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Karl Markus Gauß:
"Ein Europäisches Alphabet"
und
"
Die sterbenden Europäer"
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Zwei lesbare Stützpfeiler eines integrierten Kulturbildes

Von Vasile V. Poenaru


"Als ich zum ersten Mal in das düstere, von Rauchschwaden durchzogene Foyer der Jüdischen Gemeinde trat, saßen auf den Stühlen entlang der Wände vielleicht zehn alte Herren.(...) Da saßen sie, die meisten im aufgeknöpften Mantel und mit Hut oder Mütze auf dem Kopf, als hätten sie nur auf einen Sprung vorbeigeschaut und wären bereit, jeden Moment wieder aufzustehen und zu gehen. So halten sie es immer, vielleicht schon ein paar hundert Jahre lang, sie bleiben, aber sie bleiben wie auf Abruf, und es ist das Unglück ihrer späten Tage, daß in den letzten Jahren die meisten ihrer Freunde und Verwandten abberufen wurden, aufgestanden, hinausgegangen und emigriert sind."
(Die sterbenden Europäer: Die letzten sein – die Sepharden von Sarajewo)

     Der Salzburger Kulturpublizist Karl-Markus Gauß ist ein alter Kämpfer gegen Verblödung, Ignoranz und Vorurteile. Anhand seiner sprachgewaltigen Feldzüge auf dem Gebiet des Geistes und der außerordentlich erschütternden einschlägigen Zusammenhänge, die er wie kein anderer zu beleuchten weiß, geht Gauß mit seiner treffsicheren perspektivischen Vielfalt bis auf den Grund der Dinge. Die standhaften Schablonen gängiger und weitgehend unangefochtener Kollektiv-Irrtümer zerfallen unter seinem kritischen Blick zu ungelenken Fehlurteilen voreiliger Doktrinenfreunde: zu dem Wenigen, was sie sind.


Karl-Markus Gauß
Die sterbenden Europäer.
Unterwegs zu den Sepharden von Sarajevo, Gottscheer Deutschen, Arbëreshe, Sorben und Aromunen.
Mit Abbildungen von Kurt Kaindl.
240 Seiten. München: Deutscher Taschenbuchverlag, 2003.

 

Karl-Markus Gauß
Das Europäische Alphabet.
208 Seiten. München: Deutscher Taschenbuchverlag, 2000.

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Anhand schlagfertiger Analysen und umfassender, oft erstaunlich unkonventioneller Gedankenzüge werden sie ohne Weiteres für alle Welt als solche sichtbar. Und dabei wirken seine ernsthaften Betrachtungen und heiteren Erwägungen nicht etwa polemisch, sondern eher gelassen, ja manchmal geradezu gutmütig.

Gauß holt sich ohne viel Aufhebens zurück, was nicht mehr da ist. Mit Scharfsinn und Stil rüttelt er an der verstockten Seitentür der Geschichte, am kleinbürgerlich erstarrten Verständnis der Geographie, an der in ihrer Dynamik hinreissenden Gedankenwelt ganzer Stämme von Auswanderern, von Grenzengängern, an der allmächtigen Prächtigkeit vergangener Augenblicke, an ihrer Vermessenheit, an ihrer Vergessenheit. Großzügig reicht er jedem seine Lupe, sachkundig zeigt er jedem seine Landkarte. Wie die von ihm besuchten Völkergruppen ist sein Diskurs über deren Schicksal höchst differenziert und dabei trotzdem durchaus kontinuierlich.

     Das Buch ist in fünf Kapitel eingeteilt. Jedes Kapitel bringt ein kleines Abenteuer, wo einer keines vermutet hätte. Um ein bisschen mehr über die Identität, über die geistigen Wurzeln und das kulturelle Selbstverständnis Europas in Erfahrung zu bringen, begibt sich Gauß auf eine Dokumentationsreise zu den sephardischen Juden in Sarajewo, den Sorben im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien, den Gottscheern im slowenisch-kroatischen Grenzgebiet, den Arbereschen in Kalabrien und den Aromunen in Mazedonien. Er schreibt sein Buch der Sterbenden Europäer mit einer Lebendigkeit, die ihresgleichen sucht. Das Ferne wird nah gebracht, das Nahe sichtbar gemacht. Die Andersheit des Anderen ist in die wechselhaftige Selbstheit einer langen Kette von Generationen eingegangen, die nicht immer verstehen, was in ihnen steckt. Begriffe wie Großmacht und Migration werden wie beiläufig verabschiedet.

