Widerstand gegen den
Vietnamkrieg in den USA

Von Michaela Jandl

Lehrveranstaltung: SE: Mythos und Realität der Sechzigerjahre
Lehrveranstaltungsleiter: Reinhold Wagnleitner / Reinhard Krammer
Universität: Universität Salzburg, Institut für Geschichte
Semester: WS 1996/97

 

Inhaltsverzeichnis:


1. Einleitung

2. Kurzer Überblick über den Verlauf des Krieges

3. Öffentliche Meinung in bezug auf den Vietnamkrieg

4. Statements und Bewegungen gegen den Krieg

        4.1. Geschichte der Antikriegsbewegung

        4.2. Studentischer Widerstand

                                Einschub: Das Genfer Abkommen von 1954

        4.3. Widerstand der schwarzen Bevölkerung

5. Veteranen und Antikriegsbewegung

6. Zusammenfassung


B) Bibliographie

ANHANG


 

1. Einleitung


      In dieser Seminararbeit möchte ich einen kurzen Überblick über den Widerstand gegen den Vietnamkrieg geben, der sich in den Vereinigten Staaten Ende der Sechziger Jahre formierte.
Die Arbeit ist in zwei Teile geteilt. Der erste Teil widmet sich der fachwissenschaftlichen Bearbeitung des Themas, während ich im zweiten Teil Beispiele und Anregungen für die Behandlung des Themas im Geschichtsunterricht geben möchte. Ich stütze mich in dieser Arbeit hauptsächlich auf englischsprachige Literatur sowie auf Informationen, Texte und Bilder, die ich dem Internet entnommen habe.
Das Trauma des Vietnamkrieges scheint in den USA noch immer nicht überwunden zu sein. Der Vietnamkrieg wurde Thema zahlreicher Filme und Bücher. Auch im Internet ist das Thema Vietnamkrieg stark vertreten. Man findet zahlreiche sogenannte "homepages" von Veteranen, Texte, Bildmaterial, Verweise auf verfügbare Literatur über die verschiedensten Aspekte des Krieges.
In vieler Hinsicht war dieser Krieg einzigartig. Eine Großmacht wurde vom kleinen Staat Vietnam kriegerisch besiegt, noch nie in der Geschichte Amerikas gab es so viele Proteste und Widerstand der Bevölkerung gegen die Außenpolitik der Regierung, noch nie war es möglich gewesen, Berichte und Bilder direkt vom Schlachtfeld via Satellit in Amerikas Wohnzimmer zu bringen. Der "Living Room War", wie er deswegen auch oft genannt wurde, spaltete die amerikanische Bevölkerung in zwei Lager: in die Kriegsbefürworter und in die Kriegsgegner, wobei die Zahl der letzten kontinuierlich mit der Dauer der militärischen Intervention der USA in Indochina wuchs. Nach Meinung der Kriegsgegner war der Krieg unmoralisch, illegal und verstieß gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten, denn der Kongreß hatte niemals eine Kriegserklärung gegen Vietnam ausgesprochen, so wie es in der Verfassung verlangt wird.

 

2. Kurzer Überblick über den Verlauf des Krieges

Der Krieg in Südostasien kann in zwei Phasen geteilt werden. Die erste Phase ist bekannt unter dem Namen "Französischer Kolonialkrieg": Am 2. September 1945 wird die unabhängige und souveräne Demokratische Republik Vietnam (DRV) durch Ho Chi Minh in Hanoi ausgerufen. Am 6. März 1946 wird ein französich-vietnamesisches Abkommen geschlossen, in dem vereinbart wird, daß die DRV den Status eines freien Staates in der französischen Union erhält. Dennoch beginnt Frankreich noch im selben Jahr den kolonialen Rückeroberungskrieg, dem der Vietminh mit einem geschickten Guerillakrieg begegnete. Der Sieg der Chinesischen Revolution von 1949 machte die nördliche Grenze Vietnams für Waffenlieferungen aus China frei, so daß die Franzosen, obwohl sie finanziell von den USA unterstützt wurden, 1954 bei Dienbienphu eine schwere Niederlage hinnehmen mußten. Ein Waffenstillstand wurde vereinbart, und das Genfer Abkommen wurde unterzeichnet. Im Genfer Abkommen sind unter anderem die vorläufige Teilung Vietnams und die Abhaltung von gesamtvietnamesischen Wahlen vorgesehen.
In Nordvietnam festigen die Kommunisten ihre Macht durch den Staatspräsidenten Ho Chi Minh.
In Südvietnam wird der Katholik Ngo Dinh Diem im Oktober 1955 Ministerpräsident, der eine Gewaltherrschaft ausübt. Er verweigert die Durchführung gesamtvietnamesischer Wahlen. Seit 1957 kommt es zunehmend zu Guerillakämpfen zur Befreiung Südvietnams. Trotz massiver amerikanischer Waffenlieferungen kann die Niederlage des südvietnamesischen Regimes nicht verhindert werden. 1964 greifen die USA offen in den Krieg ein. Sie belegen Nordvietnam mit einem Dauerbombardement aus der Luft. 1968 kommt es zur Einstellung der US-Bombardierungen.
1973 wird ein Waffenstillstand geschlossen, der jedoch von Südvietnam versucht wurde zu unterlaufen, was allerdings scheiterte und 1975 im völligen Kollaps endete. Nach dem Sieg der Vietminh wurde auch das wiedervereinigte Vietnam Volksdemokratie.

