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Direktor und Dichter auf dem Theater

BON JOVIs Kritiker, kritisch betrachtet

Von Nick Büscher



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Kann man Mephisto seine Verführungskraft vorwerfen?

    Verfolgt man die Musikkritik unserer Tage, so ist man schnell erinnert an das Vorspiel auf dem Theater zu Goethes Faust. Erster Teil. Direktor, Theaterdichter und eine lustige Person disputieren über das Spannungsfeld von Kunst und Unterhaltung. Doch wo bleibt die Rolle des Kritikers? Hat Goethe jene Rolle des Suppenspuckers etwa vergessen, aus Unachtsamkeit oder Eile? Die Musiker und Künstler von BON JOVI stehen stellvertretend für diesen Widerstreit von Musikkritik und Unterhaltungsindustrie, den die zeitgenössische Kulturszene beherrscht.

Sicherlich ist es unbestreitbar, dass BON JOVI ihre Anziehungskraft auf gerade junge Menschen besitzt, insbesondere auf junge Menschen weiblicher Natur. Doch bestreitbar ist das Gewollte oder gar Geforderte dieser sehnsüchtigen jungen Masse, die sich den Mannen um Jon Bon Jovi voller Wolllust hinzugeben versucht. Kann man Mephisto seine Verführungskraft vorwerfen? Oder muss sich nicht etwa der Verführte die Verführbarkeit vorwerfen lassen? Zudem ist die Rolle des vorgeblichen Verführers für einen Ehemann und vierfachen Familienvater mehr als zweifelhaft. Die Posierung auf der Bühne gilt nicht dem nach Triebbefriedigung haschenden Publikum, sondern der inneren Freude an der Musik.

 

Im zarten Jugendalter von elf Jahren ergriff JBJ die Gitarre und ließ sie fortan nicht mehr los.

 

 

 

 

 

 

 

BON JOVI wird häufig auf auf Jon Bon Jovi reduziert

    Schon früh hat sich John Francis Bongiovi, noch mit bürgerlichen Namen, der Musik verschrieben. Im zarten Jugendalter von elf Jahren ergriff er die Gitarre und ließ sie fortan nicht mehr los. Aus der unteren Mittelschicht arbeitete sich Jon Bon Jovi empor, obgleich er musikalisch bereits überragend war. Umso härter trifft die unverbesserliche Kritik, die ihm und den anderen Musikern von BON JOVI entgegenströmt. Dabei wäre es Jon Bon Jovi selbst, der es in den Worten des Dichters auf dem Theater, im Disput mit dem Direktor, nicht minder treffender verlauten lassen könnte:

Ihr fühlet nicht, wie schlecht ein solches Handwerk sei!
Wie wenig das dem echten Künstler zieme!
Der sauberen Herren Pfuscherei
Ist, merk ich, schon bei Euch Maxime!

Denn Jon Bon Jovi will sich als ernstzunehmenden Künstler verstanden wissen. Sicherlich, musikalische Jugendsünden hängen dem Künstler länger nach als jeder musikalische Erfolg. Was gäbe es sonst für Kritiker noch zu kritisieren? Schmerzlich ist es, das BON JOVI auf Jon Bon Jovi reduziert wird, wobei jedes Mitglied von BON JOVI ernstlicher Künstler ist. Noch schmerzlicher ist es, dass man Jon Bon Jovi nach wie vor auf sein Äußeres  zu reduzieren versucht, seine Körperkonstitution wider sein Künstlertum zieht. Natürlich ist Jon Bon Jovi ein moderner Adonis – ein entpersonifiziert- personifiziertes Phallussymbol der weiblichen Anhängerschaft. Schon zu oft bereute Jon Bon Jovi diese Reduktion auf seinen Körper, hörte man den Texten seiner Lieder allzu wenig zu! Seine wahre Anerkennung liegt aber nicht auf dem Felde des Körpers, sondern auf dem Felde der Musik – der Kunst!

 

 

Die Gruppe aus New Jersey hat sich über Jahrzehnte hinweg ihren eigenen musikalischen Stil erhalten.

    Nicht jedes Musikstück kann ein Meisterwerk sein – so manch anderer Künstler hat Werke hervorgebracht, die weit hinter ihren Meisterwerken zurücktreten mussten. Umso schwerer für eine Gruppierung wie BON JOVI, die derart zahlreiche Meisterstücke hervorgebracht hat, die nunmehr zum Vergleich zu zeitgenössischen Kreationen hinzugezogen werden. Doch sind die Musikstücke von BON JOVI unikal, hat sich die Gruppe aus New Jersey über Jahrzehnte hinweg ihren eigenen musikalischen Stil erhalten.

So gib mir auch die Zeiten wieder,
Da ich noch selbst im Werden war,
Da sich ein Quell gedrängter Lieder,
Ununterbrochen neu gebar!

So lautet die Klage vieler Musiker, die, in die Jahre gekommen, sich der Hure Babylon im Gewand der Musik- und Unterhaltungsindustrie allzu begierig hingegeben hatten und nunmehr erstorben, die künstlerische Flamme erloschen ist. Doch BON JOVI mit über 100.000.000 umgesetzten Tonträgern und einer nach wie vor treuen musikalischen Anhängerschaft hat nichts von der musikalischen Euphorie der ersten Tage verloren. Die Klage des Dichters auf dem Dach des Theaters liegt in weiter Ferne.

 

 

Die Kritiker, die ignoranten und unverbesserlichen

    Oftmals steht BON JOVI in Misskredit ihrer Plattenfirma, da Jon Bon Jovi öffentlich gegen die abgeschmackte und seelenlose Musik- und Unterhaltungsindustrie wettert. Oftmals geriet dies BON JOVI schon zum Nachteil.

Hartnäckig halten sich die Kritiker, die ignoranten und unverbesserlichen. Hartnäckig halten sich die stupid-sehnsüchtig kritiklosen Anhänger und Verehrer. Nichts wird dem wahren Künstler gerecht, der doch sein eigener Kritiker ist und bleiben sollte, will er ein richtiger Künstler sein. So soll die lustige Person, die mitsamt Direktor und Dichter auf dem Theater steht, mit den Worten schließen:

Ein jeder lebt’s, nicht vielen ist’s bekannt,
Und wo Ihr’s packt, da ist’s interessant.
In bunten Bildern wenig Wahrheit,
Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit!

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