In Fülle leben
Vom guat’n Platz

Heute ist der Blick vor allem auf den materiellen Mangel und den Mangel
an modernen Errungenschaften gerichtet. Die Fähigkeit, die "Fülle", die wenig
mit Geld zu tun hat, wahrzunehmen, führt dahingegen ein Schattendasein.

Von Kaspanaze Simma



Kaspanaze Simma
(geb. 1954) lebt und betätigt sich mit Lucia und fünf gemeinsamen Kindern in ihrer Land- und Hauswirtschaft. Besondere Beachtung schenken sie in ihrer Ökonomie einem hohen Eigenversorgungsanteil, was aus ihrer Sicht auch eine "für Fülle“ hilfreiche Verbindung "von Leben und Arbeiten“ unterstützt. Während einiger Lebensphasen hat sich Kaspanaze Simma auch politisch für obige Anliegen eingesetzt, u.a. auch als grüner Abgeordneter im Vorarlberger Landtag
(1984-89; 1994-99).

Die materielle Versorgung, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, Gemeinschaft und "Ruhe" kennzeichnen den
guten Platz

     Was zeichnet für mich einen "guten Platz" aus und kann dieser Platz in der bäuerlichen Welt sein? Diese Frage ist wesentlich im wahrsten Sinne des Wortes. Ich will eingangs eine kurze Antwort darauf versuchen:

Ein guter Platz ist für mich etwas, wo ich die Dinge, die für ein gutes Leben hilfreich sind, vorfinde bzw. entwickeln kann.
Da ist einmal das "ökonomische Potential", für das die meisten Menschen täglich arbeiten: für’s Essen, Kleiden, Wohnen, das sogenannte Materielle also. Das ist auch für mich nicht so unwichtig.
Der zweite Punkt ist das, was Ivan Illich "das Vergnügen persönlich autonomen Handelns" genannt hat. Ich schätze an der bäuerlichen Tätigkeit sehr, dass ich große Gestaltungsmöglichkeiten habe. Dazu gehört auch, dass ich Raum für Experimente, für Veränderung, durchaus auch für das Querdenken habe.
Zum Dritten brauche ich zum guten Leben Gemeinschaft in verschiedener Form, auch Geschichte, Tradition und Kultur. Das sind Bereiche, wo ich auch in meinem Umfeld einen starken Auflösungsprozess erlebe, dem zu entgegnen ich für die Zukunft als besonders wichtig erachte.
Der vierte Punkt: Ich brauche auch Plätze der Stille, brauche die Natur auch als "Seelennahrung". Wenn ich das Gefühl habe, dass mir der Boden unter den Füßen schwindet, dann gehe ich sehr gerne in den Wald. Da fällt mir in diesem Zusammenhang ein Sprichwort von Erich Kästner ein: "Die Seele wird vom Pflastertreten krumm, mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und dreht bei ihnen seine Seele um."

 

 

Die Entscheidung, in der Landwirtschaft tätig zu werden


Anfang der 80er Jahre – mein persönlicher Umstieg

    Um 1970 entschied ich mich nach Abschluss der Pflichtschule, in der elterlichen Landwirtschaft tätig zu werden. Bei uns im Bregenzerwald, wo sich die Bauern seit über hundert Jahren vor allem der Grünlandwirtschaft mit Milchwirtschaft und Viehzucht verschrieben haben, erreichten gerade die fortschrittlicheren bäuerlichen Betriebe so etwas wie die "Vollmechanisierung". Öffentliche Förderungen gab es damals auch für den Einbau von "Wasserklos" und Einbauküchen auf Platten- und Kunststoffbasis. Im Nachhinein meine ich, dass gerade zu dieser Zeit "Geldwirtschaft und Fortschritt" einen gewaltigen Sprung nach vorne machten.

 

Vom Bewusstsein
des Mangels an Errungenschaften
der Moderne...