 

3. Öffentliche Meinung in bezug auf den Vietnamkrieg


Bevor ich in dieser Arbeit näher auf die verschiedenen Antikriegsbewegungen eingehe, möchte ich einen kurzen Überblick über die Änderung der öffentlichen Meinung gegenüber dem Vietnamkrieg geben. Hierzu ziehe ich Daten verschiedener Meinungsumfragen, die in den Jahren 1964 bis 1973 vom Meinungsforschungsinstitut Gallup gemacht wurden, heran.
1955, als die USA erst kaum in den Vietnamesischen Bürgerkrieg involviert waren, interessierte sich nur eine kleine Bevölkerungsgruppe für die Geschehnisse im weit entfernten Indochina. Aber auch mit zunehmender militärischer Hilfe der Amerikaner in den nächsten Jahren, wuchs das Interesse der amerikanischen Bevölkerung am Indochinakrieg nur unmerklich. Sogar 1964, als die Vereinigten Staaten seit dem Seegefecht im Golf von Tongking direkt in den Krieg eingriffen, sagten zwei Drittel der amerikanischen Bevölkerung, daß sie wenig oder kaum Interesse an der Entwicklung von Süd-Vietnam hätten. Es scheint so, daß sich die Theorien von Gabriel Almond und James Rosensau bestätigten, denn solange die Regierung außenpolitische Angelegenheiten im Griff zu haben scheint, ist der Großteil der Bevölkerung zufrieden mit seiner Regierung beziehungsweise gar nicht interessiert.
Erst ab Mitte 1966 und besonders 1967 vergrößerte sich die Zahl der Amerikaner, die glaubten, daß das Eingreifen der USA in den Vietnamkrieg ein Fehler gewesen war. Hierzu gibt es folgende Umfrageergebnisse des Institutes Gallup:
Auf die Frage "In view of developements since we entered the fighting in Vietnam, do you think the U.S. made a mistake sending troops to fight in Vietnam ?" antworteten die befragten Personen wie folgt:

Datum NEIN-Antworten in %
August 1965

61

März 1966

59

Mai 1966

49

September 1966

48

November 1966

51

Februar 1967

52

Mai 1967

50

Juli 1967

48

Oktober 1967

44

Dezember 1967

46

Februar 1968

42

März 1968

41

April 1968

40

August 1968

35

Oktober 1968

37

Februar 1969

39

Oktober 1969

32

Jänner 1970

33

April 1970

34

Mai 1970

36

Jänner 1971

31

Mai 1971

28

(Ab diesem Zeitpunkt wurde die Frage von Gallup nicht mehr gestellt)

 

Wie aus der Tabelle sehr schön ersichtlich ist, nahm die Zahl der Gegner des Vietnamkrieges mit der zunehmenden Dauer des Krieges ständig zu. Die Rufe, daß sich die USA aus dem Vietnamkrieg zurückziehen sollten, wurden immer lauter, bis sie schließlich die allgemeine Meinung eines Großteils der amerikanischen Bevölkerung war.
Als 1973 der Waffenstillstand erklärt wurde, waren 79 % der amerikanischen Bevölkerung gegen eine erneute Intervention der USA in Vietnam, sogar "wenn das kommunistische Nord-Vietnam in Süd-Vietnam einfallen und es annektieren würde."

In der amerikanischen Geschichte hatte es noch nie eine so breite Gegnerschaft gegen die außenpolitischen Entscheidungen der Regierung gegeben. Wieso war die Situation während des Vietnamkrieges völlig anders ? Um das zu erklären, muß man ein paar Jahre zurückgehen. Man kann vier Phasen der Reaktion der amerikanischen Bevölkerung gegenüber dem Vietnamkrieg ausmachen.
In der ersten Phase war ein Großteil der Bevölkerung völlig uninformiert über die Ereignisse in Vietnam. Erst als 1964 die USA offen in den Krieg eingriffen, wurde das Interesse langsam größer.
In der zweiten Phase war ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung bereit, der neuen Kriegspolitik der amerikanischen Regierung eine Chance zu geben. Ab 1967 wuchs die Zahl der Kriegsgegner permanent an. In dieser Zeit wurde auch die höchste Konzentration der amerikanischen Truppen in Vietnam erreicht.

Als trotz hoher Truppenkonzentration und enormer finanzieller Ausgaben (die Regierung steckte monatlich mehr als eine Milliarde Dollar in den Krieg) kein Ende des Krieges in Sicht war, wurde die Gruppe der Gegner immer größer. Zwischen November 1968 und September 1970 stieg die Anzahl der Truppenrückzugsbefürworter von 19 auf 55 Prozent. Man kann also vermuten, daß ein Grund für die große Antikriegsbewegung die ausbleibenden militärischen Erfolge waren.
Wer aber waren nun diese Leute, die gegen den Krieg in Indochina waren ? Bevor ich in den folgenden Kapiteln meiner Arbeit näher darauf eingehe, möchte ich an dieser Stelle nur kurz die "typischen" Kriegsgegner und die "typischen" Kriegsbefürworter charakterisieren. Anhand von Umfrageergebnissen kann man feststellen, daß man mehr Befürworter unter der jungen, weißen und männlichen Bevölkerung der Mittelklasse findet, während der "typische" Kriegsgegner älter, schwarz, weiblich und ärmer war. Die Gründe dafür werde ich versuchen in den folgenden Kapiteln zu erläutern.

 

