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Im Vorfeld der Quantengermanistik
Dem Kleinwort auf der Spur

Quantenphysik und Germanistik wie paßt das zusammen? Es paßt, meint der
Autor, "weil  in der Quantenmechanik die Eigenschaften von Teilchen erst durch deren
Beobachtung entschieden werden und weil auch in der Sprache die Eigenschaften von
Partikeln erst durch deren Wahrnehmung entschieden werden. Und weil immer etwas
verlorengeht, wo immer etwas gewonnen wird." Um also "etwas mit der Quantenlinguistik
anzufangen, muss einer zuerst einmal die Grundsätze der Quantenmechanik bedenken.

Von Vasile V. Poenaru



(c) privat

Vasile V. Poenaru (bardaspoe@rogers.com),
Germanist und Autor (geb. 1969), mehrjährige Tätigkeit als Journalist für kanadische Zeitungen, derzeit Doktorand an der Universität Toronto.

Veröffentlichungen:

Literaturwissenschaftliche Abhandlungen, Essays, Kurzgeschichten, Kurztheater, Lyrik, Theaterkritiken,
Buchrezensionen und Übersetzungen in Rumänien, Deutschland, Österreich, Kanada und USA.

     Quantum Linguistics wurde 1999 in Flagstaff AZ im Rahmen einer Konferenz zum Thema "Quantum Approaches to Consciousness" als eigenständiges Sub-Feld der modernen Bewusstseinsforschung "ausgerufen", das sich in ähnlicher Weise zur herkömmlichen Linguistik verhält wie die Quantenphysik zur klassischen Physik.

Nichtlokalität und Relativität im Sinne von Whorf und Einstein werden unter anderem zur Ermittlung der Bewusstseinsprozesse herangezogen, die wir sozusagen als vorzügliche Rede- und Schreibwesen von unserer inneren wie äußeren Veranlagung her sprachlich nachzuvollziehen versuchen. Über die manchmal in ihrer Überzeugungskraft ungenügend formulierten Postulate der irgendwie spontan in den wirklichen und den virtuellen Raum gestellten Quantenlinguistik kann man sich allerdings immer noch unterhalten, wie etwa anhand des eher abrupt klingenden ersten Postulats ersichtlich wird (Language is the result of neural activities in the brain and nothing else). Gerade auf dem unbeständigen und an sich höchst relativen Gebiet der quantischen Weltanschauung muss ja ein solch totaler (und somit nicht quantifizierbarer) Anspruch sehr kategorisch zumuten. Bezeichnenderweise stellt dies jedoch strenggenommen nichts weniger als eine ausgeprägt bildhaftige klassische Dimension der Art und Weise dar, in der sogar unklassische Naturwissenschaftler oft ihr unerschöpfliches Betrachtungsobjekt prompt erschöpfen.

     Der Dialektik zuliebe wollen wir das Postulat aber gerne umdrehen: Language is the result of neural activities in the brain and something else (das wir vorläufig in Hinblick auf die somit disseminierte produktive Ambiguität 'Linguistisches Es' nennen wollen). Für Germanisten wird da nämlich vielmehr auch einmal das Andere wesentlich: jenes sauber methodisch, doch voreilig Abgetane zwischen den Zeilen, zwischen den Quanten, jener ins Nein gejagte Rest trauter Wörterdämmerung, das ungefähre Schweigen rund um das ungewisse Sagen, in dem womöglich ungeahnte Bedeutungen schweben. Raum, Zeit und Wort drängen sich um erkenntnisfreundliche Akkumulationspunkte der Sinngestaltung, die der gemessenen Offenbarung von Privatwelten harren. Poetologie im quantischen Labor: heutzutage ohne weiteres machbar.

