Transitforum Austria Tirol

"Am Brenner für die Alpen"

Von Hermann Maier
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     Die "Revolte" des Transitforums Austria Tirol und seiner Galionsfigur Fritz Gurgiser gegen den Alpentransit ist bekanntlich leidenschaftlich und emotional; dass sie auch sachlich wohlbegründet ist, zeigt der jüngst erschienene Projektband "Am Brenner für die Alpen".

      Grundsätzlich gilt für die Autoren des Bandes, dass die "grenzenlose Mobilität" und der ungehemmte Transitverkehr für die Alpenregionen mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen, und dass die negativen Auswirkungen des Transits in diesen Gebieten schwerwiegender sind als anderswo; viel Raum in der Abhandlung wird dann auch dafür verwendet, dies detailliert und stichhaltig zu dokumentieren:

   So erfährt der Leser etwa, dass die Alpen aufgrund von verschiedenen Indikatoren (Dauersiedlungsraum in Relation zur Gesamtfläche, Einwohnerzahl bezogen auf Dauersiedlungsraum, Lärmbelästigung, Ozonbelastung der Vegetation, Schutzwaldanteil) als "sensible Region" einzustufen sind, aber nicht dementsprechend behandelt werden, oder dass die Regionalwirtschaft und hier zuvorderst die Klein- und Mittelbetriebe durch den Bau und Ausbau von "Schnellstraßen" einem existenzgefährdendem Konkurrenzdruck ausgeliefert wird und so im wahrsten Sinne des Wortes "unter die Räder kommt". Nicht zuletzt, darauf sei in Parenthese hingewiesen, wird im Projektband auf die Nachteile aufmerksam gemacht, die den Berufskraftfahrern durch die wahnsinnige Beschleunigung des Straßengüterverkehrs erwachsen, und eine "faire" Entlohnung und "faire" Arbeits- und Ruhebestimmungen für die Lastkraftfahrer eingefordert.

    Wenn die Autoren gewissen Beziehungen (z.B. Transit und Tourismus oder Transit und Berglandwirtschaft) auch zu wenig Augenmerk schenken, so bleibt "Am Brenner für die Alpen" doch ein starkes Stück Information. Dem Leser werden hier Dinge zur Kenntnis gebracht, die im öffentlichen Diskurs wohlweislich ausgespart werden: Oder wussten Sie, dass es bis 1994 in Österreich einen Straßenverkehrsbeitrag von 0,35 ATS/t/km gegeben hat, der ersatzlos gestrichen worden ist? Oder dass laut EU-Verkehrsminister Neil Kinnock jährlich 60 Mrd. Kilometer mit leeren LKWs zurückgelegt werden? (Dieser Spaß kostet den Frächtern immerhin die Kleinigkeit von 45 Mrd. EURO/Jahr!) Oder haben Sie gewusst, dass man Ketchup gemeinhin den "leicht verderblichen Gütern" zurechnet?

      Die Alpen, die alpinen Durchzugstäler als "Lebens- und Wirtschaftsraum" zu erhalten, darum geht es dem Transitforum. In der so genannten "Alpenschutz-Transiterklärung" werden die Maßnahmen aufgelistet, die notwendig sind, um dieses Ziel zu verwirklichen: Diese reichen von der Forderung nach der "Kostenwahrheit" im Verkehr bis hin zu jener nach dem Verbot weiterer Alpentransitstraßen, von der Nutzung der vorhandenen Kapazitäten der Bahn bis zur Umsetzung eines generellen Nachtfahrverbots, vom Tempolimit 80/100 für PKWs bis zur Förderung der Regionalwirtschaft und regionalen Projekten...

      "Am Brenner für die Alpen", der Titel der Abhandlung verweist darauf, dass das Transitforum Austria Tirol weit mehr im Blick hat als das Inn- bzw. Wipptal: So ist das Transitforum neben der Arge Alp und der Alpen(schutz-) Konvention, auf die im Projektband übrigens häufig Bezug genommen wird, eine weitere Artikulationen dafür, dass sich die "Älpler" zunehmend ihrer gemeinsamen Probleme bewusst werden: Ein Aufstand der Peripherien gegen die Zentren, der "Zwischenräume" gegen die Metropolen kündigt sich an. Noch allerdings fehlt an der entsprechenden Geschlossenheit nach außen hin. Das kann sich ändern, gibt sich Fritz Gurgiser kämpferisch: "Wenn ich an dieser Stelle festhalte", schreibt er, "dass sich entlang der alpinen Transitrouten Zorn und Unmut etablieren und verstärken, so ist dies ein brisanter politischer Tatbestand. Die Bevölkerung entwickelt sich immer mehr zu einem deutlichen explosiven Konfliktpotential."


Homepage:
http://www.transitforum.at


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