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Auflösungen
Ein Journal

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Von Peter Hodina


1.

Schlecht ist, wer mich schlecht behandelt, gut, wer mich gut behandelt. So einfach sehe ich das.

2.

Wie altertümlich diese Stadtbibliotheken inzwischen sind; es wäre mein Traumjob, dort ganze Nachmittage zu versitzen, lesend, aber ich fürchte, man braucht wirklich außerordentliche Beziehungen, um eine solche Sinekure zu bekommen. Inzwischen geht auch die telefonische Verlängerung von ausgeliehenen Büchern über einen sprechenden Automaten vor sich; es gibt für unsereins immer weniger Jobs. Für alles benötigt man eine spezifische Ausbildung, man kann nicht einfach wechseln, dabei glaube ich, z.B. als psychologische Hilfskraft wirklich den Leuten, die da kämen, Mut machen zu können, einfach, indem ich ihnen zuhöre; ich bin auch bereit, mit anderen zu teilen, was ich kann. Oft brauchen diese Leute nur einen Menschen, aber ihnen wird immer ein Absolvent irgendeines Lehrganges dann vorgesetzt. Wie wichtig es ist, durch alle Äußerlichkeiten einfach wie durch irgendwelche Gebilde aus zerstiebendem Sand hindurchblicken zu können! Leider lagern sich die Institutionen, statt wirklich den Menschen zu helfen, oft als Hindernisse dazwischen. Eine psychoanalytische Sitzung - wieviel kostet sie? Dabei gäbe es sie durchaus auch kostenlos.

3.

Die großen Pfarrer waren immer die, die durch die Kirche und die Bibel souverän hindurchgegangen sind, um den Menschen zu helfen. Es gibt sicher Pfarrer, die genau wissen, wie strittig das ganze Glaubens-Brimborium ist, die einfach die alte Institution nützen, um ihre sozialen Triebe zu entfalten. Die alte chassidische Funktion des Rabbi. Mit einem kleinen Schnitt - wie bei einer Zirkumzision - können folterhafte Gebundenheiten durchtrennt werden; es bedarf keiner Geheim-Einweihung, man kann direkt hindurch zu den Menschen, ihnen Kraft geben, mit ihnen alles, was man hat - und sei es Weniges - teilen; ein kühner Durchschnittsmensch kann hier mit wenigen Schritten jederzeit die Welt umkrempeln; nur Mut ist erforderlich, Wenig-Denken, man geht auf jemanden zu, der es braucht.

4.

Und so gibt es diese Aristokratie die Erde, die sich mitteilt. An ausnahmslos jeden; "die Sonne scheint über Gerechten und Ungerechten".

5.

Mit 25 vergeudet man noch wahllos Freundschaften, vernachlässigt sie dann, aber jetzt will ich keine Freunde mehr durch Unachtsamkeit verlieren; ich stehe in mir fest und deshalb weiß ich auch die Freundschaften einzuschätzen und zu schätzen, zu erhalten und zu nähren.

6.

Die harte Lektion der Erwachsenheit, daß Wunsch und Wirklichkeit nicht übereinstimmen, habe ich immer noch nicht geschluckt. Ich bin in Wirklichkeit ein heulender Besiegter, nur zeige ich das nicht.

7.

Die Fliege will die Panzerglas-Scheibe durchfliegen und läßt es nicht sein.

8.

Schöne Gedanken bei Robert Walser; schlechte Erfahrungen hätten ihn nicht entmutigt, weitere Erfahrungen zu machen.

9.

Ich habe die Frage "Wovon lebst du?" noch nie jemandem gestellt - sie interessiert mich kaum. Ich vergesse es auch gleich wieder. Übrigens hatte auch der verstorbene Suhrkamp-Verlagschef Unseld niemals den Autoren, insbesondere jungen Autoren, diese Frage gestellt. Er hat sie übergangen, indem er sie nicht stellte. "Gehen wir gleich zu Ihrer Literatur über! Alles andere ist jetzt unwichtig!"
Ich halte diese Einstellung für sehr anständig, für hell, pragmatisch. Ansonsten heißt es gleich überall: "Was haben Sie bis jetzt gemacht?" Und dann "Aha!".
In Wien sagte ein Bankangestellter der 'Ersten' kürzlich zu einem meiner Freunde, der ein Doktorat in Romanistik hat und immer der Klassenbeste in der Schule mit lauter Einsern gewesen war: "Warum haben Sie nichts Gescheites gelernt?" Solche Frechheiten und Indiskretionen nehmen sich diese Leute heraus. Dann setzte der Angestellte hinzu: "Unserer Bank geht es ausschließlich darum, die Interessen unserer Share-Holder zu befriedigen. Was ist schon der kleine Kunde. Wirtschaftlich gesehen." Diese Dreckskerle, Lackaffen. Aber so sind die Machtverhältnisse. Und diese Denkungsart kolonisiert jetzt auch die Universitäten, ja sogar Teile des Klerus. Die neue Unmenschlichkeit - es kann nur so genannt werden. Da weiß man gar nicht mehr, was besser ist: mit diesen Eliten verzahnt zu sein, um seine Haut zu retten, oder aus dem Zusammenhang herausgebrochen zu sein und wenigstens als Strandgut gefährlich gegen die Klippen schaukeln und nach und nach sich mit dem beißenden Wasser des Lebenskampfes vollsaugen, bis man gänzlich atheistisch in bezug auf diese Gesellschaft geworden ist. Zur Gesellschaft der Gesellschaft nicht mehr gehören oder überhaupt erst gar nicht gehören, von Anfang an nicht. "Lebe im Verborgenen!" sagte schon ein alter antiker Weiser. Doch gib einmal etwa einem Obdachlosen den gutgemeinten Rat: "Lebe im Verborgenen!" - "Eben das würde ich ja allzugerne!"

10.

Wehe dem, der einst einen Menschen - ihn bedrängend - Schale für Schale abtrug! Er wird nach Ablauf der seiner Mächtigkeit gesetzten Frist selber einer Litfaßsäule gleichen, von der ein Plakat nach dem anderen heruntergerissen wird, bis zu ihrer völligen Nacktheit. So wird sie in den beißenden Winden, im Kohlenstaub des Novembers stehen und mit trüben Augen auf das graue Pflaster starren, und tanzende Blätter werden sie kitzeln, und Hunde werden dort ihr Hinterbein heben und sich erleichtern.

11.

Es kann eine Zeit kommen, da ein Mensch, nur weil er etwas trägt (eine schwere Tasche z.B.), von anderen ausgelacht werden wird. Auch und gerade das Auslachen, Verhöhnen ist eine Einmischung. Und Einmischung kann ich justament nicht vertragen.

12.

Es ist doch tragisch, wenn ein Vater die Vorzüge seines Sohnes nicht anerkennt. Es ist ebenso tragisch (und kleinlich), wenn ein Meister die Vorzüge des Gesellen nicht anerkennt.
Es ist unverzeihlich, wenn einer sich dem andern aufprägen möchte, als könne er sich selber nicht genug sein.
Mit der Großjährigkeit spätestens sollte sich die Erzieherei überhaupt aufhören.

13.