 

Newton vs. Bohr und Heisenberg

In der Physik ist das so: Bei größeren Systemen gilt nach wie vor Newton mit seinen erbaulich klassischen Gesetzen der Bewegung, bei ganz kleinen hingegen hat vielmehr Bohr, hat vielmehr Heisenberg mit einem unheimlichen Prinzip des begrenzten Wissens um die gar schnell mutierenden Erscheinungsformen der Schöpfung das Sagen. Ein begrenztes Sagen? Ist das die Frage?

 

 

 

 

 

"Es kommt da sehr vieles auf Erwägung an, auf Erwartung, auf Wahrnehmung, auf Ahnen oder Glauben."

Nein. Die unendliche Tragweite des gesprochenen wie des geschriebenen Wortes schimmert freilich anhand einer oft kaum fassbaren Polysemie ineinandergreifender Teilaspekte kommunikativer, kognitiver und sonstiger Funktionen durch, die wir uns im Zwielicht der vielseitig unbeständigen quantischen Bewusstseinssphären unserer mittlerweile von der Naturwissenschaft ausführlich erforschten Hirntätigkeit vergegenwärtigen.

     Fragestellungen aber sind in der Quantenphysik wie in der Quantenlinguistik besonders hinterhältig. Unser althergebrachtes Verständnis von der Anordnung dieser Welt und unser angesichts all der ordungsgemäß über Raum und Zeit fließenden Textmassen eingebürgerter Gebrauch der "natürlichen" Sprache erschweren den Durchbruch einer wissenschaftlichen Angehungsweise von Bewusstseinskomplexen, in der Teilaspekte und Gesamtperspektiven spontan kommutieren. Es kommt da sehr vieles auf Erwägung an, auf Erwartung, auf Wahrnehmung, auf Ahnen oder Glauben. Das einengende Verhängnis, keine adäquaten Fragen stellen zu können, liegt übrigens in gewissem Maße dem quantischen Unbehagen zugrunde, von dem sogar die bedeutendsten aller Wissenschaftler (als "klassisches" Beispiel wird diesbezüglich oft Bohr genannt) zeugen, die ihren faszinierenden Forschungsgegenstand bei all ihrer verblüffenden Meisterhaftigkeit zwar so halb und halb, aber doch nie ganz verstehen.

 

 

 

 

 

"Kleinste Partikel, die zugleich Wellen sind, liegen noch auf der Lauer im mehr oder weniger liebevoll gepflegten Garten der Wissenschaft vom deutschen Wort."

Wenn wir es nur terminologisch schaffen würden, den Quantensprung bis ins sub-elementarische Detail kleingeschriebener Mysterien mitzuverfolgen, würde dies höchstwahrscheinlich unser ohnehin bereits stark wackelndes Verständnis vom Wesen der Dinge und nicht zuletzt auch von unserer eigentlichen höheren Berufung als namenweisende Krone der Schöpfung grundsätzlich ändern. Die Richtlinien der Werdung wurden mit einer freilich ungenauen Schärfe angegeben, der Impuls ist da, selbstbewusste Variabeln einer verwirrenden Schrift machen sich daran, durch ihr Übermaß an Subjektivität die kurzgeschnittenen Algorythmen totaler Sagbarkeit neu zu definieren. Was folgt, ist ein kleines Wort: ein kleines Kraftwort, direkt aus dem Kern der Dinge geschlagen.

     Es gibt sie derzeit noch kaum, diese quantische Kunde der sprunghaft wandelnden Textgestaltung. Zwar basteln etliche Computerleute gern um Sprachen und Quanten herum, nur fehlt es leider oft an Begrifflichkeit. Kleinste Partikel, die zugleich Wellen sind, liegen noch auf der Lauer im mehr oder weniger liebevoll gepflegten Garten der Wissenschaft vom deutschen Wort. Wer immer etwas damit anfangen kann, schult sich in den neuen Konzepten variierender Bewusstseinssphären und wappnet sich gegen unerhörte und mitunter unerwünschte Bedeutungen und Nebenerscheinungen im dunklen Sack lichter Semiotik, von denen sich vor ein paar Jahren nicht träumen ließ.

