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"Das ist alles nur mehr Kosten-Nutzen-Rechnung"
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Der Strukturwandel von der bäuerlichen zur industriellen Landwirtschaft, den ein
Großteil der Medien, Politiker und Wissenschaftler, aber auch viele Landwirte als
"unausweichlich" betrachten, fordert seinen Preis: gesunde Tiere, Pflanzen
und Böden; alte Kulturlandschaften; Bauernhöfe, auf denen sich Tiere aller
Arten tummeln usf. Dazu kommt viel menschliches Leid.

Ein kommentiertes Interview von
Veronika Bennholdt-Thomsen


     Ein Ende ist nicht abzusehen: Wie folgendes Beispiel aus Nordrhein-Westfalen zeigt, wo man in der "Umstrukturierung" schon einen Schritt weiter ist als etwa in Salzburg, kann mittlerweile selbst ein Betrieb mit 60 Hektar besten Ackerbodens und 2000 Mastschweinen nicht mehr leistungsfähig genug, nicht mehr "konkurrenzfähig" genug sein.

Johannes F. und seine Tante lernte ich während der Vorbereitungen zum Erntedankmarkt kennen. Wir kamen ins Gespräch. Johannes F. äußerte sich besorgt über die prekäre wirtschaftliche Lage seines Hofes. Ich bat um ein Interview. Schon 2 Tage später wurde ich dazu eingeladen.

Johannes F. ist 35 Jahre alt. Er hat den Hof vor 7 Jahren von seiner Tante überschrieben bekommen, nachdem der Onkel verstorben war. Das Ehepaar hatte selbst keine Kinder und Johannes war schon lange als Nachfolger ausersehen worden. Deshalb hat er auch Agrarwissenschaft studiert und danach auf dem Hof mitgearbeitet. Als ich um das Interview bat, ging es mir vor allem darum, zu verstehen, wieso ein landwirtschaftlicher Betrieb mit über 60 Hektar besten Bodens am Rande des Ruins stehen könnte, so wie Johannes es mir bei unserem ersten Zusammentreffen geschildert hatte.

Auf einer vordergründigen, sogenannten wirtschaftlichen Ebene war/ist das nicht schwer zu verstehen. Der Hof war vor 4 Jahren auf reine Schweinemast mit 2000 Liegeplätzen umgestellt worden. Zum Zeitpunkt des Interviews ist nur die Hälfte der Plätze belegt.

Johannes: Wir haben letztes Jahr einen ziemlichen Schlag vor den Bug gekriegt, weil wir Schweine verkauft haben und Ferkel und Futter nicht rausgekriegt haben. Das heißt, wir haben bei dem Durchgang noch was beigelegt und das hat uns in der Hinsicht zurückgeworfen, dass wir auf der Stelle getreten sind. Das letzte Jahr war genau genommen ein verlorenes Jahr. Wir haben beim Betrieb des Stalles Geld verloren letztes Jahr.

Tante: Das hängt uns immer noch so nach. Wir haben den Stall jetzt nicht voll gemacht, weil ich immer sage, Johannes, noch mal sowas, das können wir uns nicht erlauben. Das geht nicht, es muss wenigstens sicher sein, dass über 2 Mark gezahlt werden.

Johannes: :... bei einem Preis von 1, 30 fürs Kilo haben wir so gut 130 Mark pro Schwein gekriegt, Ferkel und Futter haben 150 bis 160 Mark gekostet. Also, bei jedem Schwein, das wir rausgeschmissen haben, wussten wir genau, 20 Mark haben wir an den Schwanz gebunden, die marschieren mit.

Auf dem Acker werden nur mehr Weizen, Gerste und Raps angebaut. Die Fütterung der Schweine wird per Computer gesteuert, Misten entfällt, da sie auf Güllerosten stehen. Mit anderen Worten, dieser Betrieb kann von dem jungen Mann alleine geführt werden und er muß sich dabei nicht überarbeiten. Er muss auch nur für sich allein daraus das Einkommen erwirtschaften, weil er keine Familie hat und seine Tante als Verwaltungsbeamtin arbeitet. Sie hilft ihm aus, sowohl bei der Handhabung der Fütterung, wenn er ausgeht oder Ferien macht. Dazu mit Geld. Ohne ihre Zuschüsse hätte er den Hof schon schließen müssen. Der Grund: Die Schweinepreise sind seit 2 Jahren so niedrig, (Das Bezugsjahr ist 1999.) dass Johannes kaum die reinen Kosten erlösen kann. Aber er muss nach wie vor die Kredite bedienen, die er für den Bau des Stalls aufgenommen hatte, dazu muss er monatlich 1500 DM an Versicherungsgeldern aufbringen und er muss die Abschreibung seiner Maschinen im Auge behalten. Kein Wunder also, dass er am Rande des Ruins steht.

