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Schniff und Schluchz

Jammer! Oh Ungemach! Erika Fuchs ist tot. Für Schluchz bleibt wenig Zeit.
Die alten Hefte müssen vom Dachboden geholt werden.

Von Bernhard Flieher
(25. 05. 2005)



Bernhard Flieher

ist Redakteur bei den
Salzburger Nachrichten

    Von der ersten Ausgabe 1951 bis 1972 übersetzte Fuchs, was Donald & Co. im "Kosmos Entenhausen" zu sagen hatten, in deutsche Sprache. Es ist ein literarischer Kosmos, der keine Grenzen kennt. Mit dem London von Charles Dickens könnte man das vergleichen. Alles passiert auf engstem Raum und alles gilt doch für alle und überall. Kohärenz und Geschlossenheit zeichnen die Welt aus, in der alle Aspekte gesellschaftlichen Lebens ergründet werden – nicht nur in den Geschichten selbst, sondern auch in den Mitteln und Quellen, die diesen Geschichten ihre Sprache geben.

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Dank Fuchs’ Kreativität wurden die Übersetzungen Popkultur, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab

Puff! Zack! Grrr!

    "Panzerknacker" etwa war einst der Spitzname für die Hs 129, ein Flugzeug ausgestattet mit einer 30-mm-Kanone. Fuchs entriss das Wort dem Krieg und sorgte dafür, dass für alle Zeiten trottelige, sympathisch unfähige Einbrecher so genannt werden. Fuchs machte Wörter hörbar. Bazong! Fnf! Grmpf! Rums! Wenn Donald eine Glühbirne einschraubt, macht das "Klickeradoms". Womit wir – schneller als wir lesen können – bei klassischem Kulturgut angekommen sind. Das Wort erfunden hat nämlich Wilhelm Busch für seine "Fromme Helene". Aber nicht nur Busch, sondern Schiller und Goethe, Nietzsche und Hegel, Sprichwörter und Weisheiten – sie alle kamen der Kunsthistorikerin Fuchs unter und fanden den Weg in die Sprechblasen. Überschritten wurden so Grenzen, die zuvor fest gemauert in der Erden waren. Dank Fuchs’ Kreativität wurden die Übersetzungen Popkultur, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Faust, Bibel und das Lehrbuch der Pfadfinder von Fähnlein Fieselschweif, der kapitalistische Alltag von Dagobert und Hungersnöte, Tollpatsch Donald und Weltpolitik – all das kam mühelos zusammen. Fuchs füllte Sprechblasen mit anspruchsvollem Witz, mit großer Intelligenz und das Beste daran: Man musste all das nicht bemerken, um es gut zu finden. Die Vorlagen für die Sprache von Donald & Co. riss einst schon in Volksschultagen eine Welt auf, in die es im Grunde erst in der gymnasialen Oberstufe vorzudringen galt. Grübel, grübel! So wurden Comics wertvolles Kulturgut. Ein Ächz sei all jenen entgegengestöhnt, die unerbittlich ahnungslos immer noch von "Schundhefteln" reden. Grrr! Freilich muss angemerkt werden, dass die Ausgaben der letzten Jahre dem hohen Niveau vor allem der späten 60er Jahre nicht mehr standhalten. Mit allem geht’s Zack und Kawumm bergab. Brrrr!

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So muss auch mit der Fehlannahme aufgeräumt werden, dass nur die Blödesten Comics lesen

Schnarch und Seufz

    Wer bei Fuchs las, lernte neben Geschichte auch noch korrekte Dative, Genitive und anderes Grammatikzeugs. Was in der Schule noch Schnarch war, sorgte bei der Heftchenlektüre für Lachsalven. So muss auch mit der Fehlannahme aufgeräumt werden, dass nur die Blödesten Comics lesen. Wäre das passiert, müssten Interviews in den Seitenblicken oder bei "Willkommen Österreich" vor grammatikalischer Brillanz glänzen, dass es in den Augen Trän macht. Tut es das? Eben! Seufz!

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