 

 

 

 

...zum Begreifen der Landwirtschaft als wunderbare Form
der Existenz

Als bäuerlich tätiger Mensch galt man zu dieser Zeit in der öffentlichen Meinung schon eher als arm. Gerade die Agitation der bäuerlichen Interessensvertretung bewirkte bei mir, der mit dem bäuerlichen Leben verbunden schien, dass mir der Mangel an Errungenschaften der Moderne: Freizeit, Bargeld, Auto usf., immer schmerzhafter ins Bewusstsein kam. Politisches Engagement, verbunden mit der Hoffnung, dass "die Regierung" uns helfen würde, führte kaum zu spürbaren Ergebnissen. Allerdings öffnete es die Tür zu einem wichtigen Lernprozess.
Auf der Suche nach Ansätzen zur Verbesserung meiner Lebensverhältnisse durfte ich in der 2. Hälfte der 70er-Jahre viele weiterführende Begegnungen mit Menschen, ihren Ideen und ihrer Praxis machen. Stichworte dazu: Antiautoritärer Geist der 68er-Bewegung, Pioniere des biologischen Landbaus, Bildungs-, Verarbeitungs- und Vermarktungsinitiativen um die Österreichische Bergbauernvereinigung, das "einfache" Leben auf der Alpe, die Monate in der Lerngemeinschaft des Kurses für Politik, Wirtschaft und Sozialethik auf der katholischen Sozialakademie, das Bekanntwerden mit den schöpferischen Potentialen der Idee der Gewaltlosigkeit, viele Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, die permanente Praxis in Landwirtschaft und Dorf, die für mich ein unabdingbares Experimentier- und Umsetzungsfeld war bzw. ist......bis ich Anfang der 80er-Jahre relativ klar vor mir sah, dass unsere Landwirtschaft mit ihren cirka 8 ha Wiesen/Weiden und 5 ha Wald eine wunderbare Existenz bietet und dass ich dazu nur einen Bruchteil der Möglichkeiten, die in IHR, in MIR und in UNSERER UMGEBUNG schlummern, zu schöpfen brauche.

 

 

 

 

 

Hat die Industrialisierung Not und Mühe wirklich beseitigt?


Vom "Phänomen des Mangels"

Eine junge Konstruktion

     Gemeinhin besteht die Anschauung, dass es der Industrialisierung bei all ihren Pferdefüßen zumindest gelungen sei, die materielle Not und Mühe, unter der die Menschen früher weithin gelitten hätten, zu beseitigen. Die unbefriedigende Lebenssituation sei auch der Grund ihrer Entstehung gewesen.Bei genauerem Hinsehen entwickeln sich allerdings Zweifel an dieser Auffassung: So ist z.B. bei Hans-Joachim Rieseberg ("Verbrauchte Welt") über eine Forschung von Gerd Koch zum Thema "Materielle Kultur der Gilbert-Inseln" nachzulesen, dass von den Menschen in dieser heute noch bestehenden Sammler- und Jägerkultur etwa zwei Arbeitstage aufgewändet werden, um eine vierköpfige Familie sieben Tage lang zu ernähren. Die tägliche Nahrung hätte eine Variationsbreite von immerhin 82 Alltagsspeisefolgen. Auch gebe es dort großartige Versammlungshäuser und perfekt konstruierte Segelboote, die zu den schnellsten motorlosen Wasserfahrzeugen der Welt gehörten.Margrit Kennedy ("Geld ohne Zinsen und Inflation") berichtet über Forschungen von Wünstel und Damaschke. Sie verweisen auf eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit im Hochmittelalter. In dieser Zeit entstanden viele Bauten, die wir heute noch bewundern. Im Fürstentum Bayern soll damals ein landwirtschaftlicher Taglöhner täglich 18 Pfennige verdient haben. Ein Pfund bestes Rindfleisch soll zwei Pfennige gekostet haben. Des weiteren wird aus dieser Zeit von 90 kirchlichen Feiertagen, die mit zwei arbeitsfreien Wochentagen hundertachtzig arbeitsfreie Tage im Jahr ergaben, die zu Mysterienspielen, Festen, Jahrmärkten und Turnieren genutzt wurden, berichtet.


Nicht in allem hat sich
die Welt zum Besseren gewandelt

In meiner Lesewelt tauchte bei Peter Roseggers "Jakob, der Letzte" das Thema Veränderung in Richtung "Mangel" besonders beeindruckend auf. Rosegger schildert in diesem Buch wie im 19. Jahrhundert die Bauern in der Steiermark im Gefolge der so genannten Bauernbefreiung durch das Erfordernis der Ablösezahlungen geldwirtschaftlich in Bedrängnis kamen, ihre "Keusch’n" verkauften und in die entstehenden Fabriken zur Arbeit gingen. Erst dort merkten sie überrascht, was das Leben kostet, wenn man alles zukaufen muss, was in der bäuerlichen Welt naturalwirtschaftlich vorhanden ist, z.B. Essen und Wohnen.
Diese Erzählungen sind für mich durch meine bäuerlichen Lebenserfahrungen wesentlich bestätigt worden. In unserer Erde und ihrem Leben ist die Fülle latent vorhanden. Der Mangel wird erst zum Thema, wenn wir uns "den Kopf auf eine andere Seite drehen – lassen."
 