"Im Jahr 805 der christlichen Zeitrechnung suchte Karl der Große dem schändlichen Heidentum in Sachsen ein Ende zu machen. Sein ganzes Heer bot er auf, um gegen die zwanzig slawischen Stämme zu ziehen, die dort siedelten, noch immer ihren frevlerischen Riten huldigten und sich unchristlich weigerten, den Tribut zu entrichten. Der Ansturm der christlichen Reiter war erfolgreich, fielen ihm doch neunzehn der zwanzig Stämme zum Opfer. Einer hielt sich, und ihm zur Abwehr schuf der pacificus imperator, der Friedenskaiser des Abendlandes, den Limes Sorbicus, die befestigte Grenze, die von Magdeburg nach Regensburg reichte. Später wurde auch dieser zwanzigste Stamm besiegt, und seither ist er so oft besiegt worden, daß es ein Wunder ist, daß es immer noch Menschen gibt, die sich als Sorben bezeichnen und von ihren Nachbarn als Sorben respektiert werden möchten." (Die sterbenden Europäer: Die Slawen von nebenan – Sorbische Reise durch Deutschland)

Es gelingt Gauß auf den ersten Blick vollkommen mühelos, den glaubwürdigen Eindruck zu erwecken, er sei immer selber da gewesen, wenn sich wundersam (Sprach)Gewaltiges und Tatenreiches in seinem Europa getan hat. Mehr noch, die oft verloren geglaubten kollektiven Erinnerungen einer hinreissenden Geschichte der mit Kulturgütern (und bisweilen oft auch mit materiellen Gütern) bemerkenswert gut versorgten Minderheiten werden mit derart souveräner Selbstverständlichkeit in ihren vielfältigen Zusammenhängen vor unser aller Augen wachgerufen, dass einer leicht meint, es nicht etwa aus einem Buch, sondern unmittelbar aus den Engen und Weiten seines eigenen, von übrregionalen Tatsachen nur so strotzenden Unterbewusstseins zutage zu bringen.

"Und plötzlich, im tiefen Wald, begriff ich, daß ich mitten im Dorf stand.(...) Der Dorfplatz ist durch zwei große Steine markiert, die noch zehn Zentimeter aus der Erde ragen und unter dem Flechtwerk zu erkennen sind. Das ist es, was von Unterfliegendorf, seinen Häusern, Ställen, Obsthainen und Feldern, von Arbeit und Ausdauer, Trotz, Gleichmut und Verzweiflung der Bewohner übriggeblieben ist. Einst waren sie hierher geschickt worden, den Wald zu erobern, mit dem Versprechen, daß das Land, das sie aus ihm schlugen, ihnen gehören werde. Mehr als zwanzig Generationen haben in den wasserarmen Sommern und den schneereichen Wintern den Urwald zu roden und aus der Gottschee, dem Ländchen, wie sie es nannten, eine fruchtbare Kulturlandschaft zu machen gesucht. Der Versuch dauerte über sechshundert Jahre, fünfzig haben genügt, daß sich der Wald alles wieder holte, was ihm zuvor abgewonnen worden war." (Die sterbenden Europäer: Im Wald der Geschichte – In der Gottschee)

