Landwirtschaft im Zeitalter neuer Technologien

Ebensoweit  wie der Themenumfang des folgenden Beitrags ist der Einflußbereich der Gentechnik im täglichen Leben: Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es? Können gentechnische Veränderungen nachgewiesen werden? Werden genetisch manipulierte Produkte ausreichend gekennzeichnet? Und schließlich:
Welche Rolle spielen Österreichs Bauern im Globalisierungsprozeß?


Von Hubert Schilchegger
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Hubert Schilchegger

Hubert Schilchegger, geb. am 1. 2. 1973 in  Abtenau, Absolvent der HBLA Ursprung, Besuch eines einjährigen Speziallehrgangs für Umwelttechnik und -sicherung; Hubert Schilchegger ist Leiter des Fachgebiets für biologische Landwirt- schaft bei der Salzburger Landwirtschaftlichen
Kontrolle (SLK) GesmbH.

 


 

Gentechnik ist ein gezielter Eingriff in das Erbgut

 

 

 


 

Die Gentechnik ist in vielen Bereichen längst schon eine Realität

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gentechnik findet vor allem im Pflanzenbau Verwendung

 

 

 

 

 

 

 

Nicht immer kann eine gentechnische Veränderung nachgewiesen werden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    Gentechnik – ein Begriff, der gerade in den letzten Jahren allerorts für sehr viel Diskussionsstoff gesorgt hat.
Aber wie bei allen Begriffen, mit welchen wir ständig konfrontiert werden, stellt sich auch hier die Frage, was damit gemeint ist, was dahintersteckt.
Es schadet mit Sicherheit nicht, sich ein gewisses Grundwissen zur Gentechnik anzueignen; Denn nicht selten ist die Unwissenheit über dieses unheimlich komplexe Thema der Auslöser dafür, dass nach Meldungen in den Medien oft total überzogenen Reaktionen zustande kommen, die Angst vor dem Unbe- kannten um sich greift. Und Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber.

Die Gentechnik, wie wir sie heute kennen, ist eine noch sehr junge Wissen- schaft. 1972 gelang es zum ersten Mal, einzelne Gene aus dem Erbgut heraus- zulösen und zu analysieren. Durch die daraus gewonnenen Erkenntnisse war es in weiterer Folge möglich, einen genmanipulierten Organismus herzustellen. Um die Vorgänge in der Genetik zu verstehen, bedarf es der Kenntnis einiger Grundbegriffe, die ich ganz kurz und in vereinfachter Form beschreiben möchte.

Was ist ein Gen?

Als Gen werden die Erbanlagen bezeichnet, die in jeder Zelle eines lebenden Organismus enthalten sind. Ein einzelnes Gen speichert die Information, die der Körper benötigt, um ein Eiweiß, ein sogenanntes Protein, herzustellen. Solche Proteine sind nicht nur Teil des Muskeleiweißes, sondern steuern auch sämtliche Stoffwechselvorgänge eines Organismus. Dazu gehören die Enzyme, die Hormone als Botenstoffe des Körpers und viele andere Stoffgruppen.

Was ist Gentechnik?

Gentechnische Verfahren basieren auf dem Vorgang, gezielt genetische Eigenschaften aus einem Organismus zu entnehmen und in einen anderen Organismus einzusetzen. Die Gentechnik ermöglicht im Gegensatz zu den herkömmlichen Züchtungsmethoden auch die Übertragung von bestimmten Eigenschaften über die Artgrenzen hinweg.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es für die Gentechnik?

