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Gemeinsame Wanderung
Von Rupprecht Mayer


    Ich werfe meine Finger nach vorn, daß sie fast schnalzen. Waagerecht halte ich meine Arme, vorne ist das Gefühl blau. Der Raum, der mir noch bleibt, wird kühler, und doch ist er willkommen. Wo gehen wir hin? Schön, daß ihr so zahlreich um mich seid. Doch wenn einmal der Augenblick kommt, dann werdet ihr zurückweichen. Niemand wird euch Vorwürfe machen deswegen. Der Boden ist sandig und weich. Ist er warm von der Sonne oder von euren Fußsohlen? Welche Farbe hat die Sonne über uns? Nein, grün ist sie nicht. Ihr treibt eure Scherze mit mir. Gut, daß ihr heute in Sprachen murmelt, die ich nicht verstehe. Ich hatte immer Interesse an euerer Rede. Doch heute brauche ich nur euer Gemurmel. Es sagt mir, daß ihr da seid, und doch stören keine sinnvollen Sätze aus eurem Mund mein Denken. Ich habe ja alle eure Wahrheiten gehört und angenommen, habe sie auswendig gelernt und weitergegeben. Wo gehen wir hin? Wenn der Augenblick kommt, dürft ihr zurückweichen, damit euch nichts berührt. Nicht meine Finger, die ich werfe, und nichts anderes, das fliegt. Ist der Mond auch am Himmel? Seine Farbe kenne ich noch, da könnt ihr mich nicht betrügen. Eine grüne Sonne. Ihr macht euch lustig über mich. Ich habe eure Wahrheiten gelernt, selbst die, die sich widersprechen. Ich könnte sie noch wiedergeben, mit all den lächerlichen Fehlern, dann wäre das Lachen auf meiner Seite. Seht ihr, ihr habt aufgehört zu murmeln. Ihr fürchtet, daß ich euer Eingeständnis der Torheit verstehe. Jetzt höre ich nur noch unsere Schritte im Sand. Wo gehen wir hin?


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Weitere Texte des Autors, Kontaktadresse und Kurzbiographie:

http://www.aurora-magazin/autoren/mayer_bio.htm
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