 

 

 

 

 

Wir nehmen eher den Mangel als die Fülle und die Schönheit wahr


Fragmentarische Spuren

Es wäre ohne Zweifel eine interessante und wohl auch lohnende Aufgabe, sich mit den Kräften, die "den Mangel" scheinbar wir am Fließband reproduzieren, intensiver zu beschäftigen. Weil ich aber eigentlich über FÜLLE und weniger über Mangel reden will, beschränke ich mich auf einige fragmentarische Hinweise/Spuren:

Ich gelange immer stärker zur Einsicht, dass ein sehr großer Teil dessen, "was wir zum Leben brauchen", sozusagen von Natur aus vorhanden ist. Weil uns also die "Hauptspeise" in die Wiege gelegt ist, können wir uns den Luxus leisten, uns im Wesentlichen mit dem "Nachtisch" zu befassen, also mit dem wenigen, woran es uns noch mangelt. Unsere Wahrnehmung konzentriert sich also (zu sehr) auf den Mangel, unsere Sprache versteht vor allem, den Mangel auszudrücken. Und "Sprache schafft Welt", soll Ludwig Wittgenstein gesagt haben. 
Knappheit begegnet uns in unseren Breitengraden öfter als Knappheit an Geld, denn als Mangel an Gütern. Es erscheint mir eine besonders lohnende Spur, den Eigendynamiken des Geldes bzw. unseres Geldsystems mehr persönliche und gesellschaftlich-politische Aufmerksamkeit zuzuwenden. Stichworte dazu wären: Verschuldungsfrage, Zinsproblematik mit ihren Verteilungswirkungen und Wachstumszwängen, Erosion der Subsistenzwirtschaft usf. "Industrielle Effizienz" bzw. Rationalisierungsprozesse verlieren manchmal bei genauerem Hinsehen viel von ihrer scheinbaren Vorteilhaftigkeit. So ergeben sich, um es an einem Beispiel aus meiner Lebenswelt zu zeigen, bei langsamerem, handwerklicherem Heuarbeiten beträchtliche Nebennutzen in Form von Naturerlebnis, Körperbewegung, Sozialkontakt, Tätigkeits- und Lernfeld für Kinder,... Dieses Wegfallen von Nebennutzen durch die vollmechanisierte Heuernte muss durch Ersatzlösungen kompensiert werden, was neuen Geld- und Zeitaufwand im so genannten Freizeitbereich bedeutet.

Der selbstgezogene
Salat schafft einen "Erlebnisgewinn"

Ivan Illich schreibt in seinen "Fortschrittsmythen":

"Ob Bedürfnisse wirklich befriedigt und nicht nur abgespeist werden, bemisst sich am Vergnügen, das mit der Erinnerung an persönliches, autonomes Handeln verbunden ist.“

Möglicherweise hat also der selbstgezogene Salat aus dem Hausgarten einen eindeutigen "Mehrwert" gegenüber der zugekauften Ware, oder anders gesagt: Der arbeitssparende Umstieg auf das Zukaufprodukt hinterlässt einen für unseren Zusammenhang nicht unbedeutenden Mangel...

 

 

 

 

Der Fülle mehr
Beachtung schenken


Laternenpfähle – auf dem Weg zur Fülle

Die Fülle sehen

    Eine wichtige Voraussetzung erscheint mir, die weitverbreitete Blickstarre auf den Mangel aufzulösen und die tatsächliche Fülle stärker in den Blick zu nehmen! Ein Hinsehen auf die "übervolle Ressourcenkiste der Natur" ist diesbezüglich äußerst aufschlussreich.
Man stelle sich z.B. dieses kleine Apfelkernchen vor: In ihm schlummert das Potential zu einem sehr großen Baum mit vielen schönen, geschmackvollen Äpfeln.
Oder die Sonne als Energiequelle. In der Wahrnehmung der letzten Jahrzehnte wurde ihr bestenfalls "additive Funktion" zugestanden. Wir haben mit unglaublichen Aufwand umweltbelastende und gefährliche Energietechnologien als Antworten auf den "Energiemangel" entwickelt. Heute wissen wir, dass mit der Nutzung dessen, was die Sonne auf ein Drittel der bebauten Fläche in Vorarlberg (0,3 % der Landesfläche) einstrahlt – bei effizienter Versorgungstechnologie plus Nutzung vorhandener Wasserkraftwerke sowie etwas Biomasse – eine vollsolare Versorgung leicht zu bewerkstelligen ist.
Denken wir auch daran, mit welcher Fülle die Natur mit Samen "um sich wirft". Nur ein Bruchteil sind für Fortpflanzung und Wiederherstellung nötig.

