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Big Band Sound so gar nicht ranzig
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Bis Anfang April tourt die Lungau Big Band, begleitet von der jungen Sängerin
Simone Kopmajer, durch Österreich. Und wieder einmal zeigt sie,
dass der Bigbandsound kein Ablaufdatum kennt

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eit abgeschlagen von der Mainstream-Berichterstattung über das, was sich langläufig als Event outet, ist bis Anfang April die Lungau Big Band mit der furiosen 22-jährigen (!) Jazzsängerin Simone Kopmajer - not even back to the roots - unterwegs und verbreitet einen Sound, der auf den steilen Gipfeln instrumentaler Virtuosität angesiedelt ist.

Big Band Sound hat es heute nicht mehr einfach und bleibt, so wie ranzige Butter, gerne mal übrig, wenn es darum geht, im Dickicht der musikalischen Vielfalt kräftig aufzufallen. Vielfach entsteht der Eindruck, Big Band Musik sei ein recht zeitloses Instrumentalspiel in größerer Besetzung, deren Ablaufdatum schon etliche Jahre überschritten ist.

      Voll ausgestattet mit Standards zum Mitsummen aus den 50er Jahren die in das Heute herüberschwappen. Wäre nicht der legendäre Bandleader Glenn Miller heuer auch schon 100 Jahre alt geworden. Au weiha, wie doch die Zeit vergeht! Berechtigt stellt sich da für manche die Frage, welches Konservierungsmittel eine Big Band braucht, um auch ohne elektronischen Firlefanz frisch zu wirken. Genügt es da schon, aus der metereologischen Gefrierkammer, dem Lungau zu stammen? Mitnichten! - Doch Musiker, im Format wie sie in der Lungau Big Band versammelt sind, haben es glücklicherweise nicht nötig, Prinzipien der Haltbarkeit bemühen zu müssen, denn Qualität währt ja nahezu ewig, wie bei Live-Auftritten eindrücklich bewiesen wird.

Mit den ausgeklügelt angelegten Arrangements und Interpretationen, heißt es für den wehrten Zuhörer: Ohren spitzen, denn was da daher kommt ist für Jazz-Freunde zwar nicht ganz unbekannt, aber in gebotener Form bietet der l'amour Hatscher 'Save your love for me' oder selbst die hunderfach gehörte 'Moonlight Serenade' einen wahren Ohrenschmaus der Sonderklasse.

     Simone Kopmajer, die 2003 im Rahmen des Hans Koller Preises ein New York Stipendium zuerkannt bekam, findet sich mühelos in dem harmonischen Zusammenspiel der Musiker zurecht und verleiht durch stimmliche Ausdruckskraft und der feinen Intonation ein sonderbar zartes Gefühl von wunderbarem Smooth-Sound. Vergleiche mit den ganz großen Sängerinnen der Jazz Welt, ob Dee Dee Bridgwater, Ella Fitzgerald oder den skandinavischen Aushängeschildern Rebekka Bakken oder Torun Eriksen braucht man nicht zu bemühen, denn Simone Kopmajer beweist, trotz ihrer Jugend bereits eine beeindruckende Eigenständigkeit in Interpretation und Klangfarbe, die in der österreichischen Jazzszene wohl einzigartig sein dürfte. Ein Rising Star, eine echte Ausnahmeerscheinung.

Fulminant auch ihr jüngerer Bruder - erst 20 Jahre alt! - , der am Schlagzeug nicht zu überhören ist! Wer meint, Big Band Musik sei bestenfalls eine Herausforderung für die Elterngeneration, der irrt gewaltig und spätestens beim Zuhören wird einem deutlich, dass das Sprichwort: "Irren ist menschlich", wohl zu den treffensten Sprichworten aller Zeiten zu zählen ist.

Christa Wieland


Termine und zum Hineinhören:

http://www.lungaubigband.com
http://www.simonekopmajer.com/deutsch/start_de/frame_start_de.htm
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