn im Unterschied zur Industrie ist das Besondere und Eigentümliche der Landwirtschaft, daß sie es mit der belebten Natur zu tun hat. Der Umgang mit dem Leben erfordert aber andere Methoden als sie das Produzieren von Waren aus Rohstoffen nötig macht. Deshalb darf die bäuerliche Arbeit auch nicht mit den Mechaniken der Agrotechnik gleichgesetzt werden und sich auch nicht von den entsprechenden Erfindungen treiben und beherrschen lassen.

3) Vielmehr ist die Arbeit der Bauern als geschichtlich-notwendige Aufgabe im Zentrum jeder zivilisierten Gesellschaft, die sich von Vandalen und Räubern unterscheiden will- und in diesem Sinn als die Pflege von Agrarkultur zu verstehen.

Aus diesen Grundsätzen ergeben sich die drei wichtigsten Koordinaten, nach denen sich die bäuerliche Landwirtschaft ihre zukünftige Position in der Gesellschaft einrichten könnte und dabei ihr Selbstbewußtsein stärkt, indem sie dem herrschenden Geist und seinem Verständnis von Wirtschaft entgegentritt, ihr besonderes Verhältnis zur Natur bedenkt und sich dabei ihrer wichtigen Rolle in der Geschichte bewußt wird. Das Ziel dieser Klärungsprozesse liegt in einer Befreiung aus der Definitionsgewalt der Begriffe, unter denen die bäuerliche Form der Landbewirtschaftung vom Selbstverständnis der modernen Industriegesellschaft und ihren Erfordernissen zugrundegerichtet wird. Zu diesem Selbstverständnis gehört an erster Stelle die alles überragende Bedeutung der Wirtschaft. Ihre geistige Macht besteht darin, daß sie als neuzeitliche Erbin der mittelalterlichen Religion unangefochten deren mythisches Potential beansprucht und jegliche In-Frage-Stellung als Ketzerei verfolgt. Des Mutes dazu wird es aber bedürfen, um der Gefangenschaft zu entkommen, in der die ganze Welt von den herrschenden Kategorien der nach dem Zusammenbruch des Kommunismus triumphierenden und dadurch außer Rand und Band geratenen Vorstellungen der kapitalistischen Ökonomie als Geisel gehalten wird. In diesem Sinn stellen folgende Anmerkungen nicht mehr als kleine Mutproben dar, deren Vorführung sich nur als Einladung dazu versteht, das Risiko des eigenen Denkens zu wagen und dabei die Gefahr eines Irrtums auf sich zu nehmen.

*

     Dass die Landwirtschaft ihrem Wesen nach mehr und etwas ganz anderes ist als bloß ein Unternehmen wie andere auch, ist ebenso klar wie umstritten. Anerkannt ist, daß ihr Aufgabenbereich sich nicht auf den rein betriebswirtschaftlichen beschränkt. In diesem Sinn hält man ihr etwa zugute, daß sie einen Dienst an der Gesellschaft z.B. in Form von "Umweltschutz" leistet, oder für den Tourismus als gefällige Kulisse im "Erholungsraum" brauchbar ist. Auch gesteht man der Landwirtschaft als politischen und sozialen Stabilitätsfaktor im "ländlichen Raum" Vorteile zu. Schließlich schlagen bei ihrer Einschätzung auch noch irgendwelche traditionellen und kulturellen Werte zu Buche, die von allgemeinem Nutzen scheinen, sodaß man für alles zusammen eine Abgeltung verlangt, die inzwischen weit über die rein betriebswirtschaftlichen Geschäfte der Landwirtschaft hinausgeht. Mit den entsprechenden Zuschüssen bestätigt die Gesellschaft, daß sie die Landwirtschaft nicht allein nach ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet, sondern begreift, daß ihr Wesen umfassender zu verstehen ist. Wenn es aber darum geht, ein solches Verständnis zu erringen, dann zeigt sich schnell, daß der wirtschaftliche Aspekt in den Überlegungen alle anderen dominiert. Nach wie vor bestimmen die ökonomischen Kriterien die Sicht auf die Landwirtschaft und alle Diskussionen über sie. Diese absolute Dominanz zeigt sich auch dann, wenn die bäuerliche Form des Wirtschaftens ihrem eigenen Wesen dadurch weiter entfremdet wird, daß man sie als "Dienstleistung" an der Allgemeinheit propagiert. Unter diesem werbewirksamen Logo wird heute die Landwirtschaft einer Gesellschaft feilgeboten, die das beworbene Paket in Bausch und Bogen (möglichst ohne Widerspruch) kaufen soll. Das darin verschnürte "Produkt" besteht z.B. im Verzicht der Landwirtschaft, nicht mehr wie bisher gegen die Natur zu kämpfen und damit keinen weiteren Schaden mehr anzurichten. Nach derselben Logik müßte freilich jemand auch für die "Leistung" belohnt werden, zu unterlassen, was er ohnehin nicht tun soll, nämlich ein für sich und andere schädliches Verhalten auszuüben oder durch eine entsprechende Androhung die Gesellschaft zur Kasse zu bitten.

