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Der Himmel fiel

Eine traurige Geschichte vom Ende des Widerstands: Asterix in Gefahr, der 33. Band
der legendären Serie, enttäuscht mit plattem Witz und Ideenlosigkeit.

Von Bernhard Flieher
(16. 11. 2005)


Bernhard Flieher
ist Redakteur bei den
Salzburger Nachrichten

 

     Jetzt ist uns der Himmel auf den Kopf gefallen. Die einzige Angst der gallischen Helden wirft als außerirdisches Flugobjekt einen Schatten übers Dorf. Die Angst wird auch im metaphorischen Sinn Realität: In "Asterix in Gefahr" (welch bescheuerte Übersetzung des Originaltitels "Le Ciel Lui Tombe sur la Tête"; dt. "Der Himmel fällt ihm auf den Kopf") herrscht Kopflosigkeit. So schwach war bisher keines der 32 Abenteuer. Bei den Außerirdischen gibt es gute (sehen aus wie Teletubbies) und böse (sehe aus wie metallene Yedis). Sie wollen den Zaubertrank, dessen Wirkung sich bis zu ihnen ins Weltall herumgesprochen hat. Sie bekommen ihn nicht. Was wir bekommen? Ein bisserl Science- Fiction, ein bisserl Klon-Debatte, ein paar Kämpfe.

Das Prinzip der Geschichten war immer einfach. Es ging gegen die Römer (die diemal nur Nebenfiguren sind). Die Mächtigen waren die arrogant Dummen. Die Kleinen waren die Schlauen. Daraus ließ sich, wenn nicht fürs Leben lernen, zumindest Hoffung schöpfen.

Der Zauber jener Bände, für die Rene Goscinny bis zu seinem Tod 1977 als Texter verantwortlich war, lag in den Nebensträngen, in denen Vorurteile ironisch hinterfragt, Gesellschaftskritik geäußert und subtiler Humor in Wort und Bild zelebriert wurden. All das ist verschwunden.

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Zeichner Albert Uderzo muss einen Megakonzern am Laufen halten. Es geht um Besitzstandswahrung durch Merchandising im Asterix-Land. Dabei spielt der Inhalt neuer Abenteuer wenig Rolle

     Statt einer originellen Geschichte mit Esprit und feinen Spitzen wälzt sich "Asterix in Gefahr" als Marketingkampagne über jene 27 Länder, in denen der Band gleichzweitig erschienen ist. Im deutschsprachigen Raum, wo bisher rund 100 der insgesamt 310 Millionen Exemplare verkauft wurden, gab es eine Startauflage von 2,7 Milllionen. Zeichner Albert Uderzo muss einen Megakonzern am Laufen halten. Es geht um Besitzstandswahrung durch Merchandising im Asterix-Land. Dabei spielt der Inhalt neuer Abenteuer wenig Rolle. Peinlich wird aus dem Asterix-Frühwerk zitiert, wenn etwa der Teletubbie-Außerirdische dem Legionär in "Kampf der Häuptlinge" (1966) gleich den Zaubertrank nicht verträgt. Durchsichtig sind die spärlichen Wortspiele. Ohne Hintersinn werden Standardfloskel aus dem Phrasenbuch des Pop hingeworfen ("Möge der Trank mit euch sein"). Besonders fragwürdig wird die Sache, wenn die guten Fremden vom Planet Tadsylwine (ein Anagramm des Comic-Weltmachthabers Walt Disney) kommen und die Bösen von Nagmas (Anagramm für Mangas, die hoch im Kurs stehenden Disney-Konkurrenten aus Japan). Da kehrt sich die Welt der Guten und Bösen um. Die Widerständischen sind lägst Globalplayer.

Wo einst am Ende ein Bankett Lust aufs nächste Mal machte, herrscht Betrübnis: Ungewollt, aber passend steht im letzten Bildtext des Heftes: "Und so kommt es, dass die Gallier diemal die Festtafel (…) decken, ohne sich ihres letzten Abenteuers zu erinnern." Besser lässt sich nicht sagen, mit welchem Gefühl nach 47 Seiten dieses Kapitel vergessen werden kann.

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