 

Die Auswertung mathematischer Quanten-Gleichungen als Angelegenheit der Sprache

Es gibt sie noch kaum, die neue Vorstellung der Redetexte als physikalisch abbildbares Multiversum mit divergierenden Simultanvarianten der Aussage. Und wenn man zu ihr greift, weichen viele potentielle Strukturen zurück ins Unsagbare, in ähnlicher Weise wie die Wellenfunktion quantischer Systeme zusammenbricht, sobald diese gemessen werden. Die Auswertung multidimensionaler mathematischer Gleichungen und all der vielen erstaunlichen Laborexperimente rund um die magische Unbeständigkeit des quantischen Selbst stellt jedoch immerhin schon rein an sich eine Angelegenheit der Sprache dar. Möglicherweise werden wir sogar dem Verständnis grundlegender naturwissenschaftlicher Gesetze näher kommen, wenn wir es fertig bringen, die Frage der Quantengermanistik richtig zu formulieren.

 

 

Wo bleibt die herkömmliche Objektivität?

     Wandelnde Bezüge zwischen Sinn und Form. Unendlich komplexe Schattenwelten der linguistischen Zeichen, der linguistischen Fragezeichen. Gesteuerte oder aber spontane Triebe mitten drin im Sein, rund herum um das Sein, weit über das Sein hinaus. Ungewisse Standorte zweckmäßig geworfener Perspektiven der Aussage. Zweifelhafte Bestimmungen sequentieller Gesamtheit. Die gelebte Wahrnehmung einer intrinsischen Urtümlichkeit. Das erschütternde Abdanken der früher einmal immer so sehr gefeierten Postulate herkömmlicher Objektivität: Dies sind postmoderne Werte, zu denen wir uns bekennen. Das Ineinanderfallen von Bezeichnendem und Bezeichnetem erfolgt über einen semantischen Energietransfer vielfältig saghafter Infosphären. Es fällt schwer, die Standortbestimmungen der neuen erkenntnistheoretischen Methodologien festzulegen, ohne etwas Verkehrtes anzustellen, und deswegen versucht sich ja im Moment auch nur äusserst selten jemand daran. Doch wenn es erst einmal dazu kommt, beginnt der wundersam sinnstiftende Zusammenhang zwischen Sem und Partikelästhetik durchzuschimmern.

 

Das Atom im Vergleich zum Phonem

Dem in der wirklichen Welt "greifbaren" Atom materieller Veranlagung der seienden Bezüge, dessen Vorstellung wir von Demokrit übernahmen, steht im erdachten Gebiet der Linguistik das Phonem entgegen: Ein Laut, oder sagen wir einmal ruhig ganz viel mehr als ein Laut. Das Atom wurde seinerseits längst als ein umfassenderes System an sich durchschaut und weiter in jeweils mutmaßlich kleinste Sub-Systeme zerteilt, das Phonem aber hat immer noch niemand zerlegen können. Die Sprache sträubt sich gleichsam gegen solch einen Seitenblick in ihre "Privatsphäre". Weil sie ein Lebewesen sei, größer als wir selber. Ein willkürliches Lebewesen? Weil die Sprache uns auf der einen Seite einverleibt sei, doch wir auf der anderen Seite allesamt der Sprache einverleibt seien. Humboldt wusste davon ein Lied zu singen.

 

 

"Die Quantengermanistik wartet geduldig und siegsicher auf den akademischen Segen."