Das Verhältnis der Landwirtschaft zur Wirtschaft überhaupt ist jedenfalls durch den Übergriff bestimmt, mit dem die industrielle Gesellschaft ihr Konzept über die Arbeit der Bauern und Bäuerinnen stülpt. Davon überfallen, wird die bäuerliche Landwirtschaft seit geraumer Zeit – wie seinerzeit die Opfer des Räubers Prokrustes – solange daraufhin zurechtgestutzt ("gesundgeschrumpft"), bis sie den beschränkten Grundsätzen der modernen Ökonomie entspricht. Zu diesen gehört der Mythos, daß der Markt das oberste Prinzip allen Wirtschaftens sei; jenes höchste Gericht, vor dem sich letztlich Jegliches zu bewähren habe, auf daß es seinem Wert und Wesen nach erkannt und beurteilt werde. Nach den Entscheidungskriterien dieses Marktes bemessen, wird die Landwirtschaft ausschließlich durch die Produktion von Agrargütern bestimmt, deren Art und Verwendung gleichgültig ist, solange "die Ware" verkauft werden kann. Von deren Produktion getrennt sieht sich der Verbraucher seinerseits wiederum nur als Käufer für den Markt interessant. Dieser bildet die einzige Brücke, auf der sich die Menschen in unserer Ökonomie treffen, und zwar so, daß sie bei dieser Begegnung aneinander keinen anderen Anteil nehmen als den, worin das Angebot des Produzenten der Nachfrage eines Konsumenten gegenübersteht. Davon abgesehen, bleibt ihr Verhältnis zueinander für die Wirtschaft gleichgültig, solange es nicht wiederum zu Geld gemacht werden kann, dessen Preis sich (angeblich) nur nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage richten soll.

In diesem Konzept stehen Bauern und Konsumenten von vornherein einander fremd gegenüber. Beide haben miteinander nichts anderes zu tun als sich auf den Preis zu einigen. Dabei wird (fälschlich) vorausgesetzt, daß die Karten fair verteilt sind. D.h. daß alle, die am Markt in Erscheinung treten, dieselbe Chance besitzen, ihre Interessen durchzusetzen, solange in dieses "Spiel der freien Kräfte" nicht regulierend eingegriffen wird. Daß die Realität dieses Märchen weltweit Lügen straft, gerade was die Landwirtschaft betrifft, braucht nicht weitschweifig ausgeführt und erwiesen werden. Es dient auch gar nicht dazu, die Wahrheit zu sagen, sondern als vertrautes Wiegenlied die bäuerliche Landwirtschaft still und heimlich "einzuschläfern". Darüber hinaus ist ihr Singsang ein ideales Instrument, um Bauern und Konsumenten auseinander zu dividieren und den "schwarzen Peter" in diesem politischen Spiel je nach Bedarf dem einen oder anderen in die Schuhe zu schieben. Z.B. dadurch, daß man dem Verbraucher vorwirft, was man von ihm erwartet; nämlich sein Kaufverhalten am Preis zu orientieren und sich ausschließlich auf seine Rolle als Konsumenten zu beschränken. Man darf sich also nicht wundern, wenn der Käufer tatsächlich den Preis zum wichtigsten Kriterium seiner Entscheidung macht. Denn er wird in der Industriegesellschaft genau auf diese einzige Rolle hin festgelegt, in der er auf der Bühne des Marktes und mithin als gesellschaftliches Wesen überhaupt in Erscheinung tritt: Seine Aufgabe besteht nur darin, die Ware zu kaufen. Dieser eingeschränkten Erwartung entspricht die Beschränktheit, mit der man ihn behandelt: Damit er auf möglichst keinen anderen Gedanken kommt, als zu kaufen, was am Markt angeboten wird, soll der ideale Konsument bei seinem Kaufverhalten weder sonderlich kritisch noch unabhängig sein, sondern möglichst passiv, gläubig und demütig die Lieferungen des Marktes als die Erfüllung all seiner Wünsche begreifen und dabei umso dankbarer sein, je leichter und billiger sie zu haben sind.

Dazu stellt Wendell Berry fest:

"Der ideale Verbraucher von 'Industriefutter' wäre an einen Tisch mit einem Schlauch geschnallt, worin das Essen aus der Fabrik direkt in seinen Magen rinnt (46)...
Der passive, amerikanische Verbraucher, der sich zu einer vorgefertigten Mahlzeit oder für ein 'fast food' hinsetzt, hat ein Teller vor sich, das mit einer faden, undurchschaubaren Substanz beladen ist, die zuvor bearbeitet, gefärbt, aufgepäppelt, unter irgendeiner Sauce begraben und beerdigt, zu Brei zermalmt und in eine Form gebracht wurde, die so entstellt, geschönt und aufgebessert ist, daß sie nicht mehr die geringste Ähnlichkeit zu irgendeinem Teil irgendeiner Kreatur, die je gelebt hat, aufweist: Was Natur und Agrikultur hervorgebracht haben, wurde so dem Anschein nach zu Produkten der Industrie. ... Dies kommt wiederum der 'Futterindustrie' gerade recht, die gute Gründe hat, die Verbindung zwischen 'food and farming' möglichst zu verschleiern. Denn der Konsumentin, die ihr 'Hamburger' verschlingt, wäre nicht mehr wohl dabei, wenn sie wüßte, daß das Fleisch von einem Stier kommt, der die meiste Zeit seines Lebens in seinem Futterloch in der eigenen Scheiße steht, die die umliegenden Flüsse verdreckt, oder daß das Kalb, von dem das Kotelette auf dem Teller stammt, sein ganzes Leben in einer Box verbrachte, in der es zu wenig Platz hat, um sich jemals umdrehen zu können“.
(47)

Und vermutlich hätte sie auch keine Freude zu wissen, daß heute z.B. 40 % aller in den Vereinigten Staaten verkauften Antibiotika ( sieben Millionen Kilogramm (48)) zur Wachstumsförderung in der Viehzucht eingesetzt werden (49). Oder daß 95 % aller Kälber in den amerikanischen Mastbetrieben Wachstumshormone wie Estradiol, Testosteron und Progesteron in Form von "Pellets" von klein auf, gleich in die Ohren, implantiert werden, wo sie ihren Wirkstoff nach und nach automatisch ins Blut abgeben, um die Gewichtszunahme um 15-25 % gegenüber den Nichtbehandelten zu steigern (50). Oder daß die Pflanzengifte, die in der Soja- und Maisproduktion, d.h. im typischen Futter der Tiermast, eingesetzt werden, schnurstracks mit dem Bratenstück zum Verbraucher wandern und dort an zweiter Stelle hinter den Tomaten sich auf der Liste der Nahrungsmittel wiederfinden, die aufgrund ihres Pestizidgehalts als krebserregend eingestuft werden. Dasselbe gilt vermutlich auch für jene Insektizide, mit denen man in den großen Mastbetrieben, worin die Aufzucht von 50.000 Tieren an einem Ort keine Seltenheit ist, die riesigen Herden aus Hochdruckdüsen am Futtertrog oder im Freien bisweilen mit Flugzeugen übersprüht (51).

