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Namen sind Schall und Rauch

 Von H. W. Grössinger
(02.12.2006)


    Wer zu viele Bekannte hat, vermag sie einfach nicht mehr auf seiner Mattscheibe festzuhalten. Einer aus dem Strom der Passanten lächelt und bleibt stehen. "Hallo, wie geht’s?" Der Angesprochene, der natürlich nicht weiß, wo er diesen hintun soll, kontert: "Und selber?" Und jetzt beginnt die Suche in allen Gehirn-Schubladen. Ist man per Du mit seinem Visavis oder per Sie? Woher kennt man ihn? Man fragt: "Wohin geht die Reise?" Und kriegt zu Antwort: "Na ja, ein bisserl unter die Leut’ halt!" "Und wie geht’s daheim?" "Soso, lala." "Wann haben wir uns zuletzt gesehen?" "Ist auch schon einige Zeit her." – "Und was macht denn übrigens der Dingsda? Wie heißt er denn gleich?" – "Da weiß ich jetzt wirklich nicht, wen Sie meinen!" – "So was, mir fällt der Name auch nicht ein." 

 Jetzt weiß der Interviewer wenigstens, wir sind nicht per Du. Also hat man seinen Gesprächspartner nicht beim Barras, in der Untersuchungshaft oder beim Schweinehüten kennen gelernt. "Na, wie viel Kinder sind’s denn jetzt daheim?" – "Immer noch dieselben." – "Aber der Bub heißt doch hoffentlich auch Franzl so wie Sie?" – "Welcher Bub denn?" – "Ach, bin ich ein Esel, das Töchterchen mein’ ich ja!" – "Ja so, die Luise, die ist auch schon groß jetzt." In diesem Stadium des gegenseitigen Abtastens entschließt man sich zu einer neuen Finte. "Was macht denn eigentlich der Joschi Wrblar?" Aber der andere lässt sich nicht überrumpeln. "Ja, von dem habe ich auch schon lange nichts mehr gehört."  Der andere weiß also auch nichts vom Joschi Wrblar. Den es ja gar nicht gibt. Denn der wurde gerade erfunden.

     Nun weiß aber der Fragensteller,  dass sein Gesprächspartner schwindelt. "Übrigens, haben Sie vielleicht eine Visitenkarte dabei? Ich kann mir nämlich Adressen so schwer merken", wird der Ertappte in die Enge getrieben. Das Kärtchen wechselt den Besitzer, und man schnauft erleichtert auf. Denn da steht schwarz auf weiß "Ferdinand Hofer, Immobilien". Na endlich. Bei der Verabschiedung klopft man ihm auch noch in enger Verbundenheit kräftig auf die Schulter. "Auf Wiedersehen Herr Hofer, hat mich wirklich sehr gefreut!" Und man wendet sich, die Augen zufrieden zum Himmel gerichtet. Bis einem der andere schon halb im Gehen noch einen Genickschlag verpasst: "Übrigens, Simader heiße ich, Otto Wilhelm Simader. Hofer ist nur der Name der Firma, bei der ich beschäftigt bin. Auf Wiedersehen, Herr…Herr…Herr…"


 

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