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Mai 2022


 


Aus unserem Archiv



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Das Auge des Hurrikans
.

An Chile wurde in den
1970er Jahren das Para-
digma des Freien Welt-
marktes getestet. An-
fang der 80er Jahre
wurde dieses Paradigma
auf rund 90 Ökonomien
in sogenannten 'Ent-
wicklungsländern' über-
tragen. Diese "Struktur-
anpassungs-Programme"
führten jedoch oft zu
noch mehr Ungleichheit,
Armut und Umwelt-
schäden. (Walden
Bello, 01. 05. 2007)




Was heißt Globalisierung?
...
Das Zeitalter der Glob-
alisierung ist gekenn-
zeichnet von rasanten
Veränderungen. Das
lässt sich leicht an
Indikatoren wie Welt-
handel und Auslands-
investitonen, der Ent-
wicklung im Verkehrs-
und Kommunikations-
wesen oder der Anzahl
von internationalen
Konzernen ablesen.
Begleitet werden diese
Veränderungen von
einem tiefen Unbehagen
darüber, dass die Kluft
zwischen Arm und Reich
immer noch größer wird,
die Zerstörung der Bio-
sphäre fortschreitet
oder sich der Einfluss
der Mediengiganten
kontinuierlich ausweitet.
(Reinhold Wagnleitner,
01. 03. 2003)
.
 

..
.

...
Neue Texte


  Eine dünne Linie trennt das Mögliche vom Unmöglichen
  Als ich Mitte Februar in Udine eintraf, um eine Theater-
  aufführung über die Arbeit von humanitären Organisa-
  tionen zu besuchen, dachte ich nicht, dass diese nur
  eine Woche später von großer Aktualität sein würde.
  Dass Vertreter von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne
  Grenzen oder das Internationale Komitee vom Roten
  Kreuz (IKRK) romantische Charaktere sind oder Helden,
  die tatsächlich eine Veränderung in der Welt bewirken
  können, das dachte sich Tiago Rodrigues, bevor er
  die Arbeit an Im Rahmen des Unmöglichen ("Dans
  la mesure de l'impossible") begann.
(Irina Wolf,
  26. 05. 2022)



  Ist das Leben Gottes Geschenk?
  Er ist 78 Jahre alt, hat zwei erwachsene Kinder und
  drei Enkelkinder. Körperlich und geistig ist er kernge-
  sund. Trotzdem möchte er – Gärtner ist sein Name –
  vorzeitig sterben. Lebensfreude und -mut sind seit
  dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren verschwunden.
  Obwohl ihn seine Kinder von seinem geplanten Selbst-
  mord abbringen wollen, haben sie es nicht geschafft,
  ihren Vater umzustimmen... Dem sensiblen Thema des
  assistierten Suizids nimmt sich Ferdinand von Schi-
  rach in seinem neuen Theaterstück GOTT an.

  (
Irina Wolf, 01. 05. 2022)



(c) pixabay.com
  Müller & Sohn: Eine Super-Gedankentour an der Rur
 
Dieses Gespräch wurde Anfang 2022 von einer meiner
  sprachlich begabten Assistentinnen back in the hood
 
aufgezeichnet. Right! In the old neighbourhood. Ich
  setze jetzt wie branchenübergreifend üblich noch kurz
  meinen Namen drauf, soweit es der g’schätzten Leser-
  schaft nichts ausmacht, und gelte ab sofort, thank
  your very much, als rechtmäßiger Urheber ever after
 
– oder doch jedenfalls solange das Copyright Bestand
  hat. Click, click, click. Copy and paste. Supi! …
  (Vasile V. Poenaru, 13. 04. 2022)



  Von den Grenzen in unseren Köpfen
  Seit 2018 werden mit der Reihe "Drama Panorama"
  des Berliner Neofelis Verlags Zugänge zu zeitgenös-
  sischen Theatertexten aus anderen Sprachräumen
  eröffnet. Die im November 2021 als fünfter Band in
  der Serie erschienene Anthologie Mauern fliegen in
  die Luft
der Herausgeberinnen Franziska Muche und
  Carola Heinrich versammelt neun Stücke aus dem
  iberoamerikanischen Sprachraum.
 (Irina Wolf,
  20. 03. 2022)



  Malagola – berauschender Innovationsraum
  Konzipiert und geleitet von Ermanna Montanari, ist
  Malagola eine Stimmtrainingsschule. Das Projekt hat
  seine Wurzeln in Montanaris vierzigjähriger, mehrfach
  preisgekrönter Forschungsarbeit zur Poetik der Stimme
  sowie in den über die Jahrzehnte kreierten soliden Part- 
  nerschaften auf nationaler und internationaler Ebene.
  Neben Montanari, Mitbegründerin und künstlerischer
  Leiterin des Teatro delle Albe/Ravenna Teatro, ist
  Enrico Pitozzi, Wissenschaftler und Professor an der
  Universität Bologna, der stellvertretende Direktor.

  (
Irina Wolf, 10. 03. 2022)



(c) pixabay.com  Karpatensuppe for future
  Ort der Handlung: deep Romania; etwa 20 km von der
  Bahnhaltestelle Bologa (unweit Großwardein) entfernt.
 
Zeitraum der Handlung: traumhafter Hochsommer im
  Vorfeld der Wende. Und die Handlung selbst? A bisserl
  lesen, a bisserl latschen, a bisserl klettern, a bisserl
  quatschen. So fing eine der zentralen Wanderungs-
  G’schichten meiner Jugend an: die Durchquerung des
  Apuseni-Massivs. Achtzig Kilometer. Eine Berghütte.
  Ein paar wenige Wanderer. Ein paar Schäfer. Und viele
  Höhlen. Die sogenannten Apuseni-Höhlen. Und wir?
  Drei Höhlenmenschen, die Taschenlampe stets zur
  Hand. How about it? (
Vasile V. Poenaru, 28. 02. 2022)



  Rettung für Mutter Erde
  Mutter (Madre) heißt Marco Martinellis neues zwei-
  teiliges Theaterstück. Auf den ersten Blick scheint es
  sich um einen Generationenkonflikt zu handeln: Nach-
  dem die in die Jahre gekommene Mutter in einen
  Schacht gefallen ist, plant ihr Sohn, sie aus dem Loch
  herauszuziehen, oder zumindest äußert er diese Ab-
  sicht. Wer aber mit Martinellis Werken vertraut ist,
  weiß, dass seine Texte mehrere Ebenen aufweisen
  und das Publikum vor unterschiedliche intellektuelle
  Herausforderungen stellen.
(Irina Wolf, 07. 02. 2022)
..

..

  Showcase aus Rumänien: Vorhang auf!
  Als erster rumänischer Showcase des vergangenen
  Jahres präsentierte sich INDEPENDENT EXTERIOR aus-
  schließlich online. Vom 3. bis 7. November 2021 stellte
  es fünfzehn herausragende Theater- und Tanzproduk-
  tionen der Bukarester unabhängigen Szene vor. Ein
  weiteres Vorhaben der Organisatoren war es, zehn
  Veranstaltungsorte und -institutionen der Freien
  Szene einem internationalen Publikum bekannt zu
  machen.
(Irina Wolf, 18. 01. 2022)

..