Sicher würde sich den amerikanischen Konsumenten ebenso wie allen anderen der Magen umdrehen, wenn sie z.B. folgendes erfahren würden:

"Einige Mastbetriebe haben begonnen, dem Futter versuchsweise Pappe, Zeitungspapier und Sägemehl beizusetzen, um so die Fütterungskosten zu senken. Große Viehhaltungsfabriken wiederum kratzen den Kot aus den Hühner- und Schweineställen zusammen und mischen ihn direkt dem Rinderfutter bei. Dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium zufolge könnte Zementstaub in Zukunft ein besonders attraktiver Futterzusatz werden, da so eine um 30 % schnellere Gewichtszunahme zu erzielen ist als bei der Verwendung von Normalfutter. Vertreter der Nahrungs- und Arzneimittelbehörde FDA berichten von der gängigen Praxis, Industriewässer und Öle unter das Futter zu mischen, um die Kosten zu senken und die Gewichtszunahme der Tiere zu beschleunigen. Wissenschaftler an der Kansas State University haben Experimente mit Plastikfutter als billigem künstlichem Rauhfutterersatz durchgeführt; die hierbei verwendeten Pellets bestanden aus 80 bis 90 Prozent Äthylen und 10 bis 20 Prozent Propylen".(52)

Nicht wirklich Appetit anregend wäre auch ein Blick des Konsumenten hinter die – gleich einem Hochsicherheitsgefängnis bestens davon abgeschottenden – Mauern der Schlachthöfe, wo er vielleicht Zeuge dessen würde, daß das verarbeitete Fleisch ..."manchmal so alt (ist), daß es bereits einen Grünstich hat und...Rinderköpfe, die als 'Kotzköpfe' bezeichnet werden, weil sie mit Panseninhalt gefüllt sind", verarbeitet werden und infolge dessen ... "mehr als 24 Prozent der Köpfe, die zur Verarbeitung auf den Verpackungstischen landen, mit Haaren, Schmutz, Haut und halbverdauter Nahrung verunreinigt" sind, ehe sie zu Hamburger zermahlen, gewürzt und verspeißt werden, welche Vorstellung selbst ein abgebrühter Fleischkontrolleur des Landwirtschaftsministeriums "ein wenig beunruhigend" findet (53).
Wahrscheinlich ebenso, wie daß "Rinder für den Konsum freigegeben (wurden), aus denen halbverdaute Nahrung herausquoll (und) Fäkalien, Haare, Schmutz, verklebtes Gewebe, Würmer und Nahrungsreste (der Arbeiter), alles auf dem (Verarbeitungs-) Band mitläuft", wie eine staatliche Untersuchungskommission feststellen mußte. Daher verwundert es nicht, "daß gleichzeitig mit der zunehmenden Verschmutzung des Fleisches mit Fäkalien landesweit (in den USA) ein Anstieg der Salmonellenerkrankungen zu verzeichnen ist", die Zahl der registrierten Fälle sich in den letzten sechzehn Jahren verdoppelt hat und "jährlich in den Vereinigen Staaten mehr als 2.000 Menschen Lebensmittelvergiftungen, u.a. durch Salmonellen verursacht, zum Opfer (fallen, sowie) weitere 500.000 Menschen so schwer erkranken, daß sie stationär behandelt werden müssen; wofür die Kosten, die dem Gesundheitswesen dadurch entstehen, sich auf Hunderte von Millionen Dollar belaufen".(54)

"Typisch" amerikanische Verhältnisse? Keineswegs! Denn die europäischen stehen ihnen an Perversitäten aller Art nicht nach, wie etwa folgende, mehr oder minder zufällig zusammengetragene und beliebig lang fortsetzbare Liste an Scheußlichkeiten ahnen läßt:

In der Schweiz wurde vor einigen Jahren aufgedeckt, daß zwei Geburtskliniken in Zürich menschliche Nachgeburten und wer weiß was sonst noch seit wahrscheinlich 20 Jahren nicht ordnungsgemäß verbrannt, sondern so "entsorgt" haben, daß sie, mit tierischen Abfällen vermischt, als Tierkörpermehl zu Futter verarbeitet wurden (55). In den späten 80er Jahren wurden z.B. – allein in den deutschen – "Tierkörperbeseitigungsanstalten" jährlich 2,5 Millionen (!) Schweine vernichtet (56) und dazu 150.000 Rinder, 300.000 Hunde & Katzen, 10.000 Rehe, Hasen, Hirsche, 1,5 Millionen Tonnen Knochen und Schlachtabfälle zu Futtermehl verarbeit, für dessen Beimischung zum "Kraftfutter" nicht einmal eine Deklaration nötig war (57). Zusätzlich wurden von den europäischen Futtermittelherstellern jahrelang aus den USA Fleischabfälle im Wert von durchschnittlich vier Milliarden US-Dollar importiert (58), die zu Futtermehlen verarbeitet wurden. Mit ihnen wurden dann u.a. z.B. jene Kälber gefüttert, die in Belgien in "Boxen mit Dunkelhaft" gehalten und dort 5-6 Monate praktisch jeder Bewegungsmöglichkeit beraubt wurden, um die beabsichtigte Gewichtszunahme von 1400 Gramm täglich zu erzielen, ehe sie anschließend nach Italien verfrachtet und dort als Fleisch aus der Region verkauft wurden (59). Oder aber gleich wieder vernichtet (60), wie in regelmäßigen Abständen unter allen möglichen Vorwänden in der EU üblich war (und ist), um "den Markt zu entlasten", der die seit mehr als zwanzig Jahren permanente Überproduktion an Rindfleisch nicht verkraften kann.