Vielleicht will jemand eines Tages auch von mir etwas gelernt haben... Ich muß dann abwinken; ich wollte nicht Lehrer sein.
Ich stelle meine Probleme unverbindlich in den Raum. Und wie einer, der etwas Kompliziertes hochwirft und in der Luft virtuos durchspießt, erfreue ich mich als einsamer Geselle natürlich jedes Publikums. Macht mir das einer nach und übertrifft mich dabei auch noch, soll es gut sein. Vielleicht lerne ich ja noch einiges von ihm.

14.

Die größten Lehrer geben uns der Welt zurück und geben uns die Welt zurück. Sie treten aus der Bahn.
Hätte so ein knausriger, bürgerlicher Takte-Klopfer und sadistischer Pfoten-Hauer Richard Wagner beizeiten zu bändigen vermocht, dann wäre Wagner vielleicht ein trefflicher Kammermusik-Komponist und Musikschul-Lehrer geworden. Aber Wagner ließ sich nicht zähmen. Wagner wurde Wagner und die Folgen.

15.

Wer den Dämon aufzuhalten sucht, stärkt ihn.

16.

Alles Niedergehaltene wartet auf seine Stunde.

17.

Die Dompteurs-Kunst besteht ja darin, mit einem geringfügigen Trick ein edles, überlegenes, brandgefährliches Tier so zu blamieren, daß es vor aller Augen mit verzücktem blassen Blick den Wienerwalzer tanzt.

18.

Jeder Mensch, der einen anderen bestehen läßt, ihn bestätigt, ihm entgegenkommt, sich um Fairneß in seinem Verhalten ihm gegenüber bemüht, ihn nicht mobbt usw., ist schon therapeutisch. Und wer das Gegenteil tut, anti-therapeutisch, verletzend, zerstörerisch. Ich glaube nicht an die sogenannte "schöpferische Zerstörung", an den pädagogischen Wert des Schindens und Niederschreiens; der Preis, der emotional dafür zu zahlen ist, steht einfach in keinem Verhältnis zum Erfolg.
Niemals ein Auge auf jemanden werfen, das ihm das Gefühl vermittelt, durchbohrt und bis in den Grund durchschaut, aufgedeckt zu sein, gewogen und für zu leicht befunden. Besser, ihn nur flüchtig anzublicken, gleichsam bis auf Widerruf, mit allzeit bereiter Selbstzurücknahme. Ein Drittes im Raum stehenlassen: ein Thema, und sei es nur das oft geschmähte Gespräch übers Wetter oder über Krankheiten. Viel wichtiger als alle einzelnen kulturspezifischen Konventionen wäre dieses menschliche Entgegenkommen, das uns die Basis für alle weiteren Konventionen und Gesten sein sollte. Nichts anderes bedeutet zivilisiert sein. Mit den anderen kein böses Spiel treiben.
Wer diese Zivilisiertheit in sich nicht aufbringt, kann z.B. unmöglich ein guter Lehrer sein. Er kann es handwerklich zu etwas gebracht haben, und man kann ihm einige Griffe abschauen, aber ansonsten gehe man ihm lieber aus dem Weg und lasse sich von ihm nicht dominieren.
Viele Abenteuerromane - etwa die von Joseph Conrad - suggerieren indessen, daß den Härten des Lebens ein höherer Sinn zugrunde läge, so etwas wie eine Lektion.
Dort, wo der jähzornige, ungeduldige Lehrer einen Schüler schon als rettungslos aufgibt, kann ein in sich ruhiger, gelassener, im obigen Sinne zivilisierter Lehrer alles noch zum Guten wenden. Die störrischsten und schlampigsten Schüler stellen sich oft als die besten heraus, wenn sie nur einmal in ihrem so oft zu Unrecht beschimpften Leben das Gefühl bekommen, ernstgenommen zu werden. Menschen, die gleichsam als Ausschuß an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind und am Boden kleben, können so ermutigt werden, noch die allerbesten Kräfte in sich zu entwickeln. Alle neuen Bewegungen bekommen ihre historische Chance, wenn sie imstande sind, die Erniedrigten und Beleidigten vom Fluch des sozialen Todes zu befreien. Und deshalb sollte ein Kanzler in der Stunde seines Amtsantritts zuerst an die Erniedrigten und Beleidigten seinen Gruß richten, statt an die Ehrengäste. Die Parias werden die beste, verläßlichste Stütze seiner Konzeptionen sein, mit ihm durch dick und dünn gehen. "Das Volk hat gesiegt" - diese Kunde wird sich in Windeseile verbreiten.
Ich will ganz einfach nicht, daß mir einer auf die Pelle rückt und mich Blut schwitzen läßt. Und er allein der Großartige ist, der immerzu rechthat und alles besser weiß, und er der einzige Maßstab für mich wäre. Manche Leute genießen es, kosten es bis zur Neige aus, daß sie so dominieren können. Aber wieder: um welchen Preis letztlich! Sie machen sich bei allen verhaßt, sie werden gehaßt. Sie mögen reden und reden, aber ihre einstigen Fans sogar werden sich bald schon mit den Zeigefingern die Ohren zustöpseln. Und sogar auch noch die Zunge herausstrecken!

19.

Stundenlanges Tanzen vor dem Spiegel als Kind, zu klassischer Musik. "Man tanzt nicht allein! Und nicht zu der Musik!" So brachten sie mich damals davon ab. Es war aber 'Schwanensee' von Tschaikowsky. Wie schämte ich mich zuinnerst meines Musischen. Ich hätte andere "Leibesübungen" gebraucht als jenen Turnunterricht. Mein wahres Körpergefühl ist immer noch ausständig, aber es ist in den Keimen vorhanden. Ich wollte den Ausdruckstanz, aber niemand sagte mir, daß es das gibt. Es gab in meiner biederen Familie einfach keinen Ausdruck dafür. So galt ich eben als der "Unsportliche" und richtete mich danach ein. Trotzdem spannte ich vor dem Spiegel aus dem Stand - wie eine Statue - meine Beinmuskeln an, bis sie schon nach wenigen Wochen hart wie Stahl wurden und es bis heute geblieben sind.
Was ist strukturell von dem einstigen "Fanatiker" geblieben? Eric Hoffer schreibt etwas Interessantes:

20.

