Landwirtschaft zwischen
Agrarindustrie und Ökologie

Eine Problemanalyse


Von Verena Steinmayr

Lehrveranstaltung: SE Umweltethik
Lehrveranstaltungsleiter: Mag. Gertraud Ladner, Univ. Prof. Dr. Hans Rotter
Universität: Universität Innsbruck
Semester: WS 1997/98


Inhaltsverzeichnis:


1. Einleitung * 

2. Begriffsklärung * 

2.1 Der Begriff Landwirtschaft *
2.2 Die landwirtschaftlichen Produkte *

3. Geschichte der Landwirtschaft * 

4. Analyse der Probleme * 

4.1 Die Ernährungssituation der Weltbevölkerung *

4.1.1 Die produzierte Nahrungsmittelmenge * 
4.1.2 Die ungerechte Verteilung * 
4.1.3 Der Getreidebedarf der Viehproduktion * 

4.2 Die Industrialisierung der Landwirtschaft * 

4.2.1 Ökologische Folgen der Landwirtschaft * 
4.2.2 Soziale Folgen der Landwirtschaft * 

4.3 Gentechnologie *

5. Ethische Aspekte

6. Schlußgedanken * 

7. Literatur

8. Anhang *

8.1 Thesenblatt Lösungsansätze * 
8.2 Abbildungen und Texte * 

 

1. Einleitung


     Die Landwirtschaft hatte zu allen Zeiten in erster Linie die Aufgabe, die Menschen zu ernähren. Da das Stillen des Hungers zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehört, kam diesem Wirtschaftszweig stets große Bedeutung zu. Die Situation der Landwirtschaft hat sich aber im Lauf der Geschichte sehr gewandelt, und vor allem in unserem Jahrhundert kam er zu tiefgreifenden Veränderungen in den Methoden der Bewirtschaftung. Parallel dazu traten Umweltprobleme auf , die durch die Landwirtschaft verursacht worden waren.
In dieser Seminararbeit wurden vor allem die Probleme, die in Zusammenhang mit der Landwirtschaft stehen, gesichtet und aufgelistet. Ein genaueres Eingehen auf die vielen Einzelaspekte und vor allem ein detailliertes Beschreiben der verschiedenen Lösungsansätze hätte den Rahmen der Arbeit gesprengt. So wurde, weil es sich bei dem Seminar Umweltethik um ein moraltheologisches Seminar handelt, der groben Analyse des sehr komplexen Themenbereiches lediglich ein Abschnitt über die ethischen Aspekte des Problemfeldes und die Stellungnahmen einzelner kirchlicher Institutionen hinzugefügt. 
 

2. Begriffsklärung

2.1 Der Begriff Landwirtschaft 

Unter dem Begriff Landwirtschaft versteht man die "Nutzung des Bodens zur Gewinnung von pflanzlichen und/oder tierischen Erzeugnissen." Zu den Teilbereichen der Landwirtschaft gehören neben Ackerbau und Viehwirtschaft auch Garten-, Gemüse-, Obst- und Weinbau. In Bezug auf die Umweltverträglichkeit der Betriebsführung unterscheidet man im allgemeinen zwischen
den Begriffen.

Konventioneller Landbau: Darunter versteht man die heute allgemein übliche Produktionsweise mit Einsatz von Kunstdünger, Schädlingsbekämpfungsmitteln und starker Mechanisierung. 

Biologischer Landbau: Dieser verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, auf künstlichen Dünger und auf ausländische Futtermittel und verpflichtet sich zu artgerechter Tierhaltung und nachhaltiger, schonender Bewirtschaftung. 

Integrierter Landbau: Er nimmt eine Mittelstellung zwischen den beiden genannten Landwirtschaftsformen ein. 

2.2 Die landwirtschaftlichen Produkte 

Die Landwirtschaft diente und dient vor allem der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Doch auch in vielen anderen Bereichen sind die Rohstoffe und Produkte der Landwirtschaft für die Menschheit lebenswichtig. Man unterscheidet:
a) Pflanzliche Produkte 

Dazu gehören: Nahrungsmittel, Genußmittel, Rauschmittel, Süßstoffe, Gewürze, Heilpflanzen, Futterpflanzen, pflanzliche Fasern, Kork, Wachse, Öle, Harze, Lacke, Gerbstoffe, Kautschuk, Farbstoffe sowie Rohstoffe für die Produktion von Insektiziden und Kraftstoff. 

b) Tierische Produkte 

Nahrungsmittel, Häute, Rohstoffe für die Produktion von Kosmetika und Pharmazeutika, von Farben und Lacken und von Textilien. 

