Ein Sonnabend im Februar. 8.00
Uhr. Die presenile Bettflucht treibt mich ins Bad. Alles ist schön blitzeblank, ich habe
den ganzen Freitag Abend sauber gemacht.
Auf Arbeit darf ich heute nicht gehen, die haben am Wochenende zu. Und es regnet draußen.
Schnell wechselnde Bewölkung sagt der Wetterbericht. Da ziehe ich mich garnicht erst
richtig an. Was soll ich heute tun? Aufgeräumt ist alles, ich könnte höchstens noch die
Cornflakes abzählen. Dann hätte ich schon das halbe Wochendende rum.
Ich kriege gute Laune, denn jetzt weiß wie ich über das langweilige Wochenende komme.
Vielleicht ruft mich ja auch Jemand an. Ich stelle mich neben das Telefon. Nichts
passiert. Sollte man mal kurz reinhören? : Tüüüüüt. Mhm. Vorsichtshalber warte ich
noch zehn Minuten, dann gehe ich zum Briefkasten runter. Manchmal treffe ich dabei die
Nachbarn und sie laden mich spontan zum Mittag ein. Die Nachbarn scheinen noch zu
schlafen. Ich stapfe extra laut die Treppe runter damit sie aufwachen und mich doch
einladen.
Im Briefkasten ist nichts drin. Aber in einem anderen Briefkasten. Ich versuche die Klappe
aufzubiegen. Das geht sogar, aber dazu brauche ich zwei Hände. Geschickt biege ich
abwechselnd die Klappe mit einer Hand ein Stückchen auf und klemme mit der anderen den
Schlüssel in den Spalt.
Als der Spalt groß genug ist, greife ich mit beiden Händen in den Briefkasten. Das
Wochenblatt, einmal Pizza-Werbung und noch eine Postkarte aus Schwedt. Gerade als ich die
Postkarte rausholen will, knickt der Schlüssel weg und rutscht in den Briefkasten. Zum
Glück geht die Klappe nicht ganz zu, meine Hände sind ja noch dazwischen. Oh, die Hände
gehen nicht wieder raus. Ich ziehe ordentlich doll, kriege aber weder die Hände aus dem
Briefkasten, noch den Briefkasten aus der Wand gezogen. Dafür tun die Finger weh und mein
Bademantel geht auf. Ganzschön ungemütlich, die kalte Luft am nackten Bauch. Zum Glück
kann das Niemand sehen, denn das Licht ist derweil ausgegangen.
Eine unangenehme Situation.
(Mai 2000)
E-mail: Klaus Schwarz |