Literatur und Politik

Kulturschaffende und Kulturpolitiker haben zuweilen beträchtliche Auffassungsunterschiede
bezüglich des Kulturbegriffs. In dieser österreichischen Begebenheit, die es durchaus wert ist, erzählt zu werden, wird von Letzteren versucht, diese Unterschiede mittels Radierer und
Löschtaste einzuebnen.

Von Martin Krusche


Martin Krusche
, geb. 1956, Autor. Impresarion von www.kultur.at. Lebt und arbeitet in Gleisdorf, Oststeiermark (Österreich). Martin Krusche arbeitet seit geraumer Zeit an der Schnittstelle zwischen dem traditionellen Raum und den neuen, virtuellen Räumen. Entsprechend diesen Bezügen ist auch sein künstlerisches Vorgehen nicht auf ein Genre begrenzt, sondern führt in bereichsübergreifende Situationen. E-mail: der.krusche@unplugged.at


      In der Druckschrift "Zukunft Kultur Politik (Das kulturpolitische Arbeitsprogramm von Landeshauptmann Waltraud Klasnic und der steirischen Volkspartei)" wurden widerrechtlich Passagen aus einem Text von mir verwendet. Zu einem bemerkenswerten Teil fast unverändert. Aber natürlich aus dem gesamten Zusammenhang gerissen. [siehe: http://www.unplugged.at/z02/urp/doku01.htm]

Meine Recherche ergab, daß die Nationalratsabgeordnete und Autorin Andrea Wolfmayr diesen Vorgang gebilligt und mitgetragen hat. Aus heutiger Sicht zeigt sich auch, daß sie schon damals meine vorsätzliche Irreführung in Kauf nahm. Sie schrieb (und schreibt bis heute) nicht, daß es um das kulturpolitische Programm der ÖVP ging, als sie mich einlud, einen Beitrag zum Thema "Literatur in der Steiermark" für eine "Broschüre" zu verfassen.

Ich legte einen Text vor, der nicht angenommen wurde. Als mir Wolfmayr damals ihre Einwände und Änderungswünsche schrieb [siehe: http://www.unplugged.at/z02/urp/doku05.htm], zog ich den Text zurück. In der dieser Mail verschwieg sie mir erneut, daß es sich bei dem Publikationsvorhaben eigentlich um das kulturpolitische Programm ihrer Chefin handelte.

Sie teilte mir mit:

>>Dein Text wird einfließen und einbezogen werden, Passagen, die aber besonders kritisch sind oder eine eher subjektive Sichtweise zeigen, sollen hier nicht verwendet werden.<<

Völlig unakzeptabel. Also untersagte ich ausdrücklich die Publikation, auch auszugsweise, und veröffentlichte den Text auf einem amerikanischen Server. [siehe: http://www.geocities.com/SoHo/Suite/5434/xplus/stand07.htm]

Am 25. Mai 2001 bat ich Wolfmayr telefonisch um eine Erklärung und konnte sie nicht erhalten.

Am 26. Mai 2001 fragte ich Klasnic-Sekretär Mayr und Wolfmayr via Email: "wissen sie, wer das zu verantworten hat?"

Am 28. Mai 2001 bat ich Steiermarks Landeshauptmann Waltraud Klasnic schriftlich, mir eine Regelung der Angelegenheit vorzuschlagen. [siehe: http://www.unplugged.at/z02/urp/doku03.htm]

Am 1. Juni 2001 übermittelte ich Klasnic-Mitarbeiter Richard Mayr einen Lösungsvorschlag mit der Bitte, ihn seiner Chefin vorzulegen. [siehe: http://www.unplugged.at/z02/urp/doku06.htm]

Bis heute, den 11. Juni, fand man es nicht der Mühe wert, mir formell zu antworten.

Am Samstag, dem 09. Juni 2001 11:47, schickte Wolfmayr eine private Email (ich nehme an: versehentlich) auch in meine Mailbox. Darin beschreibt sie den Vorfall sehr detailliert. Verblüffend finde ich dabei, daß sie letztlich eine Schuldumkehr vornimmt. Die darin sichtbare Praxis in einer politischen Schreibstube der Steiermark ist dann schon atemberaubend. Hier können sie im Originalton nachlesen, wie zwei VP-Funktionäre ein explizites Publikationsverbot ignorieren, indem sie beschließen, den Autor gegen andere Autoren "zu beschützen". Ich zitiere hier aus dieser aufschlußreichen Email. Das wirft doch einige Fragen auf, die ich nun vorlegen möchte. Gibt es darauf Antworten?


Die Zitate und die Fragen



>>als ich ihn damals gebeten habe um einen beitrag zur kunst/kulturbroschüre des landes stmk, wollte ich für beide seiten was positives:<<

Warum ist die politische Partei mit dem Land Steiermark selbst gleichgestellt? Es ging ja um "Das kulturpolitische Arbeitsprogramm von Landeshauptmann Waltraud Klasnic und der steirischen Volkspartei".