3. Geschichte der Landwirtschaft

Die Geschichte der Landwirtschaft begann mit dem Übergang von der Lebensweise als Jäger und Sammler zu der des Ackerbauern und Viehzüchters. Diese Änderung vollzog sich etwa 6000 v. Chr.. In vielen Fällen war diese Umwälzung mit dem Seßhaftwerden des steinzeitlichen Menschen verbunden. Doch es gab auch Völker, die ihre nomadische Lebensweise beibehielten und in Form des Wanderfeldbaues oder als umherziehenden Viehzüchter Landwirtschaft betrieben bzw. es heute noch tun.
Der Beginn der landwirtschaftlichen Tätigkeit war einer der größten Umbrüche in der Geschichte der Menschheit. Nicht umsonst beginnt für die Historiker das Neolithikum mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht, ja diese Neuheit wird gemeinhin als erste große Revolution der Menschheit bezeichnet, die weitreichende Folgen für deren weitere Entwicklung hatte. Nach Torbiörn schuf erst der Beginn der landwirtschaftlichen Tätigkeit die Voraussetzung für die Entstehung von Zivilisation und Kultur . Das mag zwar nicht für alle Gebiete und Völker der Erde gelten (es gab und gibt Stämme mit einer sehr hochstehenden Kultur auch bei nomadischer Lebensweise), doch für den europäisch-vorderasiatischen Raum hat diese Aussage sicher ihre Gültigkeit.
Die Ursachen für das Aufgeben des nomadischen Daseins lagen in der zunehmenden Besiedlungsdichte. Die Menschen der Steinzeit mußten feststellen, daß die Wildbestände immer kleiner wurden, und sie mußten Nahrungsquellen suchen, die auch auf geringem Raum für die Versorgung ausreichten. Der Mensch mußte sich an einem Ort, wenigstens eine Zeit lang, niederlassen, um Tiere zu zähmen und Pflanzen anzubauen. Dabei verbesserte er die Eigenschaften seiner Haustiere und Pflanzensorten im Lauf der Zeit durch Selektion und Züchtung immer mehr. Die seßhaften Menschen spezialisierten sich auf verschiedene Berufe, woraus das Handwerkswesen in den größeren Siedlungen entstand. Durch die Möglichkeit, mehr Nahrungsmittel zu produzieren, kam es zu größeren Ansammlungen von Menschen und in der Folge zur Entstehung von Städten. Diese waren Ausgangspunkt für neue Ideen und Gedanken, dort nahmen Wissenschaft und Kunst ihren Anfang.

Diese völlig auf der Landwirtschaft basierende Gesellschaft behauptete sich über Jahrtausende. Einen einschneidenden Umbruch erlebte sie erst im Rahmen der zweiten großen Revolution der Menschheit, der Industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts. Standen vorher stets genügend Arbeitskräfte für die Bewirtschaftung der Höfe zur Verfügung, so zogen nun viele Menschen in die aufkommenden Industriestädte, wo sie Arbeit in den Fabriken fanden. Die Landwirtschaft erlitt dadurch einen gewaltigen Knick. Zugleich galt es mit einem Mal, viel mehr Menschen in den neuen Ballungszentren mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Zudem stieg die Weltbevölkerung, unter anderem durch die bessere medizinische Versorgung, stark an. Alles in allem stand die Landwirtschaft, vor allem in den zunehmend industrialisierten Gebieten Europas und Nordamerikas, am Ende
des vorigen Jahrhunderts vor einer völlig veränderten Situation. In den folgenden Jahrzehnten der zunehmenden Industrialisierung und Mechanisierung machte sich in allen Bereichen ein ungebremster Fortschrittsglaube breit. In Anlehnung an die kapitalistische Denkweise wurden Mensch, Landschaft und alle natürlichen Ressourcen als Waren angesehen, mit denen man Profit zu erwirtschaften im Sinn hatte. Parallel dazu sanken die Verbundenheit mit der Natur und die Ehrfurcht vor ihr.

1916 erfand Justus von Liebig den Mineraldünger. Damit konnten die Erträge um ein Vielfaches gesteigert werden. Nach dem Zweiten Weltkrieges setzte ein exzessiver Gebrauch von mechanischen Geräten, Kunstdünger, Pestiziden und hochgezüchteter Pflanzensorten und Tierrassen in der Landwirtschaft ein. Die europäischen Anbaumethoden wurden in alle Teile der Welt übertragen, allerdings meist ohne Rücksicht auf die völlig anderen Boden- und Klimaverhältnisse dort zu nehmen.Heute steht die Landwirtschaft auf allen Kontinenten vor ähnlichen Problemen, die dringendst einer Lösung bedürfen.