Ist das nicht eine sehr enge Fruchtfolge?

Johannes: Ja gut, also Gerste, Raps, Weizen.

Kann man das technisch?

Johannes: Es gibt hier in der Gegend Landwirte, die seit 20 Jahren Weizen nach Weizen haben. Das geht, das ist technisch und auch vom Pflanzenschutz her machbar.

Technisch heißt, dass man das entsprechend düngt?

Johannes: Nein, nicht unbedingt, sondern das heißt, von der Bodenbearbeitung her. Also, es muss grundsätzlich das Stroh runtergefahren werden, damit zumindest schon mal ein Infektionsrisiko über die Pilze weg ist, weil die Hauptschädlinge, die die Pflanzen nieder machen, das sind Pilze. Es gibt einige Bauern, die jedes dritte Jahr das komplette Stroh anzünden, damit der Boden hier wieder eine gewisse Gesundung bekommt über die Hitzeeinwirkung. Ist nicht so korrekt, aber es klappt. Einer meiner Nachbarn sagt, seine Erträge liegen, wenn er das mit anderen Flächen vergleichen würde, gar nicht mal so schlecht. Also er hätte eine bessere Wertschöpfung, als wenn er jetzt Gerste anbauen würde. Das ist alles ein Rechenexempel, es geht. Das ist nicht unbedingt das Problem. Es gibt heute hervorragende Pflanzenschutzmittel, um eben halt Pilzkrankheiten, die sich eben halt durch Monokultur bedingen oder gefördert werden, in Schach zu halten. Das geht.

Sie haben zwei große Ställe, dann haben Sie den Stall mit Lüftungscomputer ausgestattet und wahrscheinlich haben Sie auch eine ziemlich große Fütterungsanlage. Haben Sie auch eine automatische?

Johannes: Ja.

Ja klar. Wer macht das denn? Sie machen das alleine praktisch?

Johannes: Ja. Wenn ich hier bin, sonst müssen die anderen die Knöpfchen drücken.

Tante: Das ist ja keine Arbeit. Das schwere Arbeiten, das kommt, wenn verkauft wird und wenn der Stall sauber gemacht und desinfiziert werden muss.

Johannes: Das ist zum Abgewöhnen. Man kann’s zwar auch sauber machen lassen, aber das ist ein sehr teures Vergnügen. Also ich sitze ungefähr acht Stunden im Stall, wenn ich ein Abteil sauber mache. Ununterbrochen. Ja, das ist dann nur sauber machen, spritzen mit Motor dran.

Tante: Dann ist der Stall wieder so sauber, wie er gewesen ist, als er gebaut wurde.

Wir haben in dem Interviewgespräch auch versucht, gemeinsam zu ergründen, wieso ein Hof dieser Größe, ein Hof, der früher eine erweiterte Familie ernährt hat und der zu den reichen Höfen gehörte, heute so schlecht dastehen kann. Was ist passiert, welche Stationen an wirtschaftlichen Entscheidungen hat der Hof durchlaufen, um da zu landen, wo er heute ist? Auch das war nicht so schwer zu beantworten: Es war die zunehmende Industrialisierung und Monokulturisierung, die den Hintergrund der zu diesem Zeitpunkt empfundenen Auswegslosigkeit bildet. (Bereits Anfang des Jahres 2000 "erholen" sich die Schweinepreise und die Gefahr der Insolvenz des Hofes ist gebannt.) Schwierig wurde es bei der Frage, welch anderer Weg offen gestanden hätte bzw. jetzt gangbar wäre. Beide, Tante und Neffe waren der Überzeugung, dass es nur diesen einen einzigen Weg geben konnte und kann. Sie zeigten sich als überzeugte Verfechter dieser Art von ökonomischer Rationalität, eine Überzeugung, die getragen wurde vom Glauben an den Fortschritt, ja sogar von so etwas wie einer Verpflichtung des Bauern, die Entwicklung der Landwirtschaft, d.h. die Steigerung der Produktion und der Stückzahlen voranzutreiben. Außerdem waren sie davon überzeugt, dass ihnen bislang und in Zukunft nichts anderes übrigbleiben würde, als solchermaßen industrie-betriebswirtschaftlich zu entscheiden und zu kalkulieren. Das seien einfach Zwangsverhältnisse, die der Markt diktieren würde.

