...


Großstadt bei Nacht
...
Von Carmen Caputo


...
Der Lärm hängt als Eis
Zapfen von den Rinnen
in den Straßen des Tals
das zum Hafen hinführt
in glänzender Bläue
treibt eine Flasche
Post ins Meer
das letzte Boot schifft sich ein
dort wo das Becken zeltet

Gossengestank treibt im Wind
Ratten über das Pflaster
auf Schultern schlaftraumer Möwen
lasten Tritte der Sterne

betrunkener Hafen voll von
grellem Barlicht

beim Hufschlag des Tages
schlafen Laternen
auch das Leben der Nacht
legt sich die Zügel lahm

 

Winter im Kriegsdorf
...
Von Carmen Caputo


Mit Segel aus Schnee
bin ich gefahren
sah Tannen
die Zapfen rollten
über Felder
die es nicht mehr gab

die Kälte zersplitterte
in meinen Gliedern
weder Lärm noch Lebendigkeit
der alten Zeiten
erhitzten das Dorf

sah Tränen
die Menschen ausdrücken
aus Augen
die es nicht mehr gab

hinter dem Grenzpfahl
stohlen sich Schüsse fort
verhallten
auf Weihnachtsmärkten
und die Trauer
ertrank
im Unschuldslicht.

...
Und...

...
Von Carmen Caputo


...
Und... Zeitungsberichte am Morgen

Schneemünder
Nebelglätte
Winter

Und....
wenn der Kälte
die Luft wegbleibt
sitzt ein Falke unaufgeflogen
am Waldrand der Autobahn
und hofft....

Jetzt setz dich und friss` Falke
diese Tage sind dein.

...
Weihnachtsfenster
...
Von Carmen Caputo


...
Abgeflogen
waren Vogelleiber
längst schon

Reif auf den Hügeln
sprüht nur um sich

Kinderlachen
beschlägt Fensterscheiben

nur Krähenflügel
sammeln sich
in kalter Luft
um Frühstück zu nippen
an gefrorenen Körnern
der Vorgärten
geschmückt
mit Lichter in Tannenbäumen

Kinderlachen
beschlägt Fensterscheiben.
... 

So oder so...
...
Von Carmen Caputo


...
Wir schwiegen apfelgrün
war der Falter am Fenster
und streckte seine Flügel
nach uns aus

beim Brunch mit der Times
liebten wir Leiber
und feierten
unsere Sorglosigkeit.

...
Schichtarbeiter
...
Von Carmen Caputo


...
Nur er schlägt Schatten
federnde Hände
ziehen Müdigkeit Atem weg

Schlaf feuchtet Länder
Leben verzweigt sich
mit oder ohne ihn

Nachtzeit. Im Dunkel
schillern Farben am Boden.
In Hallen.

Ölzeit.
Nachtzeit.

...
Neue Zeiten
...
Von Carmen Caputo


...
Straßenbahnen schlafen
für immer
alte Züge
kopflos ohne Lokpfiff
Schaffners Schirmmütze
nur Harz in den Eichen
wie gewohnt
Erinnerungen
dünn hinterlegt

die Zeit frisst aus meiner Hand
reisst neue Tage
wie Wunden auf

der Himmel wird zum
Blickgeländer
Flussarme
verbogen am Hals.

Alles ist anders
alles ist neu
ich sehe goldene Turmwolken. 

 ...
Du zeigst mir
...
Von Carmen Caputo


...
ein Dorf
einen Menschen

da ist kein Falte kein Alter
keine Sünde die zu besingen wäre
nur ein Herz groß und weit
zugeschnitten auf Maß
eine Spiegelung zweier Liebenden
in seiner Mitte blühendes Leben
unberührt vom Schweiß vieler Sommer
ungeschlürft der Kaffee mit Nachbarn
auch den Wein den es niemals trank
blieb ungewechselt
wie der Dorfklatsch am Zaun

Und ich sage dir
du bist noch ein Kind.

  


Kurzvita: Carmen Caputo

Jg. `65, in Iserlohn lebend, schreibt seit 1995. Mitglied der Autorengruppe "Federstift". Veröffentlichung von Gedichten und Kurzgeschichten in Verlagsanthologien, Literaturzeitschriften, Kalendarien. Lyrikausstellungen und Lesungen. Italienische Leseabende. Herausgeber von Pablo, kostenl. Cafehausblättern. Mitarbeit am Friedensgebeten u. Kirchenvorlesungen

2002
Preisträgerin des KUI-Preises Literatur

2003
Interview in der lokalen Radiosendung
"Menschen unserer Stadt"

2004
Veröffentlichungen Radio Unerhört Marburg


Carmen Caputo arbeitet z. Zt. an einem Buch über eine süditalienischen Emigranten und einem Lyrikband.


Kontaktadresse:

Carmen Caputo, Baarstr. 19, 58636 Iserlohn.
E-mail: carmen.caputo@tiscali.de

......

 

=== Zurück zur Übersicht ===