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Nachgedanken einer Spiegelprobe
Von Christian H. Sötemann


...   Ich hielt mir einen kleinen Taschenspiegel vor die Nase. Er beschlug. Das bedeutete, daß ich atmete, und ich war beruhigt. Selbst wenn meine Nase mir nicht wirklich gefiel, so taugte sie doch immerhin zum Atmen. Das war auch wichtig. Besser wäre noch gewesen, wenn sie zum Atmen getaugt und mir dazu noch gut gefallen hätte. Aber ich sah ein, diese Nase war Realität. Dann setzte ich mich auf eine Terrasse und kam ins Nachdenken. Ich hatte doch gar keine Terrasse, ich hatte doch nur eine kleine Zweizimmerwohnung ohne Balkon, im Erdgeschoß. Ich bemerkte, daß ich mich auch gar nicht auf eine Terrasse gesetzt hatte, dieser Tat kam somit keine äußere Realität zu. Meiner Nase dagegen schon. Ich dachte, auch recht, eine Terrasse kann nicht atmen und hatte irgendwie das Gefühl, noch ganz gut weggekommen zu sein.

 

E-mail des Autors:
soetemann@nord-com.net
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