Abgesehen von diesen Zuständen hält die europäische Schlachtindustrie aber auch jeden Vergleich in Hygiene mit der amerikanischen stand! Zum Beweis dafür braucht man nicht alle Skandale in Erinnerung zu rufen, die in schöner Regelmäßigkeit kurz die Gemüter erhitzen, ehe sie von der Werbung wieder berauscht und vernebelt werden. Es genügt der Hinweis auf die immer wiederkehrenden Feststellungen irgendeiner europäischen "Verbraucherzentrale“, daß ... "80 % der untersuchten Fleischproben ... die Kasse nicht hätte passieren dürfen" (61), oder daß in den Eiern regelmäßig die ... "Rückstände von Antibiotikas, Chemotherapeutikas, Coccidiostatikas, Antiaxidantien, Schwermetallen, Pestiziden und Stallinfektionsmitteln usw."... zu beanstanden sind (62).

Nicht beanstandet, sondern im Gegenteil durch Interventionen bei der bayrischen Staatsregierung torpediert, wurde dagegen z.B. vom Deutschen Bauernverband der von den Tierärzten empfohlene freiwillige Verzicht auf Antibiotika in der Tiermast (63). Ein schlagendes Licht auf die herrschenden Zustände der Agrarindustrie wirft auch die Aussage des Vizepräsidenten der NÖ- Tierärztekammer, Thomas Müller, er sei am 1. August dieses Jahres gekündigt worden, weil er im landesgrößten Schweineschlachtbetrieb in Unterstinkenbrunn (nomen est omen) "die Einhaltung der Gesetze" gefordert habe (64). Offensichtlich hinken diese noch hinter den üblichen Standards in den Vereinigten Staaten nach, in deren Schlachthöfen "ein Kontrollor 30 Lebern in der Minute prüfen" soll, sodaß ihm nur zwei Sekunden bleiben, "bis das (Produktionsfließ-) Band die Leber weitertransportiert", von der er "hinter einer (Glas-) Scheibe aus fünf Meter Entfernung durch Dampfschwaden hindurch ... nicht erkennen kann, ob sie (die Leber) gesund ist oder nicht", wie es im Protestbrief eines Fleischprüfers an das US-Landwirtschaftsministerium im Jahr 1990 heißt (65).

Diese und unzählig andere Mißstände im undurchsichtigen Komplex des Agrobusiness werden – wenn sie ganz und gar nicht mehr zu verleugnen sind – zumeist mit dem Hinweis auf die "betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten", auf die "Erfordernisse des Marktes" und auf die "ökonomischen Sachzwänge" gerechtfertigt. Dahinter steht die Entschuldigung, daß das (schlechte) Angebot nur der Nachfrage (nach Billigem) entspreche, bzw. eine miserable Art der Produktion von Agrargütern nicht besser sein könne als die miserable Art ihrer Konsumation. In der Tat kann niemand auf der einen Seite der Medaille eine Besserung erhoffen, solange auf der anderen alles beim Alten bleibt. Daher hängt die Zukunft der Landwirtschaft nicht allein von den Bauern ab. Niemand darf von ihnen erwarten, gut arbeiten zu können, wenn die Konsumenten schlecht essen. Solange sie sich nach rein ökonomischen Kriterien orientieren und sich also nur als Käufer von Waren verstehen, die sie möglichst billig haben wollen, solange werden auch deren Hersteller nach den selben Kriterien gezwungen sein, möglichst billig zu produzieren. Unter dem Diktat des Marktes gedeihen weder Agrarkultur noch Eßkultur. Der Niedergang beider samt seinen Folgen in der ständigen Verminderung der Bodenfruchtbarkeit auf der einen Seite und in der permanenten Gesundheitsschädigung auf der anderen, hängt ursächlich zusammen. Er ist daher auch nur durch eine Veränderung dieser Ursache zum Besseren zu wenden. Dazu ist es nötig, zu einer Kritik der Vernunft zu kommen, in der die Neuzeit seit Descartes und Bacon ihr Wesen findet und in der praktischen Umsetzung dieser Erkenntnis vermittels Wissenschaft, Technik und Wirtschaft die Beherrschung der Welt organisiert.

Die industrialisierte Landwirtschaft ist nur die logische Antwort auf eine Industriegesellschaft, deren modernes Selbstverständnis sich auf bizzarre Weise in ihren Rationalisierungsmaßnahmen wiederspiegelt. Die dabei leitende Vernunft kommt z.B. in der Doktrin jener wissenschaftlichen Lehrbücher zum Vorschein, aus der die folgende Empfehlung für eine rationale Schweinehaltung aus dem Jahre 1976 stammt, worin den Bauern u.a. geraten wird:

"Betrachten Sie das Schwein nicht mehr wie ein Tier. Behandeln Sie es wie eine Maschine in der Fabrik. Programmieren Sie die Phasen seiner Aufzucht, wie Sie die Schmierintervalle der Maschine planen würden. Der Zeitpunkt der Geburt der Ferkel ist wie der erste Montageschritt an einem Fließband. Und die Vermarktung ist wie die Übergabe des Fertigprodukts". (66)