Die Macht der "Gurus" beruht auch darauf, daß sie den Jüngern suggerieren, ihnen durch den Spiegel ihrer Augen bis an den Grund ihres Wesens blicken zu können. Daß sie das substantielle Gewicht eines Menschen auf der Stelle bestimmen können. Und die Jünger krümmen sich, um bei den Gestrengen Meistern Gnade zu finden und träumen davon, ihnen wohlzugefallen.
Die Jünger fühlen sich ertappt, erfaßt, durchdrungen, gewogen und zu leicht befunden, und alles an ihnen wird zur jahrelangen Scham. Daß sie sich derart verkrümmen, liegt weniger im Scharfblick der Meister, als im Glauben der Jünger, die Meister hätten diesen Scharfblick. Wieso lassen sich diese "Meister" nicht gleich bei der Geheimpolizei anstellen?
Denn wieviel gäbe ein Untersuchungsrichter, ein Staatsanwalt dafür, ins Herz des Verdächtigen hineinblicken und in ihm wie in einem offenen Buch lesen zu können! Die Jünger sind Opfer ihrer Leichtgläubigkeit. Und ihrer Unkenntnis der Grenzen des menschlichen Vermögens. Leichtfertig begehren sie nach einer Überschreitung der Grenzen der Vernunft, ohne zu erkennen, daß innerhalb dieser Grenzen das einzig Praktikable und Verläßliche sich befindet. Sie fühlen sich von der Vernunft eingeengt, obwohl sie gleich wirklich von der Unvernunft in möglicherweise lebenslange Bande geschlagen sein werden, indem sie sich einem Meister des Irrationalen anvertrauen. Alle diese Zauberer betrügen. Und ihr Zaubern ist Schwindel.
Man kann in den fremden Seelen nicht durch forschende Blicke lesen wie in Büchern. Man kann in den andern nicht hineinblicken. Außerdem tut man das auch nicht, es gehört sich ganz einfach nicht, den andern so zu bedrängen.
Selbst wer man selbst ist, bleibt stets in der Schwebe.
Daß etwas nicht erkannt werden kann, ist nicht ein Skandal für das menschliche Erkenntnisbegehren, sondern unter Umständen die indirekte Garantie für einen nicht-verwüstenden Umgang miteinander.
Wir brauchen das gestrenge forschende Anblicken nicht! Es sollte aus unserem Kreis verbannt werden als anmaßlich. Allen Seelenfängern sollte eine Abfuhr erteilt werden, so daß sie schön defensiv erst einmal erklären müssen, was sie da eigentlich machen.

21.

Ich hatte mich eingestellt auf eine jahrzehntelange isolierte Existenz. Das Vorbild war Ludwig Hohl in seinem Genfer Waschküchen-Keller. Aber ich bin ein anderer. Es geht doch nicht, in einem solchen unbrauchbaren Kramladen herumzusalbadern. Wie ein Hypochonder, der von lauter Hausapotheken-Schränkchen umstellt ist, in denen die Medizinen das Verfallsdatum überschritten haben und einen stechenden Gestank verbreiten. Die Münchener Räterepublik, oder betrachte ich das Bild von Bakunin mit seinen anarchistischen Genossen, dann fühle ich mich sofort hingezogen.

22.

Ein historisch versierter Bekannter von mir, der allen, die er kennt, die ideale Jahreszahl zuordnet, die für sie ideale Jahreszahl, als jene Zeit, in der sie am meisten zur Geltung hätten kommen können, hatte mir spontan das Jahr 1946 zugeordnet. "Ganz klar, damals hätte dein Typ sich entfalten können, in dem ganzen Trümmerhaufen da, da wärst du als eine Pflanze der Hoffnung aufgeblüht. Als die Leute einander helfen mußten, um zu überleben, und als alle, ausnahmslos alle genug hatten von den Nazis und allem, was zu ihnen führte. Als man gemeinsam eine neue Gesellschaft aufbauen wollte, aus einem neuen Geist. Du wärst die ideale Figur des Nullpunkts gewesen. 1946. Als nur idealistische Bücher zirkulierten, als es außer diesem Geistigen nichts gab, an allem Mangel herrschte außer an Hoffnungen. Als die Leute des Weltfriedens wegen nachträglich Esperanto lernten. Aber mit dir hätte es keinen wirklichen Aufbau gegeben, die Ruinen stünden heute noch herum. Deutschland wäre vorwiegend ein Agrarstaat geworden, hättest du mitzureden gehabt, Mr. Morgenthaus Plan hätte dir gefallen, lauter Bauern, Landarbeiter, verstaatlichte Eisenbahner, alle lebenslang Studierende, Volkshochschulen überall, Kulturhäuser und Leihbüchereien in jedem Dorf, Schachspieler im Freien, mit Jausenranzen, Hufeisenwerfer im Wald, Eisschützen, Eisläufer mit Schlittschuhen zum Binden, Blochzieher mit Ernst Bloch in der Tasche, kein Militär, ein vollkommen entmilitarisiertes Land wäre das geworden. Und die Künstler wären alle bei der Käthe Kollwitz in die Schule gegangen. Die Mode hätten die Leute selber gemacht. Nur die wenigsten hätten Telefon. Die Haustüren der Mietskasernen stünden offen, in jedem Stockwerk ein Stuhl zum Warten. Papierrollen neben den Wohnungstüren montiert, mit Stift, für Nachrichten. Der Alltag aus lauter kleinen Abenteuern, prall mit Leben gefüllt. Man trifft sich, fährt mit der rostigen Kiste zum See hinaus, die Wodkaflasche wird herumgereicht. Zerschossene Omnibusse dienen jahrelang als Kinderspielplätze. Lauter Provisorien im nahezu rechtsfreien Raum. Man kampiert mitten in der Stadt, stemmt Wohnhöhlen in die Stadtberge. Man latscht ohne Strümpfe in Bergschuhen herum, mitten im Sommer, schneidet einander die Frisuren selbst. Der LKW-Fahrer macht noch einen Umweg, lädt einen Haufen Erde ab, häuft einfach so nach und nach ohne Genehmigung einen Berg hin, damit die Kinder einen Hügel zum Schlittenfahren haben. Eine tatsächlich nachbürgerliche Gesellschaft. Eliten? Ja, aber nur ehemalige Widerstandskämpfer, allenfalls Künstler, Gelehrte. Kein Geldadel, keine Junker. Die Arroganz wäre ausgestorben. An den Wänden zwar alte Fotografien aus der Bürgerzeit, aber sie ist so unwirklich ferne, kein Sehnsuchts-Topos mehr, schon gar kein Ziel. Keine Verpflichtung geht davon aus. Eine merkwürdig anstrengend gewesene Vergangenheit mit unüberwindbaren Klassenschranken. Ferne wie das Mittelalter. Langsam verfallende Friedhöfe, aber man läßt die Gräber nicht auf. Die Namen sagen nichts mehr. Wie geschaffen für einsame Flaneure."
Er hatte mich nicht schlecht getroffen. Eine immerwährende Nachkriegsgesellschaft. Luxus im Mangel. Nichts als ein plebejischer Traum.

23.

Arme Gegenden mit reicher unbrauchbarer Natur ziehen mich an; ich mag die perfekten reichen Leute nicht mit ihrer linken Vergangenheit und ihrem "neuen Bürgerbewußtsein", ihrer verlogenen Betonung des "Dienens". Und ihrem Kult der Trends. Vom Trend bin ich ausgeschlossen - und damit andererseits voll im Trend. Früher waren es die alten Nazis, gegen die alles in mir sich wehrte, heute sind es die etablierten Altachtundsechziger. Weil sie das haben, was Sloterdijk bereits vor 30 Jahren das "zynisch-aufgeklärte Bewußtsein" nannte. Weil sie alles haben und so wenig sind, weil man gegen sie nicht ankann, weil sie alles zu kennen glauben, weil sie die "Reife" höchstpersönlich sind und ganz so nebenbei auch noch die Revolution verdaut haben. Weil sie, wie man über die Freimaurer gesagt hat, "traurige Schlaraffen" sind. Der Trend kann mich mal. Dienstleistungswüsten und Wellness-Höhlen mit transparenten Fassaden. Man hat dabei das Gefühl, eine Bestattungsfirma zu betreten. Es gibt Orte, die man völlig geschafft verläßt, regelrecht ausgesogen. Und wenn die Leute von dort ihre berechnenden Feste feiern, steigt man über Pfützen von Erbrochenem.
Der alte taube Landmatrose Karl B. mit seinen vier übereinander angezogenen Pullovern verkörpert für mich immer noch eine attraktivere Lebensform. Und Menschen, die zu blöd sind, um überhaupt irgendetwas zu begreifen, gegen die hege ich keine Animositäten. Menschen, die nie aus ihrer Subjektivität herausgekommen sind. Die man aus ihrer Subjektivität weder herausprügeln noch herausbestechen hat können. Aus der Subjektivität kann man höchstens herauswachsen .

