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Christoph Ransmayr
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"Der fliegende Berg"
(Lesung im Stifterhaus / Linz)
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Bild: Reinhard Winkler


    In seinem neuesten Buch "Der fliegende Berg" erzählt Christoph Ransmayr über essentielle Dinge: Liebe, Tod und die gnadenlose Schönheit der Welt an Orten, die sich der Mensch nur deshalb noch nicht untertan gemacht hat, weil die Luft dort oben am Himalaya dafür zu dünn ist.

"Pathos", das Wort kommt aus dem Griechischen, meint Leidenschaft, feierliche Ergriffenheit. Im Laufe der Zeit ist diese Bedeutung irgendwann in sich selbst zusammengeknickt, "pathetisch" meint heute auch: übertrieben, salbungsvoll. "Ich starb / 6840 Meter über dem Meeresspiegel / am vierten Mai im Jahr des Pferdes."

Der schwere Ton, den Ransmayr gleich mit dem ersten Satz anschlägt und den er konsequent über 360 Seiten hält, liegt permanent und gefährlich nahe vor dieser Knickstelle zwischen feierlich und salbungsvoll. Da ist wenig Platz für Profanes. So passiert’s manchmal, dass ein schlichter Computerbildschirm zum "Flüssigkristallschirm" poetisiert wird, ein andermal liegt ein "Verlängerungskabel" wie ein Stolperstein im Text und erinnert zwischen all den bedeutungsschweren Wörtern daran, auf welch sprachlicher Höhe Ransmayr agiert.

    Was die für einen Roman eigenwillige und bemühte Form des Flattersatzes – Ransmayr verzichtete auf den üblichen Blocksatz zugunsten eines in Strophen strukturierten Schriftbildes – nicht schafft, nämlich die poetische Qualität des Textes zu stützen, gelingt Ransmayr vorlesend aber allemal: Im Linzer Stifterhaus las er vier Kapitel aus seinem Buch, und wo andere Autoren oft mit ihren eigenen Texten zu kämpfen beginnen, ist Ransmayr in seinem Element. Eineinhalb Stunden lang rezitierte er im bis zum letzten Platz gefüllten Stifterhaus, als hätte der Text nur darauf gewartet, gehört zu werden. Und wer Ransmayr hört, fragt nicht mehr nach dem Schriftbild.

Reinhard Winkler

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