Dennis Meadows:

"Die Grenzen des Wachstums"  

Rachel Carson:
"Der stumme Frühling"

Zwei "wichtigste" Bücher der Umweltbewegung
 

Von Hermann Maier
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    In den vier letzten Dekaden sind unendlich viele Bücher erschienen, die die Zerstörung der Umwelt belegen und beklagen. Kaum eines hat die Umweltbewegung so nachhaltig und massiv beeinflussen können wie "Der stumme Frühling" Rachel Carsons und "Die Grenzen des Wachstums" Dennis Meadows':

Wir schreiben das Jahr 1962, als die todkranke Biologin Rachel Carson mit einem akribisch recherchierten Büchlein zuerst die amerikanische und dann die Weltöffentlichkeit in helle Aufregung versetzt und in zwei unerbittlich verfeindete Lager spaltet: Werfen die einen Carson Unwissenschaftlichkeit und Fortschrittsfeindlichkeit (Gar nicht selten wird von einer "kommunistischen Verschwörung" gesprochen.) vor, so nehmen die anderen ihre Erkenntnisse begeistert auf und fühlen sich in ihrem Unbehagen gegenüber gewissen Entwicklungen bestätigt.

"Silent Spring" ist für die damalige Industriegesellschaft wie ein Schlag ins Gesicht: Carson dokumentiert darin erstmals die vielfältigen negativen Auswirkungen des ungehemmten Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft. Nüchtern und stichhaltig hält sie fest, dass Pflanzenschutzmittel (hier vor allem die chlorierten Kohlenwasserstoffe und die Phosphorinsektizide) Krebs erregen oder das Erbgut schädigen können, oder dass diese keineswegs nur die so genannten Schädlinge vertilgen, sondern auch nicht vor Singvögeln, Haustieren, dem mikrobiellen Bodenleben, Regenwürmern und anderen Nützlingen Halt machen. Carson zeigt außerdem auf, wie schnell Insekten Resistenzen gegen Insektizide entwickeln können, und verwirft die waghalsige Unternehmung des Menschen, den Schädlingen mit immer stärkeren Pestiziden Herr zu werden, als unseligen Circulus vitiosus.   

Rachel Carsons "Silent Spring" ist aber weit mehr als eine besorgte und leidenschaftliche Anklage, vor allem im letzten Kapitel des Buches bemüht sie sich, einen "anderen Weg" zum konventionellen Pflanzenschutz zu weisen und beschreibt die - und das ist wichtig - dauerhaften Erfolge, die man mit natürlichen Fressfeinden, mit Insektenkrankheiten, mit Lockstoffen und vor allem durch die einen standortgerechten Anbau und eine ausgeglichene Fruchtfolge im Kampf gegen Pflanzenkrankheiten und -schädlinge schon erzielt hat. Gerade in der Darstellung des "alternativen Weges" im Pflanzenschutz ist Carsons Buch so aktuell wie zum Zeitpunkt seines Erscheinens. Ihn gilt es zu beschreiten und einzufordern, bevor an den chemischen und neuerdings gentechnischen Pflanzenschutz überhaupt nur gedacht wird!

Dass das Gewicht eines Buches rein gar nichts mit seiner Seitenzahl zu tun hat, beweist das zweite hier vorgestellte Werk. 1972 schlug das schmale Buch "Die Grenzen des Wachstums" (Es handelt sich dabei um die populäre Zusammenfassung einer großangelegten M.I.T.-Studie unter der Leitung Dennis Meadows.) ein wie eine Bombe, indem es der Wachstumsgesellschaft eine ernüchternde Zukunft prognostizierte.

Wenn sich, so legt das Team um Meadows anhand von Computersimulationen dar, die Variablen Bevölkerungswachstum, Industrialisierung, Nahrungsmittelproduktion, Umweltverschmutzung und Rohstoffverbauch unter den gegebenen Bedingungen (!) weiterentwickeln, dann wird diese menschliche Gesellschaft bald an ihre Grenzen (Es sind dies die Nahrungsmittelproduktion, die nicht-regenerierbaren Rohstoffe und die Umweltverschmutzung.) stoßen und kollabieren. Noch aber, so erklären die Forscher, seien wir in der Lage, unser Handeln zu ändern und den Dingen einen anderen Lauf zu geben.

    Kritiker, wenn sie ihr Zukunftspessimismus und Defätismus vorwerfen oder diese, nicht ohne besserwisserische Attitüde, als Ganzes verwerfen, weil sich einzelne in ihr getroffene Annahmen durch neue Erkenntnisse als falsch herausgestellt haben, übersehen gerne die intellektuelle Redlichkeit, die die Meadows-Studie durchzieht; unzählig und immer wiederkehrend sind jedenfalls die Hinweise der Autoren darauf, dass das Datenmaterial für die Computersimulationen einer andauernden Aktualisierung und Revision bedarf. Aber selbst mit den neuesten Daten zeigt sich eines: Die in den "Grenzen des Wachstums" angedeutete Entwicklungstendenz unserer Gesellschaft und unseres Wirtschaftssystems bleibt richtig.
 


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