 

 

 

Geldliche und nicht- geldliche Tätigkeiten
und Erlebnisse


Unsere Ökonomie umfassender wahrnehmen

Als Kind einer ähnlich beschränkten Wahrnehmung, wie unser Bild von Energieversorgung, entpuppt sich unsere Vorstellung von Wirtschaft, mit der Konzentration auf die Geldwirtschaft. Hazel Henderson hat schon gegen Ende der 70er-Jahre demgegenüber vorgeschlagen, unsere Ökonomie umfassender und zwar als Schichtenkuchen zu verstehen. In diesem Bild liefert, vereinfacht gesagt, das untere Drittel unserer Existenz (mehr oder weniger geschenkt). Das mittlere Drittel dessen, was uns am Leben erhält und das Leben schön macht, entsteht durch vielfältigste menschliche Nichtgeld-Tätigkeiten. Und erst als oberes Drittel kommen die Güter und Leistungen, die im geldwirtschaftlichen Bereich erbracht werden, dazu. Diese Aufteilung gelten selbst für hochindustrialisierte Gesellschaften.Folgendes Beispiel vermag dieses Phänomen wohl verdeutlichen: Die Familie Simma hat theoretisch zwei Möglichkeiten, die Bereitstellung des täglichen Essens zu organisieren, und zwar entweder, wie jetzt im Wesentlichen, nichtgeldwirtschaftlich zu Hause oder geldwirtschaftlich im Gasthaus. Den geldwirtschaftlichen Wert dieser Esssensbereitung, bei uns derzeit zum größeren Teil das Tätigkeitsfeld meiner Frau Lucia unter Mithilfe von Kindern und mir, kann man annäherungsweise nachfolgender Rechnung entnehmen:

Eine Person bezahlt für Morgen-, Mittag- und Abendessen im Gasthaus 150 ÖS pro Tag, das sind 4500 ÖS pro Monat. Für eine fünfköpfige Familie macht das monatliche Kosten von 22500 ÖS, die, selbst nach dieser mehr als vorsichtigen Annahme (150 ÖS für dreimal essen), allein durch die Essensbereitung als Nichtgeld-Tätigkeit zu unserer Ökonomie beigetragen werden.

Eine umfassendere Wahrnehmung unserer Ökonomie entlang Hendersens Schichtenkuchen eröffnet neue Potentiale und Spielräume für Personen und kleine überschaubare Gemeinschaften genauso wie für Volkswirtschaft und Politik

 

 

Gerade die Positionen der Ausgabenseite sollten auf Sinnhaftigkeit und Alternativen überprüft werden


Steigenden Einnahmen folgen steigende Ausgaben

Die Holländer Hanneke van Veen und Rob van Eeden schilderten bei einem Seminar eindrucksvoll, wie in unseren Haushalten in der Regel einer Steigerung der Einnahmen eine ebensolche der Ausgaben folgt. "Wer mehr Geld hat, braucht mehr Geld". Gemeinhin versuchen wir dann, uns "wirtschaftliche Luft" durch eine weitere Erhöhung der Einnahmen zu verschaffen. Ihr Vorschlag: Bewusst die Ausgabenseite genauer anschauen, für eine Zeit Aufzeichnungen machen, die einzelnen Positionen auf Sinnhaftigkeit und Alternativen prüfen. Nach ihren (auch meinen) Erfahrungen tun sich da meist überraschen große wirtschaftliche Spielräume auf!

 

 

 

 

 


Zwei Möglichkeiten, zu einem Joghurt zu kommen


Von wirklicher Effizienz – und dem weitverbreiteten Gegenteil

Ernst Friedrich Schuhmacher schreibt in "Small is beautiful":

"Das erstaunlichste an der modernen Industrie ist, dass sie so viel verlangt und so wenig leistet. Die moderne Industrie scheint in einem Ausmaß leistungsunfähig zu sein, das die gewöhnliche Vorstellungskraft übersteigt. Daher bleibt diese Unfähigkeit unbemerkt."