4. Analyse der Probleme


4.1 Die Ernährungssituation der Weltbevölkerung 

4.1.1 Die produzierte Nahrungsmittelmenge 

Die Welt - Getreideproduktion ist von 1950 bis 1985 stark angestiegen, und zwar viel stärker als die Weltbevölkerung (1950 wurden 700 t produziert, 1985 über 2200 t). Folglich hat sich die Getreidemenge pro Kopf in den fünfzig Jahren stark erhöht, nämlich um gut 100 %. Bei anderen Produkten der Landwirtschaft dürften sich die Erträge in einem ähnlichen Maß erhöht haben.
Laut einer großangelegten Studie der FAO könnten von 117 untersuchten Ländern in Asien, Afrika und Lateinamerika nur 19 aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit und ihrer klimatischen Lage nicht selbst ihren Nahrungsbedarf decken. Fast alle Studien und Veröffentlichungen über die Lage der Menschheit stimmen darin überein, daß die derzeitige Nahrungsmittelproduktion – jetzt noch - ausreicht, um die gesamte Menschheit zu ernähren, ja sogar eine steigende Bevölkerungszahl hätte genügend Nahrung zur Verfügung. Die Getreidemenge von 1989/90 etwa reicht im Prinzip aus, um

"5,9 Mrd. Menschen ausreichend 
3,9 Mrd. mittelmäßig und 
2,9 Mrd. üppig wie in Europa 

zu ernähren". Trotzdem ist die Menschheit mit einer bestürzenden Zahl von Hungernden und Verhungernden konfrontiert:  

35.000 Menschen verhungern im Durchschnitt täglich, 
0,5-1 Mrd. leiden ständig unter Hunger und 
eine Mrd. ist ständig weniger als ausreichend 

ernährt.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen sind die Nahrungsmittel häufig ungerecht verteilt. Zum anderen wandern riesige Mengen an Getreide und Soja in die Viehwirtschaft und werden verfüttert. Weiters gehen von der ursprünglich geernteten Menge bis zum Verbrauch rund 40 % verloren. Hinzu kommen politische Unruhen und Kriege in etlichen wenig entwickelten Ländern. Sie machen eine ordnungsgemäße Versorgung oft unmöglich. Ebenso verhindern fehlende Infrastrukturen, wie ein ausreichendes Transportnetz in entlegene Gebiete, die Verteilung von Lebensmitteln.


4.1.2 Die ungerechte Verteilung 

Während in den reichen Ländern wegen der Überproduktion Tonnen von Lebensmitteln vernichtet werden, um die Marktpreise zu halten, können etliche weniger industrialisierte Nationen sich nicht selbst versorgen bzw. exportieren Regierungen ihre eigenen Lebensmittel, um Devisen zu erhalten oder die Auslandsschulden zu bezahlen. Während in den industrialisierten Ländern die Menschen immer öfter zu künstlich verarmten Light-Produkten greifen, um dem Kalorienüberfluß entgegenzuwirken, mangelt es den Menschen in den ärmlicheren Gegenden nicht nur an Kalorien, sondern an der ausreichenden Menge Protein, und zwar vor allem an tierischem Eiweiß. "In den Industrieländern beträgt der Anteil an tierischem Eiweiß 26, in den Entwicklungsländern dagegen nur 8 Prozent.(...) Indessen können bei Kalorienmangel die Proteine nicht voll genutzt werden": Ein Viertel bis ein Drittel der Weltbevölkerung leidet an einem solchen Mißverhältnis zwischen Kalorien und Proteinen.

4.1.3 Der Getreidebedarf der Viehproduktion 

Große Mengen an Getreide und Soja der Erde gelangen nicht in die Mägen der Menschen, sondern in die des Mastviehs, um den erhöhten Fleischbedarf der Industrieländer decken zu können. Dabei gehen sehr viele Kalorien verloren: Um einen Kilo Fleisch zu erzeugen, müssen an das Rind, an das Geflügel zuerst drei bis zehn Kilogramm Getreide verfüttert werden. Diente die Landwirtschaft also ursprünglich der Primärproduktion, so ist sie heute in der Hauptsache für die Futterproduktion zuständig. Der Mensch ißt weniger Nahrung direkt von der Pflanze (den Produzenten), sondern verspeist zunehmend Konsumenten erster und zweiter Ordnung und nimmt damit eine höhere Stellung in der Nahrungskette ein. Mit jeder Stufe dieser Kette kommt es zu einem weiteren Kalorien-Verschleiß.


4.2 Die Industrialisierung der Landwirtschaft 

Mit dem Anwachsen der Städte und der Zunahme der Bevölkerung hatte die Landwirtschaft in diesem Jahrhundert große Massen an Menschen zu versorgen. Gleichzeitig verlor sie durch die ausufernden Siedlungsflächen viel fruchtbaren Grund. Der Druck auf die Landwirtschaft wuchs und konnte nur durch eine industrielle Produktionsweise bewältigt werden. Im Rahmen der "Grünen Revolution" kam es zur Anwendung von neuentwickeltem Saatgut, Kunstdünger und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Die Landwirtschaft produziert heute in etwa auf derselben Fläche wie vor vierzig Jahren, doch die Erträge wurden vervielfacht. Wie in anderen Bereichen der Wirtschaft wird versucht, maximale Produktion und maximalen Gewinn bei minimalen Spesen zu erreichen. "Die Landwirtschaft ist heute weitgehend industrialisiert und technisiert. Man spricht nicht mehr von Ackerbau und Viehzucht, sondern von Landtechnik, von Pflanzen- (...) und namentlich von Tierproduktion". Die möglichen ökologischen, aber auch sozialen Folgen wurden in den fortschrittseuphorischen Fünfziger- und Sechziger Jahren nicht bedacht.