     Dieses Buch kennt keine Eile. Alles geht langsam vor sich hin, damit auch alles in Erinnerung bleibt. Unsere europäische Geschichte wird uns wieder zurückgegeben, oder doch ein Teil von ihr. Ein wichtiger Teil, meint der Autor, und die Öffentlichkeit täte gut daran, sich etwa dem Schicksal der aussterbenden Sprachen und Dialekte in ihrer unmitelbaren Nähe und Ferne anzunehmen, weil sie uns nicht nur in der Vergangenheit ungemein bereichert haben, sondern uns nun als überlebende Erscheinungsformen des Geistes mit in die Zukunft begleiten sollten. Gerade bei den jahrhundertelang unter unwahrscheinlichen Umständen überlebenden, nun dahinsterbenden Kulturen, die sich an die Mehrsprachigkeit ebensogut gewöhnt haben wie an alle täglichen Freuden und Nöte des Immer-Noch-Da-Seins, hat sich der Bezug zwischen dem gesprochenen Wort und dem verkündeten Wort unter anderem in hohem Grade zu einer Sache der Identitätsbehauptung entwickelt.

"Ich stand mit dem Pfarrer in der dunklen Kirche, deren Kühle der überwältigend süße Duft des Weihrauchs durchdrang, und wurde darüber aufgeklärt, daß die heilige Messe nicht nur in Civita dreisprachig abgehalten wurde. Je nachdem, wie weit er mit der Messe vorangekommen war, verwendete Don Antonio das Griechische für die ewiggleichen zeremoniellen Passagen, das Albanische, wenn er sich dem Volk mit Belehrung und Ermahnung zuwandte, und das Italienische, sofern er unter den gezählten Kirchgängern Angehörige der im Ort ja auch vorhandenen italienischen Volksgruppe erblickte."
(Die sterbenden Europäer: Die Zeit von Civita – Bei den Arbereschen in Kalabrien)

Das multikulturelle Moment, die auf einmal in ihrer Wichtigkeit neu entdeckte Vielsprachigkeit, das erweiterte Zugehörigkeitsgefühl, heutzutage wohl zum allerersten Male europaweit programmatisch groß geschrieben, gab es hier schon seit Jahrhunderten gleichsam im Schatten der Geschichte. Anhand einer peinlichst genau beschriebenen und vor allem überzeugungsvoll reflektierten Reise in unsere Vergangenheit, die sich vielleicht insgeheim zugleich auch als eine Reise in unsere Zukunft versteht, wird das Erstaunliche der immer wieder ums Überleben ringenden Völkergruppen Europas in den Vordergrund kollektiver Betrachtung gebracht. Eine Antwort auf die gesamteuropäischen Fragen: Gerade die Kleinen haben schon längst geleistet, worum sich die Großen nun langsam bemühen.

      Aus ganzem Herzen wurde dieses Buch geschrieben, und in einem Zug möchte man es lesen. Dabei entwirft Gauß jedoch keinewegs ein paradiesisch verklärtes Bild, das den oft freudlosen Paragraphenschreibern der EU ins karge oder eben aufgemöbelte Wort passen würde, sondern es geht ihm – ganz im Gegenteil – vielmehr darum, nüchtern und kritisch mit den Unmengen an relevanten Eindrücken und Informationen umzugehen, die im Laufe seiner Begegnungen oft genug subjektiv gefärbt aus verflochtenen Vorgeschichten und Zusammenhängen hervorströmen. Zu den aus wohlrecherchierten Büchern hervorgeholten Befunden gesellt sich als kennzeichnendes Moment seiner Darlegung das stets lebendige, meist leidenschaftliche, unnmittelbar empfundene und überlegte Zusammenwirken mit den Menschen, denen er auf dieser Reise begegnete, den letzten Trägern fast unbemerkt aussterbender Kulturen.

"Vier sehr alte Herren, die Hosen hoch bis zur Brust heraufgezogen, breite Krawatten zu großen Sonntagsknoten gebunden, waren in der Sakristei gesessen, und mir kam nicht vor, daß wir sie in einem Gespräch gestört hatten, sondern daß sie es gewohnt waren, seit vielen Jahren so beisammen zu sitzen und Wache zu halten, Wache zu halten, daß ihre Kirche nicht wieder abgetragen wird, daß keiner von ihnen sich aus dem Staub macht und unerlaubterweise stirbt, daß die Welt noch eine Weile erhalten bleibt und daß es noch eine Weile diese Sonntage, dieses gemeinsame Warten und Wachehalten gibt."
(Die sterbenden Europäer: Die verschwundene Nation – Unter der Aromunen Mazedoniens)

