Über die Aurora

Aktuelle Ausgabe

Frühere Ausgaben

Suche

   Schwerpunkte    Theater     Kulturphilosophie     Belletristik      Literatur     Film     Forschung    Atelier     Musik  

......
Erinnerungsräume, Sprachgedächtnisse
...

Von der Adria nach Belgrad

Wie steht es eigentlich um das Verhältnis der jugoslawischen Nachkriegsstaaten
und ihrer Bevölkerungen zueinander? Sind die alten Konflikte zwischen den nunmehrigen
Nachbar
n immer noch spürbar? War Jugoslawien tatsächlich eine "Lüge"?

Von Katharina Manojlović
(10. 11. 2009)

...


   Auf vielen Wegen durch die Stadt wirkt alles an ihr so, als habe nie ein Krieg stattgefunden, als habe die "Lüge" Jugoslawien(1) nie existiert. In der Abendsonne von Zadar schaukeln ein paar Boote, Segler und Fischer, später zerdehnt das Wasser die Lichter der im Hafen ein- und auslaufenden JADROLINIJA-Fähren in lange Streifen. Die Altstadtgassen bevölkern auch im Spätsommer noch zahlreiche Touristen. Das Tag für Tag sich wiederholende Bild der hinter ihren Guides befriedigt einhertrottenden Pensionistengruppen mag vielleicht über das hauptsaisonale Buchungstief, das heuer in ganz Dalmatien beklagt wurde, hinwegtäuschen, am inflationären Gebrauch des Wortes kriza (Krise) ändert es dennoch nicht viel (in einem kroatischen Witz zur Wirtschaftskrise heißt es, die Zustände seien nie andere gewesen, jetzt wisse man aber endlich, wie man sie bezeichnet). Als Teil der umstrittenen "Anti-Rezessionsmaßnahmen" der kroatischen Regierung (extra "Krisensteuer", Lohnkürzungen, Mehrwertssteuererhöhung …) wurden zuletzt die ohnehin viel zu niedrigen kroatischen Pensionen im Schnitt um ca. drei Prozent gekürzt, eine kroatische Zeitung bezeichnete daraufhin auf ihrem Titelblatt Pensionisten – zusammen mit Serben und Roma – als Bürger zweiter Klasse(2). Die österreichischen und deutschen Pensionisten trotten unterdessen an der Kirche vorbei zur nächsten Eisdiele …

"Nachkriegslandschaften"

   Gerade vor Ort scheint es, als verlasse man sicheres Terrain, wenn man Spuren folgt, die wegführen von den täglichen Aktualitäten, vom touristischen Wohlfühlraum, in eine kriegerische, blutige, unheilbare (sind für den von außen kommenden Betrachter die Wörter austauschbarer?) Vergangenheit, und grotesk verzerrt mögen Bedeutungen, die man diesen Spuren beizumessen sich anschickt, unter Umständen jenen erscheinen, die ihrer Einprägung persönlich beigewohnt haben.

"Manchmal schien es mir fast, als gäbe es so kurz nach einem Krieg ein anderes Verhältnis von Zufall und Notwendigkeit, wenigstens hatte die Realität von Nachkriegslandschaften, sowie nur eine Kleinigkeit zu der wahrgenommenen Leere dazukam, für mich schnell etwas Überbestimmtes …"(3)

Und doch kommt man nicht um sie umhin: um die hie und da wie notdürftig mit Teer zugekleisterten Sternspritzzeichnungen von Granateneinschlägen auf den Gehsteigen; um die im eigenen beschaulichen Wohnviertel zum zweiten Mal orange übermalte und deshalb kaum mehr entzifferbare Aufschrift "Srbe na Vrbe" (Serben auf die Weiden) an der Gartenmauer gegenüber, oder um die zahlreichen, in Fleischereien, Friseurläden und an Hauswänden vergilbenden Plakate, die das Konterfei des vom Internationalen Strafgericht für das ehemalige Jugoslawien gesuchten Armeegenerals und ehemaligen Oberbefehlshabers der kroatischen Truppen Ante Gotovina(4) tragen. Diese feiern den Abgebildeten in großen Lettern als "HEROJ" (Helden) oder wollen mit der trotzigen Aufschrift "HEROJ, NE ZLOČINAC" ("Held, nicht Verbrecher") gleich einer vorwegnehmenden Berichtigung dienen.

