.
..

Der Sendeauftrag der EU – Eine Anregung

In der öffentlichen Diskussion dominieren die herrschenden Missstände in der EU.
Es gilt aber auch die andere Seite der Medaille aufzudecken.

Von Kristina Werndl
(13. 04. 2004)





Kristina Werndl
kristina.werndl [at] gmail.com

ist Redakteurin des
Aurora-Magazins.

 

 

    Mit 1. Mai 2004 stehen (mit Einschränkungen) die Grenzbalken zu Österreichs östlichen Nachbarländern offen. Bedauerlich, dass den neuen EU-Bürgern – anders als den Bürgern der alten EU-Staaten – die Grenzüberschreitung, der freie Zuzug nach Österreich verwehrt ist und der heimische Arbeitsmarkt bis zu sieben Jahren versperrt bleibt.

Eine Grenzziehung im Äther ist, anders als am Boden, nur schwer möglich, er ist potentiell schrankenlos. Natürliche Barrieren für das Radio bilden lediglich die Sprachgrenzen, wobei sich Englisch als supranationale Sprache, als europäische Verkehrssprache gewissermaßen, durchgesetzt hat. Vor diesem Hintergrund ist es bedauerlich, dass sich – bei Beibehaltung der unabhängigen nationalen Radio- und Fernsehanstalten – noch kein öffentlich-rechtlicher EU-Rundfunk herausgebildet hat. Ein solcher EU-Rundfunk erreichte noch mehr Zuhörer und Zuseher als ein EU-Printmedium und würde endlich den politischen Alltag der EU-Bediensteten vermitteln und die Gesichter zu den Namen liefern – so die Namen überhaupt bekannt sind. Mehr Transparenz wäre möglich und die Bürger würden in dem Gefühl bestärkt, dass die getroffenen politischen Entscheidungen unmittelbar mit ihnen zu tun haben. Diese emotionale Anbindung an Europa halte ich in Hinblick auf die EU-interne Stabilität für sehr bedeutend.

     In der öffentlichen Diskussion zur EU dominieren bislang die herrschenden Missstände (beschränkte Befugnisse des EU-Parlaments als einzige von den EU-Bürgern direkt legitimierte Institution, überzogene Gehalts-Forderungen der Parlamentarier, teure Verwaltungs-Bauten). Es gilt aber in den Medien auch die andere Seite der Medaille aufzudecken: Errungenschaften wie die Durchsetzung sozialer und rechtlicher Standards und den anhaltenden Frieden in den EU-Ländern. Die mediale Dimension des Projekts Europa ist bislang zu wenig bedacht worden.


 

=== Zurück zur Übersicht ===