4.2.1 Ökologische Folgen der Landwirtschaft 

4.2.1.1 Boden 

Der Boden ist das Kapital der Landwirtschaft. Eines der größten Probleme weltweit ist darum die zunehmende Erosion von genutzten Böden. In den USA etwa gehen jährlich rund 1,7 Bio. t Bodenschicht verloren. Düsteren Prognosen zufolge werden bis zum Jahr 2000 rund 35 % der Top-Soils abgetragen sein. Gründe dafür sind die Übernutzung der Böden (bedingt durch die Armut der Bevölkerung), die Ausbreitung der Siedlungsfläche, die Überweidung sowie das mangelnde Wissen um die Bodenpflege.
Im Augenblick werden auf der Erde von den zwei bis vier Mrd. kultivierbarer Fläche etwa 1,5 Mrd. genutzt, darunter aber alle guten und fruchtbaren Böden. Die verbleibenden Gebiete wären nur unter sehr hohen Kosten (Mechanisierung, Düngung, Bewässerung, Pestizide) bewirtschaftbar und deshalb meistens unrentabel. Es ist also dringendst notwendig, den jetzt verfügbaren Boden zu bewahren. In dieser Hinsicht können die Menschen viel von ihren Vorfahren lernen: So wurden in vielen Gegenden der Erde Terrassen gebaut, um das Erodieren der fruchtbaren Humusschicht zu verhindern.

4.2.1.2 Düngung 

Den landwirtschaftlichen Böden wurde durch die jahrhundertelange Nutzung viele Nährstoffe entzogen, doch hat man in früheren Zeiten auch darauf Rücksicht genommen und die Bewirtschaftung diesem Umstand angepaßt. So wurde in vielen Gegenden Fruchtwechsel betrieben, d. h. in einem Mehrjahresrhythmus wechselte man die Art der Bebauung. In den habsburgischen Ländern wurde die Dreifelderwirtschaft (abwechselnd je ein Jahr Acker, Grünland und Brache) sogar unter Kaiserin Maria Theresia durch ein Gesetz vorgeschrieben.
Heute beherrschen Monokulturen die Anbaugebiete, dem Boden wird nicht mehr die Möglichkeit geboten, sich durch Fruchtfolge zu erholen, die neuen Zuchtsorten laugen ihn zusätzlich aus. Dem Boden werden einige der fehlenden Nährstoffe durch Düngung zugeführt (PKN-Dünger: Phosphor- Kali-Stickstoffdünger), die ursprünglich ausgewogenen Mengen der verschiedenen anderen Elemente ist jedoch erschöpft. Meist erfolgt die Düngung sehr großzügig und mit Universaldüngern, die nicht dem Standort angepaßt sind. Die Bodenmikroorganismen werden durch die Überdüngung beeinträchtigt, was die Bodenfruchtbarkeit vermindert. Zur Produktion von Kunstdünger ist ein hoher Energieeinsatz fossiler Brennstoffe erforderlich, er macht etwa 50% des gesamten Energieaufwandes zur Produktion aus. Durch den Einsatz schwerer Maschinen wird der Boden immer mehr verdichtet, was sich negativ auf den Wasser- und Lufthaushalt und dadurch auf Bodenfauna und –flora auswirkt. Die Subventionen sind so gestaltet, daß sie keine Rücksicht auf umweltverträgliches Wirtschaften Handeln nehmen und so auch nicht zur Umstellung ermutigen.

4.2.1.3 Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln 

Seit der Grünen Revolution werden gegen alle schädlichen Organismen Insektizide, Fungizide und Herbizide eingesetzt. Dadurch kommt es zu einer Anreicherung von Giften im Boden und in der Folge im Wasser und in den Nahrungsmitteln. Da die Schädlinge immer häufiger eine erhöhte Resistenz aufweisen, müssen die Dosen immer mehr erhöht werden bzw. aggressivere Mittel zum einsatz kommen.

4.2.1.4 Massentierhaltung  

Um den steigenden Fleischgenuß decken zu können und vor allem um billig produzieren zu können, wird Schlachtvieh zunehmend fabrikmäßig gemästet. In Deutschland wurden 1990 63% der Rinder, 66% der Mastschweine, 88% der Legehennen und 99% der Masthühner in Großbeständen über 100 Stück Vieh gehalten. Die Tiere werden unter quälenden Bedingungen, meist in winzigen Käfigen (Lutzenberger nennt sie Hühner-KZ's) oder engen Ställen gehalten. Die Tierrassen werden hochgezüchtet zu zwar produktiven, aber kaum mehr lebensfähigen "geschundenen und gequälten Monstren". Den Betrieben fehlt das Hinterland zur Entsorgung der anfallenden Düngermassen. Der "althergebrachte landwirtschaftliche Kreislauf von ausgewogener Tierhaltung, Weidewirtschaft und Bodennutzung" ist also unter die Räder der Industrialisierung und Technisierung gekommen. Den Tieren müssen Antibiotika, Impfungen, Hormone, Beruhigungsmittel und Konservierungsstoffe verabreicht werden, die ebenfalls über die Endprodukte den Menschen erreichen. Drewermann beschreibt diese Form der Tierhaltung als "Verwandlung von Schweinen, Rindern und Hühnern in industriell nutzbare Lebendkonserven (...) unter dem einen und einzigen Gesichtspunkt der Ertragssteigerung und der Rentabilität angesichts des steigenden Konkurrenzdrucks des Marktes."

