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Wie aber sieht es nun wirklich im Kopf
des Weihnachtsmannes aus?

Finden wir da überhaupt Platz?
Sind nicht Millionen anderer Männer schon da?
Und Frauen? Hat der Weihnachtsmann Frauen im Kopf?...

Von Reinhard Winkler


Erste Spekulation:

    Der Weihnachtsmann ist ein liebenswerter Kerl, der nicht bis drei zählen kann, ein Mann mit goldenen Kettchen und ewigem Lächeln. Seine Nase ist großporig, seine Augen wässrig. Er ist ein unzerknirschter, gutmütiger, auf allen tendenziösen Ernst fröhlich pfeifender Surrealist.
Zu Frauen hatte er während seiner Schulzeit überhaupt keine Beziehung, erst später traf er sich mit Studentinnen. Mit einer ging er sogar einmal in ein Konzert. Seitdem träumt der Weihnachtsmann davon, einen Pornofilm zu drehen. Er findet es nämlich traurig, dass Filme, die von Liebe und Erotik handeln, so schlecht gemacht sind. Schließlich geht es dabei um ein wichtiges Thema. Im Übrigen ist die einzige Angst des Weihnachtsmannes die vor Rückenmarksschwindsucht, weil er es nicht lassen kann, sich selbst zu befriedigen.

Zweite Spekulation:

    Der Weihnachtsmann war eine Leseratte, die schon nach dem zweiten Buch (Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften) den Verstand verloren hat.

So war der Weihnachtsmann gezwungen, in Möbelhäusern aufzutreten und gegen Bares Dummköpfe auf seinen Schoß sitzen zu lassen, die sich dann einen Heiligenschein aufsetzen durften.
Kein schönes Leben.
Eines Tages flötete aus den Lautsprechern des Kaufhauses der Song: *It's never too late for a brand new start* von Paul Weller.

Seitdem sitzt der Weihnachtsmann mit gekreuzten Beinen in irgendeinem Beserlpark in Wien und stellt folgende Überlegung an: Wie wohl sprengt man am besten die Erde in die Luft?

Dritte Spekulation:

    Der Weihnachtsmann lebt irgendwo in Illinois, wo er Nutten fickt, Schläger für sich arbeiten läßt und die dreckigen Seiten dieser Welt souverän umblättert.

Diese dritte Spekulation erscheint mir im Moment – und das ist unmittelbar nachdem mein KFZ den Geist aufgegeben und sich das Weihnachtsgeschenk für meine Frau, ein dunkelgrüner Ohrensessel, in eine nagelneue Lichtmaschine verwandelt hat, am plausibelsten.

Ein gesegnetes Fest wünschte ich Euch allen, hoffentlich ist es nicht zu spät.

E-mail des Autors:
winkler.hawelka@aon.at


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