Wie steht es jetzt um das Verhältnis der Nachkriegsstaaten und ihrer Bevölkerungen zueinander? Sind die alten Konflikte zwischen den nunmehrigen Nachbarn immer noch spürbar? War Jugoslawien tatsächlich eine "Lüge"?

Kriegsschäden am Balkan

   Zu schnell wähnt man sich angesichts solcher Fragen dem Verweis ausgesetzt, mit alten Nostalgien zu hantieren, an Gräben anzudocken, in die niemand hineinschauen will – und setzt dabei vielleicht ohnehin nur neben den alten Verschüttungen an. Als sei man (und ist es tatsächlich immer wieder) von einer ungewissen Bildersuche mehr angetan als von den einen umgebenden Wirklichkeiten.

"Es ist mir nie so deutlich zu Bewußtsein gekommen, in welchem Ausmaß Erzählen eine Frage der Auswahl ist, wie in diesen zwei Tagen in Belgrad, was sagt man und was läßt man weg. Die Kriegsschäden da und dort sind genauso wirklich wie der abendliche Lichterglanz auf der Terazije, auch wenn sie für mich allein schon wegen des Lebens rundum in der Stadt nicht die Endgültigkeit haben wie in den regelrecht aus der Zeit geschossenen Dörfern in Kroatien und Bosnien, aber ob man das erwähnen soll oder nicht, ist damit noch lange nicht gesagt."(5)

Erzählt man von dem einen Universitätsprofessor, der einer französischen Kollegin aufgebraucht in Richtung Meer fuchtelnd die Frage stellte, ob das etwa der Balkan sein könne, so vergisst man alle anderen, die darüber nur zu lachen hätten. Später in Belgrad müssen wir selbst über Vladimirs Großmutter lachen, die uns vorgestellt wird als Teil eines heftig winkenden Spaliers, das einst mittags von den Bürotischen zusammengesammelt wurde, um den am Bahnhof in seinem blauen Zug einfahrenden Diktator zu begrüßen …

Im Zusammenhang mit der alten Streitfrage, was oder wer zum Balkan gehöre, sei der slowenische Philosoph Slavoj Žižek zitiert (aus dem Text- und Bildband
"Hotel Jugoslavija" von Martin Sexl und Arno Gisinger(6), wohl einem der klügsten Beiträge zur Debatte um die Balkankonflikte und ihre (nicht nur) mediale Wahrnehmung; siehe dazu die Rezension von Kurt Gritsch)(7):

"Für Serben beginnt [der Balkan] da unten, im Kosovo oder in Bosnien, und sie verteidigen die christliche Zivilisation gegen diese 'Anderen' Europas; für die Kroaten beginnt er im byzanthinischen Serbien, gegen das Kroatien seine Werte der demokratischen, westlichen Zivilisation verteidigt; für die Slowenen beginnt er in Kroatien, und wir, die Slowenen, sind der letzte Außenposten eines friedlichen Mitteleuropas, für manche Italiener und Österreicher fängt er in Slowenien an, die Herrschaft der slawischen Horden; für manche Deutsche ist es Österreich auf Grund seiner historischen Verbindungen selbst, das schon von der balkanischen Korruption und Unfähigkeit bestimmt wird; für manche Norddeutsche ist es auch Bayern […]"(8)

Wie steht es also um das tatsächlich Vorhandene? Ließe sich nicht ebenso schreiben über die Verzückungen eines Lebens am Meer, über das Wirtschaftswachstum der Stadt oder darüber, dass man nun endlich auch hierorts gläserne Possierlichkeiten made in Austria erstehen kann – eines jener roten Glasherzen etwa, an denen man sich zweifellos die Zähne ausbisse, wollte man sie partout mit jenen anderen verwechseln, die in Zagreb (zagrebačko srce/Zagreber Herz) wie auch in Belgrad (beogradsko srce/Belgrader Herz) aus Lebkuchenteig gefertigt und mit buntem Zuckerguss verziert als hauptstädtische Souvenirs feilgeboten werden und in ihrer Mitte bloß kleine, viereckig zurechtgehauene Spiegelscherben blinken lassen.