4.2.1.5 Landschaftsverbrauch und Artenvielfalt 

Der Landwirtschaft fallen mehr Arten zum Opfer als allen anderen Tätigkeiten des Menschen. Sie nimmt große Flächen in Anspruch. In den Tropen muß der Regenwald den Plänen für neue Farmen weichen, auch wenn der Boden dafür völlig ungeeignet ist, in den gemäßigten Breiten verschwinden durch Flurbereinigung die letzten Refugien bedrohter Arten: Trockenrasen und Feuchtgebiete, Hecken und Bäche. Andere Arten werden durch den Einsatz von Pestiziden dezimiert. Das empfindliche Gleichgewicht in den einzelnen Ökosystemen und Nahrungsketten wird dadurch stark beeinträchtigt: Einzelnen Arten fehlen ihre natürlichen Feinde, und sie können durch Massenvermehrung zu neuen Schädlingen werden. Auch viele der alten Nutzpflanzensorten und Tierrassen verschwinden wegen mangelnder Rentabilität. Damit geht ein unwiederbringlicher Pool an genetischem Material und an genetischer Vielfalt verloren.

4.2.2 Soziale Folgen der Landwirtschaft 

4.2.2.1 Auflassung der Bewirtschaftung und Abwanderung  

Die aktuelle Lage der Landwirtschaft hatte vor allem Folgen für die ärmere Bevölkerung bzw. für die Kleinbauern. In vielen Teilen der Welt können die Familien nicht mehr von der Landwirtschaft leben, weil die Böden durch die Übernutzung nicht mehr fruchtbar sind bzw. durch die Erosion vernichtet wurden. Sie sind gezwungen, in die Städte zu ziehen, wo sie meist in den Slums enden.
In Europa hat die Industrialisierung die Preise für Agrarprodukte stark gedrückt. Die Bauern der benachteiligten Bergregionen sind nicht mehr mit den Großbetrieben des Flachlandes konkurrenzfähig und können ihre Familien nicht mehr von ihrem Höfen ernähren. Immer mehr Betriebe, ja sogar ganze Dörfer werden verlassen. Die Flächen werden nicht mehr bewirtschaftet, was wiederum zu vermehrter Erosion führt. In großräumig aufgelassenen Gebieten verwildert die Kulturlandschaft, die durch jahrhundertelange Bewirtschaftung entstanden ist. Das hat für das Landschaftsbild, die das große Kapital des Tourismus ist, fatale Folgen.

4.2.2.2 Die Rolle der Bauern in der Gesellschaft 

Neben der wirtschaftlichen Not ist in der bäuerlichen Bevölkerung in unseren Breiten zunehmen eine "Sinn- und Identitätskrise" festzustellen. Die lokale Landwirtschaft hat die Aufgabe, die Bevölkerung vor Ort zu ernähren, verloren. Parallel dazu ist auch das Ansehen des Landwirtes gesunken. Das Überleben vieler Betriebe ist nur durch Subventionen aus Staats- und EU-Töpfen möglich, was weiter dazu beiträgt, daß das Selbstverständnis und das Selbstwertgefühl des bäuerlichen Standes immer geringer wird. Nicht zuletzt sind die Bauern in allen Gebieten der Erde in zunehmendem Maß den großen Konzernen (Futtermittel- und Maschinenproduzenten sowie den Abnehmern ihrer Produkte) ausgeliefert.