Die sterbenden Europäer. Fast möchte einer sagen: Das Buch hab' ich nicht gelesen, wohl aber den Film gesehen. So bildstark ist es, so beweglich, so dynamisch in seiner gewagten Darlegung wörtlicher Mysterien, dass man während des Lesens bald glaubt, seinerseits selber mit dabei gewesen zu sein. Und so wird uns denn wieder eine Sache nah, die wir uns entfremden liessen. Eine sehr persönliche Sache, wenn’s man recht bedenkt. Und die müden Paragraphen vom kulturellen Reichtum dahinscheidender europäischer Minderheiten gewinnen an Wirklichkeit.

     Die Kraft zu seinem unwahrscheinlichen Feldzug gegen das Gespenst der Ignoranz schöpft Gauß aus seiner Begeisterung für ein dankbares Gebiet geistiger Befunde, in dem Menschen, Güter und Worte aufeinander treffen. Und die Begeisterung rührt von seiner ansteckenden Neugier her, die ihn als Österreicher, als Europäer angesichts seiner inneren Veranlagung erweiterter Selbsterkenntnis definiert. Darauf ist letzten Endes das bemerkenswerte Interesse zurückzuführen, dem Kritik und Publikum den Sterbenden Europäern entgegenbrachten.

Dem Aussterben wird die Neugeburt als Entschädigung dargeboten: die Neugeburt eines Europa, in dem alle seine Völker Platz haben sollen, ja, in dem sogar seine Minderheiten Platz haben sollen. Ein lobenswertes Ziel.

     Und damit stecken wir schon mitten drin in einem anderen Buch dieses Autors. Von Auswanderung zu Zwei Europa reichen die Gedanken, die sich uns darin aufzwingen, darbieten bzw. empfehlen. In seinem Europäischen Alphabet buchstabiert Karl-Markus Gauß die Hoffnung und Verzweiflung einer sinnvolleren überregionalen Identitätsgestaltung, große Erwartungen, ehrliche Absichten und frevelhafte Lügen, Geldpopulismus und Borniertheit.

Er porträtiert die Vergangenheit, vor allem aber auch wieder die Zukunft. Wie um sicherzustellen, dass wir von den sterbenden Europäern etwas gelernt haben, nennt Gauß in seinem Alphabet die Dinge beim Namen, an denen oft lieber herumgeschrieben wird.

      "Euroland" ist da, die Leute innerhalb seiner Grenzen freuen sich. Frohlocken: Das sollen auch die anderen. Und manche tun es sogar. Die Märkte kommen in Bewegung, geraten ins Stocken. Fallen nieder. Stehen wieder auf. Und der Euro soll weit mehr als nur ein Tauschmittel sein. Zum Symbol der Einheit für die Menschen in Europa soll er werden. Nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene, sondern bis hinein ins innerste Wesen der Eurobürger, die nun ihr tägliches Tun und Treiben nach ihr richten, ist die neue Währung eingedrungen. Finanzielle Umwandlungen und Mutationen des Gemüts wurden bewerkstelligt. Sprachgewandte Politiker grübeln über die Identität ihrer Völker. Sich zum Euro bekennen, das heißt: Europäer sein. Die herkömmlichenWährungen, nun lediglich ausgediente Glieder im Getriebe der Integrationspolitik, stimmen eine müde Arie an. Jetzt hat der Euro das Sagen. Ein jeder ist bestrebt, sich seine Sprache tunlichst anzueignen, ein jeder lernt das neue Alphabet: Ein Europäisches Alphabet.

Das Kulturbild Europa im kommenden Jahrtausend: Wer vermag es wohl auszumalen? Jenseits der "Euro-Euphorie" dringen Stimmen hervor, an denen ersichtlich wird, dass das eine große Euro-Alphabet gar zu leicht in viele ganz kleine aufgeht. Für jeden hat das angenehme Klirren der neuen Münze seinen eigenen Laut.