24.

Überall nur Reife, nirgends reifen. Nirgends Ermutigung des Reifens.

25.

Eine Frau geht putzen, damit die Tochter sich Markenklamotten kaufen kann, um in ihrer Schule nicht zur Außenseiterin gemacht zu werden. Daran zeigt sich das ganze Elend dieser Gesellschaft. Wie sie sich darbringen. Wie sie sich fürchten. Wie sie sich anpassen.

26.

Eine Flasche wird aufs Podium geworfen, zersplittert, wird weggekehrt. Also herrscht kein Einverständnis. Auch eine solche Flasche des Protests enthält eine Flaschenpost.

27.

Die Freiheit: Die einen werden von ihr beschwingt, die anderen irritiert, verängstigt.

28.

An Wörtern erkrankt sein. An den immer gleichen, immer sich gleichenden, wenigen. An ganz wenigen Wörtern und Wortverbindungen erkrankt sein, unheilbar.

29.

Man kaut an einem längst ausgekauten Kaugummi herum und erstickt vielleicht noch daran. Es ist kaum zu glauben, wie sehr ein Mensch durch Wörter seine Fassung verlieren kann. "Reizworte", "Reizwörter" werden sie zu Recht genannt. An diesen Wörtern kann ich Tag für Tag erleben, wie ich meine Freiheit verliere.
Der Schriftsteller sollte hier stellen, umstellen, abstellen, etwas damit anstellen. Manchmal, nein allzu oft gehe ich an einem herrlichen Sommertag, während die ganze Welt guter Laune ist, an so einem Wort ewig nagend mit verbissener Miene herum, das ich weder schlucken noch aufs Pflaster spucken kann, nur mehr ein leibgewordener Komplex, kein Mensch mehr, und ich glaube dabei (sehr irrig), daß ich mich nie mehr wohlfühlen werde können, mich niemals in meinem Leben wohlgefühlt habe. Man müßte mit medizinischen Meßgeräten dies alles auch bemerken können.
Fast alle Redensarten gehören zu dem Schlag der leidenbringenden Wörter. Ich werde identisch mit ihnen, wachse widerwillig mit ihnen zusammen, bin nur mehr ein Klumpen dann, der mit sich selber balgt und dessen bessere Hälfte zu unterliegen droht. Das geht so lange, bis es dem Herz zu blöd wird und es heraufkommt, bedrohlich. Genau diese Befangenheit, die ich an meinem Vater so abstoßend gefunden habe, sucht mich heim, und es ist Schlimmeres als Selbstverachtung, was mich überkommt, denn ich bin nur mehr dann ein Hampelmann, der in sich würflig würde, ließe man ihn oben an seiner Narrenmütze los.
Sieh doch draußen, Peter, der Regen! Hör doch nach draußen: die Straßenbahn! Das Kinderlachen! Kann nichts dich trösten? Wate draußen in deinen Stiefeln im kühlenden Tränenmeer! Laß dir doch nicht vom Druck der ältesten Wörter - bloßer Phantome - den Atem benehmen! Was bist du noch für ein großes Kind!

30.

Es gibt doch noch die Traurigkeit, die wirkliche Traurigkeit - und nicht nur das Wort für sie.
Es gibt doch noch die Liebe, die wirkliche Liebe - und nicht nur das Wort für sie.

31.

Der Schriftsteller schippert in den Wörtern wie der Seemann in der See. Er muß mit ihrer Tücke rechnen.

32.

Es gibt nicht nur eine "Umwertung aller Werte", sondern deren zahllose. Und hätten sich die nietzscheanischen "Werte" etabliert, erwüchse in ihrem Schoß alsbald eine neuerliche Umwertung. Es gibt in diesem Umwerten der Werte nicht nur ein Vor und Zurück, sondern Entwicklungen in viel mehr Richtungen.
Eine Umwertung der nietzscheanischen Werte würde nicht notwendig ein Zurück zum Christentum bedeuten.
Daß man den ausforschenden Blick kulturell von der Offensive in die Defensive drängt, ist eine solche Werte-Umwertung.
Es fallen nicht auch alle Werte gleichzeitig und generell um, kippen nicht alle gleichzeitig in ihr Gegenteil, sondern einzelne Elemente des Werte-Ganzen erweisen sich als plötzlich nicht mehr haltbar, als plötzlich nicht mehr angemessen.
Betrachten wir nur den Musterfall der Zehn Gebote: Alle diese Gebote mögen sich lockern, mit Ausnahme des Tötungsverbots, das sich verfestigt... Und das ist oft zu beobachten: Menschen glauben nicht mehr an Gott, gehen in keinen Gottesdienst, schimpfen über Vater und Mutter, haben hauptsächlich wild durcheinandergehenden Sex im Kopf, lügen durch die Gegend, klauen so manches, begehren ihrer Nächsten Hab und Gut und Männer und Frauen, empfinden auch Neid, hassen inbrünstig, und dennoch - trotz aller dieser sich häufenden Todsünden - bestehen sie auf dem Tötungsverbot wie auf einem Glückslos der Lotterie, wie auf einer Vorzugsaktie. Sie töten viel weniger gern als ihre Vorfahren. Sie betrachten das Töten als schmutziges Geschäft und lassen die Finger davon. Es ist ihnen nur recht, daß ein solches Fünftes Gebot existiert. Sie berufen sich auf dieses Fünfte Gebot, ohne sich um die anderen neun Gebote zu scheren. Sie haben einen lässigen, nachlässigen Umgang mit allen anderen Geboten; mit dem fünften hingegen einen konsequenten.
Hier kippt also ein ganzes Werte-Ensemble um, und ein Element bleibt dafür stehen, entwickelt sich zu einem absoluten. So spielen sich Umwertungen der Werte ab: nicht alles kippt mit einem Schlag, sondern einzelne Werte fallen und dafür steigen andere. Der Wert der Ehe fällt, jener der Freundschaft steigt. Usw.
Der Kosmos der Werte ist in beständiger Umwandlung.
Bemerkenswert für unsere Zeit ist, daß sie mit Gewalt nicht klarkommt. Die Gewalt-Werte sind jene, die im Kippen begriffen sind, obwohl sie auch noch in ihre alte Position zurückfedern. Aber etwas bewegt sich an dieser Stelle und wird Neuem Platz machen müssen.

33.