..
  Captain O'Mei in Laa an der Thaya
  "Herrschaften!", hatte der diensthabende Mast-Bursch
  auf WhatsItGonnaBe gepostet. "Aussteigen, bitte! Laa
  an der Thaya! Hurry up! Or else." Und eins war den
  erlauchten Fahrgästen der k. und k. Laaer Ostbahn
  auf Anhieb klar:
The Mastbursch meant business.
Ob
  der verehrte Gast denn auch hundertprozentig satis-
  fied
sei, wollte O’Lala wissen, nachdem O’Mei sich a
  bisserl in der kleinen, aber feinen Ortschaft am Rande
  des Seins umgeschaut hatte. Und in der Tat war Laa
  an der Thaya all Captain O’Mei ever dreamt of in his
  philosophy
. Und er sagte: "Rrr! …" (Vasile V.
  Poenaru
, 31. 12. 2021)



 
Zwischen Beständigkeit und Neuschöpfung
  Vielfalt, Kreativität, Innovationskraft: Das spiegelt
  sich in den aktuellen Performance-und Theaterpro-
  duktionen wider, die beim rumänischen Nationalthea-
  terfestival zu sehen waren. Pandemiebedingt mussten
  die Festspiele zum zweiten Mal in Folge ins Internet
  ausweichen, generierten dort aber eine bemerkens-
  werte Präsenz. Der Zugang zu den knapp vierzig
  Inszenierungen war bei allen Streams kostenlos, die
  meisten Aufzeichnungen für 48 Stunden mit englischen
  Untertiteln verfügbar.
(Irina Wolf, 18. 12. 2021)



 
Nationaltheaterfestival Bukarest 2021
  Eigentlich hätte die 31. Ausgabe des rumänischen
  Nationaltheaterfestivals Ende Oktober endlich wieder
  mit Publikum stattfinden sollen. Doch die Pandemie
  machte erneut einen Strich durch die Rechnung. Mit
  Blick auf die steigenden Infektionszahlen haben die
  Organisatoren im Eiltempo eine Online-Ausgabe auf
  die Beine gestellt, die sich als großer Erfolg entpuppte.
  Zum zweiten Mal in Folge wurden die Festspiele ins
  Internet verlegt, sodass Zuschauer aus aller Welt die
  Möglichkeit hatten, dem Festival vom 6. bis 14.
  November beizuwohnen.
(Irina Wolf, 24. 11. 2021)



 
Hochtrabendes Dingsbums-Imponiergehabe
  Making sense of history? Nichts weniger hatte
Jörn
  Rüsen mit seinem Werk "Zerbrechende Zeit. Über den
  Sinn der Geschichte"
im Sinn –
so meine Hoffnung. Und
  ich erhoffte mir auch, in diesen Seiten über eine zer-
  brechende Zeit ein leidlich durchdachtes Werk vorzu-
  finden. Man gewinnt aus diesem Buch keine Einsich-
  ten. Das Vorwort wirkt ebensowenig überzeugend
  und ungeschickt wie der Epilog.
Sprachlich unge-
  schliffen sind diese Texte auch noch oft genug.
  Außerdem entbehrt der Band einer begrifflich
  soliden Grundlage
. (Vasile V. Poenaru,
  18. 09. 2021)




 
Hinter den Kulissen lauert die Angst
  Franz Kafkas Erzählung Der Bau wurde im Winter 1923
  geschrieben, als der Autor bereits an fortgeschrittener
  Lungentuberkulose litt. Elena Bakirovas Inszenierung
  entpuppt sich als eine relevante Gefühlserkundung
  nach der pandemiebedingten sozialen Isolation. Die
  Virtual-Reality-Produktion des Schauspielhauses Graz
  überzeugt durch Tempo, starke Bilder und eine gran-
  diose schauspielerische
Leistung. (Irina Wolf,
  26. 08. 2021)



 
Brot backen für die Toten
  "Wie sich der Kolac dreht, soll sich all das Schlechte
  ins Gute drehen und wandeln" – mit diesen Worten
  fasst Tante Dragoslave den Kerngedanken der wich-
  tigsten Feier der Roma im serbischen Ort Boljevac  
  zusammen. Am "Fest der Tante", auch Bibijako Djive
  genannt, wird die mythologische Figur der Bibi Sara
  Kali, Schutzpatronin der Roma, geehrt. Dass dieses
  am 31. Januar begangene Fest mit der Befreiung der
  Roma-Überlebenden 1944 aus dem KZ übereinstimmt,
  ist kein Zufall, hat doch Simonida Selimović für das
  Theater-Film-Projekt Bibi Sara Kali im Vorfeld gründlich
  recherchiert. Gemeinsam mit dem syrischstämmigen
  Autor Ibrahim Amir entwickelte die Schauspielerin,
  Musikerin und Roma-Aktivistin ein Stück, in dem die
  Roma-Kultur und die Situation von Roma-Frauen
  beleuchtet werden.
 (Irina Wolf, 23. 07. 2021)



 
"Kunst soll das kritische Denken stärken!"
  Aurora-Interview mit der Theaterkritikerin und -kura-
  torin Cristina Modreanu:
"Unabhängige Organisationen,
  die Kulturprojekte produzieren, sind in Rumänien immer
  noch unsichtbar. Es werden weiterhin große Theater-
  häuser vom Staat subventioniert, die aus diesem Grund
  keine Probleme aufwerfen. Diese befassen sich nicht
  mit problematischen Themen, kritisieren nicht, nehmen
  keine Position ein, produzieren dafür aber leicht verdau-
  liche Kost und realitätsfremde Inszenierungen. All das
  scheint niemanden zu stören. Seit Beginn der Pande-
  mie haben unabhängige Künstler alle Unterstützungs-
  netzwerke verloren, mehrere unabhängige Theater
  haben sich aufgelöst, andere stehen kurz vor dem
  Verlust ihrer Spielstätte, weil sie die Miete nicht
  bezahlen können."
(Irina Wolf, 29. 06. 2021)



(c) Alexander Gotter
 
Verbrechen aus Ruhmsucht
  "Ich schaue mir den Rücken der Leute an und stelle
  mir vor, wie sie fallen würden, wenn ich auf sie
  schießen würde" – so denkt ein Amokläufer. Aber was
  bringt jemanden dazu, andere Menschen umzubringen?
  Den Versuch einer Reise zu den Motiven eines solchen
  Tobsüchtigen unternimmt der Philosoph Jean-Paul
  Sartre in seiner Erzählung "Herostrat". Ein sehr kom-
  plexer Stoff! Zu schwierig für das Theater? Kai Krösche
  ist entschieden anderer Ansicht, und das Ergebnis gibt
  ihm Recht: Dem in Wien lebenden deutschen Regis-
  seur ist eine außergewöhnliche Bühnenumsetzung
  von "Herostrat" gelungen!
(Irina Wolf, 27. 05. 2021)



(c) Nikolaus Ostermann / Volkstheater
  Ein Treffen mit den Geistern des Volkstheaters

  Seit über einem Jahr ist das Wiener Volkstheater ge-
  schlossen, zuerst wegen dessen Generalsanierung,
  dann wegen Corona. Mit "Black Box. Phantomtheater
  für 1 Person" lädt Stefan Kaegi, bekannt auch von der
  Gruppe Rimini Protokoll, auf einen Audiowalk durch
  mehrere Räumlichkeiten. Kostüm- und Maskenabtei-
  lung, Lichtbrücke und Unterbühne, Requisite und Auf-
  enthaltsraum, Souffleurkasten, Kühlraum, Inspizienten-
  pult, VIP-Lounge, Rote Bar – all das und vieles mehr
  ist begehbar. Überall kann man in die Theaterwelt hi-
  neinschnuppern und auch selbst auf der Bühne stehen.
  Der für seine ortsspezifischen Inszenierungen weltweit
  hoch geschätzte Schweizer Künstler landet auch
  diesmal einen Volltreffer.
(Irina Wolf, 10
. 05. 2021)



(c) pixabay
 
Sapere aude, wenn's recht ist   oder auch nicht
 
Früher hieß es ja noch "Dubito, cogito, sum." Jetzt
  werden alle, die den Mut haben, öffentlich von ihrem
  Verstand Gebrauch zu machen, bereits bei "Dubito"
  voller Hass und ohne Respekt für die Würde des Men-
  schen oder die theoretisch ja immer noch bestehende
  Meinungs- und Versammlungsfreiheit im Handumdrehen
  ausgeschaltet, gelöscht, gecancelt und als "Covidio-
  ten" diffamiert. Was für Tage kommen da auf uns zu,
  fragt man sich nun mit gutem Grund. Wer wird die
  neue Gesellschaftsordnung, wer wird das neue Narra-
  tiv kontrollieren bzw. gestalten, die neue Wahrheit,
  an die alle zu glauben haben, soweit sie nicht zu
  Freiwild erklärt werden wollen?
(Vasile V.
  Poenaru
, 26
. 04. 2020)




(c) Ioana Ofelia
  "Ohne Schauspieler bin ich eine Null!"

