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In gekrümmter Haltung

...Von Christian H. Sötemann


...   In gekrümmter Haltung reise ich den Apachen entgegen. Meine Schmerzen werden immer schlimmer, und ich habe nur vage Anhaltspunkte, wo ich die Indianer finden kann. Die Straßen vor mir sind staubig und eine Kurve folgt der nächsten, so daß ich Probleme habe, während der Autofahrt an etwas anderes zu denken als das jeweilig unmittelbar vor mir liegende Straßenstück.

Wer hat mich überhaupt geschickt? Und worin besteht meine Mission? War ich nicht ein Mann der Kirche, vielfach ausgezeichnet, dekoriert mit Orden, die meine Ehrwürdigkeit beweisen? Nein. War ich dann ein Staatsmann, voller Zuversicht, Frieden zu schließen und bessere Zeiten anbrechen zu lassen? Nein. Und außerdem, darum geht es doch nicht, wenn man Staatsmann ist.

    Der Rücken schmerzt unentwegt, ich versuche, ihn mit der linken Hand kurz zu berühren, besorgt um mich selbst.Währenddessen steuere ich das Lenkrad allein mit der rechten Hand, führe aber schnell wieder die linke Hand zurück zum Steuer, denn die Kurven verunsichern mich.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, ob ich überhaupt schon ein gutes Stück Weg der abzuleistenden Strecke zurückgelegt habe - tatsächlich ist mir völlig unklar, ob ich mich meinem  Ziel nähere oder doch von ihm entferne. Apachen sehe ich hier keine, und die einzigen Objekte, die mir zur Zeit präsent  bleiben, sind das Auto, das ich fahre, und die Kurven, entlang derer ich steuern muß.

     Ich frage mich, ob ich am Ende doch  keine Ausnahmeerscheinung sein könnte. Falls nicht, ja aus welchem Grunde bloß sollte ich dann die Apachen suchen? Wenn ich nicht in irgendeiner Weise Gesandter von Anderen bin?

 

E-mail an Christian Sötemann:
soetemann@nord-com.net

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