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Also denkt mein Zwerg
7 Stückchen über die
Kunst
... Von
Eva Fischer
(16. 09. 2006)
Selbstwahrnehmung
Mein
Gartenzwerg hat Nietzsche gelesen. Seit er
weiß, dass Gott tot ist, fühlt er sich nicht mehr so
klein.
Positionierung
Mein
Gartenzwerg hat eine fixe Idee. Er hält sich
für ein Kunstwerk. Niemand kann
ihn davon
abhalten. Der Zwerg hält es für sein Recht, selbst
zu bestimmen, wofür er sich hält. Eine Diskussion
über seinen Kunststatus hält er für überflüssig.
Schwankender Stand
Ich mache mit
meinem Gartenzwerg eine Reise
nach Venedig. Wir besuchen den Markusplatz, wo
ich im Florian einen Kaffee trinke. Dem Zwerg
rate ich, währenddessen die Tauben zu füttern.
Doch er fürchtet sich vor den
Vögeln. Später
besuchen wir die Biennale. Der Zwerg will beim
Eingang auf mich warten. Als ich ihn frage warum,
gesteht er, dass er sich vor
der Konkurrenz
fürchtet.
Also denkt
mein Zwerg
Die Diskrepanz
zwischen Selbstwahrnehmung und
Fremdwahrnehmung verunsichert meinen Garten-
zwerg. Er sieht sich als Kunstwerk, seine Umwelt
denkt anders. Natürlich weiß ich selbst am besten,
wer ich bin. In guten Stunden ist er sich dessen
sicher. Doch immer öfter plagen
ihn Zweifel.
Womöglich wissen es doch die anderen besser.
Aber wieso? Woher? Der Zwerg denkt und denkt.
Wissen sie es aus sich selbst
oder sind sie
fremdbestimmt. Er ahnt Böses. Ist Gott doch nicht
tot?
© Eva Fischer, 2004
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