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Hektik
Von Klaus Schwarz

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        7.00 Uhr, der Wecker klingelt. Fit wie ein Turnschuh springe ich aus dem Bett unter die kalte Dusche und putze mir die Zähne. Dusche auf volle Pulle warm gestellt, raus aus der Dusche, rein in die Trainingshosen und schnell in die Küche gerannt. Flugs Tee in den Toaster gepackt und Wasser in den Kessel gemacht.
Mit dem einen Fuß schalte ich das Radio ein, mit dem anderen höre ich den Anrufbeantworter ab. Mist, der Tee ist angebrannt. Ich packe Brot in den Toaster und wecke die Katze. Das Wasser kocht. Ich gieße nicht die Katze sondern Tee auf und schicke die Katze die Zeitung holen.
Nach 10 Sekunden ist sie wieder da, der Tee hat genug gezogen und ich weiß, daß Niemand angerufen hat. Am Toast kleben Teeblätter. Ich hole Butter und Cornflakes aus dem Kühlschrank und gieße mit einer Hand Milch in die Tasse, mit der anderen Hand Tee auf die Cornflakes. Dabei schlüpfe ich in die Socken und gehe zum Tisch. Ich komme nicht weit, die Socken sind neu und noch zusammengetackert.
7.03 Uhr ich sitze am Tisch, die Katze hat das Handelsregister aufgeschlagen. Die Cornflakes schmecken ekelhaft, der Tee ist kalt. Der Toast schmeckt anders aber gut. Die Katze sucht fieberhaft meine Turnschuhe. Marmelade ist alle, ich mache Butter und Cornflakes auf den Toast, haps, haps weg ist die erste Scheibe. Die zweite ist fast fertig geschmiert, haps, den Rest schmieren, haps weg sind sie.
Immer noch 7.03 Uhr. Die Katze kommt mit Flusen behangen unterm Bett vorgekrochen, einen Turnschuh hat sie zwischen den Zähnen. Sie wetzt wieder los, das Radio sagt "Die Haut ihres Kleinen verliert in der Sonne Feuchtigkeit." Mir doch egal, ich zieh mich ordentlich an und auf. Abwasch in die Hand, T-Shirt übergeworfen, Müll in die Mikrowelle, der Katze beim Schuhsuchen helfen.
Immer noch 7.03 Uhr, Schlüssel sofort gefunden, Turnschuh auch, Telefon und Papiere nehmen.
7.04 Uhr, gute Zeit, unter 5 Minuten und raus. Tür zu, Abwasch in die Tonne und schnell zum Friedrichshain gejoggt. Erste Runde fast geschafft, Telefon raus, Termin mit dem Zahnarzt verabredet, mit Telebanking die Miete bezahlt und auf Arbeit angerufen. Zweite Runde, Mama wegen Kuchen anrufen und die Unterlagen für SIEMENS durchlesen. Schnell zurück, in die Joachimstraße einbiegen. Vor dem Hackbarz anfangen die Joggingsachen auszuziehen. Haustür auf, sie klemmt. Das ist gar nicht mein Schlüssel. Ärgern, überlegen.
7.41.30 Uhr, die Zeit drängt. Schnell ums Haus rennen, auf die Mauer klettern und von da ins Küchenfenster springen. Es klirrt, war zu. Jetzt ist es offen ich spring unter die warme Dusche und ziehe die Socken aus. Wasser aus. Fön und Rasierapparat an, ran an Bart und Haare. Alles aus, auf Klo, das Radio sagt "worauf es ankommt, sind die Bürsten, vitalizer Borsten...", Socken und Schuhe anziehn. Spülen, Schuhe und Socken aus, Hose an, Socken an, Schuhe an.
7.45 Uhr. Schnell Schlips knoten, nochmal Schlips knoten, das Radio: "klein, rund und nussig, wenn wir Bratmaxe grilln fängt die Stimmung an...", Jacke an, noch eine Schluck Tee trinken, geht nicht die Tassen sind abgehauen. Parfüm, Telefon, Handy und Türklingel. An der Tür die GASAG, aus dem Handy Mama, am Telefon hat sich jemand verwählt.
7.46 Uhr, eine Minute zu spät, vorbei an der GASAG und gelassenen Schrittes schlendere ich zum Astra. Ruhig schalte ich Berliner Rundfunk an: "Kein Hardrock, kein Techno, kein Streß." Ich starte den Motor, sanft gleitet der Wagen nach Siemensstadt.

 

(Juni 2000)                                      E-mail:  Klaus Schwarz

 

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