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Und jeder sucht sein Kätzchen
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      I
ch war gerade von einem Jahr voll neuer Eindrücke, Erfahrungen, Ziele und mit manch alten anhaftenden Schatten heimgekehrt, als ich einen Film sah, der mehr als nur ein visueller Genuss, ein Vorgeschmack auf Lebensfreude und ein Leckerbissen für Musikfreunde (mit dem uns damals omnipräsent erscheinenden Dummy-Album von Portishead) ist.

Meine Erwartungen waren nicht allzu groß, denn der Inhalt versprach bis auf eine Katze, Paris und vielleicht eine unbedeutende Liebesgeschichte nicht viel. Ersteres hatte ich selbst in doppelter Ausführung in meiner eiskalten Wohnung sitzen. Paris war mir in Erinnerung geblieben, als eine Stadt, für die ich nach meiner einjährigen Odyssee nicht mehr genug Energie aufbringen konnte, und Liebesgeschichten, ob bedeutend oder nicht, waren mir nicht geheuer, da ich gelernt hatte, sie analytisch zu zerlegen, zu interpretieren und zu reflektieren, während sie schon längst vorbei waren. Doch das Kino lag schräg neben meiner Wohnung und um dem Katzenklo, der Kälte und der nahenden Jus-Klausur zu enfliehen, beschloss ich, mich in den vorgewärmten Kinostuhl des DAS KINOS zu setzen, fast so allein wie bei mir daheim.

     Zuerst fielen mir die Farben auf: das Dunkelblau der Jeans, das Bordeaux-Rot des Samtsofas und natürlich die schwarze Katze 'Gri-Gri'. In meiner Einsamkeit versuchte ich mich auf die Cinematografie zu konzentrieren, denn rein inhaltlich war das Leben dieser Frau nicht gerade erhebend - bis auf den in einem einzigen Bild festgehaltenen Urlaub am Meer, der ein wenig Sonne in ein nasskaltes Salzburg brachte. Unsere Protagonistin ist gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt und möchte Gri-Gri bei der Dame abholen, die auf ihn hätte aufpassen sollen, doch diese ist völlig außer sich, denn der Kater ist spurlos verschwunden. In diesem Moment wünschte ich mir, das auch von meinen beiden Schoßwärmern sagen zu können, die - dessen war ich mir sicher - entweder gerade in das Bett meiner Schwester oder in mein eigenes pinkelten.

Bei der Suche nach dem Kater hilft ihr ein lieber naiver Algerier, der mit ihr Paris abgeht und sich sichtlich bemüht - doch ohne Erfolg. Mein Spaziergänger hatte sich schon länger nicht mehr gemeldet, vielleicht gab es wieder viele Begräbnisse oder gute Bücher. Mir kam die Jus-Klausur wieder ins Bewusstsein und die große Frage nach dem Warum einer Ausbildung, die ich verabscheute, Professoren, die mich an Politiker erinnerten, die ich nie im Leben wählen würde und Berufsaussichten auf eine Arbeit, mit der ich weder Erfüllung und Selbstbestätigung noch mit hoher Wahrscheinlichkeit den richtigen Mann oder finanzielle Sicherheit finden würde. Während die schlacksige Protagonistin nach Gri-Gri sucht, suchte ich nach einem einzigen vernünftigen Grund, dieses verhasste Studium fortzusetzen. Sie findet ihn, ich nicht. Er war hinter dem Kühlschrank eingeklemmt und konnte sich tagelang nicht befreien. Da sie nun den Kater wieder hat, bleibt noch Zeit für die Liebesgeschichte, bei der - wie immer - der gutmütige Spaziergänger leer ausgeht.

     Meine Katzen sitzen dick und fett neben der nassen Stelle auf meinem Bett. Ihnen geht es gut, da sie nicht hinter den Kühlschrank klettern können. Trotzdem schaue ich dahinter, weil sich dort vielleicht eine Liebesgeschichte versteckt hält.
Am nächsten Tag schreibe ich die Klausur und beschließe nie wieder diesen Stimmen Aufmerksamkeit zu schenken oder diese Räume zu betreten. Es ist doch so einfach: Wir suchen immer zu weit, wenn die Antwort eingeklemmt in der Küche auf uns wartet.

Kristin Teuchtmann


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