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Fisch / Bär
...Von Heinz Pusitz


...   Durch Regentropfen gewahrte er an einer Hausecke, eingelassen im oberen Drittel, einen Bären, der einen Fisch fraß, gehalten in der Farbe des Hauses. Die eigene Vergangenheit war ihm fremd geworden, warum sollte jemand einen fischfressenden Bären als Hausskulptur integrieren? Er hob weiter den Kopf, blickte auf verästelte Leitungsgeflechte und eine halbe Sonne weiter, die Walfischgasse erscheint unter seinen Füssen, blitzt in ihm auf und das Gefühl für Irene ist wieder da. Sie wurde damals in ihn hineingeschwemmt, ganz langsam und da sie nichts sah, entzündete sie ein Licht in ihm und er kniete vor ihr, sie streichelte seinen Kopf und drückte ihn an sich.

Zuvor hatten sie noch über die Unmöglichkeit gesprochen, Rattenvermehrung zu verhindern, wussten noch nichts, trieben dennoch aufeinander zu, ihre gelbe Hose war aus rauem Material. Später schenkte sie ihm Pelleas und Melisande, die Wiener Gaunersprache und die Häf’nelegie.

     Er brach auf, um sich einen Kontinent zu erobern, dachte er, ließ alles, sie zurück, auch das neue Land, seiner Imagination abgerungen, war niemals ihres, das bis ins Mittelalter reichte. Heute war er von der Regenschwüle und ein feiner Schweißfilm brachte alle Gesichter im Cafe zum Leuchten. Irene bewegte sich leicht im dunklen, holzvertäfelten Raum. Da ging auch er wieder hin, trug ein Geschenk mit sich, einen Bären, der einen Fisch zwischen den Tatzen hielt, sie sah und umarmte ihn, alles würde er für sie tun, auch sein Leben hingeben, was er schon getan hatte. Nichts war mehr zu tun, alles war gesagt, die Zeit schien sich verabschiedet zu haben. Es blieb ihnen nichts verborgen, nicht ihre Vergangenheit, ihre Zukunft, nicht die Orte, wo sie sich aufhielten und die Nähe anderer. Von ihnen ging das aus, was sie weitertrug. Und schliefen endlich miteinander, dort, wo gerade durch Narben das Licht strömte.

E-mail an den Autor:
hpusitz@yahoo.com

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