...und tatsächlich: Schuhmacher hat nicht ganz Unrecht. Ich schildere wieder ein Beispiel aus meiner Lebenswelt: Eine Bauernfamilie möchte ein Joghurt. Grob gesagt gibt es wieder zwei sehr unterschiedliche Möglichkeiten zur Beschaffung:
Fall a) Ein Bauer melkt seine Kühe, kühlt die Milch, der Tankwagen fährt sie in die cirka 100 km entfernte Molkerei. Dort wird wieder aufgewärmt, Joghurt erzeugt, Einweg verpackt. Dann geht’s in die Großhandelszentrale, von dort in den Einzelhandel und dort holt’s die Bäurin per Auto ab. – Viele Auto-Kilometer, hoher Energieverbrauch, hoher Flächen-, Technologie- und Gebäudeaufwand.
Fall b) Ein Bauer melkt seine Kühe, bringt die kuhwarme Milch in die Küche. Dort wird noch leicht aufgeheizt, Ferment beigesetzt, worauf der Topf z.B. unter die Bettdecke zur Bebrütung wandert. Nach vier Stunden kommt das fertige Joghurt auf den Tisch bzw. in den Kühlschrank. – Wir sehen wohl unzweifelhaft: Vom Aufwand an wirklichen Ressourcen ist der Fall b) um ein Vielfaches effizienter.

 

 

Geld- und Ressourcenaufwand
stehen in einem krassen Missverhältnis


Die Kosten-/Nutzenfrage neu stellen

Die Tatsache, dass ein wesentlich ressourcenaufwändigeres Versorgungssystem geldwirtschaftlich kostengünstiger sein soll, ist wohl ein überdeutlicher Fingerzeig dahingehend, welche Kosten-/Nutzenblindheit in unseren volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen, aber auch in unserem wirtschaftlichen Denken Platz gegriffen hat.
Es läge ein enormes ökonomisches Potential darin, "neue Kosten" möglichst verursachergerecht zuzurechnen und "versteckte (Mehrfach-)Nutzen" geldwirtschaftlich mitzubewerten bzw. –abzusichern.

 

 

 

Eine ökosoziale UmSTEUERung ist notwendig


Ein politischer Rahmen, der Fülle fördert

     Im Zentrum geht es dabei um Akzente, die unter dem Sammelbegriff "öko-soziale Umsteuerung" schon mehrfach in der öffentlichen Diskussion gestanden sind, denen aber gerade jetztzeitig viel zu wenig Bedeutung im politischen Raum zukommt.
Auf Basis eines umfassenderen Ökonomieverständnisses – entlang von Hendersens Schichtenkuchen – geht es darum, den dortigen Ressourcenmix geldwirtschaftlich zu reflektieren, d.h. im Wesentlichen:

a) Die Bewahrung und nachhaltige Nutzung des Allgemeinguts Natur durch eine öffentliche Abgabe auf Naturverbrauch/Energieverbrauch sicherzustellen.

b) Mit den daraus anfallenden Geldern die Erwerbsarbeit von Abgaben zu entlasten und eine Art Grundeinkommen (ein Ansatz in diese Richtung ist z.B. mit der Kinderbeihilfe vorhanden und bewährt) auch und gerade zur nachhaltigen Sicherung der Nichtgeld-Tätigkeiten einzuführen.

 

 


Fülle hat weniger
mit Geld als mit Wahrnehmungsfähigkeit
zu tun


Vom "Genuss", nachhaltig zu leben

     An diesem Punkt möchte ich noch ein kleines Fragezeichen hinter den Begriff "Genuss" im Zusammenhang mit Fülle setzen. Nach dem Duden hat Genuss mit "fangen, ergreifen" zu tun. Ich meine, dass Genuss möglicherweise den wichtigen Aspekt des Tätigseins etwas unterbelichtet.
Trotzdem: Die Spur stimmt wohl. Nachhaltig leben ist auf weiteste Strecken wirklich nicht beschwerlich! Was ich an diesem Weg besonders schätze, versuche ich in aller Kürze in nachfolgenden drei Punkten stichwortartig zu fassen:

a) Die Eleganz und Einfachheit vieler nachhaltiger Lösungen
b) Die relative Harmonie mit der Mit-Welt
c) Das Vergnügen persönlichen, autonomen Handelns

Und zum Abschluss noch ein – wie ich finde – sehr schönes Zitat zur Fülle, die in uns Menschen wohnt (in Abänderung von "Meine Erklärung meiner Selbstachtung" von Virginia Satir):

"Du kannst sehen, hören, fühlen, denken, sprechen, handeln. Du hast alles, was du brauchst, um zu überleben, um anderen nahe zu sein, um schöpferisch zu sein und die Welt der Dinge und Menschen um dich herum sinnvoll zu gestalten."

(Ausdrucken?)

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