  Die rumänische Theaterregisseurin Leta Popescu im
  Aurora-Interview: "Ich habe Angst vor den Klassikern.
  Sie überwältigen mich. Ich bevorzuge die zeitgenös-
  sischen Dramatiker, weil wir die Bewegungen der heu-
  tigen Welt gemeinsam aufspüren. Ich lebe in der Ge-
  genwart und blicke in die Zukunft; ich spüre keine
  Nostalgie und denke, dass sich die Geschichte wieder-
  holt. Ich habe es vorgezogen, Produktionen mit Auto-
  ren 'zusammen zu schreiben', anstatt 'umzuschreiben'.
  Aber ich werde mich bald dieser 'Umschreibung' der
  Klassiker widmen, weil ich mich auch in die mensch-
  liche Finsternis meiner Vorgänger zu vertiefen ver-
  mag."
(Irina Wolf, 08. 04. 2021)



(c) Johanna Lamprech
  Mittels VR-Brille in die Apokalypse

  "Krasnojarsk: Eine Endzeitreise in 360°" – so der Titel
  der neuesten Premiere des Schauspielhauses Graz.
  Dass diese derzeit im Theatersaal nicht stattfinden
  kann, ist offensichtlich, sind die Theater wegen der
  Corona-Pandemie doch bis auf Weiteres geschlossen.
  Ein Online-Streaming-Event ist es aber auch nicht.
  Wo ist dann die Produktion zu sehen?

  (Irina Wolf,
21
. 03. 2021)




  Was bleibt?

  Carola Heinrichs Dissertation "Inszenierung von Ge-
  dächtnis und Identität im postsowjetischen Kuba und
  Rumänien
" ist für einen großen Kreis von Experten
  interessant. Die Autorin bietet neben fundierten theore- 
  tischen Überlegungen auch spannende konkrete Fall-
  studien. Das Ergebnis ergibt ein tieferes Verständnis
  der interkulturellen Verhandlungs- und Übersetzungs-
  prozesse zwischen der Sowjetunion als postkolonialem
  Zentrum und der Peripherie in Kuba und Rumänien. Die
  besondere Leistung besteht in der umfangreichen
  kritischen Auseinandersetzung mit den praktischen
  Beispielen und der Gegenüberstellung der beiden
  postsowjetischen Staaten.
(Irina Wolf, 01. 03. 2021)



  Tagebuch einer Revolution

  Knapp nach dem ersten coronabedingten Lockdown
  feierte am Nationaltheater Bukarest "Tagebuch
  Rumänien. 1989" der Künstlerin Carmen Lidia Vidu
  Premiere. Bekannt als Multimedia-Theater- und Film-
  regisseurin sorgte Vidu bereits in den letzten fünf
  Jahren für Aufsehen auf der nationalen und inter-
  nationalen Szene mit ihrem Projekt "Tagebuch Rumä-
  nien".
(Irina Wolf, 09
. 01. 2021)



  "Weitermachen, kreativ sein, nicht aufgeben"

  Das Pandemiejahr 2020 stellt Theatermacher auf der
  ganzen Welt vor fast unlösbar scheinende Herausfor-
  derungen. Was dies konkret für die rumänische Thea-
  terszene bedeutet, schildert Oltiţa Cîntec am Beispiel
  des im vergangenen Oktober in Iaşi veranstalteten
  Jugend-Theaterfestivals im Aurora-Interview:
  "
Es ist nicht die Angst vor einer Ansteckung, die
  Theaterliebhaber vertreibt, sondern die mangelnde
  Vorhersehbarkeit. Man plant das Wochenende, man
  kauft sich eine Theaterkarte, aber dann kündigen die
  Behörden von heute auf morgen die Schließung der
  Theater an."
(Irina Wolf, 22. 12. 2020)



  Wes Brot ich ess

  Es geht zunächst gar nicht darum, ob bzw. inwiefern
  die Bürger, die für die Grundrechte einstehen, in ihrer
  jeweiligen Auffassung von Gerechtigkeit, Recht,
  Staatsgewalt, Governance und Meinungsfreiheit recht
  haben. Es geht darum, dass sie nicht nur ein Anrecht
  darauf haben, ihren Senf zur Sache zu geben, son-
  dern geradezu verpflichtet sind, angesichts des zu-
  tiefst bedenklichen Dornröschenschlafs der Medien
  und der Legislative und der damit verbundenen Unter-
  minierung des Rechtsstaats an der Wiederbelebung
  unserer streithaften Demokratie mitzuwirken.

  (
Vasile V. Poenaru, 06. 12. 2020)




  Irgendwann kommen sie wieder

  Der 30. Oktober 1938 ist ein Meilenstein in der Ge-
  schichte des Radiotheaters. An dem Tag überzeugte
  Orson Welles' genial inszeniertes Hörspiel nach dem
  gleichnamigen Roman "Krieg der Welten" von H. G.
  Wells die Zuhörer von der Invasion der Außerirdischen.
  Diese Radiosendung geriet zum besten Beweis für die
  Kraft der Tonkunst. Auch wenn die Revolution der
  digitalen Technologie das Radio heute als Kommu-
  nikations und Manipulationsmedium umdefiniert hat,
  so steht doch außer Zweifel, dass das Hörspiel noch
  immer genug Magie besitzt, uns jederzeit wieder
  an "Marsmenschen" glauben zu lassen.
  (Oana Cristea Grigorescu, 06. 11. 2020)



  Auftritt für Italiens junge Theatergeneration

 
Nachdem die drei vorangegangenen, von Antonio La-
  tella kuratierten Treffen den internationalen Regis-
  seuren, Schauspielern und Dramatikern gewidmet
  waren, kamen bei der heurigen 48. Ausgabe der Thea-
  terbiennale von Venedig vor allem die jungen italieni-
  schen Künstler zum Zug. Unter dem zentralen Motto
  "Atto quarto: Nascondi(no)" wurden vom 14. bis 25.
  September insgesamt 28 Weltpremieren gezeigt, die
  sich ausschließlich mit einem Thema befassten: der
  Zensur. Das üppige Festivalprogramm umfasste inhalt-
  lich wie formal sehr unterschiedliche Arbeiten.

  (
Irina Wolf, 06. 10. 2020)




Bogdan Botas  Verlassene Zahnbürste sucht Mensch

  Während der reguläre Spielbetrieb in Rumänien mona-
  telang unterbrochen war, bemühten sich manche
  Theaterregisseure um neue Kunstformen. So auch
  Bobi Pricop. Zusammen mit sechs Schauspielern erar-
  beitete er das "performative Video-Gedicht" Exeunt.
  Installation, Performance, Film – die im Internet ge-
  zeigte Produktion ist vor allem kein Theater. Exeunt –  
  der lateinische Begriff bezieht sich auf den Abgang der
  Schauspieler von der Bühne – kreist um das Thema
  der Einsamkeit.
(Irina Wolf, 12. 09. 2020)



  Reisen in Pandemiezeiten

  Ich liebe Reisen, hätte aber nie gedacht, dass ein  
  viertägiger Aufenthalt in Bukarest so viel Stoff für
  Geschichten bieten würde. Aber beginnen wir am
  Anfang: Man nehme ein im April storniertes Flugticket
  und buche es um (österreichische Fluggesellschaft
  Austrian; Strecke Wien-Bukarest-Wien).

  (
Irina Wolf, 20. 08. 2020)




(c) Wikipedia
  Alle meine Flüsse

  Viele Flüsse haben was zu sagen. Flüsse schaffen Ver-
  bindung. Doch sie machen auch seit eh und je natür-
  liche Grenzen aus. "Lasst das Wasser fließen!", ver-
  langte Heraklit energisch. Und der gute alte Neptun
  war damit einverstanden. Unsere Flüsse haben den
  Kontinent, ja die ganze Welt strukturiert, organisiert,
  nach allen Regeln der Ästhetik und der Politikwissen-
  schaft. Die Ur-Flüsse meiner Kindheit sind die Donau,
  die Traun und der Mühlbach. Von der Unmittelbarkeit
  des Alltags her sind es freilich der Mühlbach, die Traun
  und die Donau. Doch jene kommen hierin nicht zu
  Wort, diese hingegen durchaus. Denn die Donau sei,
  so Karl-Markus Gauß, der intelligenteste Fluss
  Europas.
(
Vasile V. Poenaru, 06. 08. 2020)



leopoldmuseum.org
  Zwei Magier der Farben

  Im Rahmen einer seit Februar laufenden Ausstellung
  präsentiert das Leopold Museum 170 Exponate zweier
  herausragender österreichischer Künstler des 20. Jahr-
  hunderts: Friedensreich Hundertwasser und Egon
  Schiele. Das Bemerkenswerte daran: Hundertwasser
  verband eine lebenslange geistige Beziehung zu seinem
  großen malenden Vorbild, der eine Generation vor ihm
  lebte. Einige Gemeinsamkeiten im Werk der beiden
  Künstler sind offensichtlich, manches erschließt sich
  erst auf den zweiten Blick.
(Irina Wolf, 01. 07. 2020)