Tante: Ja, als mein Mann und ich geheiratet haben, hatten wir, außer dem Gutshof hier, den größten Hof im Dorf.

Johannes: Aber inzwischen gibt es schon drei oder vier größere Höfe, also da sind wir gutes Mittelfeld, kann man sagen. Grundsätzlich gibt es fast nur noch Spezialisten. Genau genommen lief es bei vielen Betrieben schon in den 70er Jahren auf bestimmte Betriebszweige hinaus. Also wer ein bisschen helle war, der wusste genau, wo der Zug hingeht.

Ja, es fragt sich, wie helle man war? Also wenn man sich doch jetzt vom Ergebnis her ...

Johannes: Es sind vielleicht falsche Entscheidungen bei der Ausrüstung der Ställe und beim Bau gemacht worden. Aber die grundsätzlichen Entscheidungen sind in den 70er Jahren gelaufen, weil da abzusehen war, wenn die Schweine schlechter am Preis sind, sind Bullen auch schlechter am Preis. Und das hat einander immer so ein bisschen bedingt. Oder dass man sagte, Milchkühe. Als die Milchquote eingeführt worden ist, war es klar, es gibt Milchviehhalter, es gibt Schweinehalter und es gibt Bullenhalter. Dann war das auf jeden Fall besiegelt, weil es keinen Wechsel innerhalb der einzelnen Betriebszweige mehr gegeben hat, weil die Investitionskosten in der Milchquote zu hoch waren.

Ich ließ nicht locker: Es müsse doch einen anderen Weg geben. Wo bitte blieben jahrhundertealte Erfahrung und die kreative Phantasie des Bauern, der anpassungsfähig mit Natur umzugehen gelernt habe. Nun, meinte der junge Mann, er habe schon ein paar Ideen, aber die wären idyllisch und nicht realistisch. Selbstredend wollte ich die Idylle hören. Sie lautete: Ein Stall, bei dem er jedem Tier das Futter selbst vorlegen könnte, so wie er es noch in der Bullenmast bei seinem Onkel kennengelernt hatte. (Dass Johannes F. ausgerechnet die Bullenmast als positive Erfahrung nennt, macht sein Gefühl, er würde einer "Idylle" anhängen, wenn er alternative Vorstellungen äußert, vollends unverständlich. Schließlich ist die Bullenmast eine höchst "fortschrittliche" Form der Tierzucht. Johannes F.s Beispiel für eine idylllische Vorstellung offenbart meines Erachtens vielmehr, wie übermächtig das Denkverbot sein muss, das er oder seine Tante (?) oder wer auch immer verhängt hat, über Alternativen zur bestehenden Wirtschaftsweise nachzudenken.) Eine Tierhaltung, bei der er jedes Tier kennen würde und wüsste, in welchem Zustand es ist, wenn es vom Hof geholt würde. Und schließlich eine Haltungsform, bei der er auch mal auf einem Bund Stroh bei den Tieren sitzen und sie beobachten könnte. An diesem Punkt angelangt, war es zu Ende mit seiner Fassung. Hatten bislang nur seine Lippen gezittert, so brach er nun in lautes Schluchzen aus. Da brach der Damm auch bei der Tante: Es sei so schrecklich, alles ginge nur nach der ökonomischen Rationalität; diese Art von Landwirtschaft mache keinen Sinn, dieses Wirtschaften sei so sinnlos.