4. Statements und Bewegungen gegen den Krieg


4.1. Geschichte der Antikriegsbewegung


Die Antikriegsbewegung war das Produkt zweier Protestbewegungen der fünfziger Jahre, nämlich der Antinuklear-Bewegung und der civil rights Bewegung.
Beide Gruppen bedienten sich der Mittel des gewaltlosen Widerstandes. Die Mitglieder dieser Gruppierungen waren religiöse Gruppen wie zum Beispiel die Quäker, aber auch Wissenschafter, die gegen den Test nuklearer Waffen protestierten. Andere wiederum waren Liberale, die die Rechte von Minderheiten vergrößert wissen wollten. Auch auf die kleine aber lautstarke Gruppe der radikalen Pazifisten sollte an dieser Stelle nicht vergessen werden. Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre wurden die Ideen der beiden Bewegungen von Studentenorganisationen aufgegriffen und in einer Bewegung vereinigt. Die bekannteste dieser Studentenorganisationen der frühen Sechziger war sicherlich die SDS (Students for a Democratic Society), die sich aus der radikalen pazifistischen Gruppe der Antinuklear-Bewegung entwickelte.
1965, als die USA verstärkt in den Vietnamkrieg eingriffen, waren die Antikriegsbewegungen noch kaum organisiert, aber mit zunehmender Dauer des Krieges änderte sich dies rasch. Zahlreiche Protestmärsche wurden organisiert.
Auch vor Wahlen durfte das Thema "Vietnamkrieg" nun nicht mehr fehlen. Aber die Liberalen wurden bald ins politische Abseits gedrängt. Ungefähr zur selben Zeit nahm die radikale Komponente bei den organisierten Protesten gegen den Vietnamkrieg merklich zu.
In den Vereinigten Staaten begann eine Polarisation der Gesellschaft in drei Gruppen. Die erste Gruppe war konservativ und wollten einen militärischen Sieg in Vietnam erreichen. Ihre Frustration wuchs aufgrund der ausbleibenden militärischen Erfolge in Indochina. Auf der anderen Seite standen diejenigen, die den sofortigen Rückzug der amerikanischen Truppen aus Vietnam forderten. Zwischen diesen zwei Gruppen befand sich die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung, die 1964 noch kaum an der Intervention der USA in Vietnam interessiert war. Zwischen 1965 und 1967 war der Protest gegen den Indochinakrieg noch sehr gemäßigt. Die Aktivisten beschränkten sich zum Großteil auf Gespräche und Protestmärsche. Einige wenige verbrannten ihre Wehrpässe (=draft cards). In wenigen extremen Fällen verbrannten sich Kriegsgegner sogar selbst, um ein markantes Zeichen zu setzen. Während der Regierungszeit von Lyndon B. Johnson (1963 - 1969), der vor der Wahl von Frieden in Vietnam gesprochen hatte, wurde der Ton der Protestbewegung zunehmend schärfer.
1967 wurde die Antikriegs-Bewegung eine Bewegung von nationaler Bedeutung. Am 21. Oktober dieses Jahres versammelten sich über 100 000 Amerikaner und Amerikanerinnen vor dem Pentagon in Washington, um gegen den Krieg in Vietnam zu protestieren. In dieser Nacht wurden auch zahlreiche Wehrpässe verbrannt.
Ein Problem der Protestbewegungen war sicherlich, daß zwar der Zweck des Protestes klar war, nicht aber die Richtung. Es gab nie eine Protestbewegung gegen den Krieg in Indochina, sondern vielmehr splitterte sich der Protest in zahlreiche Gruppierungen auf. Der Großteil der Antikriegs-Aktivisten war gegen Gewalt, sie schrieben Briefe an die Regierung oder protestierten auf den Straßen, aber eine kleine Zahl von ihnen war verantwortlich für Bombendetonationen, sie attackierten die Polizei und verübten Vandalenakte. Von Jänner 1969 bis April 1970 detonierten in den Vereinigten Staaten 4358 Bomben, von denen mindestens 20 Prozent auf das Konto radikaler Kriegsgegner gehen.
In den späten 1960er Jahren behaupteten 7 bis 10 Prozent aller Collegestudenten von sich, radikal zu sein.
Die Vietnampolitik Washingtons interessierte bald die gesamte amerikanische Bevölkerung. Aber man darf nicht glauben, daß alle Amerikaner aktiv gegen den Krieg waren. Folgendes geht aus Meinungsumfragen hervor: Es gab eine relativ kleine Antikriegsbewegung, die jedoch politisch äußerst aktiv war. Aber der größte Teil der amerikanischen Bevölkerung (man vermutet, daß diese zahlenmäßig etwa sechzig Mal größer war als die organisierte Antikriegsbewegung) war gegen den Krieg, ohne ihren Widerstand öffentlich kund zu tun.
Diese beiden Gruppen unterschieden sich in Klassenzugehörigkeit und Bildungsgrad. Die organisierte Opposition bestand hauptsächlich aus Weißen mit College-Abschluß. Sie waren politisch liberal eingestellt. Glaubt man den Ergebnissen von Meinungsumfragen, war der Großteil der Bevölkerung, die gegen den Krieg waren, jedoch nicht aktiv in einer Antikriegsbewegung mitmachten, Frauen und Menschen anderer Hautfarbe. Sie hatten schlecht bezahlte Jobs und keinen Abschluß einer höheren Schule.

 

4.2. Studentischer Widerstand


Wie schon oben erwähnt waren ein großer Teil der Mitglieder organisierter Antikriegs-Bewegungen Collegeabgänger. Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Protestaktionen aus studentischer Sicht:
Im März 1965 organisiert die SDS das erste Vietnamkriegs-teach in an der Universität von Michigan, bei der 500 Personen erwartet wurden, tatsächlich aber 3000 kamen.
Am 17. April 1965 findet der erste Marsch auf Washington statt, der von der SDS geführt wird. 25000 Personen protestieren für eine Beendigung des Vietnamkrieges.
Im Dezember 1966 wird ein Brief an Lyndon B. Johnson geschrieben, in dem gefordert wird, den Krieg in Indochina zu beenden, ansonsten würden sich die Jugendlichen strikt weigern ihren Militärdienst zu leisten und lieber ins Gefängnis gehen.1968 zählt die SDS bereits 100000 Mitglieder. Von Jänner bis Mai 1968 nehmen 40000 Studenten an 221 größeren Demonstrationen teil. Im April 1969 finden Streiks an der Universität Harvard statt.
Im Frühjahr 1970 geben 2500 Studenten der Universität Berkeley ihre Wehrpässe zurück.
Im April 1970 werden 4 Studenten bei einer Antikriegsdemonstration getötet und 8 verletzt.
1965 tat die SDS (Students for a Democratic Society) ihre Opposition zum Vietnamkrieg öffentlich kund. Dieses Statement wurde in der Presse veröffentlicht. Ich will an dieser Stelle die wichtigsten Aussagen zusammenfassen:
Die SDS ist der Meinung, daß der Krieg in Vietnam von seinen Wurzeln her unmoralisch ist und daß er das Ende der Hoffnung auf ein demokratisches Amerika sei. Sie glaubt, daß die amerikanischen Jugendlichen, wenn sie eine freie Wahl hätten, lieber in ihrem eigenen Land und auch in fremden Ländern eine Demokratie aufbauen würden, als die Bevölkerung in Vietnam zu quälen und zu töten und deren Häuser zu verbrennen. Deshalb bittet sie den Präsidenten, allen Amerikanern die Chance zu geben, zu helfen anstatt zu morden. Sie wollen in Krankenhäusern und Schulen helfen, anstatt in den Krieg geschickt zu werden.
Man sieht, daß diese Aussagen ein Aufruf zur Menschlichkeit sind. Aber der Krieg in Vietnam wurde nicht nur von vielen als unmoralisch gesehen, sondern auch als illegal, als ein Krieg, der gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten verstieß. In der Proclamation of the Antidraft Resistance von 1967 heißt es (gekürzt und frei übersetzt):