Die heutzutage innerhalb der gesamteuropäischen Ausrichtung das große Wort führen, bedienen sich offensichtlich einer Sprache, der man auf den ersten Blick wenig anhaben mag. Aus diesem Wenig wird freilich ein Vieles, wenn Karl-Markus Gauß die straffen Glieder des trügerisch integrierenden Sprachkörpers in ein "Europäisches Alphabet" bannt, um ihren perversen Sinn aufzuzeigen und einen kulturgeschichtlichen Einblick in das sich unter Ausgrenzung eines Teils von ihm gleichwohl einigende Europa zu gewähren.

     Das eine Europa: Utopie? Diesen Begriff bedenkt der österreichische Autor, wenn er seinen Blick diesseits wie jenseits der stark bewachten Grenzen verweilen läßt und auf die Kehrseite des politischen Festschmauses verweist. "Das Europäische Alphabet". "Europäisches Alphabet". "Ein Europäisches Alphabet". Drei Titel für ein und dasselbe Buch. Das vermeintlich Einmalige verliert sich im Allgemeinen, um schließlich individuell-vergänglich zu werden. Das (wie auch Die sterbenden Europäer) zuerst bei Zsolnay erschienene Buch wurde 1997 mit dem europäischen Essaypreis "Charles Veillon" ausgezeichnet.

Das Buch ist sehr direkt geschrieben. Es gibt den Standpunkt eines Fragen stellenden Europäers wieder, der sein Erdteil lieb hat, wenn man so sagen darf. Denn Gauß ist ein Österreicher, der dem Selbsthaß entsagt. Er ist ein "skeptischer" Europäer mit nüchternem Blick und scharfer Ironie, dem es darum geht, den zahlreichen jeweiligen Klischees der Stunde auf den Zahn zu fühlen.

     Gauß verwirft den ungelenken Umgang mit Sprache im politischen Exkurs und in redseligen Kongressbeiträgen, in denen das europäische llusionsbild entworfen wird. Er weiß um die Vielgestaltigkeit des Alten Kontinents, er weiß, dass Europa zweierlei sein kann. Den gängigen Wörtchen, die im Gespräch über Europa nur kärgliche Teilaspekte ihrer Bedeutungskonstellationen mitschwingen lassen, zwingt er mit unbarmherziger Konsequenz die volle Wahrheit ab. Sein Europa kennt er besser als die allereurofreudigsten Europäer.

Wer das A und O hat, ist terminologisch drin im neuen Europa. "Das Europäische Alphabet" ist in 31 Kapitel eingeteilt. Jeder Buchstabe ein Wort. Jedes Wort ein Essay. Von "Auswanderung", "Balkan","Dissident", "Euro", "Fremde", "Grenze", "Heimat" und "Identität" bis hin zu "Opfer" und "Zwei Europa" reichen die Kapitel des Buches. Dies sind die Bausteine der Integration, geschickt werden sie mit- und gegeneinander ausgespielt, um vermittels einer polemisierenden Morphologie tiefgreifende Betrachtungen in Bezug auf das Selbstverständnis des geeinten Europa auf den Punkt zu bringen.

     Verkehrte Bausteine der Euroschrift? Diejenigen, die sich gerne am europäischen Wörterkampf der ausgeklügelten Wendungen beteiligen, können sich dieses gehaltvollen Nachschlagewerkes gleichsam als Lehrbuch fur Europolemik bedienen. An diesem Buch geht die Selbstheit der Europäer entzwei, wird die Vielseitigkeit des Kontinents nahegelegt. Geistige Befunde verfangen sich im Materiellen. Im "Supermarkt Europa" wird Kultur verdinglicht. "Von Reichtum geschwächt" vergeht der eigentliche Klang der Worte im Klirren der Münzen: ein einheitlicher, munterer Ton soll daraus werden, quantifiziert durch "Eurolust" und "Eurofrust". Das Wahrzeichen des Identitätswahns? Der beliebig reproduzierbare Eurosnack, ein heimatlich anmutender "Unort".

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