Gefühle brachen sich Bahn. Werte, die dem menschlichen Tun einen Sinn geben, verlangten ihr Recht. Die Erinnerung an einen würdigeren Umgang mit den Tieren schob sich in den Vordergrund. Die Vorstellung von einem alltäglichen wirtschaftlichen Handeln, das in einem lebendigen Zusammenhang steht, gewann die Oberhand gegenüber einem mühselig und zwanghaft verteidigten, nur finanziellen Kalkül.

Tante: Wir haben ja Bullen gemacht, in den Jahren, nachdem die Kühe abgeschafft worden sind, hatten wir an sich immer so 80 Bullen im Stall. Und das ist auch die ganzen Jahre so geblieben, bis dass der erste Mastschweinestall gebaut wurde, da haben wir dann abgespeckt und immer mehr die Bullen zurückgefahren. Johannes: 1994 haben wir den letzten Bullen verkauft.

Tante: Und man kann nicht Schweine und Bullen.

Johannes: Das passt nicht, das beißt sich.

Tante: Das ist auch von der Hygiene her nicht möglich.

Johannes: Ja gut, man muss natürlich auch eins sehen: Das was wir an Bullen noch an Bestand hatten, das war vom Arbeitsaufwand nicht mehr gerechtfertigt. Es rechnet sich bei Mastbullen nicht unter 150 Tieren. Da braucht man gar nicht zu überlegen.

Es gab halt Bauernhöfe, heute ist es ein Industriebetrieb.

Tante: Es ist ein Industriebetrieb.

Johannes: So ganz stehen lassen will ich’s nicht. Es ist eigentlich immer noch ein bäuerlicher Betrieb. Wir haben mit Tieren zu tun, wir haben mit dem Wetter zu tun, wir haben mit Boden zu tun, wir haben mit Pflanzen zu tun. Aber irgendwo werden Größenordnungen erreicht, wo ich sagen muss, das passt mir persönlich nicht mehr. Weil das hat an sich nichts mehr mit dem zu tun, was ich mir eigentlich unter dem, wie ich leben will, vorstelle. Die Frage, was macht mein Nachfolger, der den Grund und Boden bewirtschaftet? Wird er das nicht wirklich absolut als Industriebetrieb betrachten? Dann aber Gnade denen, die eben halt jene Produkte bekommen, weil der wird auf jeden Fall gnadenloser wirtschaften, eindeutig. Der wird wirklich das allerletzte rausholen. Ich mache es immer noch so, na gut, lassen wir mal zehne gerade sein. Da brauche ich nicht mehr drüber fahren, wenn es wirklich Unkraut ist, halb so wild.

Wie müßte eine Landwirtschaft aussehen, die in Ihrem Sinne ist?

Johannes: Dafür habe ich einfach zu idyllische Vorstellungen. Ich glaube, es lässt sich nicht unbedingt sagen, dass es eine alternative Wirtschaftsweise wäre. Da kann ich mich nicht mit anfreunden. Es ist so ungefähr ein bisschen in dieser Richtung, wie man es sozusagen als Kind erlebt hat. – Zu dieser Bewirtschaftungsform kann man aber eigentlich nicht wieder zurück.

Aber trotzdem wüsste ich gern, also die idyllische Vorstellung, wie Sie sich das vorstellen können, wie landwirtschaftliches Wirtschaften dann wäre?

Johannes: Ja gut, das waren hier eben Mastbullen auf Stroh. Gut, das ist eine Sache, das passt einfach nicht mehr in die heutige Landwirtschaft, dass ich mit der Schubkarre zum Silo fahre, mir das Futter für jedes Tier einzeln reinhole, da mein selbst gemahlenes Getreide drüberschütte und nachher die Tiere auf den Wagen des Händlers jage und genau weiß, das Tier, das habe ich betreut und das habe ich groß gezogen. Das würde ich mir wünschen, so ein bisschen das persönliche Begleiten der Tiere.(Weint) Und das wird nicht wiederkommen, das ist weg. Da brauchen wir uns keine Gedanken machen.

Ja, das ist richtig, dass es weg ist.

Tante: Ja, und es tut uns weh. Aber lässt es sich irgendwie zurückdrehen?

Johannes: Das halte ich für ausgeschlossen.

Tante: Denn auch die alternative Landwirtschaft ist ja mit soviel mehr Arbeit verbunden, und der Absatzmarkt dafür ist ja auch nur ein begrenzter. Es kann nicht jeder alternativ wirtschaften.