Wer lehrt, Schweine wie Maschinen zu halten, hat auch keine Schwierigkeiten damit, die Menschen abzufüttern wie geschmiert. In diesem Zusammenhang ist das markanteste Markenzeichen der westlichen Zivilisation jenes der Firma McDonald, deren Gründer (Kroc) innerhalb von 50 Jahren ... "die Eßgewohnheiten der Amerikaner ebenso effektiv wie Ford ihre Fortbewegungsgewohnheiten" verändert hat, indem er nach den (von Taylor entworfenen) Prinzipien zur Rationalisierung von Arbeitsvorgängen auch den Vorgang des Essens von Grund auf neu organisierte (67). Wie eine moderne Abfütterung in automatisierten "Montageschritten" am rationellsten = profitabelsten funktioniert, läßt sich am besten an den Schnellstraßen der Vereinigten Staaten studieren, wo den Reisenden ihre Portion Futter per Rohrpost zum Auto geschossen wird, das sie zum Stopfen ihres Magens ebenso wenig zu verlassen brauchen wie zum Füllen ihres Tanks. Nach demselben Prinzip, alles aufs schnellste quasi im Vorübergehen erledigen zu können, florieren inzwischen viele andere Branchen in der rasch voranschreitenden "McDonaldisierung" der Welt. Dazu gehören z.B. auch die nach dem Vorbild der Junk-Food-Industrie errichteten Sex-shops zum Verschlingen der mechanisch produzierten Portionen Lust ebenso wie die computerisierten Info-Happen, mit denen der Betrieb der in öffentlicher Hand befindlichen Wissensproduktionsmaschinen (früher Universitäten genannt) ihre Kunden (ehemals Studenten) vià Internet automatisch bedienen.

Als Voraussetzung für den Erfolg dieser aufstrebenden Geschäftszweige müssen die Menschen ebenso ihrer Menschlichkeit beraubt werden wie die Schweine ihrer Würde als Tiere, indem man jene wie diese zu reinen Wirtschaftsfaktoren degradiert. Als solche funktionieren z.B. jene hundert Millionen Amerikaner, die vor lauter Arbeit im Alltag "keine Zeit zum Essen" mehr haben. Als Ersatz dafür lassen sie sich täglich in den 583.000 landesweiten Ställen für Fast-Food im Rekordtempo von drei bis fünf Minuten abfertigen. Dank ihrer erzwungenen Verwandlung von ehemaligen Genossen einer gemeinsamen Mahlzeit zu den massenhaft-einsamen "Verbrauchern" eines im Stress zwischendurch erledigten Schnellimbisses, lassen sich aus den individualisierten Konsumenten kollektive Einnahmen von jährlich 207 Milliarden Dollar faktorieren und damit ein Wirtschaftszweig betreiben, der mit mehr als acht Millionen Beschäftigten zum größten Arbeitsgeber der Vereinigten Staaten geworden ist (68). Inzwischen verkauft McDonald, das weltweit erfolgreichste dieser Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 60 Milliarden DM (1997), allerdings bereits mehr Hamburger in Tokio als in New York und betreibt in Peking das größte Fast-Food-Restaurant der Welt, das 40.000 Kunden am Tag verarbeitet und im Fließbandverfahren ununterbrochen durch 29 Registrierkassen schleust (69). Dabei bezahlen sie für ein Produkt, das ihnen die Werbung als billig vorgaukelt, während es in Wahrheit um 400 bis 600 % teurer verkauft wird, als sein Wert ist und seine Herstellung gekostet hat (70).

Nirgendwo dazugezählt und von keinem Kunden der Welt bezahlt sind dabei natürlich all jene ökologischen Kosten, die dem Konsumenten für seinen Hamburger eigentlich die stolze Summe von 340 DM in Rechnung stellen müßten (71). Daher unterliegt er dem Trug, als Konsument der Herr der Welt ("König") zu sein, indem er seine ihm vom Markt zugewiesene Funktion gehorsam in dem Glauben erfüllt, für sich das Beste zu tun, wenn er sich schnell und billig den Bauch vollschlagen- und dazu nach Lust und Laune aus dem unerschöpflichen Meer der 60.000 verschiedenen Industrieprodukte eines großen Supermarkts auswählen darf (72), was zuvor als (bloß) "genußfähiges Material" eingestuft worden ist. Dieses wird jährlich durch zehntausende jener "neuartigen Substanzen und Organismen" (novel-food) variiert, wie die EU derartige Erfindungen nennt, die von keinem Menschen bisher „zum Verzehr verwendet“ worden sind.

Das Sparen von Zeit und Geld (beim Essen) wird in der Industriegesellschaft zur fixen Idee des Konsumenten. Denn in der Neuzeit wird die Rationalität des Menschen an seiner Fähigkeit gemessen, mit geringsten Mitteln den größten Effekt zu erzielen. Dem entsprechend wird auch das Verhältnis der (bloßen) "Lebensmitteln" zu den (eigentlichen) "Lebenszwecken" dahingehend rationalisiert, daß an jenen gespart wird, was in diese investiert werden kann. Dabei kommt die Tatsache, daß den Menschen der Sinn und Zweck ihres Lebens in der Moderne immer schleierhafter wird, der Industrie umso gelegener, als sie das Vakuum mit der Produktion von Substitutionseffekten – genannt "Befriedigung von Bedürfnissen" – füllen kann, ohne je dabei ein Ende fürchten zu müssen. In diese Endlosigkeit ständig fortzuschreiten wird zum Inbegriff des Fortschritts. Ihm entspricht das Verhalten der Konsumenten, sich dadurch auf der Höhe der Zeit zu halten, daß sie mit ihrem Geld bei dem, was sie notwendigerweise zum Leben brauchen, möglichst knausern, um es freiwillig für das, was sie dazu nicht brauchen, aber haben wollen, ausgeben zu können.

Daher wird in der Industriegesellschaft der Arbeitsalltag so organisiert, daß die Menschen sich nur mehr auf eine ähnliche Weise ernähren können, wie sie auch ihre Notdurft verrichten müssen. Das Füllen des Bauches und dessen Entleerung werden auf denselben niederen Stellenwert hin reduziert. Beides wird zwar als unbedeutend eingeschätzt, dennoch läßt sich ihr zwingender Charakter nicht leugnen. Ihm wird daher nur widerwillig entsprochen und das dazu Erforderliche sich schweren Herzens abgenötigt. Denn alles Notwendige ist beschwerlich. So auch die lästigen Tribute an unseren Körper, die der unerbittliche Herr Gaster uns jeden Tag abverlangt. Eine Schuld, der sich die moderne Gesellschaft in ihrem gewohnten Alltag am liebsten unbemerkt und möglichst ohne Aufwand und Störung ihres reibungslosen Funktionierens entledigt hätte. Denn sie beschämt den stolzen Wahn der Industriegesellschaft, alles, was sie nur will, auch machen und haben zu können, indem sie die Menschen tagtäglich an ihre Leibhaftigkeit erinnert und darin mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert, von der wir allzu gerne längst schon fort-geschritten wären und uns als Konsumenten frei-gekauft hätten.

