Unvollendet
...
Von Stefan T. Pinternagel


In Augustnächten ist die Stadt
am schönsten; obszön
Kreischen die Trambahnen
Um die schmalen Kurven,
Gefolgt von kurzen
Autotorsos;

Rothaarige Junkyfrauen
Tragen ihren Duft durch
Die Straßen; den Duft von
Heroin und Lethargie;
Achtlos weggeworfene
Zaunkinder;

In die dunklen Ecken
Drücken sich Freiluftpisser
Und maulmutierende Liebes
Paare umklammern sich fest
Die Gravitation verloren;
Genügende;

Die Schaufenster sind
Weiterhin hell erleuchtet,
Kaufrausch ohne Passanten,
Musik aus den verlassenen
Fensterhöhlen; Tanz des
Vergessens;

Ein leeres Gewitter zieht
Über die Stadt hinweg,
Kaum jemand rührt sich in
Seinem Bett; Vorhänge zugezogen
Blaues Fernsehlicht dahinter
Und;

Dazwischen dieser Text:
Flüchtig erdacht, karg beschrieben,
Gespürt – und als ich dabei über
Die Straße ging, bremste ein
Mercedes und ließ mich
Passieren;

Immerhin, seit Tagen
Die erste menschliche Regung,
Der erste menschliche Kontakt, den
Ich hatte; eine taube Frontscheibe
Hinter Scheinwerferaugen.
.....

Nur von hinten
...
Von Stefan T. Pinternagel


...
Als ich nachmittags aus dem Haus ging
Wurde ich vom neuen Sommer
Regelrecht erschlagen:
Alles war so hell und warm
Und ein leichter Wind
Schlich um die Häuser herum
Wie ein Streuner.

Und kaum war ich die paar Meter
In die Altstadt gelaufen
Traf ich auch noch auf Frauen
Die allesamt ziemlich leicht
Bekleidet waren
Und ich fand sie alle
Irgendwie wunderschön.

Aber eine war dann
Doch besonders exquisite:
Sie war ganz in Schwarz
Um die Taille wand sich
Ein breiter Ledergürtel
Und ihre langen braunen Haare
Hatten einen rötlichen Stich.

Sie trug ein Minikleid
Und darunter so Nylonstrümpfe
Mit Spitzenbändern am Ende
Oben, bei den Schenkeln
Die konnte man sehen
Wenn ihr der Wind beim Gehen
Zwischen die Beine fuhr.

Ich fragte mich
Ob sie wohl ein Höschen anhatte
Und wenn ja, was für eines -
Wie geschmeidig der Stoff wäre
Welche Farbe er hätte
Aber am liebsten stellte ich mir vor
Sie hätte kein Höschen an.

Nach wenigen Minuten
In denen meine Blicke Kondensstreifen
Hinter ihr in die Luft schnitten
Verschwand sie in einem dieser
Türkischen Gemüseläden
Und ich hatte es verpaßt
Sie von vorne zu sehen.

Doch das war halb so schlimm -
Denn als ich in meiner Stammkneipe ankam
Wo es kalt war und dunkel und windstill
Trank ich das erste Bier des Abends
Auf den Beginn des Sommers
Und auf die unzähligen Frauen
Die ich nur von hinten sehen würde.
...

.Ohne Dich
...
Von Stefan T. Pinternagel


    Ohne Dich
ist wie Sommer
ohne Regenschauer
wie Wintereinbruch
ohne Verkehrschaos
wie Weihnachten
ohne Feuerwehr
       ohne Dich
wie Ferienanfang
ohne Staumeldung
wie Stadtbummel
ohne Obdachlose
wie Toiletten
ohne Drogentote
       ohne Dich
wäre die Welt
nicht perfekt

.........



Bisherige Veröffentlichungen:


"AcidHead - Visionen im Dunkeln"
(ISBN 3-932325-28-1)

"Türen" - Gedichte
(ISBN 3-934852-06-8)

"Fragmente" - Roman
(ISBN 3-936742-28-6)

"CyberJunk" - SF-Noir
(demnächst im Atlantis-Verlag)

"... und morgen der ganze Weltenraum"
(TrashFiction, Edition Solar-X)
...

...
(c) Geest-Verlag

Buchbestellung:
http://www.geest-verlag.de/

pinternag.html

E-mail an Stefan Pinternagel:
der_skribent@yahoo.de
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