Alle Menschen sind sterblich

Von Hermann Maier

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lle Menschen sind sterblich" beschreibt die wechselvolle Geschichte eines Mannes, Raymond Foscas, dem der Genuss eines Elixiers Unsterblichkeit verliehen hat. Wir begegnen ihm als Fürst im mittelalterlichen Italien, als Vertrautem Karls des Fünften, während der Entdeckung der Neuen Welt, im Revolutionszeitalter...

Wer aber nun meint, "Alle Menschen sind sterblich" sei ein beliebiger historischer Roman, der irrt sich gewaltig; nicht zuletzt werden in ihm die Konsequenzen der "Kehrtwendung" des Menschen vom Jenseitsgerichteten zum Diesseitszentrierten festgemacht: der Widerwille gegenüber dem Tod oder der Wunsch, dauerhafte Spuren auf dieser Welt zu hinterlassen. Regine, eine Schauspielern, drückt diese Hoffnung an einer Stelle im Roman so aus: "Für sie würde die Zeit eines Tages stillstehen." (S. 53) Fosca, der den Lauf der Dinge kennt und so immer wieder die Rolle des "Allwissenden" annehmen kann, zerstreut ihre Illusionen, "denn wenn man lange genug gelebt hat, sieht man, dass jeder Sieg sich eines Tages in eine Niederlage verkehrt". (S. 297) Fosca hat zu viel gesehen, als dass er noch daran glaubt, dass Menschen sich durch ihre Taten "unsterblich" machen könnten. Unser Tun hinterlässt am Ende nicht die "allerleiseste Spur" (S. 116) stellt er voll der Resignation fest.

   Simone de Beauvoir, die Lebensgefährtin Jean-Paul Sartres, deutet in ihrem Werk "Alle Menschen sind sterblich" durch die Figur Foscas an, dass die Vergänglichkeit (oder in der existenzphilosophischen Terminologie: die "Kontingenz") das Leben gründlich vergällen und als sinnlos erscheinen lassen kann. Doch nicht jedermann muss an dieser an dieser zerbrechen. Armand, eine äußerst wichtige Figur des Romans, ermutigt, mit der Zeitlichkeit leben zu lernen: "‘Ich habe auch eine Ahnung von Geschichte. [...] Alles, was man tut, vergeht eines Tages wieder, ich weiß. Und von der Stunde an, wo man geboren wird, fängt man schon an zu sterben. Aber zwischen Geburt und Tod liegt doch eben das Leben.’" (S. 297)
 


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