Augenzeugenberichte

   Und darin blinken dann zufällig ein paar Begriffe, erzeugen einen Code, der unbestätigt bleiben muss und der manchmal um so verdächtiger scheint, als ihn die vor Ort Dabeigewesenen ganz anders lesen … Denn man war ja nicht selbst anwesend, war nicht dabei, als ein Projektil übers Meer zum Fenster hereinflog, sein Mal hinterlassend. Wenn auch nur in der Tür des Kleiderkastens der Großmutter und den großväterlichen Anzügen dahinter – die Hausbewohner harrten derweil im Keller aus. Erst recht landet man aber im Nirgendwo, wollte man sich gänzlich den Lockungen des Zweifels überlassen. Dann etwa, wenn ein Historiker beim sonntäglichen Barbecue die eigene Geschichte erzählt, von seinem mehrjährigen Dienst bei der 114. Brigade berichtet, die um Dubrovnik und sein Hinterland gekämpft hat. Was Krieg sei? Neunundneunzig Prozent warteten auf das restliche eine Prozent, den Moment, in dem dann alles sehr schnell gehe. Munition sei genug verbraucht worden. Für einen der Legionäre sei dies der 48. Krieg gewesen. Viele der vom roten Kreuz gemeldeten toten Zivilisten seien in Wirklichkeit keine Zivilisten gewesen, sondern Kämpfer in Zivil, im Kampf gefallene, deren Waffen man selbstverständlich eingesammelt habe, denn die könne man nicht einfach so herumliegen lassen. Und es sei auch klar, wer den Krieg begonnen habe, zumindest wessen Politik. Oder wie man unter Einsatz von Champagnerflaschen Bunker sprengen könne, weil deren trichterförmige Einbuchtungen viel Triebkraft erzeugen würden.

Vielleicht gewinnt gerade im Augenzeugenbericht die Eindeutigkeit die Oberhand? Und es tut sich auf, was eingeprägt ist in unser Geschichtsverständnis: die traditionelle Vorstellung, dass eine zeitliche Distanz zum Ereignis dem Berichten darüber dienlich, eine räumliche (der Berichtenden) aber grundsätzlich in Frage zu stellen sei.

Codes und Sprache

   Der Versuch, Uneindeutiges zu tilgen, lässt sich auch weiter am deutlichsten im Umgang mit der Sprache beobachten. Es scheint, als ob nach dem (aufgezwungenen) Gemeinsamen der Ausbruch in die Abgrenzung erfolgt ist, nicht zuletzt zeugen viele "Kroatismen" davon, die, seit Kriegsende gepflegt, "alte" Wörter ersetzen, sogenannte Internationalismen z. B., wie sie in Serbien nach wie vor gebräulich sind (so wurde aus "avion" (Flugzeug) im Kroatischen "zrakoplov", was sich frei als Luftschiff übersetzen ließe). Zwar verwenden vor allem ältere Leute weiter auch jene Wörter, die früher üblich waren, die Tatsache, dass diese aber aus allen Schul- und Wörterbüchern getilgt wurden, trägt dazu bei, dass dem Wunsch nach Eindeutigkeit Vorschub geleistet wird, so als ob die Sprache Mehrdeutigkeiten gegenüber taub werden möge. Denn um Mehrdeutigkeiten geht es denjenigen, die darauf erpicht sind, das Kroatische (oder das Serbische oder das Bosnische) als eigenständige Sprachen darzustellen (ein aus sprachwissenschaftlicher Perspektive höchst fragwürdiges Unterfangen, ähnlich dem Versuch, Britisch und Amerikanisch als eigene Sprachen voneinander abzugrenzen) wohl kaum. Nur das Wort "Tod" sei in allen Sprachen gleich, bemerkte in diesem Zusammenhang einmal die Autorin Dubravka Ugrešić. Den an manchen Fronten zur Babelisierung stilisierten Unterschieden zwischen den einzelnen Sprachvarietäten der ex-jugoslawischen Staaten (damit sind nicht etwa das Slowenische oder Mazedonische gemeint), hat sich kurz nach Kriegsende die (ab den 80ern auf Radio Sarajevo und jugoslawienweit bekannte) Comedytruppe Top lista nadrealista (Top Charts der Surrealisten) in ihrem Sketch "Jezici"(9) (Sprachen) angenommen. Der Sketch beginnt damit, dass ein Sprachwissenschaftler in Gesellschaft eines gähnenden Kollegen von der epochalen Entdeckung zahlreicher neuer Sprachen spricht. Es sei nun Schluss mit den leidigen (hier nuschelnd vorgetragenen Bezeichnungen) "Hrvatsko-Srpski" oder "Srpsko-Hrvatski" für Sprachen, die ohnehin keiner verstehe, man habe endlich herausgefunden, dass es sich in Wirklichkeit um ganze sechs Sprachen handle. Um die Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachen zu demonstrieren, wird das Verb "ja čitam" (ich lese) in allen Sprachen durchdekliniert (es lautet überall gleich). Im Anschluss spielt die Redaktion zwei kurze Videos ein, die demonstrieren sollen, welche Verständnisschwierigkeiten sich im Alltag ohne die notwendigen neuen Wörterbücher auftun würden (was natürlich Humbug ist), etwa, wenn eine junge Frau versucht, in einem Greißlergeschäft (eines anderen Landsmanns) Tee ("čaj") zu kaufen oder ein Herzegowiner eine Serbin auf einen Kaffee einladen möchte. Am Ende werden dann Bestell-Hotlines für sämtliche Wörterbücher in allen Sprachen eingeblendet, sogar eines für "Crno/Gorski" (Montisch/Negrinisch) ist erhältlich ...