Die Notdürftigkeit der industrialisierten Ernährung stellt sich am deutlichsten in den Idealen vor, mit der sie heute gepriesen wird: Jederzeit und überall, in grenzenloser Menge und Wahl, möglichst bequem und billig alles bekommen- und ohne weiteres, so viel man will, wo, wie und was auch immer verschlingen zu können. Diese Kriterien, die höchstens an der Kaufkraft oder Übersättigtheit des Konsumenten ihre Grenzen finden, stellen das Gegenteil dessen dar, was bei allen Völkern ein wichtiges Zeichen ihrer Zivilisation gerade daran erkannt wird, was, wo, wann und wie sie in welcher Gesellschaft nach welchen Vorschriften essen. Denn der Akt, wie man gewöhnlich – und wie man festlich – ißt, verrät den Reichtum und die Spannweite einer Kultur ebenso gut wie deren Gebrauchswerke und Künste die Qualität ihrer Arbeit demonstrieren. Deswegen hat Norbert Elias den "Prozess der Zivilisation" an der Geschichte der Eßgewohnheiten im Abendland studiert. Denn nur wenn sich das Essen vom Fressen und Lebensmittel vom Futter unterscheiden, wird tagtäglich eingeübt und gepflegt (kultiviert), wodurch sich die Menschen von Bestien unterscheiden lernen. Diese Bildung zur humanitas verkommt, wenn das Essen von den oben genannten Kriterien des Konsums und von den Zwängen der Industriegesellschaft beherrscht wird. Nirgendwo auf der Welt (außer am globalen "Supermarkt") sieht eine Kultur ihr Ideal in einem Essen, bei dem möglichst Billiges (Wertloses), überall (ortlos), schnell (zeitlos), in beliebiger Menge (maßlos), uneingeschränkt (formlos) und jeder für sich (kommunikationslos) "zum Verzehr verwendet" wird. Daher zeugt das afrikanische Sprichwort, wonach nur Verrückte allein essen, von einer höheren Stufe der Kultur als die "Novel-food"-Verordnung des Europäischen Parlaments.

Wie die Bauern den Sinn ihrer Arbeit weder im "Umwelt schützen" noch im Produzieren von Biomasse finden können, ebensowenig geht es beim Essen darum, die Produkte der Nahrungsmittelindustrie zu vertilgen, um den Markt zu entlasten und zu beleben. Denn der Sinn von Arbeit und Essen besteht nicht darin, daß beide Tag für Tag sich um einander im Kreis drehen, um einen ökonomischen Prozeß in Betrieb zu halten, sondern einen kulturellen in Gang zu setzen, bei dem "Natur" auf eine Weise zu "Kultur" wird, daß der Mensch in dieser Wandlung sich selbst entdeckt und also zu sich findet. Das Wesentliche an diesem Transformationsprozeß besteht in der Kunst, aus dem Verfall des Lebens die Kräfte, die dabei freiwerden, zu retten und dazu einzusetzen, mit ihrer Hilfe wieder eine Saat aufgehen zu lassen, worin das (natürlicherweise) Absterbende (mirakulöserweise) zu neuem Leben erwacht. In der bäuerlichen Arbeit kommt diese Kunst in jener Bodenkultur zum Vorschein, welche die Kräfte der Regeneration nicht verbraucht, sondern Jahr für Jahr kultiviert und damit den Transformationssprozeß der Naturlandschaft in Kulturlandschaft aufrecht erhält, indem sie den Boden nicht erschöpft, sondern immer wieder zum Fruchten bringt. Parallel dazu besteht die Kunst des Essens darin, was dabei in uns verschwindet, zur Belebung unserer schwindenden Kräfte sich verwandeln- und daran unseren Körper und Geist gesunden zu lassen. In dieser Parallelität stehen Bauern und Konsumenten nicht mehr einander fremd am Markt gegenüber, sondern erkennen einander in einer tieferen Verwandtschaft an, bei der sie durch Arbeiten und Essen die beiden fundamentalen Tätigkeiten des Menschen auf unterschiedliche Weise repräsentieren, mit denen wir unsere Selbstständigkeit und eigene Position (zwischen Göttern und Tieren) allezeit mühsam behaupten müssen.

Welchen Weg soll also die Landwirtschaft in Zukunft einschlagen? Den, auf dem es ihr gelingt, aus dem Zwang einer Ökonomie auszubrechen, die sich nur an einem Markt orientiert, der die Bauern auf die Rolle von Produzenten festlegt und dabei "gesundschrumpft". Es gilt, in diesem Akt der Befreiung ein erweitertes Bewußtsein von Wirtschaft und von dessen geschichtlicher Bedeutung zu entwickeln. Darin könnte die bäuerliche Arbeit als Teil jenes kulturellen Transformationsprozesses begriffen werden, der aus einer Natur- eine Kulturlandschaft formt, in der sich die Menschen als solche wiedererkennen können, die weder stets einander feindlich (als Konkurrenten) noch der Natur für immer entfremdet (als Gegner) gegenüberstehen müssen. Diesen Weg der Kultivierung kann die Landwirtschaft aber nicht erfolgreich beschreiten, wenn sie nicht begleitet und von denen unterstützt wird, die ebenfalls jene Gesetze des Marktes zu übertreten wagen, die sie nur auf die trostlose Rolle als Konsumenten festlegen. Um dieses traurige Joch abzuschütteln, müssen wir in der Industriegesellschaft wieder lernen, im Essen und Trinken nicht länger eine lästige Notdurft zu verrichten, sondern jenen Prozeß der Zivilisation einzuüben, worin wir unser Leben tagtäglich auf eine Weise erquicken, die uns am anstrengenen Weg der Menschwerdung nie
erlahmen- sondern immer wieder frisch gestärkt voranschreiten läßt.