Aber wo immer wir hinkommen, stoßen wir auf Überraschungen. Wir stoßen stets auf Dinge, auf die wir nicht gefaßt waren. Dort, wo wir eindeutig Armut vermuteten, stoßen wir auf Luxus, dort wo alle Zeichen auf Reichtum stehen, ist Kargheit, ja Nicht-Lebenkönnen anzutreffen.
Ein Geschäft bietet als Sonderangebot Ochsenziemer an. Wofür braucht man solche in der Stadt?
Jemand studiert - und hat in der Wohnung nur ganz wenige Bücher.
Jemand studiert nicht - und die Wände sind mit Büchern nur so zugepflastert, bis zur Decke hinauf.
Jemand lädt dich zu einem Gelage ein - und dann liegt nur eine einzige Wurst mit einem Messer da.
Man wird nicht klug aus dieser Stadt.

34.

Man denke nur, ein alter Jude hätte sich unter die Nazi-Gesetze - unter die "Nürnberger Rassegesetze" - gebeugt, aus Achtung vor dem Recht ... Wir würden eine solche Haltung nicht verstehen. Gesenkten Hauptes hinzunehmen, vom Gesetz als "minderwertig" und vernichtungswürdig hingestellt zu werden. Alles in uns empört sich gegen diese unbedingte Fügung in die positivistische Rechtlichkeit, denn es handelte sich ja um kodifiziertes Unrecht und die Staatsgewalt war durchgängig von Verbrechern, Mordbuben besetzt. Sich dennoch vor dem Recht zu beugen, hätte dann die Bedeutung, daß es an den anderen lag (an den Mordbuben und ihren Schergen), daß das Recht verloren ging. Das vorprogrammierte Justizopfer wäre in seiner rechtlichen Gesinnung der einzige noch bestehende - obzwar ohnmächtige - Anwalt des Rechts, der Rechts-Idee. Diese ohnmächtige Haltung wäre tatsächlich nicht ohne Würde. Aber sie hätte nur Spott und Hohn und Unverständnis geerntet.
Tief eingewurzelt ist uns ein anderer Begriff von Würde, daß man sich nicht metzeln läßt wie Schafe. Wir wollen, daß die menschenfeindliche Maschinerie zerschlagen wird - möglichst auf der Stelle. Jener rechtliche, redliche Mann will uns wie ein Narr erscheinen, wie ein unverständlicher Masochist des fetischisierten Rechts. Alles, was den Widerstand schwächt, will uns nicht einleuchten. Aber schwächte unser auf dem Recht beharrender Mann den Widerstand? Es würde sich herumgesprochen haben, daß sie einen Edelgesinnten metzelten. Würde nicht das Unrecht dieser Schergen blitzartig beleuchtet? Daß der Wille zur Redlichkeit, Rechtlichkeit in einem solchen Justizapparat subjektiv verloren ist, objektiv (institutionell) verlorengegangen ist?
Mir hingegen haben die verbundenen Augen der Justitia nie gefallen. Daß der Mensch in eine solche Not, in eine solche Nötigung gerät, sollte an sich nicht vorkommen dürfen. Ist Recht zu etwas gut, dann dazu, diese Bedrängung des Menschen durch den Menschen zu verhindern. Alle Tragödien beruhen darauf, daß der Mensch in die Enge aller Engen getrieben wird, auf einen letzten Punkt gebracht wird, an dem er dem Tod gegenübersteht. Aber bedürfen wir dieser existentiellen Pressung, um zu erfahren, wer wir sind? Erkennt und erfährt sich der Mensch nur im Ausnahmezustand?

35.

Wie die Temperatur, wie die Luftfeuchtigkeit, so bestimmte er seine tägliche Verfassung in bezug auf seinen Erzfeind. Es gab keinen einzigen Tag, da dieser Erzfeind gänzlich vergessen war. Es war schon ein guter Tag, wenn er ihn in Augenhöhe mit seinem Erzfeind verbringen konnte, ein allerbester Tag, wenn er ihn unter sich spürte. Er hatte nur wenige dieser allerbesten Tage.

36.

Wenn sich jemand flehend vor einem anderen auf die Knie wirft, empfinde ich Zorn. Zorn gegen beide. Zorn gegen solche Szenen. Solche Szenen gehören abgeschafft. Ich empfinde sie als unsauber und peinlich, als fürchterlich beschämend. Auch hier würde es mich in den Knöcheln jucken, einfach nur zuzuschlagen.
Ich erbaue mich zwar an metaphysischen Meditationen, aber nicht an metaphysischer Theatralik. Händeringen, Knien, Flehen - all dieses meide ich wie die Pest. Auch wenn ich es bei anderen sehe. Es sollte ganz einfach nicht sein.
Ich habe keine Aversion gegen den Inhalt der Religion, aber oft gegen den Ausdruck der Religion.
Die Freude gewisser Elitärer, die anderen unter sich zu wissen, vermag ich nicht nachzuvollziehen. Ich setze mich unter Aufbietung all meiner Kraft dafür ein, daß das Peinliche zwischen Menschen unterbleibe.

37.

Beim Heimgehen vom "CSD" - es war schon dunkel - kamen mir zwei Jungs entgegen, die ich schon von weitem Mülltonnen umwerfen und gegen Fahrräder treten sah. Hätte ich die Straßenseite wechseln sollen? Ich ging natürlich weiter. Sie würden mich anstänkern - und so kam es auch. Der eine schrie mich aus Leibeskräften an. Es verriß ihm dabei das Gesicht. Wie auf Bildern, die Folterszenen zeigen. Die völlig entstellte Fresse der Folterer. "Sich das Maul über jemanden zerreißen."
Hätte mich der Anpöbler um zehn Euro angepumpt, ich hätte sie ihm vielleicht gegeben. Hätte er mich gebeten, einen schweren Kanonenofen mit ihm zusammen fünf Kilometer durch die Stadt zu schleppen, ich hätte trotz Müdigkeit aus Hilfsbereitschaft zugepackt. Warum nur schrie er mich an? Irgendeine aggressive Energie, die sich austoben wollte, gleich gegen wen und gegen was. Er schrie übrigens: "Tam, tam!" Lebte ich ihm zu wenig?
Ich lebe zu wenig, deshalb straft mich manchmal das Leben ab. Ich bin ein Abgeschlagener, der hinter der Büffelherde zurückgeblieben ist. Bin ich mitten unter Pflanzen und Steinen, und regt sich außer mir kein Tier, ich könnte mich in meiner Selbstverblendung beinahe für den König der Tiere halten. Da werde ich auf einmal durch ein böses Kläffen aus meinen Träumen gerissen.
Am meisten erschrak ich über das entstellte Gesicht meines Anpöblers. Er hätte wohl gerne mit einer Eisenstange zugeschlagen. Das Gesicht war danach.
Am nächsten Tag aber besuchte ich eine Antikriegs-Ausstellung von einer Gruppe von KünstlerInnen. Ich ging mit der Bierdose hinein und schaute mir das ganze nur oberflächlich an, nur fünf Minuten. Der aufsichthabende Mann, etwa fünfzig, blickte mich beim Gehen an, als hätte er mich in meinem komplizierten und zugleich einfachen Wesen erkannt (trotz meiner Vertrotteltheit); ein Gefühl von Bejahung durchflutete mich. Ich dachte an den Greif und nahm ein Gewicht meines Hasses weg.

