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Die Goldbrasse
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"Auf der Seide der Bettdecke dieser Schlafstatt das Ledergeflecht einer Lederpeitsche
mit dem Knauf aus Elfenbein in der Gestalt eines Fischkopfes. Der Anblick dieser Lederpeitsche
beschwor im Antlitz des Vietnamesen Verstörung. Angst. Schweigen."

Von Martin K. M. Menzinger
(06. 08. 2007)

...




(c) Reinhard Winkler

Martin K. M. Menzinger
mmenzinger [at] aon.at

geboren am 7. Juli 1968 in
Lachen im Kanton Schwyz
in der Schweiz. Kindheit auf
dem Lande in Füllinsdorf im
Kanton Basellandschaft und
in Waidhofen an der Ybbs
in Niederösterreich.

Publikationen

Prosa. Drama. Hörspiel.
Veröffentlichungen in Antho-
logien. Über sein Schreib-
verständnis: "Schreiben ist
für mich so was wie Eisstockschießen.“


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen weiteren Beitrag
von Martin Menzinger
finden Sie hier ...

"Quel Souffle De Chaleur ..."
Jean Luc Bolliard

   Marcels Blick strich in der Schwere der Schwüle über die Haut dieses Vietnamesen, der in der Zartgestalt seines Lächelns den Kopf eines Fisches im Blut der Kiemen über das Holz schlug. Der Schlag dieses Totschlägers schloß die Augen dieser Goldbrasse und der Tod dieses Fisches in den Händen dieses Vietnamesen schürte im Lidschatten dieses Augenblicks das Gefühl Sehnsucht ...

Der Fischmarkt war im Treiben der Menschen so ganz und gar Begehr und verlor sich im Geschrei der Marktschreier in einem Tausendstimmigen Choral ... Das Lachen der Fischer im Schlagen der Totschläger. Das Schlachten der Messer in der Ausweidung der Eingeweide. Das Hecheln der Hunde im Durst Blut und das Surren der Fleischfliegen im Gedärm der Kadaver.

Es war Mittag. Die Stadt Ho-Chi-Minh stand im Dunstkreis der Sonne und im Schwelen der Hitze kein Hauch Wind. Im Staub der Straße lag ein Kind.

Tot.

Und ein Militär sprach ...
Ne touchez pas cet enfant.
Ne touchez pas cet enfant.
Ne touchez pas cet enfant.
Parce que cet enfant c’est
pour la poubelle.
La poubelle.
La poubelle.

Marcel gab diesem Vietnamesen Geld. Dann verschwand Marcel in der Begleitung des Vietnamesen im Labyrinth Stadt Ho-Chi-Minh ...


Ton That Dam
            Nguyen Hue
                      Mac Thi Buoi
                                Dong Du
                                       Don Dat
                                              Hai Ba Trung

                                Ly Tu Trong
                     
La Thanh Ton

            Nguyen Du

              
               
Phung Khac Khoan
                               Nguyen Thi Minh
                Nam Ky Khoi Nghia
                               Huyen Tran Cong Chua
                   Thu Khoa Huan


            Le Than Ton

                      Pham Hong Thai
                                   Le Lai
                                        Pham Ngu Lao
                           Tran Huong Dao
             Nguyen Thai Hoc

 

             Ben Chuong Duong
 

   Marcel ging mit dem Vietnamesen in das Hotel Chuong Duong. Das Zimmer lag im Schwindel der Höhe am Ende des Korridors und schien in diesem Abseits Welt so ganz und gar Traumgebälk ... Im Saum von Perlmutterknöpfen das Glas eines Spiegels in der Spiegelung dieses Spiegelkabinetts. Die Wand im Bild der Tapete ein Meer in der Weite des Wassers. Schiffe. Segel ... Das Leinen der Segel so wie Leichentücher am Horizont der Flug der Asche vom Feuer eines Vulkans. Berge. Inseln. Wolken. Schemen. Der Duft Jasmin von den Jasminblüten auf dem Porzellan des Lavoirs. Seifen. Salben. Puder. Und Kautschuk. Auf der Seide der Bettdecke dieser Schlafstatt das Ledergeflecht einer Lederpeitsche mit dem Knauf aus Elfenbein in der Gestalt eines Fischkopfes. Der Anblick dieser Lederpeitsche beschwor im Antlitz des Vietnamesen Verstörung. Angst. Schweigen.

Marcels Frage brach die Stille ... Der Name des Vietnamesen war La Tong. Ein Kind. Ein Greis.
Ein Krüppel.

La Tong schnallte sich den Holzstumpf vom Rumpf und La Tongs Entblößung La Tongs Körper ließ Marcel im Pulsschlag seines Begehrens ... Marcel faßte nach La Tongs Fleisch.

La Tongs Schildblatt La Tongs Schultern.
La Tongs Schenkeln.
La Tongs Fesseln.

La Tongs Geschlecht im Abszeß
La Tongs Gemächt.

La Tongs Stöhnen.
La Tongs Röcheln.

La Tongs Atem im Geruch
Tang.
 

 

La Tong.
La Tong.
La Tong.


   Das Licht der Morgensonne fiel in das Glas dieses Spiegels mit dem Saum der Perlmutterknöpfe und das Geschrei der Marktschreier vom Fischmarkt verlor sich im Dunstkreis der Stadt Ho-Chi-Minh. Marcels Blick strich in der Schwere der Schwüle über La Tongs Haut, der in der Zartgestalt seines Lächelns den Kopf eines Fisches im Blut der Kiemen über das Holz schlug. Der Schlag dieses Totschlägers schloß die Augen dieser Goldbrasse und der Tod dieses Fisches in den Händen dieses Vietnamesen schürte im Lidschatten dieses Augenblicks das Gefühl Sehnsucht ...

Marcel gab dem Vietnamesen Geld und zog mit der Goldbrasse im Sack zum Stand der Perlmutterstickerinnen.

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