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Teichrückkehr
Von Heinz Pusitz


...   Die Schwäne waren weg, schon lange sieht man sie nicht mehr. Er wusste nicht, was mit ihnen geschah, ob sie sich im Weiß der Wolken auflösten oder vergiftet wurden. Sie gingen leise und hinterließen keine Spuren, außer in den Gedächtnissen derer, die sie einmal für einen Flügelschlag oder mehr sahen. Was blieb, waren Enten, das Teichhuhn und Bootsfahrer, sie starten jeden Mai und mieten bis September. Nahe der Mitte des Teiches war eine kleine Insel, die durch eine Trauerweide fast unsichtbar war. Unsichtbar wurden auch die Spuren, die die Boote durch den Teich zogen. An jenen Tagen, jenen Sonntagen, besonders an Feiertagen und ganz besonders an Muttertagen. Zehn Boote ziehen Runden, Bahnen, biegen vom geraden Kurs ab, umrunden die Insel, bewegen sich auf den Zufluss zu, streifen bis zum Wasser herabhängende Äste am Ufer. Früher ruderten die Männer, heute einmal die Frauen, dann wieder die Männer und manchmal auch die Kinder. Sie rudern konzentriert. Wenn sie zu zweit je ein Paddel ins Wasser schlagen, wird daraus ein Zickzackkurs, aber das stört sie nicht, nur die Erwachsenen bringen darüber das Boot ins Schlingern und fügen so weitere Spuren auf dem Teich hinzu. Gott sei Dank, denken wohl manche, verschwinden die Eindrücke auf dem Wasser spätestens im übernächsten Moment und werden von anderen abgelöst. Spur auf Spur fügt sich an der Wasseroberfläche. Das Gedächtnis des Wassers ist schwach, denken wieder andere und vertrauen darauf, wenn sie wieder unbekümmert das Wasser mit ihren Paddeln und dem Bootsbug durchschneiden. Es, das Wasser floss zu und floss wieder ab, so einfach war das. Die Paddelschläge wurden jedoch, das hatten jene vergessen, an diesem spezifischen Ort und zu einer bestimmten Zeit ausgeführt. Das Wasser im Teich floss dahin, ebenso wie die Menschen- und Fischgenerationen sich ablösten, das Gedächtnis war intakt, wenn auch verlegt. An diesen Imprägnierungen war kein Archäologe interessiert, mit einem Schlag wäre alles, im Feuer der Erinnerung wäre plötzlich alles präsent, die Vergangenheit des Teiches, mit jedem Paddeleindruck war ein Gefühl verbunden, Abschied, Trennung, eine leise Verbundenheit, rücksichtslose Liebe, mit einem Schlag war da ein Archäologe der Gefühle, der Teich, das hielt niemand aus, jeder Schlag war plötzlich da, in einer Feuersäule, durch die Kunst des Archäologen der Gefühle, der Teich und die Feuersäule schoss in den Himmel, verbrannte alles in sich, jeden Eindruck in der Wiederschau und Stille zog auf. Die Vögel zogen ihre Bahnen, die Schar Enten und das einsame Teichhuhn, und der Teich war ein Teich. Wie er es immer war. Ist.

E-mail an den Autor:
hpusitz@yahoo.com

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