38.

Etwas Grundsätzliches trennt mich vom Greif: Für ihn ist das Individuum eine sekundäre Größe, das Soziale hingegen die primäre Größe, die das Individuum determiniert, während ich immer nur die Gesellschaft als eine Gesellschaft der Individuen zu denken vermag. Hier steht Soziologismus gegen Individualismus. Ich konstruiere das Soziale stets von den Individuen aus, nicht umgekehrt. Professor Greif meinte, das wäre der verkehrte, der ignorante Standpunkt.
Letztlich haben immer die Individuen alles auzubaden.
Und doch könnte der Wein uns einen. Ich morde in Gedanken und Worten, doch niemals in Werken.

39.

Tyrannen-Probe. Bevor er hinrichten lasse, möge der Tyrann ausgiebig speisen und trinken und in die Tiefe seines Lebens blicken. Und der Vergängnis innewerden. Kann er dann noch metzeln? Wenn er es noch könnte, ist er einer von den verfluchten Charakteren, von denen die Weltgeschichte voll ist. Aber es ist möglich, daß er die Zone seines Hassens übersteigen könnte. Will er denn die Göttermehrheit gegen sich aufbringen? Will er, daß die Natur ihm nichts mehr sage? Er zerreißt also die Urteile. Er zerreißt den jahrzehntelang genährten Haß. Er setzt das immense Kapital seiner negativen Energien in den Wind, läßt es zerfliegen. Er vollbringt dann die wahre Transsubstantiation: die vom Blut in den Wein. Er verwandelt Blut in Wein.
Mancher wird durch den Rausch erst so richtig bestialisch, mancher aber befriedet. Manche werden durch den Rausch besänftigt, rund. Sie gehen über die Wiese und haben nicht nur verziehen, sondern scheffeln das Glück herbei, den Feinden zuallererst. Ein solcher wird von den Kugeln stets gestreift, nicht getroffen. Wir sehen verwundert das Konzeptive in einem wirken, den wir immer für einen bloßen Träumer hielten.
Das Konzeptive entwirft sich in die Black-box der Gesellschaft; Serres hat richtig gesehen, daß wir das Soziale - seine Kräfte - gar nicht kennen. Und zwar arbeitet sich dieses Konzeptive rhetorisch mit den Händen voran. Ein solcher Politiker steht vor dem Unbekannten und vertraut ihm - unverbürgt. Wie ein Bildhauer, der die Luft, dies ungewisse Medium, bearbeitet. Die Sternstunden der Politik sind jene, in denen die Persönlichkeit die Mauern durchdringt.
Als dem Politiker das schier Unglaubliche gelang, sagte er nur, von Jaspers die Methode gelernt zu haben. Jaspers stellte alles in das "Umgreifende", und es wurde niemals ganz klar, was dieses eigentlich sei. Doch dieses Umgreifende wurde zum Transzendenzgrund. Die Hände des Konzeptiven fahren in dieses Umgreifende hinein und schaufeln es in unsere enge Welt zurück. Schritt für Schritt geht alles voran und gerät zum Besseren.

40.

"Dialektik" war für Greif überhaupt das Zauberwort, ein Deus ex machina. Mit "Dialektik" wurde jeder Bruch in seinem Denken sogleich kaschiert. Er hatte den dialektischen Joker und spielte ihn gegen dich aus. Heute ist es sehr ruhig um die Dialektik geworden. Man wäre irritiert, wenn heute noch ein Politiker das Wort "Dialektik" zufällig in den Mund nehmen würde, wenn ein Politiker - etwa Gusenbauer -, von der "Dialektik einer Entwicklung" sprechen würde. Es wäre nicht verwunderlich, wenn allmählich sogar eher konservative Politiker auf dieses Wort zurückgriffen. Der Begriff "Dialektik" hat abgewirtschaftet. Ich habe nie genau gewußt, was "Dialektik" eigentlich bedeutet. Immer blieben Unklarheiten, Undurchdringlichkeiten; mir schien das ganze ein Trick zu sein, ein Wortzauber, der mehr verdunkelt als erklärt. Ein Heiligtum der Geschichtsphilosophen. War es nicht André Masson, der sagte, er habe ganz gut ohne den Begriff der Dialektik auskommen können, er habe für sein Künstlerleben diesen Begriff nicht benötigt?
Ich spreche gelegentlich von "Dialektisieren" im Sinne von "starre Verhältnisse beweglich machen". Aber jene vulgäre Form von Dialektik kenne ich nicht, daß ich wie der Greif behaupten würde, Unschuld führe automatisch zu Terror, Liebe automatisch zu Haß, Friede automatisch zu Krieg, Utopie automatisch zum politischen Verbrechen im Großmaßstab. Diese ungenaue Lektion, die für Greif eine Evidenz ist, habe ich bis heute nicht lernen wollen. Ich sage statt "automatisch" "unter gewissen Umständen". Das ist der Unterschied. Es ist mir einfach eine Kalamität, jegliches Streben oder Unterlassen mit seinem Gegenteil verknüpft zu wissen. Diese Sicht der Dinge hat etwas unbedingt Entmutigendes. Man sieht sich in eine Paradoxie verwickelt, während man nach Klarheit strebt. Im Unklaren hingegen kann man auch kein Glück finden. Überhaupt kennt ein solches Denken kein Glück. Es rennt permanent in seinen eigenen Stachel, ist ein Krebsgang.
Es geht nicht an, seine Studenten als "bildungsbürgerlich" zu beschimpfen, weil sie einen Lesehunger entwickelt haben, und selber dabei als ordentlicher Universitäts-Professor ein fürstliches bildungsbourgeoises Leben zu führen und sich eins ins Fäustchen zu lachen. Der will einfach nicht, daß jemand seine Machenschaften durchschaut, ihm gegenüber Unabhängigkeit und Selbständigkeit gewinnt und seinen Autoritäts-Berg miniert und abträgt. Der Greif ist andererseits Denkern wie Heidegger oder Jünger verfallen, sieht gar nicht das Plumpe, theoretisch Unzuträgliche bei diesen "Köpfen und Tröpfen" (Kurt Hiller). Der Greif hatte es seit jeher mit griffigen Formeln - und wären diese dumm, barbarisch. Durch seine angebliche linke Vergangenheit glaubt er sich gegen den Einfall des Barbarischen immunisiert. Aber viele Leute, die mit ihm zu tun hatten (jahrelang), sagen später, er sei ganz einfach ein "Nazi" bzw. ein "elitärer Nazi". Zu so etwas würde ich mich nicht versteigen. Eine solche Feststellung ist nur die Zusammenfassung subjektiver, schmerzlicher Erfahrungen. Der Greif will dominieren, und die Leute laufen ihm davon.

41.