a) Der amerikanische Krieg in Vietnam steht im Gegensatz zur religiösen und moralischen Vorstellung vieler Amerikaner.

b) Der Krieg ist wider die Verfassung und illegal, weil der Krieg nicht vom Kongreß erklärt wurde, so wie es in der Verfassung verlangt wird.

c) Der Krieg mißachtet internationale Abkommen speziell das Genfer Abkommen von 1954, das die USA zusicherte einzuhalten, es bis jetzt jedoch nicht tat.

d) Deshalb hat jeder das legale Recht und die moralische Pflicht, alles zu tun, um diesen Krieg zu beenden und andere aufzufordern dasselbe zu tun.

e) Jede Form des Widerstandes gegen die Autorität ist gerechtfertigt.

f) Wir rufen alle auf, die Konfrontation mit der unmoralischen Autorität zu suchen. Speziell rufen wir die Universitäten auf, ihre Mission zu erfüllen. Jetzt ist die Zeit für Widerstand.

 

Einschub: Das Genfer Abkommen von 1954

Die Verhandlungen in Genf dauerten vom 26. April bis zum 21. Juli 1954. Die Teilnehmer waren Vertreter der Sowjetunion, Frankreichs, Großbritanniens, der USA, der Volksrepublik China, der Demokratischen Republik Vietnam, der Bao-Dai-Verwaltung, Kambodschas und Laos’. Hier seien die Hauptpunkte der Genfer Abkommen zusammengefaßt:

1. Alle Teilnehmer der Konferenz verpflichteten sich, die Souveränität von Kambodscha, Laos und Vietnam zu respektieren.

2. In Vietnam sollten bis spätestens Juli 1956 Wahlen durchgeführt werden.

3. Die Errichtung militärischer Stützpunkte ausländischer Staaten, sowie die Entsendung ausländischer Truppen und die Lieferung ausländischer Waffen und Munition in beiden Zonen Vietnams wurde verboten.

Die USA weigerten sich, die Schlußdeklaration von Genf zu unterzeichnen. Sie ließen statt dessen eine Sondererklärung abgeben, in der das Abkommen von Genf zur Kenntnis genommen wird. Weiters heißt es in dieser Sonderklärung, daß die USA jede Erneuerung der Aggression in Verletzung des Genfer Abkommens als ernste Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit betrachten würde. Die folgenden Jahre zeigten jedoch, daß die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika nicht gewillt war, ihre in Genf abgegebene Erklärung einzuhalten. Die Einmischung in die Angelegenheiten Vietnams erfolgte anfangs noch indirekt, - indem nur Waffen geliefert wurden - aber ab 1965 wurden auch Truppen nach Vietnam geschickt.

 

4.3 Widerstand der schwarzen Bevölkerung


Mit der Erklärung zum Widerstand gegen den Vietnamkrieg von Martin Luther King im Jahre 1967, bekamen die Widerstandsbewegungen gegen den Indochinakrieg, die sich innerhalb der schwarzen Bevölkerung in den USA schon vorher bemerkbar gemacht hatten, einen prominenten Mitstreiter.
Martin Luther King bringt den Vietnamkrieg in Beziehung zum Poverty Program der Regierung. Aufgrund dieses Programms konnte die schwarze Bevölkerung auf eine Verbesserung ihrer Situation hoffen, das Eingreifen der Vereinigten Staaten in den Indochinakrieg machte jedoch alle diese Hoffnungen zunichte. Horrende Summen wurden von nun an in den Krieg - anstatt in das Poverty Program - investiert. So mußte Martin Luther King sehen, daß "der Krieg zum Feind der armen Leute wurde". Martin Luther King wirft der Regierung vor, ihre Probleme mit Gewalt zu lösen, was noch niemals Probleme gelöst hätte, sondern nur noch mehr Gewalt hervorgebracht habe. Weiters kritisiert er die Art der Kriegsführung. Das Vergiften des Wassers, das Niederbrennen der Häuser, die Ermordung der Zivilbevölkerung - hauptsächlich Kinder. Deshalb fordert er die Regierung auf, das Bombardement auf Nord- und Süd-Vietnam sofort zu beenden. Weiters soll der Waffenstillstand erklärt werden, um Verhandlungen zu ermöglichen. Alle ausländischen Truppen sollen aus Vietnam abgezogen werden, um das Genfer Abkommen von 1954 zu erfüllen. Auch Martin Luther King fordert jeden einzelnen auf, gegen den Krieg zu protestieren.
Die Aussagen von Martin Luther King und auch verschiedene Berichte darüber, daß der Anteil an farbigen Soldaten im amerikanischen Heer höher war als der Prozentsatz der Farbigen in der amerikanischen Bevölkerung, trugen dazu bei, daß die civil rights Bewegung und die Antikriegsbewegung immer mehr zusammenwuchsen.
Berichte sagen zum Beispiel auch aus, daß der Anteil der farbigen Offiziere verhältnismäßig klein war gegenüber dem Anteil der weißen Offiziere. Auch wurden verhältnismäßig mehr schwarze Soldaten getötet als Weiße. Kritisiert wurde auch, daß Söhne von Afroamerikanern nur selten die Möglichkeit hatten, gegen einen Einberufung in den Krieg zu protestieren. Wer mehr Geld hatte und seinen Söhnen ein Studium ermöglichen konnte, hatte es in dieser Hinsicht leichter. Auch viele Vietnamveteranen kritisieren, daß die Söhne der reichen Bevölkerungsschichten seltener in den Krieg zogen. Die Proteste der Collegestudenten empfanden viele Veteranen als Arroganz. Denn sie hatten ja keine Ahnung, wie es war, in Vietnam kämpfen zu müssen.
Die Rekrutierung der Soldaten erfolgte nach folgendem System: Aus einer Trommel wurden verschiedene Geburtsdaten gezogen. Alle, die an diesem Tag geboren wurden, wurden eingezogen. Diejenigen, die an einer Universität inskribiert waren, wurden von vornherein schon von der Liste gestrichen, denn solange man studierte, war man vom Wehrdienst freigestellt. Studenten waren aber meistens Söhne von reichen Amerikanern und nur sehr selten stammten sie aus der schwarzen Bevölkerung.