>>1) martins wichtige informationen an eine größere öffentlichkeit bringen, 2) ihm ein podium verschaffen.<<

Über ein politisches Programm? Ohne mich zu informieren? Gegen mein Publikationsverbot? Wem soll das nützen?

>>die "endredaktion" hat so ausgeschaut, daß mir das fertige manuskript in die hand gedrückt wurde mit der bitte um durchsicht ("und rasch, rasch, und bitte möglichst nur mehr marginale änderungen, nichts inhaltliches, es muß sofort in druck gehen")<<

Wer erklärt der erfahrenen Autorin bitte den Unterschied zwischen Redaktionsarbeit und Korrekturlesen?

>>beim erinnern also hab ich mit bernhard noch rausgekramt, daß ich damals sogar einwandte, ob es nicht angebracht wäre, martin namentlich zu erwähnen, weil vieles von seiner handschrift doch kenntlich sei<<

Wieso meinen Funktionäre einem Autor zu nützen, indem sie sein Urheberrecht auf diese Art mißachten?

>>man meinte damals, das sei nicht klug, denn die eifersucht der anderen schriftsteller: warum darf martin k. beraten und wir werden nicht gefragt usw. - so die entstehungsgeschichte<<

Ich kenne aus meinem Milieu keinen Autor, der bereit gewesen wäre, sich von der ÖVP für das politische Programm in den Dienst nehmen zu lassen. Gegen wen wollte man mich schützen?

Und warum hat man nicht statt dessen etwa den sehr verdienten und bedeutenden Alfred Kolleritsch oder einen seiner Weggefährten um einen Beitrag für das ÖVP-Programm gebeten? Da hat doch über Jahrzehnte ausgesprochene VP-Kompatiblität bestanden. Was sich ja auch darin zeigte, daß einige der renommierten Herren 1991 für Landeshauptmann Krainer Wahlkampfhilfe geleistet haben.

>>der text ist ein arbeitstext und kein literarischer, also kann man sagen: läßlich ist mein "vergehen"<<

Kein Kommentar. (Hat übrigens die Autorin Wolfmayr nicht selbst rund um ihren ersten Roman einst ein Urheberrechtsverfahren durchstehen müssen?)

>>von kollegen wird mir jetzt sowieso dauernd versichert, daß die beamten immer nur die texte machen, also schreiben und gestalten, sie aber nicht ausdenken, ...<<

Wo liegt der Unterschied zur Zerfledderung meines Textes?

>>... sondern experten beiziehen, die nicht genannt werden und auch nicht genannt werden wollen, eben um sich nicht politisch eingeordnet zu sehen, - martin war eben experte -<<

Welches demokratiepolitische Credo ist hier formuliert? Stünde es mir nicht frei, eine "politische Zuordenbarkeit" in der Öffentlichkeit vermeiden zu wollen? Stünde es mir nicht auch frei, politisch anders zugeordnet werden zu wollen?

>>jetzt, lang nachher (ich dachte, er kennt und hat die broschüre längst) dieses.<<

Warum dieses Staunen, daß ich mich hintergangen fühle? Und zwar genau im Sinn dessen, was Landeshauptmann Klasnic zu verhindern versprochen hat: "... die Gefährdungen der Freiheit der Kunst, über die Gefahr der Diffamierung, der Zensur, aber auch der Vereinnahmung und des parteipolitischen Missbrauchs von Kunst und Kultur ..."

>>also: ich wollte leute, künstler einbeziehen und nach wien bringen - und immer, selbstverständlich! gegen honorar und für presse und öffentlichkeit usw., also für deren ruhm und ehre und nicht, weil ich alles geschenkt haben will, weil ich die freundschaften ausnutze und was so scheiß da gedacht und geredet wird anscheinend, mir sagt man es ja nicht ins gesicht, ich kriege die peitsche nur, wenn es grad paßt - martin mit dem zeyringer-zitat gegen mich, anscheinend wird also im hintergrund gegen mich material gehortet?<<

Kein Kommentar.

>>noch niemals aber bin ich von irgend jemand, schon gar nicht von einem "freund", so verletzt worden, habe mich so gedemütigt und ungerecht beschuldigt, so beleidigt gefühlt. ich hab jetzt eine zeit gebraucht, um mich zu fangen.<<

Kein Kommentar.

>>gegen das pauschalierende vorurteil (andrea w das politikerschwein, als das wir sie eigentlich immer schon gesehen haben, sehen wollten, und als das sie sich jetzt entlarvt), gegen das bin ich als person machtlos, da hilft mir halt nichts, ...<<

Nichts an derartiger "Schweinerei" wurde geäußert oder geschrieben. Ich warte immer noch auf eine Antwort der steirischen VP.

Empfehle mich!

Martin Krusche
der.krusche@unplugged.at

 

P.S.: Lesen Sie zur Erhellung des Hintergrundes solcher steirischer Kuriositäten Klaus Zeyringer "Kunst-Dünger auf dem Provinz-Feld. (Produktion und Signal-Reflexion des Konzeptes "Kunst in Graz" in den marginalien der manuskripte), im Web unter: www.kultur.at/dis/set01/dis012.htm

 


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