(c) Emil Mandanac  "Unabhängigkeit gebiert die wichtigsten Ideen"
  Vlaicu Golcea, Komponist und Arrangeur, Performer,
  Sound Designer und Produzent, im Aurora-Interview:
  "
Ich wünsche mir, dass die neue Generation rumäni-
  scher Künstler, die ihr Recht auf die Gegenwart bean-
  sprucht, die Kraft zum Reden und Tun finden wird und
  in der Lage ist, unseren rumänischen DNA-Code umzu-
  schreiben, eine echte Revolution anzuführen und eine
  Kunst zu schaffen, die im Einklang mit ihren wahren
  Bedürfnissen steht. Das sage ich aus der Perspektive
  eines Menschen, der seit 1995 mindestens zehn Jahre
  im Underground verbracht hat, zur Zeit als dies noch
  ein echtes Underground war, ohne Facebook, Twitter 
  und Instagram, die es augenblicklich zum Upperground
 
und cool machen.
" (Daniela Şilindean, 06. 06. 2020)

...


www.al-nasma.com  Eine Almani-Trilogie in Lower Saxony
  Aller guten Dinge sind drei. Und fünf ist ja auch keine
  schlechte Zahl. Es geht nämlich im Folgenden um fünf
  Freunde (furchtlose Superhelden allesamt) und ein
  Kamel, die sich aus dem fernen Irak bzw. aus Algerien
  oder eben aus dem Sudan auf den Weg nach Nieder-
  sachsen machten, um in Erfahrung zu bringen, ob in
  Hannover an der Leine tatsächlich das allerbeste
  Deutsch weit und breit gesprochen wird und ob der
  Brocken (im Harz) ein wahrhafter Sprachbrocken sei.
  Toc de mac! Tandaradei! (
Vasile V. Poenaru,
 
01. 05. 2020)



(c) Adi Bulbuoaca
  Theater: Spiegel zwischen Individuum und Gesellschaft
  Catinca Drăgănescu ist eine rumänische Regisseurin.
  Doch nimmt sie in diesem Beruf in ihrem Geburtsland
  eine Minderheitenposition ein. Als freischaffende Künst- 
  lerin hat sich Drăgănescu von Anfang an einem Regie-
  programm gewidmet, das Theater und Gesellschaft
  vereint. In den letzten Jahren hat sie es geschafft,
  als Gastregisseurin an Staatstheatern zu inszenieren.
  Im Einklang mit dem Programm ihrer Generation befasst
  sie sich mit Vergangenheitserkenntnis und -verständ-
  nis, Identitätsproblemen, Wirtschaftsmigration, Klisch-
  ees und Wahrnehmung von Minderheiten.
 
(Oana Cristea Grigorescu, 01. 04. 2020)



 
  Drei Tage zum Plündern
  Rumänische Parole aus dem Jahr 1989: "Hoch lebe die
  Revolution! Schlagt den Kerl zusammen! Zerstört alles,
  was ihr nicht mitnehmen könnt. Hoch lebe der wissen-
  schaftliche Sozialismus!" Als Ceausescu dann am er-
  sten Weihnachtstag hinterlistig erschossen wurde,
  hieß es: "Zu Weihnachten braten wir das Schwein."
  Die Würde des Menschen? Nie gehört. Drei Jahrzehnte
  mussten vergehen, bis die rumänische Öffentlichkeit
  wenigstens in etwa einsah, dass eine derartige, zu-
  tiefst menschenverachtende Einstellung weder mora-
  lisch noch heldenhaft oder gar demokratisch und recht-
  mäßig ist. Und die ausländischen Medien haben den
  Blödsinn gedankenlos gekauft. Stichwort Breaking
  News.
Na ja, fake news.
(Vasile V. Poenaru,
  01. 03. 2020)




Dragos Dumitru
  Botond Nagy, ein Philosoph des Bildes
  Trotz seiner erst 26 Jahre hat Botond Nagy schon
  14 Werke kreiert, darunter Inszenierungen nach Sha-
  kespeare, Gombrowitz, Tennessee Williams, Strindberg,
  Beckett und Ibsen. Nagy ist ein dynamischer Künstler,
  der an wichtigen Theaterhäusern in Rumänien arbeitet.
  Er hat sich vom Erfolg nicht blenden lassen, kümmert
  sich weiterhin um seine berufliche Weiterentwicklung,
  nimmt an Workshops und an Festivals teil. Wer ist
  Boty, wie er im Freundeskreis genannt wird?

  (
Oltița Cîntec, 04. 02. 2020)




  Die vielen Ichs der Tatiana Maslany
  Die Kanadierin Tat Maslany spielt im Serienfilm Orphan
  Black
so viele Klone, dass einer gar nicht mehr gut
  mitzählen kann. Sie spielt sie geradezu unglaublich
  differenziert. Und dennoch handelt es sich dabei letzt-
  endlich streng genommen jeweils um die eine Person:
  um dieselbe Person (also um die Schauspielerin), wenn
  man sich auf der Ebene der Realität bewegt, und um
  die gleiche Person, das heißt um ein wohlgemerkt
  jeweils anderes Individuum derselben "Marke", ja um
  ein jeweils anderes Individuum mit dem gleichen Erb-
  gut: um Klone; um gleichwertige Kopien ohne Original.

  (Vasile V. Poenaru, 23. 01. 2020)




(c) Radu Afrim
  "Die Beziehung zum Text ist eine Suche nach Wahrheit"
  Die rumänische Architektin und Bühnenbildnerin Irina
  Moscu im Aurora-Interview: "Es geht immer darum,
  das Wesentliche hervorzuheben: Schlüsselwörter, die  
  sich in Arbeitskonzepte verwandeln, Bilder, die die voll-
  ständige Bedeutung des Textes enthalten, visuelle
  Metaphern. Die Beziehung zum Text ist ein Suchpro-
  zess nach der Wahrheit. Gefühle und Emotionen regen
  meine Vorstellungskraft an. Sie werden auf Papier in
  bewusste und unbewusste Gesten umgesetzt. Alles
  inspiriert mich: ein Gemälde, ein Detail in einem Café-
  haus, ein Künstler, ein Spaziergang durch die Stadt
  usw. Im kreativen Prozess lässt man sich überraschen."
 
(Oltița Cîntec, 05. 01. 2020)




  Dreißig Jahre Theaterfreiheit
  Die 29. Ausgabe des Rumänischen Nationaltheater-
  festivals, welche vom 18. bis 27. Oktober in Bukarest
  stattfand, firmierte heuer unter dem Motto "Magische
  Momente der Geschichte". Präsentiert wurden die
  besten rumänischen Produktionen der letzten Theater-
  saison sowie vier internationale Gastspiele. Zusammen
  mit Buchvorstellungen, Workshops, sieben Ausstellun-
  gen, zahlreichen Radiosendungen und Konferenzen
  wurde ein umfangreiches Panorama der in den letzten
  dreißig Jahren seit dem Fall des Kommunismus gewon-
  nenen Freiheit geboten.
(Irina Wolf, 15. 12. 2019)



  "Wo wir stehen" oder "Unsere Standortbestimmung"
  Dass die kürzlich im Suhrkamp Verlag erschienene Rede
  Barack Obamas nicht gerade sinngemäß adäquat über-
  setzt wurde, passt zum gegenwärtigen Trend, aus der
  anspruchsvollen Tätigkeit des Übersetzers ein mecha-
  nisches Wörter-Pingpong zu machen. Bereits 2008
  wurde dessen "Yes, we can!" genau so in die deutsch-
  sprachige Öffentlichkeit geschmissen, wie es die eben
  mal nicht perfekten Übersetzungsprogramme ausge-
  spuckt hatten. Und auch jetzt kann einer neuerlich
  fragen: Wo sind die verlässlichen Übersetzer geblie-
  ben? Legen sie allesamt wieder mal eine kurze Pause
  ein? Oder wurden sie durch billige Copy-and-Paste
  Toy Soldiers ersetzt?
(Vasile V. Poenaru, 01. 12. 2019)




