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Ulee's Gold
...Ein einfühlsames Familiendrama um einen Imker im Süden Amerikas

Ulee’s Gold ist einer von jenen Filmen, bei denen man befürchten muss, dass sie in

Vergessenheit geraten. Schon damals, als er in den Kinos lief, von den Medien totgeschwiegen
und nur in den kleinsten Sälen der Programmkinos gespielt, wird nur der Fernseh-Zufall einigen
Menschen das Glück bescheren, diesen Film doch noch sehen zu dürfen. Das ist wirklich schade,
weil der Film genauso kostbar ist, wie Ulee’s Gold selbst.

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     U
lee’s Gold - das ist der kostbare Tupalo-Honig, der nur in den Sümpfen und Wäldern reifen kann, in denen Ulysses Jackson eine lange Familientradition fortführt. Ulysses Jackson ist Imker mit Hingabe, liebt seine Bienen und seine Familie. Seine Familie besteht leider nur noch aus seinen beiden Enkeltöchtern Casey und Penny. Seine geliebte Frau ist vor sechs Jahren gestorben, sein Sohn Jimmy sitzt nach einem Banküberfall im Gefängnis und seine Schwiegertochter Helen ist abgehauen. Klar, dass diese Umstände dem Familienmenschen Ulee zu schaffen machen. Aber er will sich nicht helfen lassen. Er hat sich sozial völlig isoliert, geht nur seiner Arbeit nach und der Erziehung seiner Enkel. Bis auf die nette Nachbarin Conny lehnt er jeglichen Kontakt zur Außenwelt ab.
 
Regisseur Nunez richtet schon bald den Blick auf die einzelnen Charaktere. Gerade die kleine Penny scheint ein besonderes Kind zu sein. Sie liebt die Ruhe. Als sie in Ulee’s Werkstatt ein Bild mit Armeekameraden ihres Großvaters entdeckt, fragt sie Ulee, ob die alle tot seien. Ulee bejaht und sie fragt weiter: "Waren die denn alle böse? Haben sie es verdient zu sterben?" "Nein, das haben sie nicht", antwortet Ulee. "Es waren alles nette Jungs." "Wieso denn dann?" fragt Penny weiter. Nach einiger Zeit kommt Ulee zu dem Schluss: "Vielleicht überleben nur die Schlauen."

     Das traurige, aber ruhige Dasein der drei Jacksons wird durch einen Anruf von Jimmy unterbrochen, der von seinen Überfallkumpanen erfahren hat, dass seine Frau in Orlando herumhängt. Sein Vater soll sie nach Hause bringen. Ulee fährt widerwillig nach Orlando, wo er auf die beiden Verbrecher Eddie und Ferris trifft. Die beiden haben von Helen erfahren, dass Jimmy viel Geld abgezweigt und in den Sümpfen versteckt hat. Sie fordern nun von Ulee, dass er das Geld beschafft, weil sie sonst der Familie etwas antun würden.

Ulee bringt die schwer von Tabletten und Alkohol gezeichnete Helen nach Hause. Mit Hilfe der Nachbarin, die Krankenschwester ist, gelingt die Entziehung.
Tief berührend sind die Begegnungen der Töchter mit ihrer kranken Mutter, die vor lauter Scham wieder weglaufen möchte, aber festgebunden wird. Die zunächst rotzfreche Casey kümmert sich schon bald rührend um die Mutter und die kleine Penny, die sich zu Beginn an die gemeinsame Zeit mit der Mutter nicht mehr erinnern kann, drückt ihre Liebe über eine Zeichnung aus, in der sie darstellt, wie Ulee zu den Bienen rausfährt und diejenigen, die ausgerissen sind, wieder zurück nach Hause bringt.

     Regisseur Victor Nunez legt viel Wert auf die Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen und der einzelnen Charaktere. Die Schauspieler, allen voran Peter Fonda als Ulee, danken ihm diese Gewichtung mit hervorragenden Leistungen. Jeder einzelne Darsteller wirkt in seiner Rolle echt. Das führt dazu, dass der Film eine unglaublich intensive, dichte Atmosphäre verströmt. So wirken selbst die relativ langen Einstellungen von Ulee’s Arbeit an den Bienenstöcken nicht langweilig, sondern beruhigend. Und die Familienszenen sind von einer Intensität, die selbst den reserviertesten Zuseher nicht kalt lassen kann. (Familie - Ursprung des Schmerzes)

Natürlich lässt sich das Böse nicht ausblenden. Eddie und Ferris kehren in den Ort der Jacksons zurück, um sich das Geld gleich selbst zu holen. Ob Ulee auch diese Situation meistern kann, wird sich weisen.

     Der Film lebt nicht von der Handlung; diese ist sekundär. Er ist stattdessen vollgepackt mit schönen, weisen Sätzen, die angesichts der Erfahrungen der hier dargestellten Personen nicht abgeschmackt wirken. So meint der vom Verlust seiner Frau immer noch gezeichnete Ulee zu seiner Nachbarin, die ihn bittet von seiner Frau zu erzählen: "Ich schätze, es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, um jemanden zu verlieren." Und: "Vielleicht kann man einem Menschen auch zu nahe stehen." Als er merkt, dass er zu philosophisch wird, beendet er das Gespräch mit dem Satz:

"Miss Hope, ich merke gerade, dass ich von nichts genug Ahnung habe, um irgendetwas zu sagen."

Markus Murauer


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