     Germanistik der Quanten: Im Kleinen wird die Energie gewonnen, soviel wissen auch Bombenfreunde. Wer aus dem Nichts ein Etwas schöpft, entbindet Bedeutungen, die sich ins Unendliche steigern. Nur sind sie recht schwer zu fassen. Vielleicht ist das Aufgehobensein ein treffendes philosophisches Konzept im postrelativistischen Umgang mit Quanten und Sprachen. Wir halten uns gerne an Saussure und Chomsky, um mehr oder weniger sichtbar bedeutungsstrotzende Vokabeln an den Platz zu weisen, machen aber gewöhnlich kehrt, wenn die abrupte quantentheoretische Erkenntnis sprachlicher Bezüge droht. Das ist eine an sich natürliche Reaktion, nur gehört es eben bald zum guten Ton, sie zu überwinden, um zügig entwickelte Seins- und Datenverarbeitungssysteme der Zukunft besser zu ertragen. Die Quantengermanistik wartet geduldig und siegsicher auf den akademischen Segen. Ein ungestümer Forschungsgegenstand drängt danach, ihr zum Entstehen zu verhelfen. Denn je mehr Wissen wir vom Wort im Anfang mit in unser eigenes Namensagen der Dinge zurücktragen, umso näher kommen wir dem eigentlichen Namensagen unserer geheimnisvollen anderen Selbstheit.

 

 

 

Eine quantenorientierte Literaturwissenschaft?

Die Quantenlinguistik ist sozusagen mittlerweile in einschlägigen Bereichen zwar so etwas wie ein salonfähiger Begriff, freilich einer, der oft Unbehagen einflößt. Nichtsdestoweniger ein dankbarer Tummelplatz für all diejenigen Sprach- und Computerwissenschaftler, die in ihrer fröhlich expandierenden Interdisziplinarität das rechte Wort am rechten Platz bergen wollen. Um etwas mit der Quantenlinguistik anzufangen, muss einer freilich zuerst einmal die Grundsätze der Quantenmechanik bedenken. Nicht verstehen, sondern bloß bedenken, nicht erfassen, sondern lediglich empfinden. Das ist freilich subjektiv - in der quantischen "Wirklichkeit" gibt es jedoch nichts anderes als Subjektivität, weswegen ja auch das Wort Mysterium in diesem Zusammenhang so nahe liegt. Da eine jede Aussage durch den Prozess der Formulation ihre Eigentlichkeit einbüßt, erscheint es sinnvoll, das Eigentliche zu meiden und vielmehr um die Aussage, um die Idee herum zu schreiben, wie es etwa bei Thomas Mann recht gut nachvollziehbar der Fall ist. Eine quantenorientierte Literaturwissenschaft könnte diese "instinktive" Kunst des Schreibens in ein dem Stand der Technik entsprechendes System einbetten. Um die Idee herum formulieren: um das Beobachtete herum beobachten: um das Sein herum sein. Der Name Rumpelstilzchen hat gewiss sehr viel mehr in sich geborgen, bevor er ausgesprochen wurde.

 

 

"Nichtlokalität" bedeutet jetzt: "Wörter schweben frei"

     Das im Labor erfolgreich demonstrierte Prinzip der Nichtlokalität quantischer Partikel erweist sich in ihrer Angewandtheit auf die Linguistik als besonders ergiebig. Wörter schweben frei in einem polivalenten Zustand, der eine Vielfalt möglicher Verwendungen bietet. Sobald man aber ein bestimmtes Wort aus der großzügig unbestimmten Textmasse aufgreift, um es in einen spezifischen Kontext einzubetten, zeitigt es fest umrissene syntaktische und semantische Koordinaten, entwickelt sich zu einer Einheit, die je nach Ko- und Kontext brauchbare Sinne mitschwingen lässt. In der Poesie aber schweben ja sowieso gewöhnlich viele Sinne auf einmal um jedes Wort, um jedes Unwort, weil Poeten so gerne auf Beständigkeit verzichten und sich lieber produktionstüchtigen Ambivalenzen hingeben. Weil Poeten in einem quantischen Zustand existieren? Weil in ihnen spontan Welten dämmern? Weil sie den Wärmetod pluralistischer Onthologien miterleben? Ist das die Frage?

