Von Hans Durrer
(20.
02.
2005)
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Sobald wir über ein Thema, das in Wahrheit keines ist, zu diskutieren beginnen, haben die PR-Leute schon gewonnen
Über Freiheit, Demokratie etc. zu argumentieren, bedeutet für die Irak-Invasion nichts anderes als auf die PRopaganda der Machthungrigen reinzufallen |
Spät abends, im Fernsehen ein Dokumentarbericht über den Vietnamkrieg. Ehemalige Mitarbeiter des CIA äußern sich über die 'Golf von Tonkin'-Legende, gemäß welcher der US-Zerstörer Maddox Anfang August 1964 von nord-vietnamesischen Torpedobooten angegriffen wurde, was den Amerikanern den Vorwand lieferte, offiziell in den Krieg einzutreten. Nur eben: diesen Angriff hat es nie gegeben. Wochen später, ein weiterer
Bericht, diesmal über den ersten Golf-Krieg: Ein 15jähriges Mädchen sagt vor
dem amerikanischen Senat unter Tränen aus, dass irakische Soldaten in einer
kuwaitischen Klinik Säuglinge aus den Brutkästen genommen und diese getötet
hätten. Die Geschichte war erfunden, bei der 15jährigen angeblichen
Hilfsschwester handelte es sich um die Tochter des Kuwaitischen Botschafters
in den USA; inszeniert wurde das alles von der weltweit größten PR-Agentur,
Hill & Knowlton, deren Chef mit Bush Senior befreundet war. Nicht wenige
Senatoren, so der Fernsehbericht, stimmten nicht zuletzt dieser emotional
aufwühlenden Geschichte wegen für den ersten amerikanischen Angriff auf
Irak.
Dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gegeben ...
und so weiter, wir haben es ja alle oft genug gehört, jeder, der es wissen
will, kann es wissen. Ebenso dürfte bekannt sein, dass, wenn es um Krieg
geht (nur da?), die Bevölkerung routinemäßig angelogen wird, und so recht
eigentlich wissen wir das ja auch. Erstaunlich ist jedoch, dass unser
diesbezügliches Wissen zu keinen nennenswerten Konsequenzen führt. Im
Gegenteil: Wir lassen uns sogar in Diskussionen darüber hineinziehen, ob die
uns präsentierten Behauptungen stimmen, ob sie wahr seien. Sobald das
geschieht, haben die PR-Leute gewonnen, denn dann haben sie es geschafft,
dass etwas zum Thema wurde, was gar kein Thema ist: Keiner, der nicht am
Ende leicht zweifeln würde, ob da vielleicht nicht doch was dran sein könne
an den Massenvernichtungswaffen, dem Uran aus Niger, den chemischen und
biologischen Waffen usw.
Doch wovon will man ablenken, warum
geht es denn wirklich? Darum, worum es letztlich immer geht – um Geld, das
in diesem Falle Öl heißt, und um Macht. Am 28. Juli letzten Jahres schrieb
John Chapman, ein hoher britischer Regierungsbeamter, im Londoner
Guardian, womöglich gebe es noch immer Leute, die den Worten von Herrn
Rumsfeld glaubten, der da gesagt hatte, dass Amerika seine Truppen nicht in
die Welt hinausschicke, um sich des Öls anderer Leute zu bemächtigen, weil
Demokratien nun einmal nicht so funktionierten. Andere wiederum, fuhr
Chapman fort, würden weiterhin Herrn Blair Glauben schenken, der da gesagt
hatte, dass, wenn es wirklich um Öl gegangen wäre, es wesentlich einfacher
gewesen sei, sich mit Saddam Hussein auf einen Handel zu verständigen. Doch erfahrene
Staatsdiener, so Chapman, seien nicht so naiv. Für sie sei der klare Grund
gewesen, dass Irak im Öl schwimme. Weshalb man sogar bereit gewesen sei,
Absurditäten wie die Behauptung mit den 45 Minuten sich zu eigen zu machen.
Über Waffenvernichtungswaffen, Freiheit, Demokratie etc.
zu argumentieren, bedeutet im Zusammenhang mit der Irak-Invasion demnach
nichts anderes als auf die PRopaganda der Machthungrigen reinzufallen.
Realistischer und angemessener wäre, immer wieder daran zu erinnern, worum
es hier wirklich gegangen ist und noch immer geht: um Öl, um Öl, und
nochmals um Öl.
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