 

5. Veteranen und die Antikriegsbewegung


Wie im vorigen Kapitel kurz angedeutet, möchte ich nun auf das Los der Kriegsveteranen eingehen. Glaubt man den Aussagen vieler Vietnamveteranen, war deren Empfang durch die Zivilbevölkerung in der Heimat alles andere als freundlich. Heimkehrer beklagen sich oft, daß sie von Passanten als "baby-killer" beschimpft wurden. So kam es, daß viele Veteranen nicht mehr stolz auf ihre militärischen Auszeichnungen waren, die sie aufgrund ihrer Tapferkeit im Krieg erhalten hatten.
Aber Ergebnissen einer Meinungsumfrage zufolge, die 1979 von Harris durchgeführt wurde, kann die Aussage vieler Vietnamveteranen, daß sie von der amerikanischen Bevölkerung schlichtweg als Mörder eingestuft werden, nicht bestätigt werden. Auf einer Skala von 1 bis 10, mit 10 als der bestmöglichen Einstufung der Veteranen und mit 1 als der negativsten, bewertete eine Stichprobe von 237 Personen die Vietnamveteranen mit der Note 8,9. Die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den Kriegsveteranen war also - wenn man dieser Umfrage Glauben schenken darf - keineswegs so negativ. Man muß allerdings anmerken, daß die Umfrage erst vier Jahre nach Kriegsende durchgeführt wurde und sich deshalb die Einstellung zu den Veteranen in dieser Zeit verbessert haben könnte. Die Einstellung während des Krieges war vermutlich nicht so positiv, eine völlige Umkehrung der Gefühle in so kurzer Zeit scheint jedoch unwahrscheinlich. Weiters muß ich als Mathematikern anmerken, daß der Stichprobenumfang sehr klein - um nicht zu sagen zu klein - ist, um eine vernünftige und realistische Aussage treffen zu können.
An dieser Stelle ist also festzuhalten, daß die Bevölkerung den Kriegsheimkehrern - laut Christian Appy - wesentlich freundlicher gesinnt war, als uns Geschichten über "baby-killer" glauben machen wollen. Hingegen war die Meinung vieler Vietnamveteranen über Antikriegsaktivisten nicht so gut. Sie fühlten sich gegenüber denjenigen benachteiligt, die die Möglichkeit hatten, sich vom Kriegsdienst freistellen zu lassen. Viele von ihnen waren der Meinung, daß sie nur deshalb nach Vietnam geschickt wurden, weil ihre Eltern aus der Arbeiterklasse stammten. Söhne von "reichen" Amerikanern kämpften viel seltener in Vietnam.
Oft wurde diskutiert, daß der Krieg in Vietnam ein Krieg der Arbeiterklasse war, während Söhne besser Verdienender - viele von ihnen Studenten - die besten Chancen hatten, zu Hause zu bleiben, anstatt ihren Dienst mit der Waffe abzuleisten.
Viele Veteranen empfanden es als ein Privileg, gegen den Krieg protestieren zu können. Sie empfanden es als Hohn, wenn sie auf verschiedenen Protestmärschen Aussagen wie "We’ve Already Given Enough" oder "Bring the Boys Home" auf den Plakaten von Kriegsgegnern lasen, denn was hatten diese Leute, die hier in den USA gegen den Krieg protestierten, für eine Ahnung von den Ereignissen und von der Situation in Vietnam ? Der Meinung der Veteranen nach mußte man erst einmal im Kriegsgebiet gewesen sein, bevor man sich ein Urteil über den Krieg in Indochina erlauben konnte. Die Veteranen stießen sich auch oft am Aussehen der Protestanten gegen den Vietnamkrieg, an deren langen Haaren, an deren Kleidung. Über das Thema der Vietnamveteranen sind viele Filme gedreht worden und auch im Internet sind die Veteranen stark vertreten. Sucht man Informationen zum Thema "Vietnamkrieg", stößt man unweigerlich auf die "homepages" der Vietnamveteranen, wo Veteranen Text- und Bildquellen zum Krieg veröffentlichen. Über die Opfer des Vietnamkrieges sind kaum Zahlen bekannt. Nur die Opfer auf seiten der USA sind ungefähr erfaßt, über die (vermutlich) weitaus größere Zahl der vietnamesischen Opfer kann man nur Vermutungen anstellen.