 

 

In der Quantenmechanik werden die Eigenschaften von Teilchen erst durch deren Beobachtung geschaffen. Auch in der Literatur "sprechen wir nie nur ein einziges Wort aus. Es klingt so viel mit..."

Weil in der Quantenmechanik die Eigenschaften von Teilchen erst durch deren Beobachtung entschieden werden. Weil in der Sprache die Eigenschaften von Partikeln erst durch deren Wahrnehmung entschieden werden. Und weil immer etwas verlorengeht, wo immer etwas gewonnen wird. Dafür gibt es je nach Geschmack verschiedene Phrasen: Quantensprung aus dem Paradies. Echo des verlorenen Ur-Wortes. Linguistische Unruhe oder auch Hoffnung. Gral. Aleph.

     Wir sprechen nie nur ein einziges Wort aus. Es klingt so viel mit, es fällt so viel ab, es schlägt so viel ein, wenn immer wir uns um das Sein herumreden, um zu sein. Immer wieder schwingt das Umfeld unserer semantischen Landschaft mit, die gelebte und ungelebte Vorerfahrung, eine unentwegt pulsierende und dazu noch oft mutierende Schar bunter Syntagmen und Paradigmen, der grenzenlose Erwartungshorizont einer verhängnisvollen Bedingtheit, die elektromagnetischen und biomagnetischen Impulse unserer bewussten und unbewussten Datenverarbeitungstechnologien, die Ahnung, dass es kein Wort an sich geben darf, sondern nur ein Wort für uns, die Anmaßung, dass es über die vom Subjekt empfundene Existenz hinaus keine Existenz gibt. Die Angewohnheit, nicht bloß zu denken, sondern nachzudenken.

 

 

Sprache als ein "echtes Lebewesen"

Und der zeitlose Spuk verhängnisvoller Vokabeln: Was früher gerne recht mühelos als philosophische Spekulation abgetan wurde, hat die moderne Wissenschaft gleichsam in einem Schlag bestätigt. Raum und Zeit sind subjektiv, das Wort jedoch in vieler Hinsicht unheimlich gewaltig. Alle Schrecken metaphysischer Einbildungskraft wurden unerwarteterweise im Rahmen der E-Revolution sogar in gutbürgerlichen Denkmodellen durchaus ermöglicht, jeder unerhörte Sinn oder Unsinn dämmernder Gehirntätigkeit vor unserer aller Augen wie im Spiel in bare Münze umgewandelt. Dass Sprache als ein echtes Lebewesen betrachtet werden kann, würden heutzutage wohl viele angesichts der allgemein zugänglichen quantischen Erkenntnis intuitiv einräumen.

 

"Das Wort im Anfang aussprechen, die Schrift selbst ersinnen: das, was sei, von dem trennen, was nicht sei."

 

 

 

"Eine innere Jagd nach Außenwelten, die wir unser nennen" - Selbstsetzung.

     Dem "Kleinwort" auf der Spur. Dem saghaften, dem sagbaren Sein auf der Spur. Welch eine Herausforderung des Geistes, welch eine Definition des Geistes. Das Wort im Anfang aussprechen, die Schrift selbst ersinnen: das, was sei, von dem trennen, was nicht sei. To be or not to be: Was war die Frage? Die Wahrnehmung des Ereignisses Alpha oder eben die ausbleibende Wahrnehmung des Ereignisses Alpha, das wir in diesem zweiten Falle dem Prinzip der Formalität zuliebe gerne Omega nennen wollen. Wenn Sein und Nichtsein als bloße Aspekte einer paradigmatischen Anordnung der "Dinge" erfasst werden, die spontan kommutieren, und das Beobachtete ohne dem Beobachtenden keinen Bestand hat, dann kann es das Seiende folgerichtig nur insofern geben, als ihm jemand auf der Spur ist. Solange wir den Vokabeln folgen, gibt es sie. Als jeweilige Subsysteme für ein Ich. Der Satz von Eros im Worte wiedergibt eine innere Jagd nach Außenwelten, die wir unser nennen. Die Wahrnehmung von Ereignissen, die Wahrnehmung der Abwesenheit von Ereignissen, die wir stiften. Wer will, mag es Selbstsetzung nennen. "Da setz di nieder!", hat ein Bayer einst gesagt. Die Nichtlokalität seiner Worte macht kein Paradox aus, sondern eine Stilfigur.