Jugoslawische Sommer in Belgrad

   Den Autoren des bereits erwähnten Bandes "Hotel Jugoslavija" dient das gleichnamige, bei den NATO-Bombardements auf Belgrad schwer beschädigte und nun schon seit mehreren Jahren leerstehende Hotel als beredtes Sinnbild: zerschlagener Traum vom multiethnischen Staatenverbund, heterotopischer Zufluchtsort kollektiven Träumens, warten auf Neues. Denn der 1969 in Novi Beograd eröffnete sozialistische Repräsentativbau, der 2006 von Alpe-Adria-Hotels gekauft wurde, könnte ebenso gut andernorts im ehemaligen Jugoslawien stehen, an der kroatischen Adriaküste etwa, wo so manchen leerstehenden Hotelkomplex von der Sorte, wie sie die strukturalistische jugoslawische Architektur der sechziger und siebziger Jahre kennzeichnet und die jetzt vor sich hinverfallend auf neue Investoren wartet, längst ein nostalgischer Wind umweht. Seine Beschädigungen bezeugten dann nicht die NATO-Bombardements auf Belgrad, die sich im heurigen Frühjahr zum zehnten Mal jähren, sondern die Angriffe auf die Küstenstädte während des sogenannten Kroatien-Kriegs. Vermutlich hieße das Hotel dann aber längst anders, denn die Sommer an einer jugoslawischen Adria sind Geschichte …

Dass es lohnen kann, an die Adria zu erinnern, wusste die Hrvatska Turistička Zajednica, der kroatische Touristenverband, dessen Plaktsujets diesen Sommer ganz Belgrad zierten. Auf zahlreichen Plakaten von unterschiedlicher Größe, die Dubrovnik abbildeten, stand zu lesen: "Kad srce kaže leto, kaže jadran" (wörtlich übersetzt: Wenn das Herz Sommer sagt, sagt es Adria) und "Tako lepo, tako blizu" (So schön, so nah). Um die Plakate als pikant zu begreifen, wie das zu Sommerbeginn etwa der bekannte kroatische Autor Miljenko Jergović tat und in seiner wöchentlichen Kolumne meinte(10), es wirke gerade so, als wollte ein schräger Konzeptkünstler an seine Vergangenheit erinnern, als wolle man so tun, als habe die hässliche Vergangenheit zwischen den beiden Staaten nie existiert, muss man wissen, wie es vielerorts nach wie vor um das Verhältnis zwischen Kroaten und Serben steht und was so manch einen der verhältnismäßig wenigen serbischen Touristen in Kroatien erwartete: sie mögen nur kommen (oder besser noch: buchen und zahlen, aber nicht kommen), so Jergović, dabei aber aufpassen, dass ihnen nicht die Reifen zerstochen werden oder die Fenster eingeschossen, wie es etwa jenen Wahlberechtigten (Serben) passierte, die heuer mit dem Bus zu den kroatischen Wahlen nach Benkovac fuhren – weshalb viele Serben Dalmatien meiden und z. B. lieber ans montenegrinische Meer fahren. Auch der slowenische Tourismusverband wirbt in Serbien mit seinen Plakaten:

"Nachdem sie (die Slowenen) nämlich gesehen hatten, dass die Kroaten Serben mit (Bildern von) Dubrovnik überflutet haben, gerade so, als ob sie es noch einmal zum Bombardement feilbieten wollten, diesmal allerdings in Form von Pauschalangeboten aus heimischen Kanonen und Minenwerfern, haben sich die Slowenen dazu aufgemacht, Gegenplakate aufzukleben."(11)

Die Botschaft auf den slowenischen Plakaten, die eine Fotografie von Portorož zeigen, ist nicht weniger aufschlussreich: "Najbliže evropsko more, prijatelji" (Das europäische Meer, das am nächsten ist, Freunde).