 

6. Zusammenfassung


Der Protest gegen den Krieg in Vietnam hatte viele Ursachen. Einige Gruppen protestierten gegen den Krieg, weil er unmoralisch, illegal und gegen die Verfassung war, denn der Kongress hatte den Krieg nie erklärt. Andere wiederum sahen im Eingreifen der Vereinigten Staaten in Vietnam den Bruch des Genfer Abkommens von 1954.

Wieder eine andere Gruppe sah im Vietnamkrieg vor allem eine Bedrohung der armen Bevölkerungsschichten. Denn monatlich wurden riesige Summen in den Krieg anstatt in das Poverty Program investiert, das die Situation der armen Leute verbessern sollte. Ein weiterer Kritikpunkt war, daß Studenten ihren Wehrdienst in Vietnam nicht leisten mußten. Verständlicherweise profitierten von dieser Tatsache hauptsächlich die Söhne der reichen Bevölkerungsschichten, die sich ein Studium - im Gegensatz zu vielen Söhnen von ärmeren Eltern, speziell von Schwarzen, - leisten konnten. Je länger das Studium dauerte, umso kleiner wurde die Wahrscheinlichkeit, in Vietnam kämpfen zu müssen.
Der Protest ging hauptsächlich von der Bevölkerungsschicht aus, die am wenigsten fürchten mußten, in den Krieg geschickt zu werden, nämlich von den Studenten. Spannungen zwischen Vietnamveteranen und protestierenden Studenten, die nach der Meinung der Veteranen keine Ahnung von der Situation in Südostasien hatten, waren die Folge. Sie empfanden es als Hohn, auf den Plakaten der protestierenden Studenten Parolen wie " We’ve already given enough" oder "Bring the boys home" zu lesen. Weiters wurden Veteranen manchmal als "baby-killer" beschimpft, wenn sie vom Kriegseinsatz in Vietnam wieder nach Hause kamen.
Nach all den Jahren ist der Vietnamkrieg noch immer ein Trauma für die USA. In zahlreichen Filmen und Büchern wird das Thema selbst nach 20 Jahren immer wieder angesprochen. Das Thema sollte aber auch in österreichischen Schulen behandelt werden, was leider viel zu selten geschieht, was ich Gesprächen mit StudienkollegInnen entnehmen konnte.

 

B) Bibliographie

John Kenneth Galbraith: How to Get Out of Vietnam. Published by The New American Library.

Anton Legler und Frieda Bauer: Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte. Heft 11. Der Krieg in Vietnam. 1971. Bernard & Graefe. Verlag für Wehrwesen. Frankfurt am Main.

Major Problems in the History of the Vietnam War. Documents and Essays. Edited by Robert J. McMahon. - Lexington, Mass.: Heath, 1990.

Robert D. Marcus and David Burner: America Since 1945. St. Martins´s Press New York 1972.

David Schoenbrun: Vietnam. How we Got in How to Get Out. Atheneum. New York 1971.

Melvin Sharp: The Vietnam War and Public Policy. - Croton - on - Hudson, NY: Policy studies associates, 1991.

Vietnam And America: A documented History. By Marvin E. Gettleman, Jane Franklin, Marilyn Young, and H. Bruce Franklin. Grove Press, Inc./New York.

Diethelm Weidemann und Renate Wünsche: Vietnam 1945 - 1970. Der nationale und soziale Befreiungskampf des vietnamesischen Volkes. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften. Berlin 1971.

 

Schulbücher:

Michèle-Elizabeth Dobesberger und Helmut Skorpil: The English-Speaking World 4. Salzburger Jugend-Verlag Linz 1992.

Michael Floiger, Kurt Tschegg und Klaus Volker: Stationen 4. Ed. Hölzel Wien.

Heinz Dieter Schmid, Manfred Lampl u.a.: Fragen an die Geschichte. Band 4. 1983.

Rettinger - Weissensteiner: Zeitbilder. Geschichte und Sozialkunde 4. Ueberreuter Wien 1988.

 

Internet-Adressen:

http://icarus.shu..edu/HyperNews/get/vp/protest/4/1/1.html

http://www.shu.edu/~hoffmake

http://grunt.space.swri.edu/

http://wwwgeog.ssn.flinders.edu.au/Indochina/Vietnam/History/shwvhome.html

http://wwwgeog.ssn.flinders.edu.au/vietnam/welcome.html

http://ellerbruch.nmu.edu/classes/CS560W96/students/slonghin/group/viet.html

http://www.cob.montevallo.edu/student/BRENT/HTML/wall.html

http://www.zia.com/science/history/20th-century/vietnam-war/

http://www.cmich.edu/VIETNAM.HTML

http://my.yahoo.com/Arts/Humanities/History/20th_Century/Vietnam_War/

 

ANHANG

 

Der Vietnamkrieg:

1. Französischer Kolonialkrieg:

1945: Ausrufung der unabhängigen und souveränen Demokratischen Republik Vietnam (DRV)
1946 Frankreich erkennt DRV an; beginnt jedoch im selben Jahr den kolonialen Rückeroberungskrieg
1954: Niederlage der Franzosen bei Dienbienpuh
GENFER ABKOMMEN: ® Souveränität Vietnams
® Teilung Vietnams

2. Amerikanischer Krieg:

In Südvietnam Guerillakämpfe gegen Regierung, die von USA unterstützt wird
Waffenlieferung der USA
1964 offenes Eingreifen der USA: Bombardierung Nordvietnams
1973 Waffenstillstand, der von Südvietnam unterlaufen wird
1975 Endgültiger Sieg von Nordvietnam
Das vereinigte Vietnam wird Volksrepublik


Students for a Democratic Society (=SDS), Press Release, October, 1965:

Students for a Democratic Society wishes to reiterate emphatically its intention to pursue its opposition to the war in Vietnam, undeterred by the diversionary tactics of the administration.
We feel that the war is immoral at its root, that it is fought alongside a regime with no claim to represent its people, and that it is foreclosing the hope of making America a decent and truly democratic society.
The commitment of SDS, and of the whole generation we present, is clear: we are anxious to build villages; we refuse to burn them. We are anxious to help and to change our country; we refuse to destroy someone else’s country. We are anxious to advance the cause of democracy; we do not believe that cause can be advanced by torture and terror.
We are fully prepared to volunteer for service to our country and to democracy. We volunteer to go into Watts to work with the people of Watts to rebuild that neighbourhood to be the kind of place that the people of Watts want it to be -- and when we say "rebuild", we mean socially as well as physically. We volunteer to help the Peace Corps learn, as we have been learning in the slums and in Mississippi, how to energize the hungry and desperate and defeated of the world to make big decisions. We volunteer to serve in hospitals and schools in the slums, in the Jub Corps and VISTA, in the new Teachers Corps -- and to do so in such a way as to strengthen democracy at its grass-roots. And in order to make our volunteering possible, we propose to the President that all those Americans who seek so vigorously to build instead of burn be given their chance to do so. We propose that he test the young people of America: if they had a free choice, would they want to burn and torture in Vietnam or to build a democracy at home and overseas ? There is only one way to make the choice real: let us see what happens if service to democracy is made grounds for exemtion to the military draft. I predict that almost every member of my generation would choose to build, not to burn; to teach, not to tortue; to help, not to kill. And I am sure that the overwhelming majority of our brothers and cousins in the army in Vietnam, would make the same choice if they could -- to serve and build, not to kill and destroy ....
Until the President agrees to our proposal, we have only one choice: we do in concience object, utterly and wholeheartedly, to this war; and we will encourage every member of our generation to object, and to file his objection through the Form 150 provided by the law for conscietious objection.


"A Call to Resist Illiegitimate Authority" (veröffentlicht im Herbst 1967):

To the young men of America, to the whole of the American people, and to all men of goodwill everywhere:

1. An ever growing number of Young American men are finding that the American war in Vietnam so outrages their deepest moral and religous sense that they cannot contribute to it in any way. We share their moral outrage.
2. We further believe that the war is unconstitutional and illegal. Congress has not declared a war as required by the Consitution. Moreover, under the Consitution, treaties signed by the President and ratified by the Senate have the same force as the Constitution itself. The Charter of the United Nations is such a treaty. The charter specifically obligates the United States to refrain from force or the threat of force in international relations. It requires member states to exhaust every peaceful means of settling disputes and to submit disputes which cannot be settled peacefully to the Security Council. The United States has systematically violated all of these Charter provisions for thirteen years.
3. Moreover, this war violates international agreements, treatis and principles of law which the United States Government has solemnly endorsed. The combat role of the United States troops in Vietnam violates the Geneva Accords of 1954 which our government pledged to support but has since subverted. [...]
5. Therefore, we believe on all these grounds that every free man has a legal right and a moral duty to exert every effort to end this war, to avoid collusion with it, and to encourage others to do the same. [...]
9. We call upon all men of good will to join us in this confrontation with immoral authority. Especially we call upon the universities to fulfill their mission of enlightenment and religous organizations to honor their heritage of brotherhood. Now is the time to resist.


"Declaration of Independence from the War in Vietnam" (formuliert von Martin Luther King im April 1967)

Since I am a preacher by trade, I suppose it is not surprising that I have seven major reasons for bringing Vietnam into the field of my moral vision. There is at the outest a very obvious and almost facile connection between the war in Vietnam and the struggle I, and others, have been waging in America. A few years ago there was a shining moment in that struggle. It seemed as if there was a real promis of hope for the poor - both black and white - through the Poverty Program. Then came the build-up in Vietnam, and I watched the program broken and eviscerated as if it were some idle political plaything of a society gone mad on war, and I knew that America would never invest the necessary funds or energies in rehabilitation of its poor so long as Vietnam continued to draw men and skills and money like some demonic, destructive suction tube. So I was increasingly compelled to see the war as an enemy of the poor and to attack it as such. [...]
My third reason grows out of my experience in the ghettos of the North over the last three years -- especially the last three summers. As I have told them that Molotov cocktails and rifles would not solve their problems. I have tried to offer them my deepest compassion while maintaining my conviction that social change comes most meaningfully through non-violent action. But, they asked, what about Vietnam ? They asked if our own nation wasn’t using massive doses of violence to solve its problems, to bring about the changes it wanted. Their questions hit home, and I knew that I could never again raise my voice against the violence of the oppressed in the ghettos without having first spoken clearly to the greatest purveyor of violence in the world today -- my own government. [...]
They (= the Vietnamese) watch as we poison their water, as we kill a million acres of their crops. They must weep as the bulldozers destroy their pricious trees. They wander into the hospitals, with at least 20 casualities from American firepower for each Viet Cong-inflicted injury. So far we may have killed a million of them -- mostly children.
What do the peasants think as we ally ourselves with the landlords and as we refuse to put any action into our many words concerning land reform ? What do they think as we test out our latest weapons on them, just as the Germans tested out new medicine and new tortures in the concentration camps of Europe ? Where are the roots of the independent Vietnam we claim to be building ? [...]
If we continue, there will be no doubt in my mind and in the mind of the world that we have no honorable intentions in Vietnam. It will become clear that our minimal expectation is to occupy it as an American colony, and men will not refrain from thinking that our maximum hope is to goad China into a war so that we may bomb her nuclear installations. [...]
I would like to suggest five concrete things that our government should do immediatley to begin the long and difficult process of extricating ourselves from this nightmare:

1. End all bombing in North and South Vietnam.
2. Declare a unilateral cease-fire in the hope that such action will create the atmosphere for negotiation. [...]
3. Set a date on which we will remove all foreign troops from Vietnam in accordance with the Geneva Agreement.[...]

