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Spaghetti kochen mit Nirvana

Martin Prlic über eine unzertrennliche Beziehung, über Weltschmerz
und Magen-Darm-Probleme
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ausende CDs füllen die Lücke zwischen ABBA und ZZ-Top in den Geschäften - einige Hundert habe ich mir gekauft und eine Handvoll davon hat mich geprägt.
Das Spektrum reicht von Alice in Chains über Biohazard zu Leonard Cohen und Bob Marley. Doch die Band, die wahrscheinlich die tiefsten Spuren in mir hinterlassen hat, war Seattle’s bestes (mit Jimi Hendrix & Pearl Jam) Export-Produkt: NIRVANA.

Über 10 Jahre sind seit dem Erscheinen der ersten CD ("Bleach") vergangen und mehr als 6 Jahre seit K. Cobain's Tod. Aber in dieser kurzen Zeit hat Nirvana mehr bewegt als die meisten Bands in Jahrzehnten.

Ein Resultat der (ungewollten) Popularität ist, dass Nirvana-CDs (v.a. "Nevermind" und "Unplugged in New York") an Plätzen auftauchen, die ihrer Wertigkeit nicht gerecht werden. Über Jahre hinaus gefangen in einem CD-Ständer in Gesellschaft mit Phil Collins, Extreme, oder schlimmer: Bon Jovi, vielleicht sogar Michael Jackson oder überhaupt einem Bravo-Sampler... ein grauenhafter, wenn nicht gar herzzerreißender Gedanke, den ich nicht weiterspinnen will.

In den Jahren, da die tägliche Ration Nirvana so obligat für mich war wie eine Mahlzeit, so emotional tiefgehend wie ein Kuss und so beruhigend wie ein Stiegl (Goldbräu, nicht Pils!) – in diesen Jahren habe ich gemeinsam mit Nirvana alles durchgestanden. Ja, wir waren unzertrennlich.

Oft sind wir nicht nur zusammen schlafen gegangen oder haben uns für die Uni vorbereitet ("the water is so yellow, I am a healthy student"), nein, wir haben zusammen abgewaschen, Spaghetti gekocht und für Prüfungen gelernt ("I am worst at what I do best and for this gift I feel blessed"). Gemeinsam haben wir uns über die Zukunft Sorgen gemacht ("I found it hard, it’s hard to find, oh well, whatever, nevermind!"), in Kooperation mit einem Goldbräu Beziehungsprobleme analysiert ("My heart is broke, but I have some glue, help me inhale and mend it with you"), wurden desillusioniert ("My girl, my girl, don’t lie to me, tell me where did you sleep last night") und haben uns über eine Frau hinweggetröstet ("I like you, I am not gonna crack, I miss you, I am not gonna crack, I love you, I am not gonna crack….")

Ab und zu wurden so sogar Beziehungen angefangen ("I am so ugly that’s O.K. cuz so are you, broke our mirrors […] I am so excited, I can’t wait to meet you there […] I am so horny that’s O.K. my will is good […]")… und auch wieder beendet ("What else should I be? All apologies.")

Wir haben unseren Weltschmerz hinausgeschrien ("And just maybe I am to blame for all I have heard and I am not sure", "Don’t tell me what I wanna hear, afraid of never knowing fear") auf Parties, alleine und mit Freunden.

So schwer es mir auch zuzugeben fällt - in manchen Situationen war Nirvana keine Hilfe. So geht nichts über eine gute Dosierung Cranberries bei Problemen im Magen/Darmbereich ("eeeihh, eeeeih, eeeeeih, eiiiiiioooooooooo-ahhhhhhhhhhhh" aus Zombie), und falls außer mir noch jemand in die Situation kommen sollte, eine Frau mit Bart aus dem Bett vertreiben zu müssen (danke, Eugen!), so kann ich 10 sec Jamiroquai "I am a Space Cowboy uuuuhhhhh", gefolgt von einem kurzen Medley, wärmstens empfehlen, denn das schlägt jeden in die Flucht (sogar ihre Barthaare - sie ist mir heute noch dankbar).

Dennoch, im Laufe der Jahre habe ich angefangen, Nirvana zu vernachlässigen - ich koche meine Spaghetti ab und zu auch mit den Stone Temple Pilots, verbringe einen regnerischen Nachmittag mit Pearl Jam und trinke ein Bier mit den Red Hot Chili Peppers oder Chris Cornell.

"Kurt is dead?" - niemals!! Ich werde mir jetzt auf jeden Fall meine zerissenen Jeans anziehen, mein SubPop T-Shirt überstreifen, meine grünen Converse zuschnüren und den Mythos Nirvana weiterleben lassen, so lange ich noch genug Haare habe. Und falls dies einmal nicht mehr der Fall sein sollte… "I am so lonely, that’s O.K, I shaved my head and I’m not sad" - nevermind!!


Martin Prlic

 


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