   Unter ihrer tumben Oberfläche präsentieren sich die blau leuchtenden Plakate beider Tourismusagenturen, die aus der kochenden Sommerhitze Belgrads weglocken wollen, als intertextueller Kommentar zu den nachbarstaatlichen Verhältnissen dreier Staaten. Wie soll man ihn, durch Belgrad spazierend, begreifen? Dass Slowenien zwar weiter weg ist als Kroatien, dafür aber über das nächste "europäische" Meer verfügt, auf das die Kroaten noch eine Zeit lang werden warten müssen? (Nicht zuletzt wegen des bekannten, die EU-Beitrittsverhandlungen blockierenden Grenzstreits mit dem slowenischen Nachbarstaat, der einen Korridor durch derzeit kroatische Gewässer für sich beansprucht, um Zugang zu internationalen Gewässern zu bekommen). Dass es sich bei dem Freundschaftsangebot des slowenischen Touristenverbandes in Wirklichkeit um einen halbseidenen Ratschlag an serbische Touristen handelt, besser nicht nach Kroatien zu fahren? Dort mag es zwar, zugegeben, wunderschön sein, vor allem die Älteren unter euch werden sich erinnern – siehe kroatische Werbung – aber nachträgliche Freundschaftsanfragen braucht ihr euch von dort keine zu erwarten …

Während die Plakate in der Sonne ausbleichen und der Regen sie von den Wänden wäscht, schließt Jergović, würden weiterhin jene nach Belgrad fahren, die Grund dazu hätten; gleichzeitig würden "heimlich die ans Meer, an die Adria, kommen, die dieses Meer lieben. Und die ihre Vergangenheit lieben, und Kroatien in ihr".

 

Anmerkungen

(1) Dubravka Ugrešić: Die Kultur der Lüge. Suhrkamp: Frankfurt am Main, 1995. S. 59

(2) Kroatische Tageszeitung Slobodna Dalmacija vom 28. 9. 2009 

(3) Norbert Gstrein: Wem gehört eine Geschichte? Suhrkamp: Frankfurt am Main, 2004. S. 100

(4) Gotovina wuchs in einem Dorf an der dalmatinischen Küste in der Nähe der Insel Pašman auf, trat mit 18 Jahren der französischen Fremdenlegion bei und stieg während des Jugoslawienkriegs zum Oberbefehlshaber der kroatischen Truppen auf. In der Militäroperation "Oluja" (Sturm) eroberte die kroatische Armee unter Gotovina zwischen 4. und 7. August 1995 die 1991 entstandene, selbsternannte "Republika Srpska Krajina" (unweit von Zadar) zurück; viele Kroaten erachteten die Militäroffensive als entscheidend für die Beendigung des Krieges und sehen in Gotovina einen Nationalhelden. Der 5. August ist ein kroatischer Feiertag.

(5) Norbert Gstrein: Wem gehört eine Geschichte? Suhrkamp: Frankfurt am Main, 2004. S. 91

(6) Martin Sexl/Arno Gisinger: Hotel Jugoslavija. Die literarische und mediale Wahrnehmung der Balkankonflikte. Studienverlag: Innsbruck, 2008 (siehe auch www.studienverlag.at/titel.php3?TITNR=4615)

(7) Kurt Gritsch: Balkan-Bildern auf der Spur. In: Der Standard, 17. April 2009

(8) Slavoj Žižek: Liebe deinen Nächsten? Nein, danke! Die Sackgasse des Sozialen in der Postmoderne. Berlin, 1999. S 7/8

(9) Siehe www.youtube.com: "top lista nadrealista – jezici (full)"

(10) Miljenko Jergović: Hrvati i Slovenci plakatirali Beograd. Kroatische Tageszeitung Jutarnji List, 26. 5. 2009

(11) s. Fußnote 11

 


Zurück zur Übersicht