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rap the punzel
the absolute penthouse chat

Von Reinhard Wessely


1.

"ich möchte ein penthouse!" so punzel zu ihrer mutter. punzel war nicht im eigentlichen sinn schön zu nennen, aber sie "hatte" was, ausstrahlung und hohe backenknochen.

die mutter dachte an ernest und sagte "ja, ein penthouse, warum nicht, es ist ohnedies zeit, dass wir uns entnabeln, ich möchte mit ernest spontansex haben können, ohne schlechtes gewissen, ohne angst, dass die tochter plötzlich in der tür steht, während ernest in mich eindringt. du sollst dein penthouse bekommen!" so sprach die mutter zu punzel.

2.

das penthouse lag an der südspitze der halbinsel. ja, es befand sich in new york und hatte weite; zudem eine gegensprechanlage mit nachtsicherung. bloß: der liftwart des hauses war unerwartet verstorben, und eine nachbesetzung, so hatte die hausverwaltung entschieden, wäre mit zu hohen kosten verbunden. das wolle man den mietern bis auf weiteres nicht "zumuten". so stand es in dem schreiben der hausverwaltung an die mieter; man ersuche um "verständnis".

auch gut, dachte sich punzel, dann eben kein liftfahren, treppensteigen kommt ohnedies nicht in frage. bleibe ich eben in meinem penthouse.

3.

punzel hatte wunderschönes, langes haar. ihr haar war nicht bloß haar, sondern auch geheimnisvolle botschaft. sie bürstete es gerne, griff es an, einfach haar, so dachte sie, ich liebe mein kopfhaar. es fühlt sich so weich an, so samtig.

plötzlich wußte sie, was zu tun war. das haar der schwerkraft anvertrauen, es fluten lassen, über den balkon und die wälder, einfach ins netz, ins kanalnetz, das haar, das kopfhaar ins kanalnetz.

4.

auch andere leute waren im netz. punzel´s mutter finanzierte den anschluß und hatte wunderbaren sex mit ernest. punzel jedoch hatte ihr haar im netz und das in permanenz. es war dort dunkel, aber fulminant, spritzig und "rattenhaltig". ja, es waren ratten im netz, und das nicht zu knapp an der zahl.

punzel jedoch schied die ratten von den prinzen.

im chat ließ es sich famos schaukeln, in luftiger sommerstimmung fanden sich die gefundenen in nie gespürter intimitätsrasanz. die prinzen hatten es punzel angetan. sie aß fast nichts mehr. einfach nur die prinzen, ja die prinzen wollte sie. die prinzen, einsamkeitsschwanger und bierhungrig, wollten punzel und gingen zum kühlschrank. kühles kann heiß machen, wenn es schäumt, fröhlich schäumt, es lässt sich dann auch besser über zitternde membrane schreiben. so waren die prinzen.

das haar, der zopf, über ein knaufmodem gelegt, ja das entlastete punzel´s kopfhaut. und es war gut so, auch entlastete kopfhaut war punzel´s ihres.

5.

otto42 war kein prinz, aber punzel mochte ihn trotzdem.
er war anders als die anderen.

ihr gefiel - punzel gefiel - wie er sich ihr vorsichtig näherte: "bist du m oder w ?" das war keine gewöhnliche anmache, sondern eine geschlechtsorientierte neugierde, so war punzel überzeugt.

auch nahm sie mit wohlwollen seine frage nach ihrem gewicht auf.

otto42
schien sich ja wirklich für sie zu interessieren.
otto42 war eben anders als die anderen.

6.

dann gab es aber auch scarabäus, der sich jeden tag liebevoll um sie kümmerte, ihr virtuell den rücken massierte und die goldsandaletten brachte. punzel war nicht im eigentlichen sinn tussy, eher gelegenheitstussy, aber doch mit solider hybris.

die nummer mit den goldsandaletten mochte sie und keiner konnte sie so gut wie scarabäus. diese goldsandaletten brachten stabilität in ihr leben. ein tag ohne der goldsandalettennummer war ein verlorener, das war punzel klar. an den hohen kirchlichen feiertagen kletterte scarabäus auch mal mit einer roten rose zwischen den zähnen punzel´s haar hoch. das hatte stil, so befand punzel, rote rosen und goldsandaletten. an manchen tagen fühlte punzel wie sie metamorphisierte. sie eine riesige goldsandalette wurde, ganz urbanisiertes strandgefühl mit langen, wohlgeformten beinen und eintönender housemusic.

das goldsandalettige bildete sich aber wieder rück.