Wie aber die höchste Kunst der bäuerlichen Arbeit darin besteht, den Boden zum Fruchten zu bringen, so wird das Essen erst dann zu einer Kunst, wenn es der Gesundung dient.Weil uns aber das Essen gleichsam durch und durch (unter die Haut) geht, gehört es neben der Sexualität zu unserem intimsten Bereich. Und das heißt zu jenem, aus dem eine Kunst zu machen ohne dabei zu "erkünsteln" am schwierigsten ist. Deshalb sind alle Änderungen der einmal eingeübten Eßgewohnheiten mit ebenso großen Schwierigkeiten verbunden, wie die Umstellung der Arbeitsweise der Bauern von der traditionellen zur "biologischen". In beiden Fällen ist allerdings heute der schmerzhafte und langwierige Prozeß der Überwindung der Hürden nötig, um von der Schädigung an Boden und Gesundheit zu einer Heilung zu kommen.

Beide hängen ebenso voneinander ab, wie eine bäuerliche Landwirtschaft, die ihre Arbeit als einen kulturellen Prozeß versteht, notwendigerweise darauf angewiesen bleibt, daß sich das Essen als ebensolcher begreift! Mit anderen Worten ist eine Agrarkultur nur dann möglich, wenn ihr eine Eßkultur erst Sinn und Erfüllung verleiht. Solange diese im Argen liegt, kann auf Dauer gesehen auch jene nicht gedeihen. Unmöglich kann den Bauern ihre Arbeit teuer bleiben, wenn deren Ergebnis den Essern nur billig bleiben will! Der Weg, den die Landwirtschaft in Zukunft nehmen soll, kann nicht von dieser allein gegangen werden. Wie es dazu auf der einen Seite nötig ist, von der Produktion für den Markt als dem obersten Ziel der Landwirtschaft weg- zu einem Verständnis zu kommen, in dem die Kultivierung des Boden zur höchsten Aufgabe des Bauerhofes wird, so muß auf der anderen Seite das Verständnis dafür erweckt werden, daß der Sinn des Essens nicht im Konsumieren einer Ware- sondern im Genießen eines Lebensmittels liegt. Ein Lebensmittel genießen heißt aber so wenig es "verbrauchen", so wenig einen Boden pflegen heißt, ihn "verbrauchen".

In einem Verständnis der Landwirtschaft als Agrarkultur käme es dagegen darauf an, die unversöhnlich voneinander Geschiedenen in einer ganz anderen Weise zusammen zu bringen, als es "der Markt" vermag. Nämlich in der, daß sich beide nicht als Konkurrenten ökonomischer Verhältnisse begegnen, sondern als Teilnehmer eines Prozesses, worin Natur in Kultur verwandelt wird. In ihm nehmen sie die Rollen auf sich, die sie miteinander verbindet und in denen sie wechselweise aufeinander verweisen, um die zwei fundamentalen Tätigkeiten der Menschen zum Ausdruck zu bringen, wodurch diese von Göttern und Tieren unterschieden sind, nämlich: durch Arbeit und Essen. In beiden werden die unverrückbaren Grundpfeiler der menschlichen Existenz markiert, die darin bestehen, daß wir weder wie die Engeln im Himmel von der Luft leben, noch sich die Nahrung wie bei den Würmer in der Erde einverleibt, oder anders gesagt, uns die Tauben nicht von selbst ins Maul fallen, die wir uns erst mühsam fangen und braten müssen.

Ein Verständnis der Landwirtschaft als Agrarkultur würde dann verstehen, daß im Verwandlungsprozeß von Natur in Kultur Arbeit und Essen so zusammengehört, daß keine Wende der Not zu erreichen ist, bei der die eine Seite sich ändert, während auf der anderen alles beim alten bleibt. Eine Landwirtschaft, die ihre Arbeit als einen kulturellen Prozeß versteht, bleibt darauf angewiesen, daß sich das Essen als ebensolcher begreift. Mit anderen Worten findet die Kultur der Landbewirtschaftung erst ihren Sinn und ihre Erfüllung in der ihr gemäßen, nämlich kultivierten Weise des Kochens und Speisens. Wenn und weil diese heute im Argen, kann auf Dauer auch jene gedeihen. Den Bauern kann unmöglich die Pflege des Boden teuer bleiben, wenn den Essern ihre Lebensmittel nur billig sein sollen. M.a.W bleibt die Ermahnung zu Umsicht und Sorgfalt in der Arbeit des Bauern mit der Natur sinnlos, solange sich die entsprechende Forderung nicht auch auf das Verkochen und Verspeisen deren Früchte erstreckt. Der Weg, den die Landwirtschaft in Zukunft nehmen soll, kann nicht von dieser allein gegangen werden. Wie es dazu auf der einen Seite nötig ist, von der Produktion für den Markt als dem obersten Ziel der Landwirtschaft weg- zu einem Verständnis zu kommen, in dem die Kultivierung des Boden zur höchsten Aufgabe des Bauerhofes wird, so muß auf der anderen Seite das Verständnis dafür erweckt werden, daß der Sinn des Essens nicht im Verbrauchen einer Ware- sondern im Genießen eines Lebensmittels liegt. Dieses versteht sich aber so wenig von selbst wie die Arbeit am Boden, mit deren Kunst diejenige des Genießens gemeinsam hat, daß mit beiden das wichtigste, nämlich regenerative Prinzip des Lebens kultiviert, d.h. die Referenz erwiesen und gehuldigt wird: Wir nennen es im einen Fall Fruchtbarkeit, im anderen Gesundheit. Beide werden durch heute die Art der Landwirtschaft und durch unseren sorglosen Umgang mit den Lebensmitteln zutiefst gestört. Vom Zustand der Bodenfruchtbarkeit legten bereits die Zitate das schlechteste Zeugnis ab.