(c) Marius Mihai Ghita
  "Ich spreche nicht, wenn ich etwas ausdrücken will"
  Aurora-Interview mit Andrea Gavriliu: Die junge Rumä-
  nin hat es geschafft, ihren Namen bereits in den ersten
  Jahren ihrer Karriere bekanntzumachen. 1985 geboren,
  absolvierte sie 2008 die "Babeş Bolyai" Universität in  
  Klausenburg. 2013 machte sie ihren Master in Choreo-
  grafie an der Nationalen Universität für Theater- und
  Filmkunst in Bukarest. Ihre Abschlussarbeit, Zic Zac,
  eine Theater-Tanz-Produktion, ist im In- und Ausland
  rasch bekannt geworden. Derzeit ist sie außerordent-

 
liche Professorin an der Fakultät für Theater und Film
  der UBB und Choreografin am Nationaltheater "Lucian
  Blaga" in Klausenburg. Am meisten interessiert sie sich
  für "physisches" Theater.
(Luana Pleşea, 13. 11. 2019)



(c) FITPT
  Herzliche Grüße an das Luceafărul-Theater in Iaşi!
  Liebes Festival für Junggebliebene, Du hast immer
  großartig ausgesehen, aber in diesem Jahr hast Du
  Dich wirklich selbst übertroffen. Seit einem halben
  Jahrzehnt gehöre ich zu Deinen treuesten Besuchern,
  aber noch nie hast Du mich so begeistert. Puppen-
  theater für Kinder und Jugendliche, Performance und
  Sprechtheater für Erwachsene, eine Showcase des
  gastgebenden Theaters, Konzerte, Tanz- und Zirkus-
  aufführungen, szenische Lesungen, Buchpräsenta-
  tionen, Ausstellungen und vieles mehr. Eine fantas-
  tische Programmauswahl mit einem restlos neugieri-
  gen Publikum!
(Irina Wolf, 01. 11. 2019)



(c) Julien Javions
  "Wenn die Kultur spricht, verschwindet der Hass"
  Interview mit der rumänischen Regisseurin und Multi-
  mediakünstlerin Carmen Lidia Vidu: "
Ich war immer eine
  Außenseiterin sowohl im Theater als auch im Film. Aus
  meiner Position als freischaffende Künstlerin beobachte
  ich, dass Rumänien seit Jahren versagt hat, eine euro-
  päische Stimme zu werden. Es gibt eine chronische
  Isolation und ich kann sie mir nicht erklären. Dabei
  möchte ich doch in einer Welt ohne kulturelle Grenzen
  leben. Es sollte keine Grenze zwischen Rumänien und
  dem Rest der Welt geben, zwischen dem Publikum und
  den Künstlern, zwischen mir und dem Theater. Mein
  Wunsch ist es, eine internationale Künstlerin zu sein,
  die Rumänien in die europäische Gegenwart versetzt."
 
(Irina Wolf, 25. 10. 2019)



  Waschechte Kanadierin im Dickicht
  Meine Tochter Lavinia ist die einzige gebürtige
  Kanadierin in der Familie. The real deal. The one
  and only. From coast to coast to coast gibt es
  keinen einzigen Grizzly, keinen Bieber, keinen Moose,
  keinen Ahorn und keinen Fluss, der so sehr kana-
  disch sei wie meine Lavinia. Als sie geboren wurde,
  wohnten "wir anderen" schon seit fast zehn Jahren
  in Toronto. Anno 1998 hatte es mich nämlich mit
  Frau und Kleinkind nach Kanada verschlagen...

  (
Vasile V. Poenaru, 19. 10. 2019)

...



(c) Marius Sumlea
  Ein Jugendtheater, das sehr erwachsene Fragen stellt
  Strategisch bestens platziert in unmittelbarer Nähe
  des historischen Stadtkerns, bietet das Jugendtheater
  Piatra Neamţ einen wichtigen Bezugspunkt für Besucher
  und Einheimische zugleich. Seit über sechzig Jahren ist
  es das Wahrzeichen der von beeindruckenden Bergen
  und Wäldern umgebenen Stadt im Osten Rumäniens.
 
Unter dem postkommunistischen Motto "Erfolg!" fand
  in der traditionsreichen Spielstätte vom 18. September
  bis 2. Oktober die 31. Auflage der
Piatra Neamţer
 
Festspiele statt. (Irina Wolf, 12. 10. 2019)



...

  "Wir dachten, den Sommer überleben wir nicht"
  Eines der weniger bekannten privaten Spielhäuser
  Bukarests ist das sogenannte "Unteatru", was sich
  schlicht mit 'Ein Theater' übersetzen lässt. Gegründet
  wurde es vor beinahe zehn Jahren von Andreea und
  Andrei Grosu. Beseelt vom starken Willen "das zu tun,
  was wir tun wollen", hat das Paar erfolgreich Krisen
  überstanden, dem berüchtigten rumänischen Behör-
  denirrsinn getrotzt und sich als feste kreative Größe
  in der freien Bukarester Theaterszene etabliert.
 
(Oltița Cîntec, 05. 10. 2019)


...
(c) Andrea Avezzu
  Liebe Scheitern Gott
  Auch heuer wurde in Venedig wieder groß aufgekocht,
  pardon: Theater gespielt. Der Vergleich zwischen Küche
  und Bühne liegt im Genussland Italien zwar immer nahe,
  für
Antonio Lattella, zum dritten Jahr in Folge künstler-
  ischer Leiter der Biennale, gibt es anlässlich des heuri-
  gen Mottos "Dritter Akt: Dramaturgien" hingegen eine
  spezielle Verbindung: "Die Hand des Kochs kann, meta-
  phorisch betrachtet, mit der eines Dramatikers vergli-
  chen werden, der beim Schreiben eines Theaterstücks
  seine Inspiration dosiert, bevor er sie der Öffentlichkeit
  serviert." Zur Erklärung:
Nachdem die beiden vorange-
  gangenen Treffen den Regisseuren und Schauspielern
  gewidmet waren, fand die heurige 47. Ausgabe
unter
  dem Generalthema "Dritter Akt: Dramaturgien" statt.
  Unter dieser Vorgabe wurden vom 22. Juli bis zum 5.
  August insgesamt 23 neue Stücke in 28 Inszenierun-

 
gen, darunter sechs Weltpremieren, gezeigt.
 
(Irina Wolf, 04. 09. 2019)



(c) Gerhard Breitwieser  Autoreifen + Schokolade = Politik!
  Ob es wohl einen Zusammenhang gibt zwischen Orgas-
  mus und Umweltschutz? Oder zwischen Selbstbefrie- 
  digung und Afrika? Tatsächlich lässt sich eine kausale
  Beziehung nicht nachweisen. Dennoch gelingt es Mar-
  tin Grubers neuester Inszenierung "Wie geht es weiter
  – die gelähmte Zivilgesellschaft", das scheinbar Gegen-
  sätzliche auf ebenso humorvolle wie kritische Weise zu
  verbinden. Gleichauf mit dem 30-jährigen Jubiläum des
  aktionstheater ensemble fand die Premiere zwischen
  dem 12. und 16. Juni im Meidlinger Werk-X statt.
 
(Irina Wolf, 03. 08. 2019)



  Turin in Festkleidung
  Vierundzwanzig Produktionen, einundsechzig Vorstel-
  lungen, davon acht Erstaufführungen, neunzehn Tage
  volles Programm. So zeigte sich heuer das Turiner Fes-
  tial delle Colline Torinesi
in seiner vierundzwanzigsten
  Auflage.
"Strömungen, Deklinationen der Reisen" laute-
  te das diesjährige Motto. Es gibt viele Gründe, wes-
  halb man das Festival besuchen sollte. Hier werden
  zehn davon vorgestellt, die vielleicht die Neugierde
  für die nächsten Jahre wecken werden.
  (Irina Wolf, 15. 07. 2019)
 


  Thirty years a zombie
  Diesen Brief hab ich Anfang Juni in "Area 51" gefun-
  den. Ich glaube natürlich kein Wort von dem, was
  drin steht, doch es ist meine patriotische Pflicht,
  diese sogenannte Dracula-Bulle zwecks ihrer ja
  hoffentlich bald zu erfolgenden wissenschaftlichen
  Widerlegung in den so wundersam kreativen Raum
  unserer Geschichtsschreibung zu stellen.

  (
Vasile V. Poenaru, 01. 07. 2019)

...