Ich finde ja, auch unsere Herzen haben ein Recht. Man muss erst mal auch sagen können, da ist mein Herz, da schlägt es und da ist es berührt. Und wir leben doch, damit wir ... ach, es tut mir so leid.

Tante: (weint) Glauben Sie mir, dass es mir auch weh tut, wie es ist!

Johannes: Ich meine, man würde es anders betrachten, wenn man jetzt sagen könnte, okay, dies hier würde für die nächsten zehn Jahre reichen. Dann könnte man sich mit der Situation abfinden.

Tante: Ich bin wirklich mit Leib und Seele für Landwirtschaft und ich tue noch soviel hier, auch neben meiner Büroarbeit, und mache das gerne hier. Nur ich habe schon manchmal zu Johannes gesagt, ich glaube, dir haben wir den bösesten Anteil angetan, wenn ich das sehe, wie es seinen Brüdern geht, dann denke ich vor allem, es ist alles so sinnlos. Das ist das Schlimme.

Johannes: Wenn man wenigstens wüsste, das ist der richtige Weg, aber wer sagt einem denn, ob in fünf Jahren das alles noch so richtig ist? Wer sagt einem denn das? Das ist ja das Schlimme.

Tante: Das ist alles nur mehr Kosten-Nutzen-Rechnung. Und das, finde ich, ist so schrecklich. Denn ich denke, ein Recht auf ein vernünftiges Einkommen bei dem, was an Vermögen eingebracht ist, haben wir doch eigentlich. Das kann uns doch keiner abstreiten. Und wenn der Betrieb noch die Größe hat wie unserer. Ich meine, wir wollen wirklich zufrieden sein mit unserer Situation, wie sie jetzt noch ist.

Johannes: Sie könnte schlimmer sein.

Tante: Ich sag immer, wenn ich so sehe, wie manche Betriebe, wo kein Einkommen reinkommt, wo die älteren Herrschaften dabei sind, wo die jungen Leute da sind, kleine Kinder haben, die bezahlen noch für alles.

Johannes: Ich denke mal, es wird sich in den nächsten Jahren zeigen, wo die Richtung hingeht. Ich denke auch, dass die Politiker oder zumindest jene, die noch so Berührungspunkte mit der Landwirtschaft haben, dass die eine wahnsinnige Angst haben über die Richtung, wo der Zug hinläuft. Die wissen ganz genau, eine Flächen deckende Landwirtschaft lässt sich in fünf Jahren nicht mehr durchsetzen. In der Hinsicht sind eigentlich die Maßnahmen, die jetzt gesetzt werden, richtig.. Dass halt auch jene Flächen, die nicht "anbauwürdig" sind, dass die eben halt bezuschusst werden, praktisch in Kultur zu bleiben. Das ist auch die Richtung, die ich für richtig halte. Wenn die Flächen sich nicht mehr lohnen, ich werd’s noch bearbeiten, der nächste nicht mehr. Der wird sagen, behalt sie, ich pachte nur das, das, das und das, mit dem Rest kannst du machen, was du willst, interessiert mich nicht.

Tante: Aber wo bleibt das Menschliche? Das Menschliche geht zu Grunde!


Anknüpfungspunkt für regionales Wirtschaften: Das Menschliche

Dieses Gespräch, aber auch ähnliche Begebenheiten zeigen mir/uns, dass es in der Warburger Börde [Die Warburger Börde ist eine Region in Nordrhein-Westfalen] nach wie vor eine Kultur der Wertschätzung des Bäuerlichen gibt, und daß die Leute hier ihr positives Gefühl zu den Dingen, die für das Leben grundlegend notwendig und nützlich sind, nicht verloren haben und auch nicht für das Wohlergehen der Nachbarn, nicht für die Tiere, die Pflanzen, den Boden, die Landschaft. Aber es bedarf der Wege, sie darin zu ermutigen - im Gegensatz zum herrschenden ökonomisch rationalistischen Wettbewerbsdiskurs. Ich bin überzeugt, dass die Stärkung des regionalen Wirtschaftens diesen anderen Werten mehr Raum bietet und umgekehrt, daß die Realisierung dieser anderen kulturellen Orientierung das regionale Wirtschaften stärkt.

 


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