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Wie werde ich Tutor/in?

Ein Beitrag zur aktuellen Debatte um Weltklasse-Unis.

Von Kristina Werndl
(10. 05. 2004)





Kristina Werndl
kristina.werndl [at] gmail.com

ist Redakteurin des
Aurora-Magazins.

 

     Im Zuge des neuen Universitätsorganisationsgesetzes (UG02) werden die Rechte der Studenten/innen beschnitten und ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten eingeschränkt. So wurde in Salzburg die Zahl der Studenten/innen im Senat dezimiert – ein "Entgegenkommen" der Professoren: Man sei so "nicht verantwortlich, wenn etwas schief geht", war da tatsächlich zu hören!

Wissen ist Macht, heißt es. Welche Chancen also bieten sich den Studenten/innen innerhalb der gegebenen Strukturen in der "Weltklasse-Uni" Salzburg? Ich stellte mir die Frage: Wie werde ich Tutor/in, wie steige ich auf?

Gemäß § 107 UG hat das Rektorat alle zur Besetzung offenen Stellen öffentlich auszuschreiben. Das geschieht zumindest in der ältesten Zeitung Österreichs, der Wiener Zeitung, sowie – up to date – im elektronischen Mitteilungsblatt der Universität Salzburg (s. Homepage: http://www.sbg.ac.at, "Stellenmarkt").

    Die Stellenausschreibungen werden in der Verantwortung der Fachbereichsleiter/innen formuliert, die auf Vorschlag der Professoren/innen des entsprechenden Fachbereichs vom Rektor bestellt werden. Vor der Veröffentlichung durch den Rektor geben der Arbeitskreis für Gleichberechtigungsfragen, die Personalabteilung und die Personalvertretung ihre Zustimmung. Das ist ein Modus, der Zwischenschritte vorsieht und nicht zuletzt deshalb relativ nepotismusresistent ist. Denn der bürokratische Standardtext (Anstellungsvoraussetzungen, erwünschte Zusatzqualifikationen, künftige Aufgabenbereiche) lässt nur bescheiden Raum, einem eventuellen Günstling zum Zuge und damit zur Anstellung zu verhelfen. Aber immerhin: Raum bleibt, etwa bei der Ausformulierung der geforderten Zusatzqualifikationen.

Was Studienassistenzen und Tutorien betrifft: Sucht man danach in Wiener Zeitung und Mitteilungsblatt, wird man nicht fündig werden. Denn bei Stellen für Aufgaben in der Lehre und mit geringem Stundenausmaß sowie bei zeitlich befristeten Drittmittelprojekten gelten andere Regeln. Wie sehen die aus? Eine knifflige Frage. Doch wo man nicht weiter weiß, kann man ja die Frage ändern. Also: Wie wird die Sache gehandhabt? Es ist eine Spekulation, zugegeben: Das Tutoriumsangebot erfolgt informell, privat, z.B. in der Sprechstunde. Das ist nicht prinzipiell zu verurteilen, es kürzt die Wege ab und mag bei manch einem zeitlich befristeten Projekt vernünftig sein. Allerdings ist es denkbar, dass Professoren/innen nur den Ihnen sympathischen und geneigten Studenten/innen einen Job zuschanzen, und dann haben bedauerlicherweise diejenigen keine Ahnung und Chance, die (auch) gut und leistungsorientiert sind. Und eine gute Leistung sollte sich ja auszahlen, denkt man. Zumindest haben Leistung und Effizienz, mit einigem Recht, im UG02 ihren nicht nur terminologischen Fixplatz (Leistungsvereinbarungen, Leistungsnachweis u.Ä.m.).

Die Praxis der Stellenvergabe für Studienassistenzen und Tutorien ist jedenfalls änderungsbedürftig. Denkbar wäre ein Modell, wie es etwa an der Freien Universität Berlin praktiziert wird. Dort werden Tutorien am Semesterende für das kommende Semester ausgeschrieben, und die Kandidaten/innen haben sich dann gut vorbereitet einem Hearing zu stellen. Das ist Ansporn für die eigene universitäre Karriere. Das beseitigt jede schiefe Optik.

     Gegenwärtig wird Salzburgs Studenten/innen vermittelt, es könne nicht schaden, sich frühzeitig professorale Sympathien zu züchten, die zarten Setzlinge zu hegen und zu pflegen und dann und wann mit etwas Dünger nachzuhelfen. Auf dass diesem Humus ein nettes Tutoriumspflänzchen entwachse – mit seinen schwachen Wurzeln nun immerhin im akademischen Erdreich festgehakt.

Eine abschließende Bemerkung: Im UG02  gibt es im Bereich der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen im Forschungs- und Lehrbetrieb keine Kategorisierungen (wie z. B. Assistenten/innen, Lehrer/innen, Lehrbeauftragte, Studienassistenten/innen usw.). Der Kollektivvertrag, in dem es bestimmte Kategorisierungen wahrscheinlich geben wird, ist noch nicht ausverhandelt. Somit werden, nach Auskunft von Reinhold Kirisits, dem Leiter der Personalabteilung der Universität Salzburg, die bisherigen Kategorien weitergeführt. Auf die Frage, ob Theorie und Praxis bei der Stellenausschreibung übereinstimmten, konterte dieser brillant und nicht ohne Subtilität: "Theorie und Praxis stimmen an der Universität Salzburg überein, soweit im UG02 Theorie und Praxis überhaupt übereinstimmen können."

   

 

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