4.3 Gentechnologie 

Im Augenblick scheint durch die rasche Entwicklung im Bereich der Gentechnologie ein neuer Umbruch in der Geschichte der Menschheit einzutreten. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang von einer "Genetischen Revolution" gesprochen, die uns bevorsteht. Auch die Landwirtschaft wir davon stark betroffen sein.
Bei einer gentechnischen Veränderung eines Organismus wird in seine Erbsubstanz eingegriffen. Die genetische Information ist in den Chromosomen der Zelle lokalisiert. Diese bestehen aus Nukleinsäure (DNA, engl. Desoxyribonucleic acid). Die DNA ist aus mehreren verschiedenen Nukleotiden oder Basenpaaren aufgebaut. So wie sich aus der Aufeinanderfolge einzelner Buchstaben ein Text ergibt, so enthält die Kombination der Nukleotide die gesamte genetische Information eines Organismus. Bei gentechnischen Eingriffen werden einzelne Nukleotide oder Abschnitte von Chromosomen ausgetauscht. Dadurch verändern sich die Erbsubstanz und damit die Eigenschaften des Orgnaismus.
Im Bereich der Landwirtschaft kann man dadurch im Prinzip ertragssteigernde Gene einpflanzen oder Antifäulnisgene, man kann versuchen, die Pflanze gegen Hitze und Kälte, gegen Nässe und Salz unempfindlich zu machen, oder den Nutzpflanzen Resistenzgene gegen Antibiotika und Herbizide zu implantieren. Vielleicht ließe sich eine Anreicherung mit Aminosäuren und Proteinen erreichen. "Als Traumziel "grüner" Gentechnologie gilt zur Zeit die Erzeugung stickstoff-fixierende Pflanzen."Die Kombination von Genen verschiedener Tierarten ist schon gelungen.
Die möglichen Folgen solcher weitreichender Eingriffe in die Evolution sind derzeit nicht abseh- oder einschätzbar. 
 


5. Ethische Aspekte

Auch innerkirchlich haben sich verschiedene Institutionen immer wieder Gedanken über die Weiterentwicklung und die notwendigen Änderungen in Landwirtschaft und Agrarpolitik gemacht. Wenn von ihnen auch inhaltlich ähnliche Forderungen und Vorschläge vorgebracht werden wie von anderen Gruppierungen und den verschiedenen Wissenschaftlern, so sind doch Basis und Motivation dafür eine andere.
Nach christlicher Überzeugung hat "Gott dem Menschen als Teil seiner Schöpfung erschaffen." Der Mensch muß die Lebewesen, die ihn umgeben, immer unter diesem Gesichtspunkt betrachten. "Alle Geschöpfe haben ihren eigenen Wert, der darin begründet liegt, daß sie von Gott gewollt sind. Die Ehrfurcht vor dem Leben verbietet es, Tier- und Pflanzenwelt vornehmlich unter dem Gesichtspunkt ihres Nutzens und der Verwendbarkeit für den Menschen zu sehen." Gott hat dem Menschen eine besondere Stellung in seiner Schöpfung vorbehalten: Er hat ihm den konkreten Auftrag erteilt, die Erde zu behüten und zu bebauen und damit als sein Abbild Verantwortung für die Mitgeschöpfe wahrzunehmen. Wie Gott fürsorglich und liebevoll mit der Schöpfung umgeht, soll es auch der Mensch tun. Wenn er die Natur ausbeutet, verletzt oder zerstört, hat er den Auftrag Gottes mißachtet.
Ziel einer neuen Umganges mit der Natur ist es, die Dankbarkeit für das Geschenk der Schöpfung wiederzugewinnen und die Früchte und Schätze der Natur dankbar zu nutzen. "Umkehr zu Gott ist daher notwendig (...) in der tiefen Überzeugung, daß Gott Freude an seiner Schöpfung hat und sie liebt." Durch eine solche Umkehr werden schon in dieser Welt Zeichen einer neuen Schöpfung, des neuen Reiches Gottes sichtbar.
Der Weg zu einer solchen Umkehr führt über ein neues Denken und über einen neuen Lebensstil. 
Bei allen umweltpolitischen Entscheidungen, sollen folgende Kriterien beachtet werden:
 

- die Umweltverträglichkeit 

- die Sozialverträglichkeit

- die Generationenverträglichkeit

- die internationale Verträglichkeit

"Im Konfliktfall muß bei der Güterabwägung die Sicherung unserer natürlichen Lebensgrundlage und die Gestaltung unseres Lebensraumes Vorrang haben vor den ökonomischen Vorteilen rationaler Nahrungsmittelproduktion, bei denen die Folgekosten und die Folgewirkungen für uns, unsere Nachkommen und die Schöpfung nicht bedacht werden."

Als konkrete Handlungsperspektiven hebt die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Deutschland in ihrer Erklärung von Stuttgart folgende Punkte als besonders wichtig hervor:

- ein bescheidenerer Lebensstil

- die Bereitschaft, schöpfungsfreundlich erzeugte Produkte zu bevorzugen, auch wenn diese teurer sind als die anderen

- Solidarität mit den in der Landwirtschaft tätigen

- politische Anteilnahme 

- eine neue Schöpfungsspiritualität.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ruft im Zusammenhang mit der Forderung nach einer Neuorientierung der Agrrpolitik die Verbraucher dazu auf, durch ihr Kaufverhalten die ökologische Nahrungsmittelproduktion zu fördern. Die bäuerliche Bevölkerung ermutigt das Komitee, sich neuen Aufgaben zu stellen und zu einer Erweiterung ihrer Berufsbildes bereit zu sei. Vor allem die Nebenerwerbs-Landwirtschaft und die Suche nach Marktnischen sollen es den Bauern ermöglichen, ihre Höfe auch weiterhin zu bewirtschaften. Als besonders wichtig erachtet das Komitee die Solidarität zwischen den Landwirten und die überbetriebliche Zusammenarbeit. Von der Politik fordert werden in der Erklärung strengere Umweltstandards für die Landwirtschaft und eine Förderung des biologischen Landbaues gefordert.
Außerdem müßten die Zusatzleistungen der Bauern, etwa die Erhaltung uind Pflege der Kulturlandschaft finanziell abgegolten werden.