7.

an jenem tag aber hatte otto42 sie bereits dreimal nach ihrem gewicht gefragt. beim zweitemal deutete sie diese fragenredundanz noch als massives interesse an ihrer person, beim drittenmal kam es ihr aber dann doch schon etwas albern vor. es gibt ja schließlich noch anderes im leben, zum beispiel, sandaletten in spiegelndem gold.

doch für goldsandaletten hatte otto42 nichts übrig. punzel spürte das ende ihrer zuneigung für otto42 herannahen. es galt "klare" fronten zu schaffen. das desinteresse von otto42 an ihren goldsandaletten deutete punzel richtigerweise als desinteresse an ihrer person, an ihrem leben.

als otto 42 rief: "rapunzel, rapunzel lass dein haar herunter", ließ sie einfach die papilottis angesteckt und otto dreiundvierzig werden. davor rief sie aber noch von ihrem penthouse herunter, zu otto, dem damals noch 42-jährigen: "heute kein parteienverkehr!"

otto42 zündete sich eine smart an und lächelte über das leben. "ich nehme den nächsten zyklus!", dieser gedanke verhaftete sich in seinem denken. er lächelte noch immer, als er in den bus stieg und in die randbezirke fuhr.

8.

am nächsten tag tat punzel wieder ihr haar über den balkon und ließ es ins netz. sie war keine 10 minuten eingeloggt, als sie plötzlich "gewicht" spürte. 57 kilo in etwa, das konnte nur mutter sein, so dachte punzel, als auch schon mutter´s kopf über der balkonbrüstung auftauchte.

"mutter" entfuhr es punzel spontan, "du hier? wie hältst du bloß dein gewicht?" "ja, ich bin´s, deine mutter! in tiefer sorge komme ich zu dir. über gewicht und übergewicht spreche ich heute nicht! ich habe schon jahr und tag von dir nichts gehört. der gefüllte weihnachtstruthahn ist kalt geworden und ernest mag nun mal keinen 'kalten'! so sprich, wie geht es dir?“

punzel blickte auf ihre uhr. in der tat es, war nun doch schon einiges an zeit vergangen.

"ich weiß“ so punzel zu ihrer mutter, dabei schenkte sie ihr einen zärtlichen blick. "wußtest DU, dass der liftwart verstorben ist? seitdem hat sich hier viel geändert, und ich kann ja nicht an meinem eigenen zopfe rauf und runter! schönen gruß an ernest übrigens. habt ihr noch immer so phantastischen sex?" die mutter nickte. "ja, es noch immer wie beim ersten mal!" im gespräch zeigte mutter dann verständniss für die situation von punzel. sie deutete an, ähnliches erlebt, mitgemacht zu haben.

grosso modo war sie, die mutter, eine kluge frau. dennoch punzel sollte nicht ungeschoren davonkommen. die mutter zog eine riesige schere aus ihrem décolleté und sprach zu punzel: "etwas weniger netz, sonst gibt es einschneidende, möglicheweise sogar abschneidende änderungen! alles klar?"

"ich finde es gut, dass wir darüber gesprochen haben, mutter!" so punzel. so sprach sie zu ihr, ließ sich aber ihren aktuellen drang ins netz nicht anmerken.

9.

die mutter aber wußte, dass die stunde des abschieds gekommen war und schwang sich über die balkonbrüstung. "nicht so schnell mutter, die wucht ist es, die die kopfhaut trifft und wucht ist immer noch masse mal geschwindigkeit!"

das hörte die mutter aber nicht mehr, sie war flott unterwegs. auf halber höhe traf sie scarabäus, der sich höflich mit: "scarabäus mein name, sehr erfreut!“ vorstellte, "soll ich innen oder außen herum, ich bin für beides offen", so scarabäus zu der mutter, die seine schwiegermutter werden sollte, aber davon wußte er noch nichts.

"innen hab ich´s lieber, komm innen durch!" und scarabäus tat wie ihm geheißen.

10.

punzel hatte sich scarabäus zwar etwas anders vorgestellt, dennoch wurden sie intim. zwei fruchtwasseraquanauten wurden ihre leibes früchte. einer von ihnen war weiblich.

11.

scarabäus verschwand. nach dem geschlechtsverkehr war er gerne alleine. punzel indessen gebar ein paar monate später zwillinge und ging zum friseur.

12.

scarabäus war magistratsdirektor bei der ma 48. jahre später trieb ihn die sehnsucht zurück, zurück zu punzel. er nahm eine stelle als liftwart in jenem haus an, wo sie mit ihren lieben leibesfrüchten wohnte. in der mittagspause, ja auch liftwarte habe mittagspause, da geht nichts in die höhe, aber auch nichts in die tiefe, kam er gerne auf einen cafe zu punzel und ihren leibesfrüchten.

ja, es waren ihre leibesfrüchte, das konnte man durchaus so sagen, fand er. er hatte ja auch seinen samen beigesteuert, auch keine kleinigkeit in melonendramatischen zeiten, so scarabäus zu punzel.

"nimm deine sonnenbrille ab!"
"ich sehe plötzlich besser!"

so lebten sie noch lange und vergnügt. 

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