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Traffic
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Ein Weg, der von Tijuana nach Kalifornien führt. Drei Handlungsstränge, die sich
langsam verbinden. Macht, Drogen und Verantwortung - das sind die Themen,
die uns Regisseur Steven Soderbergh (fast) genial vorführt.

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      E
r wollte immer große Kunst machen, aber es fehlten ihm ganz einfach die Mittel dazu. Wohlgemerkt: die finanziellen. Also beschloss er, kommerziell zu werden bzw. das, was Intellektuelle gerne darunter verstehen. Er machte Erin Brockovich und Julia Roberts zur annehmbaren Schauspielerin. In Traffic wollte er keine Erziehungsarbeit mehr leisten. Michael Douglas in der Hauptrolle, Benicio Del Toro, Don Deach und Dennis Quaid in den Nebenrollen. Catherine Zeta-Jones in der weiblichen Hauptrolle. Viel besser kann man nicht mehr besetzen. Die Mittel waren also jetzt da; es sollte keine Ausreden mehr geben.

Traffic: Drogenhandel im großen Stil. Im ganz großen Stil. Und eine genial gebaute Geschichte.

Der mexikanische Polizist Javier Rodriguez (Benicio Del Toro) und sein Kollege Manolo stellen "zufällig" einen Laster, der bis oben hin voll mit Heroin ist. Als die beiden von der mexikanischen Armee aufgehalten werden und der General persönlich anwesend ist, ahnt Javier Rodriguez nichts Gutes. Aber der General hat noch Großes mit ihm vor. In San Diego operieren zwei ehrliche Polizisten (einer davon der großartige Don Deach) mit all ihrer Kraft gegen den Drogenhandel. Sie wissen nicht, dass sie von der eigenen Regierung hintergangen werden. Und ein Richter (Michael Douglas) wird ins Weiße Haus berufen, um der offizielle Drogenbeauftragte des amerikanischen Präsidenten zu werden. Das ist eine gute Ausgangsposition für eine spannende Geschichte.

Javier muss dem General seine Fähigkeiten beweisen, um die Rolle zu bekommen, die für ihn vorgesehen ist. Er verhaftet einen Serienkiller quasi mit "links" und beeindruckt den General, der das Tijuana-Kartell zerschlagen will. Der Coup gelingt und der General wird der offizielle Drogenbeauftragte für den Staat Mexiko. Offizielle Drogenpolitik: Die Drogensüchtigen helfen sich selbst, indem sie sich eine Überdosis geben. Richter Robert Wakefield hat da anderes vor. Er will dem Drogenhandel ernsthaft den Kampf ansagen. Soderbergh versucht dabei kurze Einblicke in die Polit-, Justiz- und Wirtschaftssociety Amerikas zu geben. Dass es dort stinkt, riecht man sogar im Kino. Oder wie Wakefield im Film sagt: "Lauter Bettler, die in 2000$-Anzügen herumlaufen." Unsere beiden guten amerikanischen Polizisten haben inzwischen die attraktive Gattin des großen Drogendealers Carlos zu beschatten. Wahrlich eine schöne Frau (Catherine Zeta-Jones), die unseren schwarzen Helden ziemlich verwirrt. Diese Frau ist schwer getroffen. Sie hat nicht gewusst, dass der Erfolg ihres Mannes, der festgenommen wurde, auf Drogenhandel basiert. Aber die gute Dame erfängt sich relativ schnell. Sie übernimmt für die Zeit, in der ihr Mann im Gefängnis sitzt, seine Geschäfte.

     Die amerikanische Gesellschaft ist krank. Die Tochter des Richters kokst, nimmt Crack und schließlich Heroin; lässt sich dafür missbrauchen... armes Amerika. Die amerikanische Regierung scheitert bekanntlich an der Drogenbekämpfung, weil sie selbst mit den Drogen handelt. (Schönes, gerechtes Amerika.) Nikita Chruschtschow soll seinem Nachfolger zwei Briefumschläge hinterlassen haben. Er sollte den ersten beim ersten großen Problem öffnen, den zweiten beim zweiten. Beim ersten großen Problem öffnete sein Nachfolger das erste Kuvert. Darin stand: Schieb alles auf mich. Das funktionierte und es ging eine Weile weiter. Als das zweite große Problem kam und er das zweite Kuvert öffnete, stand darin: Schreib zwei Kuverts für deinen Nachfolger! Soviel zur großen Politik.

Der Vater leidet schwer an der Sucht seiner Tochter. (So wie alle Amerikaner schwer an der Drogenproblematik leiden - in welcher Weise auch immer.) Aber er verhält sich wie ein Vater und sagt zum Ende des Films den pathetischen Satz: "Ich weiß nicht, wie man einen Krieg gegen die eigene Familie führen soll." Dieser Satz ist in diesem Fall gut, weil er symbolisch gemeint ist.

    Javier folgt in der Zwischenzeit seinem Sinn und gerät ins Zentrum der Macht. Er weiß, dass er nur eine Marionette in diesem großen Spiel ist, das er alleine nicht aufhalten kann. Die Ziele müssen bescheiden bleiben. Er will Licht für ein Baseball-Stadion in Tijuana. Sein schwarzer Kollege in Amerika hat anderes zu tun. Er tritt ebenfalls ins Zentrum des Bösen. Und er darf mehr...

Bis dahin gibt es viele gute Dialoge, viel Action und schöne Bilder. Soderbergh ist ein Meister seines Faches. Soviel steht nun fest.

Markus Murauer


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