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Peter Oefele
peter.oefele [at] gmx.net
geb. 1974, ist
hauptberuflich
in der Öffentlichkeitsarbeit
verschiedener Unternehmen tätig. Er verbrachte seine
Jugend in Dießen am Ammer-
see, studierte in Augsburg,
lebte Jahre in Berlin und Leipzig.
Als freier Kultur-Journalist und
Autor veröffentlicht er im komp-
letten deutschsprachigen Raum.
Er ist freier Mitarbeiter der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Weitere Veröffentlichungen u.a.
in Wiener Kurier, Augsburger
Allgemeine, Das Magazin,
Abenteuer & Reisen, Du (CH),
Globetrotter-Magazin (CH),
Handelsblatt (News am Abend).
Buchveröffentlichung
"Fiesta, Ramadan und
tote Helden – Unterwegs in
Frankreich, Spanien, Marokko
und Portugal", literarischer
Reisebericht, pro literatur
Verlag, 2003.
Homepage
www.peter-oefele.de
Martinson hat das
seltene Talent zur Lücke.
In eben diesen Lücken
findet sich genügend Raum
für kaum angedeutete und
doch wuchtige pubertäre
Emotionen.

Indrikis Harold Martinson.
Mein Tanger – Mein Marokko
Books on Demand, 2008.
ISBN: 3833488727, 140 S.
Die
Beschreibung eines
Erwachsenwerdens in
Tanger sollte sprachge-
waltiger angelegt sein. Es
fehlen Hitze, Gerüche
und schillerndes Licht.
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Wer
die Welten wechseln oder nur über deren jeweiligen Tellerrand hinausschauen
wollte, der war in Tanger zu jeder Zeit richtig. Tanger: stadtgewordener
Mythos vom "Tor zu Afrika", Schnittstelle zwischen Okzident und Orient,
berühmt-berüchtigtes Sammelbecken für Glücksritter, Hedonisten und
weltbekannte Autoren. Truman Capote beispielsweise schrieb: "Bevor du nach
Tanger kommst, solltest du drei Dinge tun: Dich gegen Typhus impfen lassen,
deine Ersparnisse von der Bank abheben und deinen Freunden Lebewohl sagen.
Der Himmel weiß, ob man dich jemals wieder sieht". Robert Ruark hingegen
wusste: "Verglichen mit Tanger ist Sodom ein Gemeindepicknick und Gomorra
ein Versammlungsort von Pfadfinderinnen …".
Den deutschen Juristen und Mitarbeiter in
verschiedenen Bundesministerien, Indrikis Harold Martinson, verschlug es
1958 – im zarten Alter von zehn Jahren – in diese sagenumwobene Stadt. Mit
seinem kurzen Erstlingswerk "Mein Tanger – Mein Marokko" legt er nun eine
faszinierende Teilautobiographie vor, die sein dortiges Heranwachsen bis
1969 beschreibt. Dabei lässt Martinson auch seine Erziehung Revue passieren.
Ein wichtiger Akzent, der vor dem Hintergrund der Gegebenheiten von Ort und
Zeit besonders interessant erscheint. Mit seinen Eltern war er Mitglied der
legendären internationalen Gesellschaft Tangers. Gegen Ende seiner
Teenager-Zeit bereiste er alleine per Auto das gefährliche Land. Viele Male
verliebt, geizt der Autor nicht mit der Beschreibung einiger spannender
erotischer Abenteuer. Dies gelingt ihm trotz seines sachlichen Stils
überraschend gut. Martinson hat das seltene Talent zur Lücke. In eben diesen
Lücken findet sich genügend Raum für kaum angedeutete und doch wuchtige
pubertäre Emotionen (die man fast ein halbes Jahrhundert später wohl auch
gar nicht mehr versuchen muss, in konkrete Worte zu fassen).
Für
Tanger-Fans deutlich schwerer zu verkraften sind jene Lücken, die das Buch
hinsichtlich der politischen und kulturellen Bedeutung dieser Epoche (kurz
nach Tangers Wiedervereinigung mit Marokko) lässt. Immerhin nutzt Martinson
an manchen Stellen die historische Gelegenheit, politische und
gesellschaftliche Hintergründe zumindest anzudeuten. Selbst wenn er dabei
immer an der Oberfläche und somit weit unter seinen Möglichkeiten bleibt,
wird sein Buch schon allein dadurch zu einem wertvollen und unverzichtbaren
Beitrag zur Detailbeleuchtung dieser Zeit.
Martinsons Zeugnis einer aufregenden Jugend
bleibt immer sachlich und entwickelt dabei doch erstaunliche, sehr
persönliche, sehr ehrliche Erkenntnisse. Es ist auch ein Buch über Werte,
und steigert sich mit der Sicherheit, die ein Erstlings-Autor mit jeder
Seite mehr erfährt.
Ein
Erstlingswerk, das auf weitere Bücher hoffen lässt. Am Ende von "Mein Tanger
– Mein Marokko" stellt Martinson in Aussicht, auch über seinen folgenden
Lebensabschnitt schreiben zu wollen. Dies klingt zweifelsohne interessant.
Vielleicht hat der Autor sein großes Thema aber bereits gefunden: Tanger!
Sein zweites Buch, ein kurzer Roman, "Zimt auf meiner Haut", liegt
griffbereit zu weiterer Besprechung.
Fazit: Vier von fünf möglichen Sternen, weil
sehr lesenswert!
Minus einen halben Stern, weil sich der Autor
zu sehr zurück genommen hat (er ist sich dessen selbst bewusst). Für Prosa
ist das Buch zu förmlich. Starke Bilder kommen vor, sind aber leider zu
selten. Die Beschreibung eines Erwachsenwerdens in Tanger sollte
sprachgewaltiger angelegt sein. Es fehlen Hitze, Gerüche und schillerndes
Licht.
Minus einen weiteren halben Stern, weil die
Produktion ohne professionelle Verlagsberatung auskommen musste (Gestaltung,
Satz, Lektorat). Hierfür kann der Autor nichts
– eben dies hätten seine
zukünftigen Vorhaben aber zweifelsohne verdient.
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