The war in Vietnam is but a symptom of a far deeper malady within the American spirit, and if we ignore this sobering realitiy we will find ourselves organizing clergy - and laymen-concerned committees for the next generation. We will be marching and attending rallies without end unless there is a significant and profound change in American life and policy.

 


Ein Vietnamveteran erinnert sich an seine Heimkehr (1981):

The day I got discharged, I flew into Philadelphia Airport. I got two and a half rows of ribbons. I’m very proud. I’m a meritorous sergeant and I got an honorable discharge.
I got off the plane and I went into a bar. The only thing I knew how to do was drink. I order a shot of CC and a beer and I’m standing there with a big smile on my face. There was a guy over at a table with two kids and a woman. The kids were about my age -- nineteen or twenty.
"Home on leave, are you", the guy says to me.
"Nope, just got discharged."
"You just got back from where", one of the kids says.
"Vietnam."
"How do you feel about killing all of those innocent people?" the woman asks me out of nowhere.
I didn’t know what to say. The bartender got a little uptight. But, I didn’t say anything. [...]
"Excuse me", I called the bartender over. "Could I buy them all a drink ?" I felt guilty. Idid kill. Tried to make amends somehow.
"We don’t accept any drinks from killers", the girl says to me. The bartender tells me to take it easy and goes over and chews out the girl. She says, "How does it feel being in the Army?"
"He’s not in the Army, he’s a Marine", the bartender said. [...]
I paid for my drinks, left the bartender a tip and walked out. Forgot all about it. I got in the car with my brother and his wife and I was just too happy being home to let that bother me. But now it does.
Later when we got home, my brother said, "Don’t wear your uniform." But I wanted to wear the thing. I had my ribbon. I was proud of what I’d done. I’m a king. That did’nt hurt me then, but it hurts me now.


Der folgende Absatz stammt aus dem fachwissenschaftlichen Teil meiner Arbeit:

Aber Ergebnissen einer Meinungsumfrage zufolge, die 1979 von Harris durchgeführt wurde, kann die Aussage vieler Vietnamveteranen, daß sie von der amerikanischen Bevölkerung schlichtweg als Mörder eingestuft werden, nicht bestätigt werden. Auf einer Skala von 1 bis 10, mit 10 als die bestmögliche Einstufung der Veteranen und mit 1 als der negativsten, bewertete eine Stichprobe von 237 Personen die Vietnamveteranen mit der Note 8,9. Die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den Kriegsveteranen war also - wenn man dieser Umfrage Glauben schenken darf - keineswegs so negativ. Man muß allerdings anmerken, daß die Umfrage erst vier Jahre nach Kriegsende durchgeführt wurde und sich deshalb die Einstellung zu den Veteranen in dieser Zeit verbessert haben könnte. Die Einstellung während des Krieges war vermutlich nicht so positiv, eine völlige Umkehrung der Gefühle in so kurzer Zeit scheint jedoch unwahrscheinlich.
An dieser Stelle ist also festzuhalten, daß die Bevölkerung den Kriegsheimkehrern wesentlich freundlicher gesinnt war, als uns Geschichten über "baby-killer" glauben machen wollen.
Hingegen war die Meinung vieler Vietnamveteranen über Antikriegsaktivisten nicht so gut. Sie fühlten sich gegenüber denjenigen benachteiligt, die die Möglichkeit hatten, sich vom Kriegsdienst freistellen zu lassen. Viele von ihnen sind der Meinung, daß sie nur deshalb nach Vietnam geschickt wurden, weil ihre Eltern aus der Arbeiterklasse stammten. Söhne von "reichen" Amerikanern kämpften viel seltener in Vietnam.


Schlußdeklaration der Genfer Konferenz zur Frage der Wiederherstellung des Friedens in Indochina vom 21. Juli 1954:

1. Die Teilnehmer der Konferenz verpflichten sich, die Souveränität, territoriale Einheit und Integrität von Kambodscha, Laos und Vietnam zu respektieren und sich jeder Einmischung in deren innere Angelegenheiten zu enthalten.
2. In Vietnam wurden nördlich und südlich des 17. Breitengrades provisorische Zonen geschaffen, die der Umgruppierung der militärischen Kräfte dienen sollten. Es wurde unterstrichen, daß diese militärische Demarkationslinie eine zeitweilige Linie ist und keinesfalls als politische oder territoriale Grenze angesehen werden kann. Zur Regelung der politischen Problem auf der Grundlage der Unabhängigkeit, der territorialen Einheit und Integrität sollten bis spätestens Juli 1956 in Vietnam Wahlen durchgeführt werden.
3. Die Errichtung militärischer Stützpunkte ausländischer Staaten, die Entsendung ausländischer Truppen und militärischen Personals, die Lieferung ausländischer Waffen und Munition in beide Zonen Vietnams wurde verboten.
4. Keine der beiden Zonen sollte in ein militärisches Bündnis einbezogen oder im dienste einer aggressiven Politik benutzt werden.


Den militärischen Einsatz der USA begründete Präsident Lyndon B. Johnson:

"Nordvietnam hat die unabhängige Nation Südvietnam angegriffen. Das Ziel ist die totale Eroberung. Ausgebildete Männer, Nachschub und Waffen fließen unaufhörlich von Norden nach Süden. Über diesem Krieg hängt der dunkle Schatten des kommunistischen China. Die nordvietnamesische Regierung wird von Peking aus gelenkt. Der Kommunismus in Asien wird nur eingedämmt, wenn dort freie Nationen existieren. Ohne diese sind die Vorposten der USA, die Philippinen, Japan und Taiwan, gefährdet. Der ganze Pazifik würde zu einem roten Meer, und wir müßten uns ab den eigenen Küsten verteidigen."

(Weltgeschichte im Bild 9, Aarau 1990)

 


 

=== Zurück zur Übersicht ===