(c) Czinzel Laszlo  Vorgetäuschte Vergangenheitsbewältigung
  Verwanzen von Wohnungen und Folterung der Regime-
  gegner standen bei Dominik und Alex auf der Tages-
  ordnung. Die beiden waren Mitarbeiter des berüch-
  tigten Geheimdienstes Securitate und schreckten
  auch nicht davor zurück, schwangere Frauen zu ver-
  prügeln. Eine dieser Schwangeren brachte damals
  eine behinderte Tochter zur Welt: Liza. Durch einen
  Zufall tritt die junge Liza heute plötzlich in das Leben
  von Dominik und Alex − und verändert es auf grund-
  legende Weise. "Ich bereue nichts", ein Stück unter
  der Regie von Lendvai Zoltán, ist ein couragierter,
  emotional bewegender Versuch, über Gerechtigkeit
  zu reflektieren in einem Land, das noch immer an den
  Spätfolgen seiner kommunistischen Vergangenheit
  leidet.
(Irina Wolf, 02. 06. 2019)

...

  Unlogisch-philosophisches Traktat
  Herrschaften! Zeit zum Auftauen. Die Eiszeit hat’s jetzt
  auch schon hinter sich. Kein Frost mehr in österreichi- 
  schen Landen.
Es ist toll, wieder so richtig da zu sein.
  Auf allen vier Buchstaben. Da: innerhalb der Sprache,
  innerhalb des Seins und all der wundersam artikulierten
  Dinge, die nun mal dazu gehören. Denn, jetzt
mal Hand
  aufs Herz:
Es geht um die Sprache. Um meine Sprache.
  Um die volle Sprache und um nichts als die Sprache.

  (
Vasile V. Poenaru, 08. 05. 2019)

...

Thomas Perle, (c) Julia Grevenkamp  Der Urschrei der Freiheit
  "wir gingen weil alle gingen" – so heißt die erste
  Geschichte im gleichnamigen Band von Thomas Perle.
  Weihnachten 1989: Es ist die Zeit der Revolution in
  Rumänien, die Tage, in denen das Ceauşescu-Ehepaar
  entmachtet und hingerichtet wird. Wie gehen die
  Menschen mit der gewonnenen Freiheit um? Wie
  blicken sie auf das Leben während der kommunis-
  tischen Diktatur zurück?
(Irina Wolf, 15. 04. 2019)



  Lebensdokumentationen und Libertinage im Folk
  Crosby Tyler: perfekte Bläserarrangements und manch  
  markante Trompeten- und schwermütige Violinmelodie,
  ein Gespür für erstklassige Balladen; jeder Song ein
  Kleinod. Meiko: zuckersüß klingende Variationen frem-
  der Stücke, sparsam arrangiert; melodisch-schwere
  Bassmelodien und swingend-leichte Drums, sporadisch
  durchdrungen von fiepend-melancholischem Synthe-
  sizer. Lindi Ortega: Stilmischung aus Country, Folk,
  Rock, Jazz, Vaudeville, mit flatterhaften und tradi-
  tionalistischen Facetten.
(Tina Karolina Stauner,
   01. 04. 2019)



  Orientalische Impressionen: Syrien im Jahr 2006
 
Er hat mehrere Gläser an den Gürtel geschnallt. Am
  Rücken trägt er eine riesige orientalische Teekanne.
  Durch seinen roten Fez ist er schon von Weitem sicht-
  bar: der Teeverkäufer, eines der Markenzeichen von
  Damaskus. Sabah el noor: "Ich wünsche dir einen Mor-
  gen voller Licht, Schönheit und Blumen." Vor dreizehn
  Jahren, am 29. April 2006, war in Syrien die Welt noch
  in Ordnung.
(Irina Wolf, 09. 03. 2019)



  Diese Frauen setzen ein Zeichen!
  Gesellschaftskritische experimentelle Arbeiten sind
  das Spezialgebiet von Carmen Lidia Vidu. Die bekannte
  rumänische Regisseurin hat 2016 ein Dokumentar-
  Theaterprojekt namens Tagebuch Rumänien ins Leben
  gerufen, in dem sie mit viel Engagement und Wahr-
  heitsliebe über ihre Heimat berichtet, einem Land, das
  noch immer geprägt ist von ethnischen Spannungen,
  Korruption, politischen Machtkämpfen und vielfältigen
  sozialen Problemen.
(Irina Wolf, 07. 02. 2019)

 

(c) Daniel Danciu, www.akademikerverlag.de  Die mediale Blendung der rumänischen Wendung
  Die im August 2018 zur Schau getragene Zerrissenheit
  der rumänischen Gesellschaft, die repressive "state of
  mind" der Ordnungskräfte, die tiefgreifende moralische
  Unbeholfenheit, das ist alles auf die in den letzten drei
  Jahrzehnten
trotz aller demokratischen Bestrebungen
  eines Teils der Gesellschaft
nicht zur Reife gekom-
  mene Wende zurückzuführen. Schuld daran ist die
  Große Lüge der glorreichen Revolution, ja die Annah-
  me, dass überhaupt eine glorreiche Revolution statt-
  gefunden habe bzw. dass diese siegreich gewesen sei.
  (Vasile V. Poenaru, 23. 01. 2019)

 

  Rumänische Geschichte im Kleinformat
  Ein Land, vorgestellt als die Summe seiner Menschen:
  Unter dem Motto "Geschichte in Kleinschreibung" ge-
  staltete Cristina Modreanu die Landkarte Rumäniens
  neu. Das von ihr kuratierte Festival "Oh Europa" prä-
  sentierte anlässlich des hundertsten Jubiläums des

 
modernen rumänischen Staates Geschichten einfa-
  cher Bürger, die auf wahren Schicksalen verschie-
  dener Minderheiten oder Ethnien basieren.
 
(Irina Wolf, 12. 01. 2019)

 

  Hundert neue Welten entdecken
  Auf dem Bukarester Nationaltheaterfestival durfte
  man zuletzt wieder grandioses Theater in geballter
  Form erleben: Tanzaufführungen, Bühnenstücke,
  Konferenzen, Buchpräsentationen, Filmvorführungen,
  Konzerte, eine Fotoausstellung Brigitte Lacombes,
  eine Meisterklasse Gabriela Carrizos. Das sind nur
  einige Beispiele aus dem Fundus jener insgesamt
  hundert Veranstaltungen, die vom 19. bis 29. Oktober
  zum Anlass des 100. Jahrestages der Gründung des
  modernen rumänischen Staates dargeboten wurden.
 
(Irina Wolf, 13. 12. 2018)



  Österreich wider Bayern: Ein Bruderzwist um Salzburg
  Das Schöne hamma in uns. Und um uns herum. Und
  über uns. Es ist der gesamtösterreichische Geist, in
  dem die deutsche Seele ihren tieferen, europäischen
  Grund findet, was übrigens auch meinem zum Bayer
  mutierten Bruder voll und ganz einleuchtet. Denn
  schließlich kommt es nicht von ungefähr, dass das
  deutsche Nationalepos von einem Österreicher ver-
  fasst wurde. Ganz nebenbei: Schon im meines Erach-
  tens sehr gut gelungenen Nibelungenlied heißt es,
  dass die Bayern ausgesprochene Haberer gewesen
  seien, mehr noch, Wegelagerer, ja, Räuber und
  Banditen... (
Vasile V. Poenaru, 01. 12. 2018)
 

...
  Tiefe Einblicke ins Gestern und Heute
 
A
m 1. Dezember 2018 feierte Rumänien das hundert-
  jährige Bestehen des modernen rumänischen Staates.
  Ein historisches Ereignis. Mihai Măniuţiu, Direktor des
  Klausenburger Nationaltheaters und dessen künstler-
  ische Leiterin Ştefana Pop-Curşeu nahmen dies zum
  Anlass, der achten Ausgabe des Klausenburger Tref-
  fens das Motto "Visionen" voranzustellen. Hierzu fan-
  den zeitgenössische Theaterstücke sowie Jahrhun-
  derte alte Meisterwerke der rumänischen Literatur
  wie das Roma-Epos Die Ţiganiada oder die Legende
  vom Meister Manole ihren Weg auf die Bühne.
 
(Irina Wolf, 23. 11. 2018)

 

  Katzen, Clowns und ein Schäfchen namens Mioriţa
  Eigentlich bietet sich ein Aufenthalt in Iaşi zur Erkun-
  dung der kulturträchtigen Stadt an. Viele histori-
  sche Gebäude laden zum Staunen ein. Das abwechs-
  lungsreiche, vielfältige Programm des Internationalen
  Theaterfestivals für ein junges Publikum (FITPT)
  lässt dies aber kaum zu!
(Irina Wolf, 07. 11. 2018)
 

...