 

 

 

 

Sein und Nichtsein schließen sich nicht gegenseitig aus wie früher, sondern ergänzen einander

Es gibt nichts in einem Computer, das nicht auf eine Reihe von Elementen reduzierbar wäre, die durch die Zusammensetzung von kurz- bis mittelfristigen Sein und Nichtsein entstehen. Das binare Zahlensystem, die Ableitungen ontologischer Elektrizität, Impulse: Ideen. Es gibt nichts in einem Computer, das nicht auf etwas reduzierbar wäre, was strenggenommen keinen Bestand hat. Die quantische Dimension unserer Information verfängt sich im sprachlichen Gebrauch.

     Es ist aber wie gesagt heutzutage ohnehin schon rein wissenschaftsphilosophisch eine zusprechende Intuition, dass Sein und Nichtsein als absolute Kategorien wenig taugen. Auch wird es wohl so sein, dass sie sich angesichts des gegenwärtigen quantentheoretischen Standes unserer Weltanschauung nicht mehr ausschließen wie früher, sondern ergänzen (wie früher). Seitensprünge der Vernunft, Seitensprünge des Gemüts sind vonnöten, wenn wir uns um eine Idee herum schleichen, damit wir die Multidimensionalität des quantischen Zustandes der Offenbarung in seinem paradisischen Kaumsein erhaschen. Die Lebendigkeit der Textgestaltung ist vielleicht letzten Endes darauf zurückzuführen, dass dem Wort als Subjekt die Option offen liegt, zu sein. Oder eben nicht. Unbehaglich wirkt das schon, doch keinesgegs unproduktiv.

 

Photone, Systeme, Bedeutungen werden verschränkt

 

 

 

 

"Sprache ist ganz einfach ein Resultat neurologischer Aktivitäten im Gehirn. Und ein bisschen mehr."

Der halbe Mond dreht sich um die halbe Erde, die halbe Erde um die halbe Sonne. Neulich war der Mars zu Besuch da. Aussagekräftige Elektrone sausen um den schweigsamen Kern unserer Atome, frech verneinende Positrone lauern im Dickicht der Gestaltung, widerlegen jeden Impuls seiender Darstellung. Unwahrscheinliche, doch eindeutig bewiesene Gesetzmäßigkeiten führen dazu, dass Photone, dass Systeme, dass Bedeutungen verschränkt werden. Kilometerlange Teilchenbeschleuniger ermitteln die Grundsätze von Materie, Energie und Idee. Wir staunen. Modernste Technologien stützen sich auf eine Wirklichkeit, die uns sprachlos lässt. Augen auf oder Augen zu? Dies ist die Frage.

Quantenfreundliche Ansätze auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften werden manchmal mangels besseren Wissens als unnütz verworfen. Die Geisteswissenschaften als Ganzes werden manchmal freilich ihrerseits mangels besseren Wissens als unnütz verworfen. Dazu gibt es noch freilich in unseren computergestützten Zeiten und Räumen (und Wörtern?) einen Haufen Leute, die denken, dass man in Zukunft nicht mehr lesen braucht, ebenso wie es einen Haufen Leute gibt, die denken, dass man in Zukunft nicht mehr denken braucht. Und weil wir gerade beim Postulieren sind: Sprache ist ganz einfach ein Resultat neurologischer Aktivitäten im Gehirn. Und ein bisschen mehr.

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