Im Bereich der Lebensmittelherstellung verwendet man Gentechnik im Wesentlichen in drei Bereichen. Die gentechnische Herstellung von Nahrungs- bestandteilen wie beispielsweise Zusatzstoffen (Enzyme, Aromastoffe, Vitamine, Konservierungsmittel usf.) wird genauso durchgeführt wie die gen- technische Veränderung von Mikroorganismen (z.B. Joghurt, Käse,..). Der am meisten diskutierte Bereich ist sicherlich die gentechnische Veränderung von Tieren und Pflanzen (z.B. Sojabohne).
Im medizinischen Bereich, in dem sie eigentlich schon seit Jahren anerkannt ist, findet die Gentechnik Anwendung in der Diagnostik von schwer erkennbaren Krankheiten, der Präventivmedizin (Herstellung neuer Impfstoffe), der Substitutionstherapie (z.B. Insulin) und der Gentherapie.

Was bedeutet Freisetzung?

Die Freisetzung oder der Freilandversuch ist eine Stufe der gentechnischen Forschung. Mit Anbauversuchen unter kontrollierten Bedingungen wird über- prüft, ob gentechnisch veränderte Nutzpflanzen auch für die landwirtschaft- liche Praxis tauglich sind. Sie dienen außerdem der Erforschung des ökologischen Verhaltens neuer Sorten. Die Freisetzung ist Teil des Zulassungs- verfahrens, das europaweit einheitlich geregelt ist.

Welche gentechnisch veränderten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen sind derzeit von Bedeutung?

An über 40 Nutzpflanzen weltweit wurden bisher gentechnische Veränder- ungen vorgenommen.
Dazu zählen beispielsweise herbizidresistente Sojabohnen (resistent gegen das Pflanzenschutzmittel ROUNDUP) und der herbizidresistente Mais (resistent gegen das Pflanzenschutzmittel BASTA). Durch eine Veränderung sind diese Pflanzen resistent gegenüber den angeführten Pflanzenschutzmitteln, alle anderen grünen Pflanzen sterben ab. Der Einsatz herbizidresistenter Pflanzen bringt aber gegenüber herkömmlichen Sorten keine Vorteile, da auch weiterhin ein Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden muß und dessen Wirkung zum Teil größere Schäden anrichtet als die herkömmlichen pflanzenspezi- fischen Mittel (vor allem eine größere Schädigung des Bodenlebens).
Neben dem Mais und den Sojabohnen sind Tomaten, Kartoffeln, Reis und Tabak und verschiedene Getreidesorten mit verändertem Erbgut in Ver- wendung. In Europa sind derzeit Tabak und Soja allgemein, Ölraps, Zichorie und Mais lediglich als Saatgut zugelassen.

Kann eine gentechnische Veränderung nachgewiesen werden?

Mittlerweile hat man seitens der Wissenschaft Methoden entwickelt, um gentechnische Veränderungen nachzuweisen. Ein Nachweis ist sowohl bei Rohprodukten als auch bei verarbeiteten Produkten möglich, sofern eine geringe Menge an DNA=Desoxiribonukleinsäure (Erbinformation) enthalten ist.

Leicht nachzuweisen sind gentechnische Veränderungen in Lebensmitteln, die entweder selbst gentechnisch verändert sind (z.B. Tomate, Sojabohne) oder gentechnisch veränderte Organismen enthalten (z.B. Joghurt).

Schwieriger wird der Nachweis bereits bei Produkten die aus gentechnischen Pflanzen hergestellt wurden (z.B. Ketchup, Lecithin aus der Sojabohne, verschiedene Öle,...).

Nicht möglich ist der Nachweis derzeit bei Lebensmittelzusatzstoffen und Hilfsstoffen, die aus gentechnisch veränderten Organismen erzeugt wurden (z.B. Enzyme, Aromen, Vitamine,..).

Auch bei der mengenmäßigen Bestimmung (Mengenanteil der gentechnisch veränderten Pflanze im Produkt) hat man in den letzten Jahren sehr große Fortschritte erzielt. Mittlerweile ist es möglich, den Mengenanteil an gen- technisch veränderter DNA bis in einen Bereich von 0,5%, gemessen an der gesamten DNA, zu quantifizieren.
Ein Nachweis im Fleisch eines mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefütterten Tieres ist nicht möglich, da bei der Verdauung die DNA in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt wird.

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