  Ambientexperimente von Musikergenerationen
  Surma: Detailverliebte, verspielte Soundbastlerin in
  einer Pop-Sphäre, in der sich ältere Gestalten wie
  Joanna Newsom und Björk tummeln. Lisa Nordström:

  Elektronische Klänge in verlassenen Ballsälen, Straßen-
  unterführungen und düsteren Gassen. Akustische Stim-
  mungen, musikalische Fantasien, klangliche Bilder, selt-
  same Laute. Musik ohne Worte. Rebecka Törnqvist:
  Meisterin im Erschaffen bizarrer Songgebilde und thea-
  tralischer Szenen. Jazz, Folk, Pop und Rock verschach-
  teln sich in ihren Liedern zu einer akustischen Einheit,
  exotische Blüten im Grenzbereich von Pop und Jazz.

  (Tina Karolina Stauner, 20. 10. 2018)



  Iran Land der vielen Gesichter
  Nur dreihundert Kilometer westlich von Teheran ent-
  fernt, wirkt Hamadan im Vergleich zu der von Abgasen
  geplagten Hauptstadt wie eine grüne Oase. Schon bei
  der Einfahrt in die zu Füßen des Zagros-Gebirges gele-
  gene Ortschaft wird deutlich, dass ich mich in einem
  Skiort befinde. Im Zentrum liegt eine sorgfältig gepfl-
  egte Grünanlage, üppig mit Turngeräten ausgestattet.
  Darauf üben sich in Tschador gehüllte Frauen in sport-
  lichen Aktivitäten. Sie sind zu sehr in ihre Bewegungen
  vertieft, um unserer Reisegruppe Aufmerksamkeit zu
  schenken. Im Gegensatz dazu werden wir auf dem
  Hauptplatz von einer Schulgruppe wortwörtlich über-
  fallen. Kreischend stürzen sich die sechsunddreißig
  Mädchen in rosafarbenen Schuluniformen auf uns ...
 
(Irina Wolf, 11. 10. 2018)



  Königliche Hoheit aus aktuellem Anlass
  Vorweg eine gute Nachricht: Vorgestern hat mich ein
  Nachbar from the old country (also ein Austrian) an-
  gerufen und mir im Schwung des schönen Augenblicks
  mitgeteilt, dass ich soeben zum König gewählt wurde;
  und zwar von ihm selbst. Und wenn der Nachbar sagt,
  ich bin jetzt König, dann bin ich jetzt König. Mit oder
  ohne Krone. Das heißt … Right on! Ich brauch ‘ne
  Krone!
(Vasile V. Poenaru, 01. 09. 2018)



courtesy Biennale di Venezia, Giulio Mazzi
  Von Gespenstern und Löwen
  Im Becken von San Marco herrscht ein ständiges
  Treiben: Vaporettos legen an, Frachtboote entladen
  ihre Waren, Gondolieri fahren Touristen auf dem Canal
  Grande. Links der Blick über die Insel San Giorgio
  Maggiore, rechts über die imposante Basilika Santa
  Maria della Salute. Umrahmt von prachtvollen Gebäu-
  den wie diesen fand hier vom 20. Juli bis zum 5. August
  die 46. Ausgabe der Venediger Theaterbiennale statt.
  Vorgestellt wurden mehr als dreißig Produktionen,
  darunter sechs Weltpremieren.
(Irina Wolf,
  20. 08. 2018)



  Auf zur fröhlichen Männerzerstörung!
  In Martin Grubers neuester Produktion, die vom 13.
  bis 17. Juni im Wiener Kosmos Theater gezeigt wurde,
  dreht sich alles um die Klischees und Rollenbilder des  
  modernen Mannes. Humorvoll und polarisierend zugleich
  begibt sich der Regisseur zusammen mit seinen Akteu-
  ren auf die Suche nach einem neuen Männerbild
  zwischen Unterhosen, Bärten und Pompons.
 
(Irina Wolf, 01. 08. 2018)



  Ruckzuck-Ermittlung: Komödie der Großartigkeit
  Die Handlung dieser überaus noblen Komödie der Groß-
  artigkeit ist natürlich in einer großartigen Großstadt
  angesiedelt. Es geht darum, eine im Rahmen der Initia-
  tive "Ordentliche Ordnungshüter" begangene Polizei-
  straftat systemintern ins Reine zu bringen. Leider
  wurde der Täter von einem den Ordnungshütern offen-
  sichtlich böse gesinnten Augenzeugen gefilmt. Die
  Medien schalten ein. Die Affäre dringt bis zum Innen-
  senator. Das Department steht unter Druck. Die
  Ermittlung nimmt ihren Lauf...
(Vasile V. Poenaru,
  11. 07. 2018)



  In Memoriam Dieter Schnebel
  Für den im Mai 2018 verstorbenen Musiker, Kultur-
  geschichtsforscher und Theologen Dieter Schnebel
  erwuchs aus Tradition auch futuristische Perspektive,
  mit wissenschaftlichen Experimenten und Versuchs-
  anordnungen, avantgardistischen Musikperformances
  und Worten als philosophische Tiefendimension. Er
  war Nachkriegsavantgarde und experimentelle Vokal-
  musik gehörte ebenso zu seinem Oeuvre wie Sakral-
  musik und Oper.
(Tina Karolina Stauner, 25. 06. 2018)



  Mark Zuckerberg und die Empfindsamkeit der Dinge
  Hunderttausende Kanadier sind unmittelbar vom Face-
  book-Skandal betroffen. Das liegt im Wesen der Dinge,
  die nun schon seit geraumer Zeit aus den Untiefen des
  Internets ans Tageslicht kriechen. Wenn's um Digitali-
  sierung geht, ist uns kein Wolkenkratzer, keine Chef-
  etage und kein Himmel zu hoch. Alles, was wir wahr-
  haben wollen, wird wahr. Der Seppel entlarvt sich als
  erstklassiger Business Manager und der Kasperl ist ein
  Chief Executive Officer mit Weltenblick und Krawatte.
  (Vasile V. Poenaru, 23. 05. 2018)



  Spiel, Spaß und jede Menge Arschlöcher

  Swing. Dance to the right heißt die neue Produktion
  des Theatermachers und Gründers des aktionstheater
  ensemble, Martin Gruber. Sie ist laut eigener Aussage
  die "Einlösung eines Versprechens", im Falle eines
  Rechtsrucks in Österreich "etwas Unterhaltsames auf
  die Bühne zu bringen".
(Irina Wolf, 14. 04. 2018)
 


(c) wearecanadians.wordpress.com  Reale Traumgestalten am Ontariosee
  Zwei kaiserliche Kraftkerle in der kanadischen Wildnis:
 
Karl-Markus und Stelică, das sind hartgesottene Krie-
  ger. Das sind echt ritterliche Figuren. Wie aus dem Bil-
  derbuch rausgeschnitten. Wie es in jenen Zeiten, als
  es noch Helden gab, gang und gäbe war. Wenn sie
  sich auf die Streitrosse schwingen
, bricht der Asphalt
  unter ihnen, und zwar bis Mississauga. Das nenn' ich
  einen Umbruch! Oder einen Aufbruch. Aber jedenfalls
  keinen Bruch mit der Tradition. Wenn sie das Kriegsbeil
  schwingen, laufen alle Feinde davon, und wenn sie die
  Friedenspfeife rauchen, verdunkelt sich der Himmel ob
  ihrer Rauchgewalt ...
(Vasile V. Poenaru, 18. 03. 2018)



  Überall Extreme

  Erst ein riesiges Buch und dann ein kleines, ein häss-
  liches und dann wieder ein schönes, ein weißes und ein
  schwarzes, das Buch des Lebens und das des Todes,
  das des Kommunismus und jenes des Faschismus: Mit
  solch entgegengesetzten Titeln lockte die im ersten
  Stock des Klausenburger Nationaltheaters gezeigte
  Ausstellung die Besucher des Internationalen Treffens,
  das im vergangenen Oktober in der Hauptstadt
  Siebenbürgens stattfand.
(Irina Wolf, 17. 02. 2018)



  Hundertmal Rumänien: Eine spielfreudige Identitätssuche

  Klein, aber fein: So präsentierte sich die Internationale
  Bukarester Theaterplattform, die im Oktober 2017 in
  Rumäniens Hauptstadt stattfand. Die vor vier Jahren
  von der Theaterkritikerin Cristina Modreanu ins Leben
  gerufenen Festspiele hinterfragten das europäische
  Konzept der Toleranz und Demokratie und untersuchten
  gleichzeitig die Position des osteuropäischen Landes
  auf der kulturellen Karte unseres Kontinents.