Was, um alles in der Welt, hatte mich an der Figur Hitler einst fasziniert? - Sein Aufstieg aus dem sozialen Nichts, sein Konflikt mit dem Vater, die Weigerung, Beamter zu werden, das Durchschneiden der gesellschaftlichen Schichtungen, bis er an die Spitze kam (wie das brutale Aufschlitzen eines Antiquitäten-Möbels), Politik als Kult, ja es ist die Blickeinstellung der Leni Riefenstahl, es sind die mächtigen Bilder, die sich in mir festsetzten. Von fünfzehn an dachte ich jedesmal: 'Der Hitler hättest du selbst sein können.'
Aber gleichzeitig verachte ich ihn natürlich, ja ist er mir der Allerfremdeste. Einige seiner scheußlichen Sätze (sie sind alle bekannt, aber sollen in Erinnerung gerufen werden): "Jede Generation muß einmal einen Krieg mitgemacht haben", "Zum Wohle des deutschen Volkes müssen wir alle 15 bis 20 Jahre nach Krieg streben", "Ich will lieber den Krieg mit 50 als mit 60 Jahren führen", "Es ist mir gleichgültig, ob es einen Weltkrieg gibt oder nicht", "Menschlichkeit ist Schwäche, Gefühlskälte ist Stärke", "Nur eine fanatische Masse ist lenkbar", "Große Lügner sind große Zauberer", "Wehe dem, der schwach ist", "Ich habe nur Leute brauchen können, die geprügelt haben", "Der Gedanke, zu schlagen, war schon immer in mir" usw. (Letzterer Satz könnte aus einem Bernhard-Stück stammen, hätte er solche Figuren auftreten lassen.)

42.

Daß einer wie Hitler an die Macht gelangte, ist kein Zufall. Ernst Jünger, obwohl doch aus viel besseren Verhältnissen, hatte auch nicht anders formuliert als Hitler. Und ich kann mir gut denken, daß auch Generale des Ersten Weltkriegs ähnlich geredet haben. Dieser Ton zieht sich durch mehrere Generationen durch. Ganz zu schweigen von den Inhalten.

43.

"War Hitler Nazi?" Ich habe die Impertinenz, diese Frage zu stellen.
Bei Neonazis habe ich die Beobachtung machen können, daß sie sich fast nie mit dem "Führer" identifizieren, sondern sich von vornherein in die Rolle der Geführten schicken. Und wo es "Führer"-Aspiranten gibt, imitieren sie Hitler. Aber keiner würde so wie ich sagen: "Den Burschen kenne ich von innen. Wie konnte er es nur so lange mit sich aushalten?"

44.

Ich gehe in mir auf und ab wie in einer Reichskanzlei. Oder trinke ein Glas Sekt vor dem großen Panoramafenster am Obersalzberg und frage mich, ob hinter dem Untersberg gleich die große weite Welt beginnt. Ich grüße alle Polen! Ich werde sie nicht überfallen. Ich grüße die Juden! Ich werde sie nicht vernichten, sondern ihre großen Bücher lesen und von ihnen lernen, ohne Ende. Ich bin traurig, einsam und hochgemut! Ein seltenes Gewächs auf einem pöbelhaften Misthaufen. Ich bin Hitlers Gesellschafter und halte zu ihm die Waage. Könnte ich nur den Datumsstempel der Geschichte zurückdrehen!
Ich wische im Schurz den Boden auf und wische ihn als junger Hitler auf. Ich marschiere von Leonding nach Linz und gehe Hitlers Schulweg. Ich steige im November bei leichtem Schneegeflocke auf seinem Freinberg herum. Ich steige seinen Kalvarienberg hinauf, suche seine versteckten Plätze auf und sage zu mir: "Dies alles hast du Unseliger vergessen... Willst du dich denn an gar nichts mehr erinnern?"
Ich setze mich in einem Leondinger Lokal auf das Ledersofa, auf dem Hitlers Vater einst gesessen ist, steige nachts über den Zaun des Hitlerhauses und stehle einen sauren Apfel, beiße hinein, verliere dabei einen Schneidezahn. Das Leondinger Hitlerhaus dient heute sinnigerweise als Sarg-Depot.
Den Hitler kenne ich in- und auswendig. Das Leben findet draußen statt. Ich gehe hinaus. Was hat dieser Mann für einen Dreck in sich hineingelesen?
Ich steige im Strudengau zur Burg Werfenstein (Jörg Lanz von Liebenfels!) hinauf, ich wandere durch die Klammschlucht Strindbergs, aber niemals als Pilger. Die Donau schwappte letztes Jahr herein. Ich lerne ficken.
Ich sitze über einem Bogen Papier und zeichne mit Tusche am ganzen Körper zitternd einen Strich. Auch ich wollte ein Künstler werden. Ich sehe, wie die andern leben. Ich kann noch immer nichts.

45.

Warum geht ihr miteinander und mit euch selber um wie mit Dingen?
Tränen sind euch eine biochemische Reaktion, soundsoviel Milliliter.
Nur ein paar Fünfzehnjährige, die keiner ermutigt, sind am Puls des Lebens, ahnen die Weltseele. Sind noch nicht abgebrochen zur Banalität der Erwachsenen-Existenz.

46.

Gombrowicz - der mir bislang Ähnlichste. Sich in seinem Tagebuch vor aller Augen neu erschaffen. Allein das grüne Kraut, das Gombrowicz gezüchtet hat, ist jenes, das gegen den Greifen gewachsen ist (-> 'Ferdydurke').

Strindberg - der jedenfalls mir Unerreichbare. Den jeder psychotische Einbruch nur noch zu intensiverer Produktion beflügelte und der - trotz lebenslanger abgerissener Vagabundage mit besagtem grünen Sack - am Ende seines Lebens mit dem Verkauf seiner Gesammelten Werke sogar ein reicher Mann wird und großzügig seine Angehörigen - auch Ex-Frauen - mit einem auch materiellen Erbe bedenken kann. Strindberg, der alle psychologischen Vorurteile über den Haufen wirft: denn in ihm arbeitete die Natur selbst. In Strindberg wird sich die Psychose selbst zum Gelächter. Wie man je wahnsinniger desto gesünder werden kann.

Canetti - der VERWANDLUNG gegenüber der Identität den Vorzug geben. Zusätzlich seine Arbeitsweise; sein 20jähriges Bauen an einem (überschätzten) Buch, an das keiner mehr glauben wollte: 'Masse und Macht'. Daneben die fortlaufende tägliche Aphorismen-Produktion. Ein Theoretiker, alles kennend und adaptierend, auf eigene Faust, ohne Denk-Schule. Wirkt Canetti nicht wie ein die Tragödie von sich abdistanzierender hypothetischer Onkel Walter Benjamins? Das, was Canetti als Charakter von Benjamin unterscheidet, empfinde ich als das besonders Anziehende an ihm. Canetti hätte mindestens Korrespondierendes Mitglied der "Frankfurter Schule" sein können. Weil Canetti ein Optimist ist, verehre ich ihn; weil er den Tod zeitlebens haßte, statt sich vor ihm zu krümmen und ergeben zu werden. Weil er die sein Lebtag juvenile Vorwitzigkeit aufbringt, eine Naturtatsache zu hassen .

Beckett - alles, auch am Boden Klebende, Rudimentäre, Torsohafte, Autistische ist prinzipiell literaturwürdig .

Ludwig Hohl - und wenn man vierzig Jahre lang mit der Schreibmaschine in einem Keller aushalten muß, schöner Erstbesteiger von Gipfeln und Felswänden, der man einmal auch war.

