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Künstlervereinigung Maerz
Sibylle Küblböck, Friedrich Achleitner, Stephanselm Tancred Hadwiger
Waltraud Seidlhofer (von links, im Uhrzeigersinn)

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Bilder: Reinhard Winkler


    Zwei Autoren und zwei Autorinnen lasen in der Künstlervereinigung Maerz. Mit "allen nicht möglichen" war das Thema vorgegeben wie ein frommer Wunsch zur Korrespondenz, der gar nicht erst auf seine Erfüllung hofft. Es folgten vier Lesungen, die aufzeigten, dass Bedeutungen nichts weiter als vorgegaukelte Tatsachen sind.

Dementsprechend spiegelt sich Waltraud Seidlhofers Sprache ausschließlich in sich selbst und findet sich dabei gar nicht selbstverständlich. Sibylle Küblböck sammelt in Umgebungen Eindrücke, schreibt sie auf und stellt mit jeder Zeile ein Bild in den Raum, das mehr an Fotografiertes als an Gemaltes denken lässt. Am Schluss kommt so ein ganzes Album zusammen, das nicht so sehr zeigt, wie sie gesehen hat, sondern dass sie gesehen hat. Stephanselm Tancred Hadwiger klaubt Wörter aus den festen Zusammenhängen des Alltagsgeschwätzes, reiht sie neu aneinander und komponiert eine phonetische Ordnung, die überrascht, weil sie funktioniert: So ganz ohne Anfang und ohne Ende hört sich Sprache tatsächlich gut an. Friedrich Achleitner nimmt jedes Wort wörtlich, wendet Redewendungen, nimmt übertragene Sinne als eigentliche und schafft damit Texte wie Spitzfindigkeiten.

Die Relevanz von Bedeutungen schien an diesem Abend hinfällig und es ging einem als Zuhörer auch nichts ab: Das Lösen vom Sinn war wie ein Aufatmen.
   

Reinhard Winkler
(01.12.2006)


 

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