6. Schlußgedanken

Die Autoren der "Neuen Grenzen des Wachstums" unterstreichen, daß es angesichts der derzeitigen Situation der Erde ein drittes Mal in der Geschichte der Menschheit – nach Neolithischer und Industrieller Revolution zu einer großen Wandlungsperiode kommen muß, zur Revolution zur nachhaltigen Gesellschaft. Aber "dieses Mal mangelt es nicht mehr nur an Wild, an bebaubarem Land, nicht nur an Brennstoffen und Metallen, sondern in erster Linie an der Kapazität der Umwelt, noch mehr Schadstoffe aufzunehmen und umzusetzen.

Jede Revolution bringt viel Neues und Bereicherndes hervor; zugleich bedeutet das auch den Verlust von Althergebrachtem und Vertrautem. Revolution lassen sich nicht planen, sie haben eine Eigendynamik, und das Ergebnis ist in keiner Weise vorhersehbar. In dieser Form wird sich nach Meadows auch der Umbruch in ein neues Zeitalter des Umganges mit der Natur abspielen.
Daß eine tiefgreifende Erneuerung in sehr vielen Bereichen und besonders auch in der Landwirtschaft dringend und so schnell wie möglich notwendig ist, scheint einsichtig und klar zu sein. Die richtigen Wege dahin zu finden, ist sicher sehr schwierig und eine große Herausforderung. Die vielen Barriere durch eingefahrene Gewohnheiten und starre Profit-Mechanismen, die sich dem Einzelnen wie der ganzen Menschheit immer wieder in den Weg stellen, machen das nicht leicht. Trotzdem ist es, glaube ich, auch dabei sehr wichtig, nicht pessimistischen Zukunftsvorstellungen nachzugeben und die Hoffnung auf eine Besserung aufzugeben, sondern den Glauben an das Gutsein der Schöpfung und so auch der Erde und des Menschen wachzuhalten . Um es mit den Worten der Erklärung von Stuttgart zu sagen: "Wer an das ewige Leben glaubt, (...) braucht nicht zu resignieren und zu kapitulieren, sondern kann inmitten aller Zwänge nach Möglichkeiten des neuen Lebens Ausschau halten: Im Verhältnis zu sich selbst, zu den Mitmenschen und den übrigen Mitgeschöpfen sowie im Umgang mit der ganzen Natur. (...)Gemeinsam lassen wir uns zu mutigem Handeln herausfordern."

 

7. Literatur


Agrarentwicklung 2000
. Vorschläge zur Realisierung einer ökologischen Landbewirtschaftung in Österreich. Hrg. v. Der Grünen Klub im Parlament. Wien 1993.

Bechmann Arnim, Ökobilanz. Anleitungen für eine neue Umweltpolitik. München (Heyne) 1987. 

Drewermann Eugen, Der tödliche Fortschritt. Von der Zerstörung der Erde und des Menschen im Erbe des Christentums. Freiburg (Herder) 41990.

Franke Wolfgang, Nutzpflanzenkunde. Nutzbare Gewächse der gemäßigten Breiten, Subtropen und Tropen. Stuttgart (Thieme) 51992.

Für eine Neuorientierung der Agrarpolitik. Eine Erklärung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, in: Herder-Korrespondenz 42 1988, 287-290.

Gottes Gaben – Unsere Aufgaben. Die Erklärung von Stuttgart (Arbeitshilfen 62). Hrg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn 1988.
Haid Hans, Vom neuen Leben. Alternative Wirtschafts- und Lebensformen in den Alpen. Innsbruck (Haymon) 1989.
  Klötzli Frank A., Ökosysteme. Aufbau, Funktionen, Störungen (Uni-Taschenbücher 1479). Stuttgart (Fischer) 31993.  Landwirtschaft. Artikel in: Meyers Lexikon (zitiert nach Internet) 1997.  

Landwirtschaft und Umwelt. Umweltschutz – Landschaftsschutz – Naturschutz. (Ver)Braucht Landwirtschaft die Natur?. Hrg. v. Österr. Gesellsch. f. Natur u. Umweltschutz. Wien (Eigenverl.) 1987. 

Lutzenberger José, Gewinn statt Kosten, in: Welt – Land – Wirtschaft. Thesen zur globalen Verantwortung (Kl. Schriftenreihe des Tiroler Umweltanwaltes 3/93). Innsbruck 1993.

Meadows Donella u. Dennis, Randers Jörgen, Die neuen Grenzen des Wachstums. DIE Lage der Menschheit: Bedrohung und Zukunftschancen. Stuttgart (Dt. Verlags-Anstalt) 41992.

