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Back to the roots!
Ein mystischer Saitenzauberer, der zuletzt im überarrangierten Latinsumpf steckenzubleiben drohte, spielt plötzlich sturgeraden Jazz in traditioneller Trio-Besetzung. Kann das gut gehen? Wenn's Pat Metheny tut schon, keine Sorge.
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Nachdem der 46-jährige Gitarrenmeister ein Millionenpublikum über Jahrzehnte mit zuckersüßen Klangflächen und lateinamerikanischen Rhythmen verzauberte, ist er nun mit den "Youngstern Bill Stewart (drums, durfte unter anderem für John Scofield und Maceo Parker trommeln) und Larry Grenadier (bass, schon Sideman von Mike Stern) auf Welttournee gewesen. Auf dem Programmzettel standen alte Jazz-Standards und Bebop-Kompositionen von Metheny. Jetzt ist auch die Cd "99-00 dazu erschienen.Auffallend an dieser bemerkenswerten Einspielung ist, dass mit jedem Ton klar wird, hier ist Metheny wirklich zu Hause. Weder auf seinen Pop-Jazzplatten, auf den Latin-Jazzeinspielungen oder in seinem Esoterikklanglabyrinth wirkt er so überzeugend. Nein, Jazz mit Bass, Schlagzeug und einem "cleanen Gitarrensound ohne technische Zutaten, das scheint sein urtümlichstes, jedenfalls ein ihm äußerst vertrautes, Metier. Dort, im "knochenharten Jazz, sind auch seine musikalischen Wurzeln zu suchen.
Irgendwann hatte sein Bruder Mike, der wie Pat selbst auch Trompete spielte, ein Platte von Miles Davis nach Hause gebracht: "Four & More. Das Bebop- Gustostückerl des Trompetenstars hatte weitreichende Folgen. Denn irgendetwas hatte beim Teenager Pat damals im Kopf klick gemacht. Im Zuge der großen Gitarrenrevolution um Wes Montgomery oder Kenny Burell lernte Pat erstens das Seiteninstrument spielen und versuchte dann vor allem jene komplizierten Akkordfolgen und rasend schnellen Solis einer ausgereiften Bebop-Generation, die das Erbe von Dizzy Gillespie und Charlie Parker virtuos weiterführte, zu verstehen.
Zwischen 14 und 19 Jahren übte Metheny nicht weniger als 6 bis 12 Stunden täglich, um Parkers Hinterlassenschaft zu analysieren und zu studieren: Sonny Rollins, Thelonious Monk, Jim Hall... Und er drängte sich auf die Jazzbühnen daheim in Kansas, um Bebop zu spielen: "Mit den besten Musikern der Gegend, wie er sagt. Goldene Lehrstunden.
Metheny war bereits als 19-jähriger ein fertiger, technisch ausgereifter Musiker. Seine Lehrer waren die großen Musiker, die beim Plattenlabel "Blue Note zukunftsweisende Platten einspielten. Metheny studierte sie sorgfältig.
Der amerikanische Gitarrenpapst Mick Goodrick, zu dem die ganz Großen der Reihe nach pilgern Mike Stern, Wolfgang Muthspiel, Hiram Bullok widmete ihm übrigens sein berühmtes Gitarrenlehrbuch "The advancing guitarist. Zum einen, schreibt er, weil Metheny es inspirierte habe, aber vor allem, weil er es nie gebraucht hätte.Nur eimmal hat Metheny Gitarrenstunden genommen. Über ein Stipendium des Magazins "Downbeat kam der 17-jährige Junge zu einem Sommerkurs mit Attila Zoller. Der ungarische Jazzgitarrist brauchte bloß mit dem Finger zu schnippen und ihm einen berühmten Gitarristen-Namen zuzurufen: Metheny nahm sein Instrument und spielte ihn täuschend ähnlich nach. Schon damals hatte er die großen Meister Ton für Ton ausgehorcht.
Der Rest ist Zugabe. Metheny überredete Garry Burton, ihn in seiner Band mitspielen zu lassen, borgte sich schließlich den Schlagzeuger aus und machte mit einem anderen Jung-Star, dem Bassisten Jaco Pastorius, seine erste Solo-Platte "Bright Size Life. Sein experimentierfreudiger Weg zum typischen, butterweich-mystischen Metheny-Sound bescherte ihm schließlich ein Weltpublikum. In Keyboarder Lyle Mays und dem Bassisten Steve Rodby fand er kongeniale Kollegen, mit denen er sich in ungeahnte Band-Höhen entwickeln konnte. Funktional-unauffällige Basslinien, süße Becken-Sounds vom Schlagzeug, Mays romantische Klangflächen und Methenys ausgereiftes Gitarrenspiel. Live-Konzerte sind kaum von Platten-Einspielungen zu unterscheiden Sound in Perfektion.Den Grundstein zu all seinem Erfolg hat Metheny aber in seiner manischen Bebop-Zeit als Jugendlicher gelegt. Und dorthin ist er nun zurückgekehrt. Für manche "sound-verwöhnten Ohren mag "99-00 trocken und ungewohnt unarrangiert klingen. Doch nie war Metheny authentischer zu hören.
Adi Scharf
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