  (Irina Wolf
, 17. 01. 2018)



(c) Adi Bulboaca
  Mit Theater die Welt verändern

  Über fünfzig nationale Produktionen, drei internationale
  Gastspiele, fünfundzwanzig Buchpräsentationen, Work-
  shops, Filmvorführungen, zahlreiche Konferenzen und
  Debatten, sechs Ausstellungen, dreiundvierzig Hör-
  spiele. Eine kaum überschaubare Lawine von Veran-
  staltungen! So bunt präsentierte sich die 27. Ausgabe
  des Nationaltheaterfestivals, welche vom 20. bis
  zum 30. Oktober in Bukarest stattfand.
 
(Irina Wolf, 15. 12. 2017)



  Zehn Jahre buntes Treiben: Junges Theater in Ia
şi
  Vom 5. bis 10. Oktober verwandelte sich das rumän-
  ische Iaşi in eine Hochburg theatralen Geschehens,
  das nicht nur auf kleinen und großen Bühnen der Stadt
 
im äußersten Osten des Landes, sondern gleicherma-
  ßen in Einkaufszentren wie auch auf Straßen und  
  Plätzen stattfand. Vielfältig und abwechslungsreich
  präsentierte sich das unter dem Motto "Horizonte“
  zusammengestellte Programm des Internationalen
  Theaterfestivals für ein junges Publikum.
 
 
(Irina Wolf, 23. 11. 2017)



  Riesenschildkröten auf der Lipscani-Straße!

  Seit 2009 findet in Bukarest jeden Sommer ein
  internationales Straßentheater-Festival statt.
  Dieses Jahr machten sich Truppen aus Frankreich,
  Kolumbien, Italien, Deutschland, aus den Niederlanden,
  aus Österreich, Spanien und Rumänien in der
  rumänischen Hauptstadt breit. Zahlreiche Veran-
  staltungen bescherten dem walachischen Hoch-
  sommer einen gemütlich und ansprechend inszen-
  ierten Mehrwert an Charme, an Bildhaftigkeit,
  an bewegter wie bewegender Emotion.
 
(Vasile V. Poenaru, 05. 10. 2017)



  Kultureller Brückenschlag in Temeswar
  Seit genau zehn Jahren nun bemüht sich das Temes-
  warer Euroregionale Theaterfestival (TESZT), die
  Zusammenarbeit zwischen den Spielstätten in den
  angrenzenden Donauländern zu intensivieren. Dass
  diesem Ansinnen auch heuer wieder voll entsprochen
  wurde, davon zeugen das hohe Zuschauerinteresse
  sowie eine breite Palette innovativer und einfühlsamer
  Theater- und Tanzproduktionen von internationalem
  Zuschnitt.
(Irina Wolf, 07. 08. 2017)

 

  Frauen im Mittelpunkt
  In bester Spiellaune zeigte sich auch heuer wieder
  das Turiner Festival delle Colline Torinesi in seiner
  schon zweiundzwanzigsten Auflage. Ob Regisseurinnen,
  Schauspielerinnen oder Autorinnen: Es waren vor allem
  die Frauen, die in den vergangenen drei Wochen im Juni
  zur Hochform aufliefen, sei es in Form beeindruckender
  Darstellungskunst, durch originelle Ideen bei der Insze-
  nierung, nicht zuletzt aber auch durch ein allgemeines
  Gespür für aktuelle soziale oder historisch brisante
  Themen.
(Irina Wolf, 05. 07. 2017)



  Show me the money!

  Tellerrand-G’schichten zu den großen Themen Sein,
  Nichtsein, Geld und Sehnsucht allesamt in ihrer
  unheimlichen historischen Geworfenheit erfasst: Über
  Karl-Markus Gauß’ neues Buch "Zwanzig Lewa oder
  tot".
(Vasile V. Poenaru, 21. 06. 2016)

 

(c) Adrian Bulbuoaca  In revolutionärer Mission
  Die freie Szene in Rumäniens Hauptstadt hat seit
  November 2016 eine neue, geradezu genial zentral
  gelegene Spielstätte
das Apollo111. Es bietet mit
  seinem großen Kellersaal den Aufführungen der freien
  Szene ausreichend Platz, will aber zugleich noch mehr
  sein: Mit einer angeschlossenen Bar, einem Raum für
  Konzerte oder einer Bibliothek, vor allem aber mit
  seinem innovativen Konzept entsteht im Herzen
  Bukarests ein neuer bemerkenswerter
Ort der Begeg-
  nung und der Experimente.
(Irina Wolf, 04. 05. 2017)

 

  Land der extremen Gegensätze
  Alles scheint sich hier auf dem staubigen Gehsteig
  abzuspielen. Berge von Plastikmüll liegen dicht neben
  reich beladenen Obst- und Gemüsewagen.
Motorrad
  fahrende Affen treffen auf gemächlich dahintrottende
  Dromedare. Jahrhunderte alte Bauwerke und Dörfer, in
  denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint,
  wechseln sich ab mit lärmendem Verkehr und dem
  wuselnden Treiben der Märkte. Und dazwischen: Ein
  klimatisierter Bus und darin eine Glaswand, die säuber-
  lich die
Touristen von den einheimischen Fahrern
  trennt. Mit einem Wort: Willkommen in Indien!

  (Irina Wolf, 17. 03. 2017)



 
Österreichische Essayistik und EU-Traumpolitik
  Robert Menasse beschwört in seinem anregenden
  Essay "Der eindimensionale Europäer", anhand dessen
  er seine Mitmenschen dazu bewegen will, mit wach-
  samem Blick in die Zukunft zu schauen, die produktive
  Phantasie des Träumers, die volle Kreativität, die der
  Kontinent aufbringen kann. Auch Karl-Markus Gauß
  zeigt sich als versierter, Fragen stellender Europäer,
  der sein Erdteil lieb hat, wenn man so sagen darf.
  Denn Gauß ist ein Österreicher, der dem Selbsthass
  wie dem Fremdenhass kategorisch entsagt.
 
(Vasile V. Poenaru, 01. 02. 2017).


..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Schwerpunkt
Science Fiction

...

...
Ist die Science Fiction
in der Krise? Ja, meinen
ihre Kritiker! Denn viele
der Probleme, mit denen
sich die SF beschäftigt
- Entwürfe von Über-
menschen, das Schicksal
ganzer Zivilisationen, der
Kontakt mit außerirdi-
schen denkenden Wesen
- müssten auf ganz außer-
gewöhnliche Weise darge-
stellt werden. Der "außer-
menschliche", "über-
irdische" Blick auf die
Menschheit wäre gefragt.
Doch daran scheitern
die meisten SF-Autoren.
Stattdessen überfluten
"sharecropping"-Produkte
den Markt, Masse kommt
vor Qualität ...
 

 


Schwerpunkt
Rumänisches Theater


...
Wollte man in den
1980er Jahren in Rumä-
nien ins Theater gehen,
musste man
damit rech-
nen,
keine Eintrittskarte
mehr zu bekommen. Trotz
winterlicher Temperatur-
verhältnisse im Zuschau-
erraum waren sämtliche
Aufführungen ausverkauft.
Nach dem Umsturz von
1989 war das Theater
wie gelähmt. Fast zwan-
zig Jahre danach ist auf
den rumänischen Bühnen
wieder Leben eingekehrt:
innovativ und provokativ
versucht eine junge Garde
von Theatermachern,
 wieder Menschen in die
Bühnenhäuser zu locken.
(
Noul proiect al revistei
Aurora
incearca sa schi-
teze o imagine a teatrului
romanesc contemporan.)
 

 


Buchtipps


Irina Wolf (Hg.)
Machtspiele.
Neue Theaterstücke
aus Rumänien
.
Theater der Zeit,
2015. 350 S.


Teresa Präauer.
Johnny und Jean.
Wallstein, 2014.
208 S.

 

Uwe Tellkamp.
Turnul.
(Übersetzung:
Vasile V. Poenaru).
Curtea Veche,
2013. 838 S.


       

 

Impressum: Aurora-Magazin (ISSN: 1994-9545), Mayerlehen 13a, 5201 Seekirchen. E-Mail: redakt.aurora [at] aon.at

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