Meadows Dennis, Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Reinbeck b. Hamburg (Rowohlt) 31973.

Pestel Eduard, Jenseits der Grenzen des Wachstums. Bericht an den Club of Rome. Stuttgart (Dt. Verlags-Anstalt) 1988.  

Torbiörn Kjell, Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, in: Landwirtschaft und Umwelt. Hrg. v. ÖGNU. Wien (Eigenverlag) 1987, 17-24.

Wohlmeyer Heinrich, Kann die Landwirtschaft ökologisch handeln?, in: Landwirtschaft und Umwelt. Hrg. v. ÖGNU. Wien (Eigenverlag) 1987, 25-38.

Wolkinger Alois, Erdethik. Zwischen "Niedertreten" und "Pflegen" – zwischen Zerstörung und Kultur. Thaur (Kulturverlag) 1996.

8. Anhang

8.1 Thesenblatt Lösungsansätze 

Nachhaltigkeit: so wirtschaften, daß die Ressourcen und die Bodenfruchtbarkeit sowie die Qualität von Wasser, Luft und des gesamten Mitwelt auch für die kommenden Generationen erhalten bleiben. 

Denken im globale Kategorien: Welche ökologischen Folgen hat mein Kaufverhalten für die Produktionsgebiete in anderen Erdteilen (Abholzung von Regenwald, Einsatz von Pestiziden aufgrund geringerer Umweltauflagen, Auslaugung der Böden à Lebensgrundlagen vieler Familien gehen verloren à Abwanderung in Städte und Slums etc.)?

Vor-Ort-Lösungen: die Überproduktion in Europa und N–Amerika kann nicht die Hungerprobleme in Afrika und Lateinamerika lösen. Die Staaten müssen selbst befähigt werden, Lebensmittel für die Bewohner zu produzieren. à Umdenken in der Weltpolitik

Ökologische Buchhaltung: Stoff- und Energiebilanz- Rechnung, Einbeziehen der Folgekosten für ökologische Schäden, präventive Förderung von ökologisch besser angepaßten Alternativen

Ökologische Mindeststandards durch politische Vorgaben: Herabsetzung der Schadstoff-Grenzwerte für Wasser und Boden sowie des Emissionswerte

Umschichtung von Steuergeldern: z. B. je nach Verbrauch von fossiler Energie, je nachdem ob in geschlossenen Kreisläufen bewirtschaftet wird

Wirtschaften in geschlossenen Kreisläufen: z. B. Düngung, Kompostierung

biologischer Landbau: Chancengleichheit zwischen konventionellem und biologischem Landbau durch agrarpolitische Maßnahmen, Image - Hebung

Energie: Energieverbrauch (Kunstdünger, verstärkte Mechanisierung), Suche nach neuen, z. B. nachwachsende Energieformen 

Selbst- und Nahversorgung: lokale Produkte, Bevorzugung heimischer und biologisch produzierter Nahrungsmittel, auch wenn diese – noch – teurer sind

Solidarität mit den Bauern: Hebung des Selbstwertgefühles und des Ansehens des Standes, Unterstützung durch den Kauf ihrer Produkte

Honorieren der Nebenleistungen, welche die Bauern erbringen: Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft, Erhaltung von Boden- und Wasserqualität 

einfachere Lebensweise

fleischärmere Ernährung: Verkürzung der Nahrungskette, Tierquälerei

neue Nahrungsmittel: Soja, Algen

umweltpolitisches Engagement, Einflußnahme durch Kaufentscheidungen

8.2 Texte 

Ich bin hungrig,
und ihr verfüttert meine Nahrungsmittel eurem Vieh.
Ich bin hungrig,
und eure Firmen pflanzen auf meinen besten Böden eure

Wintertomaten.
Ich bin hungrig,
und ihr wollt nicht auf das Steak aus Südamerika verzichten.
Ich bin hungrig,
aber, wo Reis für meine tägliche Nahrung wachsen könnte, 

wird Tee für euch angebaut. 
Ich bin hungrig,
aber ihr macht aus Zuckerrohr und Mais Treibstoff.

Ich bin hungrig,
aber die Abwässer eurer Fabriken vergiften unsere Flüsse.

Ich bin hungrig,
aber mit eurem Geld kauft ihr mir die Nahrungsmittel weg.
Ich bin hungrig,
aber für euch Schlemmer werden exotische Früchte auf
meinem Land angebaut.
Ich bin hungrig,
aber ihr baut auf meinem Land Luxushotels statt

Bewässerungsanlagen.
Ich bin hungrig,
aber ihr baut auf meinen Plantagen Kakao für eure

Schokolade an.
Ich bin hungrig,
und ich muß euch meine wertvolle Arbeitskraft für einen

lächerlichen Lohn verkaufen.

(nach einem Text von Berthold Burkhart)


 

=== Zurück zur Übersicht ===