Thomas Bernhard - unser aller widerwilliger Mentor.

Diese fünf sind meine literarischen Haupt-Bezugspersonen.
Und da wäre noch im Nachhaken: Birger Sellin!
Ist es nicht eine prächtige Galerie von Optimisten ? Ihr Optimismus liegt in ihrem Können. In ihrer Kühnheit. Alle Einzelgänger. Ihre schriftstellerische Utopie ist von größtmöglicher Reichweite. Sie sind progressiv, aber parteilos. Und sie haben es mit der Natur, manche sogar mit naturkundlicher Präzision, mit Hang freilich zum verstiegenen, egozentrischen Spekulativen. Sie zeigen keine Spuren von Entmutigt-Sein. Sie haben einen ausgeprägten Sinn für das Tragikomische von Situationen, in denen sie sich selbst befinden. Sie sind unkorrumpiert. Ihre Lust will Ewigkeit. Sie kennen sich in den Dämonien des Lebens aus, aber sie wandeln nicht als Büßer durch die Welt. Sie haben Sonden hineingetrieben in die Schichten ihrer selbst und der Welt. Sie sind Kosmopoliten. Sie ermutigen uns mit großer Frische, uns selber zu helfen, statt auf fremde Hilfe zu warten. Sie alle haben etwas Jungenhaftes. Ihre Wirkung auf uns ist eine stärkende. Sie beschenken uns sofort. Wir ziehen aus ihrer Lektüre sofort Gewinn. Von einem unermeßliche Schatten werfenden Massiv der inkommunikablen Einsamkeit haben sie sich nach und nach in die Täler gewagt, wie der Wilde Mann, und sind sofort salontauglich - und kämen sie aus dem Holozän. Sie schenken mit vollen Händen, jedem. Fotografiert, hat ihr Blick oft etwas Überraschtes, Erstauntes, Regenfrisches. Sie stehen jenseits der sozialen Schichten; das Wort "Bürger" ist ihnen gänzlich unangemessen. Die Arbeiterschaft steht mit roten Fahnen an ihren Gräbern. Armut und Reichtum war ihnen gleichermaßen vertraut. Ihre Existenz blieb zeitlebens ungesichert. Sie waren Nomaden mit der Fähigkeit, sich niederzulassen. Kenntnisreich in allen Mythen und Religionen, ebenso im Atheismus, war ihnen doch die Esoterik fremd. Sie erwarteten keine Erleuchtung. Ihre Haltung ist keine der Erwartung. Die Zufälle flogen ihnen zu wie aus ihren goldenen Käfigen getürmte Papageien, liefen ihnen zu wie ausgesetzte Hunde, die ihnen zur Begrüßung wie kleine, an den Strand geratene Meergötter vertrauensvoll die nasse Pfote reichten. Allein ihnen hat sich die permanente eudämonische Kraft des Zufalls erwiesen. Strindberg schleifte den grünen Sack durch den Kot der Länder; in diesem Sack befand sich der Sinn der Welt. Oft liebten sie die Frauen mehr als sie die Frauen. Sie waren nicht gläubig. Sie waren autodidaktische Freibeuter. Sie amputierten ihr Talent nicht wie Rimbaud. Sie umnachteten nicht wie Hölderlin oder Nietzsche. Sie begingen nicht Suizid. Die Gründe für den Selbstmord umzingelten sie mit beängstigender Dichte, mit horribler Schwärze. Sie machten weiter wie Holzknechte nach dem Jausnen. Der Himmel über ihnen verdüsterte sich zu orkanhaftem Qualm. Sie griffen nach der Schnapsflasche. In ihren von der Großmutter noch gestrickten Stutzen sausten sie mit dem Schlitten über eisige Pisten zu Tal. Sie haben die Rosen nicht am Kreuze, sondern in ihrer Einöde entdeckt und ungepflückt gelassen. Das Vater-Land war ihnen zumeist nur eine Qual. Sie waren keine Kriegsdiener. In ihrer Disziplin, in ihrem Ertragen von Härten, in ihrer Ausdauer waren sie aber soldatisch. Sie brauchten nicht bei Goethe vorzusprechen, um sich erkennen zu lassen. Sie schipperten im Meer des Tragischen, ohne selber vom Salz des Tragischen in der Wurzel angefressen zu sein. Sie blieben unbekehrt. Sie gehören einem Geschlecht der Helden an. Wer ihre Bücher in den Tornistern künftiger Kriege mitführt, sollte sich darauf gefaßt machen, daß er desertieren wird.

47.

Habitus. Zuerst suchtest du nur Liebe, Zuwendung, jemanden, der dich hält; dann suchtest du Halt (z.B. in Glaubensartikeln und Verhaltensvorschriften); schließlich nahmst du Haltung an (erstarrend); am Ende den Habitus . Das ist der traurige Weg der Entfremdung, der vom Kuscheln zum Kuschen führt. So werden menschliche Grundbedürfnisse eingebremst und in etwas ganz anderes umgebogen. Anstatt einander körperlich zu lieben, stehen sie starr, jeder für sich, in der sozialen Landschaft und erwarten den Weltuntergang.

48.

Dem Menschen der Erwartung mißtraue ich. Ich mag das nicht, daß Leute vor dem Volksempfänger stehen und starr auf die Stimme ihres "Führers" hören. Das ist die "disziplinierte Masse", von Freud wie von Canetti beschrieben. Freud irrte, wenn er dachte, die disziplinierte Masse (etwa einer Armee, er bringt auch in 'Massenpsychologie und Ich-Analyse' dieses Beispiel vor allem) sei zivilisierter als die ungeordnete, chaotische, sich in Gärung befindliche Masse. Die Kriegsverbrechen sprechen eine ganz andere Sprache.
Die Erfahrung, daß eine Masse zu sich kommen könne, daß die einzelnen in einer Masse zu sich kommen könnten, ist eher eine neue und wird von den Soziologen der Masse nicht gerne zur Kenntnis genommen. Aber die Ereignisse von 1989/90, diese "Samtenen Revolutionen" in den osteuropäischen Ländern, beweisen, daß es auch das gibt: daß Massenbewegungen nicht nur regressiv sein müssen. Auch der Aufstand der Pariser Communarden ist von der letzteren Art. Eine Massenbildung kann auch bedeuten, daß tausende einzelne sich in Bewegung gesetzt haben. Deshalb ist Masse nicht von vornherein etwas Schlechtes, Anrüchiges. Die spontane Masse scheint sogar zivilisierter zu sein als die gelenkte, geordnete. Weil sie ihren Körper hat und sich nicht vor lauter Befehlserwartung in einer "epoché" zum Körper befindet.

49.

Über Sex zu philosophieren, hat immer einen Stich ins Neurotische.
Der Eros hat keinen Abgrund, er ist ganz Haut. (Der Eros mag zwar keinen Abgrund haben, aber die Liebe hat ihn. Und was für einen!)

50.

Der Penis war an ihm der einzig anständig trainierte Muskel.

 

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Weitere Texte des Autors, Kontaktadresse und Kurzbiographie:

http://www.aurora-magazin/autoren/bio_hodina_frm.htm


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