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Im Reich der stillen Monster
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Will Oldham, Eigenbrötler des Alternative-Country, legt wieder ein
herausragendes Album vor.
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    "T
he Monster will get you, 'cause love does no good." So schlimm? Ja! Ja! Und nochmals ja! So würde Will Oldham schreien, würde der überhaupt je schreien. Tut er aber nicht. Stattdessen beschwört er das Monströse in feingesponnenen Song-Zartheiten. Zumindest klingen sie musikalisch danach.

Ein sanft gestrichenes Cello, eine kaum gezupfte Gitarrensaite, ein mit dem Beserl bearbeitetes Schlagzeug, dessen erste Silbe in Oldhams Fall definitv eine schwere Übertreibung ist. Dazu eine näselnde, fast tonlose Kopfstimme. Wie federleichte Bleistiftskizzen klingt das. Wenn man aber genau hinhört, wenn man sich hineintreiben lässt in die scheinbar harmlosen Oldhamschem Geschichten, verschwindet das Unauffällige im grauen Schleier der Weisheiten, die das Leben schreibt. Und die sind eben selten lustig.

     Der vollbärtige Songwriter, angeblich Mitte 30, stammt aus Muhammed Alis Heimatstadt Louisville, Kentucky. Er verfügt über zumindest eine gleiche Eigenschaft wie sein Ortskollege: die Gabe, seine Kräfte gezielt einzusetzen. Oldham tat das auf jedem seiner bisher rund 20 Alben. Hat er sich mit den beiden letzten Werken "Ease Down The Road" und "I See A Darkness" vor allem der Themen Verlust, Schmerz und Leid angenommen - und zwar hauptsächlich am Beispiel auswegloser Zustände wie körperlicher Liebe und Tod -, so nähert er sich dieses Mal dem Thema "Hehre Minne".

Er tut es in Nahaufnahmen. Musikalische Landschaftsgemälde wie noch auf "Ease Down The Road" interessieren ihn diesmal gar nicht. Er will der Frau und dem Mann und allem, was zwischen den beiden passiert, ins Gesicht schauen, will fühlen, was er dann über sie - und wohl auch über sich selber - in aller Härte erzählt.

    Will Oldham ist der Super-Outlaw im an Outlaws und an Sonderlingen reichen Feld des Alternative-Country. Seine Alben veröffentlichte er bisher unter den Namen Palace Brothers, Palace Songs oder Palace. Mit "Master & Everyone" liegt nun das dritte Werk vor, für das er den Namen Bonnie "Prince" Billy verwendet. Sein Bruder Paul Oldman sowie William Tyler und Tony Crow von Lambchop haben mitgearbeitet. Sängerin Mary Slayton darf einigen Songs eine zusätzliche weiche Farbe verleihen. Wie auch die restlichen Kollaborateure muss sie sich in Zurückhaltung üben. Die Kraft wächst nämlich aus der Stille, in der es sich für einen Eigenbrötler wie Oldham immer noch am allerbesten verstecken lässt.


("Master & Everyone" ist erschienen bei Domino/Zomba.)


Bernhard Flieher

(Bernhard Flieher ist Redakteur
bei den Salzburger Nachrichten)


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