 

Anmerkungen:


(1) Mooney/Fowler, Die Saat des Hungers, 65
(2) Die Bergbauern, Oktober 1995
(3) Elisabeth Henderson, in: Lutzenberger/Gottwald, Wege aus der Ernährungskrise, 184
(4) Die Zahlen stammen von Elisabeth Henderson, der Vorsitzenden des "Agricultural and Farmland Protection Board“, in: Lutzenberger/Gottwald, Wege aus der Ernährungskrise, 188/9
(5) Siehe: Studer, Heinzpeter, "Kann mensch EG essen?“, edition szenario, Oktober 1992, S 29. Siehe dazu die Aussage von Wolfgang Reimer in: "Kritischer Agrarbericht 1996“, S 15: "Die EU-Agrarstrategen können davon ausgehen, daß in wenigen Jahren 20 % der Betriebe 80 % der Agrarproduktion zu niedrigen Preisen machen".
(6) Lutzenberger/Gottwald, 164
(7) Bauernstimme, 2/2001
(8) Rainer Engels (Germanwatch): "Bauernstimme“ 12/1999
(9) Jeremy Rifkin, "Das Imperium der Rinder“, Campus Verlag 2001, 161
(10) Bauernstimme, 2/96
(11) Rifkin, 187
(12) Der dt. Landwirtschaftsminister Borchart am 12. Aug. 1994 im Agrarsturkturbericht. Seine Forderung findet die Unterstützung im Dt. Bauernverband; siehe: Bauernstimme, 10/94
(13) Österr. Bauernzeitung, Juli 1996
(14) Wolpold, Martin:Die Agrarexportpolitik der EU und USA, Mitteilungen von FIAN
(15) Bauernstimme, 10/94
(16) Bauernstimme, 11/94
(17) G. Thiede aus seinem Buch: "Europas grüne Zukunft" (Econ Verlag, 1975), zit. bei Alfred Haiger, "Kapitalismus u. bäuerl. Landwirtschaft“, in: "Zukunft Österreich. Der EU-Anschluß und die Folgen", (Hg. G. Witzany), Salzburg, Unipress-Verlag 1998
(18) Wendell Berry, Home Economics, North Point Press, San Francisco 1987, 138
(19) Reimer/Fink: EG-Binnenmarkt, Ernährungsindustrie, in: Kritischer Agrarbericht 1996
(20) Lutzenberger/Gottwald, 10-13
(21) Wolfgang Reimer, Bauernstimme 2/96
(22) Das sind: Cargill, Continental Grain, Bunge, Luis Dryfuß, Andre/Mitsui-Cook. Siehe dazu Elisabeth Henderson, Man ist, was man ißt, in: Lutzenberger/Gottwald, Wege aus der Ernährungskrise, S 188, 192
(23) Bauernstimme 9/ 91
(24) Ziegler, Jean. Wie kommt der Hunger in die Welt?, Bertelsmannverlag 1999, S 145,
(25) Rifkin, 248
(26) Rifkin, 165
(27) ORF/Dimensionen, 16.4.1996
(28) Mooney/Fowler, 111
(29) Rifkin, 164
(30) Rifkin, 171f
(31) Mooney/Fowler, 91
(32) Ziegler, 89
(33) Bauernstimme 11/ 96
(34) Bauernstimme 8/96
(35) Buntzel, Kritischer Agrarbericht/ 1996, 72
(36) Bauernstimme 8/96, S 6
(37) Bauernstimme 8/96
(38) Kritischer Agrarbericht/ 1996, 204
(39) Lutzenberger/ Gottwald, 43
(40) Bauernstimme 2/2000
(41) Rifkin, 173
(42) Rifkin, 174/5
(43) Rifkin, 181
(44) Rifkin, 188
(45) Bernhard Geier, Überleben unsere Lebens-Mittel, in: Lutzenberger/Gottwald, 141

(46) The Pleasure of eating, in: "What are people for?“ 146
(47) a.a.O. 148
(48) Rifkin, 27
(49) Elisabeth Henderson, Man ist, was man ißt, in: Lutzenberger/Gottwald, 148
(50) Rifkin, 26
(51) Rifkin, 28
(52) Rifkin, 27
(53) Rifkin, 105
(54) Rifkin, 104
(55) Österreichische Bauernzeitung/April 96, S 2
(56) Diese unglaubliche Zahl, die Eimler/Kleinschmidt angeben, wird noch ungeheuerlicher, wenn man sie mit der Gesamtproduktion von Schweinen vergleicht. Ihre Anzahl betrug z.B. 1995 in Deutschland: 16,4 Millionen (Kritischer Agrarbericht 1996)
(57) Eimler/Kleinschmidt, Der Fleischreport, Hofmann und Campe 1990, 123
(58) Eimler/Kleinschmidt, 56
(59) Gerhard Hirn, Kritischer Agrarbericht 1996
(60) Siehe z.B. Eimler/Kleinschmidt, 57 f
(61) Hamburger Verbraucherzentrale 1993, in: Rifkin (Nachwort), 269
(62) Eimler/Kleinschmidt, 99. Siehe dazu auch: Eimler/Kleinschmidt, Tierische Geschäfte, Droemer 1987
(63) Bauernstimme 4/2001unter Berufung auf die Süddeutsche Zeitung
(64) Standard, 26. September 2001: "Fleischbeschau ja, aber billiger und bequemer“
(65) Rifkin, 104
(66) zit. von Gustavo Esteva, Comida statt Alimento! In: Wege aus der Ernährungskrise, 246
(67) Rifkin, 236/7

(68) Rifkin, 235
(69) George Ritzer, Die McDonaldisierung der Gesellschaft, 1995, 17
(70) Ritzer, 114
(71) BUKO-Agrardossier 1995, S 6
(72) Bauernstimme 5/94


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